TheStreet.com: Warum das Börsenportal Potential hat


New York, 27. Februar 2010

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Ich bin ein Fan von Jim Cramer. Der 55-jährige Börsenguru (mein Foto) hat optisch irgendwie gewisse Ähnlichkeiten mit Lenin. Cramer macht täglich seine verrückte Börsenshow Mad Money. Auch wenn ich nicht seinen Tradingstrategien zustimme, so ist doch seine durchgeknallte Sendung auf dem Wirtschaftskanal CNBC sehenswert. Aber vor allem finde ich seine Nasdaq-Firma „TheStreet.com“ hochinteressant. Es handelt sich um einen Finanzportalbetreiber. Zu dem Imperium zählen Websites wie Realmoney.com, Stockpickr.com, BankingMyWay.com, Rate-Watch.com oder MainStreet.com. Die Einnahmen teilen sich je zur Hälfte auf Abonnementgebühren und Werbeerlösen auf. Der durchschnittliche Kunde auf TheStreet.com ist bei den Werbetreibenden (Fluglinien, Banken, Autohersteller) sehr begehrt: Im Schnitt 46 Jahre alt, das durchschnittliche Haushaltseinkommen beträgt um die 100.000 Dollar, 88 Prozent gehört eine Wohnung oder ein Haus. Gegründet wurde TheStreet.com 1996 in New York. Im Jahr 1999 ging der Emporkömmling an die Börse. Damals waren Internetaktien heiß begehrt. In der Anfangseuphorie kostete die Aktie rund 46 Dollar. Mittlerweile ist die Notiz um 92 Prozent abgeschmiert.
Was war der Grund für den Absturz? Zum einen platzte die Börsenblase. Zum anderen ging in den zurückliegenden Jahren so alles schief, was nur schief gehen konnte. Der von Cramer installierte Vorstandschef Thomas J. Clarke brachte 2006 und 2007 eine Übernahme nach der nächsten in trockene Tücher. Er kaufte Internetportale für abenteuerliche Summen. Die Shoppingtour endete in einem Desaster. Clarke trat zurück und zig Millionen Dollar musste TheStreet.com abschreiben. Allein im ersten Quartal 2009 türmte sich der Konzernverlust auf 45,8 Millionen Dollar – dank der Abschreibungen auf die Zukäufe. Bei der erworbenen Tochter Promotions.com stellten sich sogar Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung heraus. Die Wirtschaftskrise tat ihr übriges. Auch operativ rutschte der Finanzportalbetreiber in die roten Zahlen. Die Kosten der Internetfirma, die an der Wall Street residiert, hat Cramer nun aber radikal eingedämmt. Auch sein eigenes Salär fällt geringer aus. Redakteure wurden gefeuert, ein Büro in Kalifornien wurde geschlossen. Ich habe in New York ein paar Bekannte, die für Cramer einst gearbeitet haben. Sie erzählten mir, dass die Firma nun schlank und rank ist. Sie sind auch erstaunt darüber, wie tief der Kurs gefallen ist.
Nun zeichnet sich offenbar der Turnaround ab. Der Aktienkurs hebt ab. Am Freitag legte der Titel um 5,4 Prozent auf 3,51 Dollar zu. Im Tief notierte das Papierchen schon bei 1,00 Dollar. Das war im Oktober 2001. Jetzt bringt das Nasdaq-Unternehmen wieder 110 Millionen Dollar auf die Börsenwaage. In der Kriegskasse liegen aber netto noch 63 Millionen Dollar. Cramer wacht über die Barmittel. Da darf ohne seine Zustimmung keiner mehr dran. Schulden sind Fehlanzeige. Insofern billigt die Wall Street dem Konzern nur 47 Millionen Dollar zu, wenn Sie die Marktkapitalisierung um das Cash bereinigen. 2008 gingen rund 70 Millionen Dollar Umsatz durch die Bücher.
Zu den Glanzzeiten verdiente die Firma operativ zwischen elf und zwölf Millionen Dollar. Die operativen Margen waren mit 20 Prozent prächtig. TheStreet.com glich einer Geldgrube. Ob es Cramer allerdings schafft, an die goldenen Jahre anknüpfen zu können, lassen wir einmal dahingestellt. Aber selbst wenn nur acht Millionen Dollar in den kommenden Jahren hängen bleiben sollten, wird die Firma mit einem Gewinnvielfachen von gerade einmal sechs taxiert (47 Millionen dividiert durch 8 = 5,8). Das ist sehr günstig. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von drei Prozent. Am 15. März legt der Vorstand die Jahresabschlusszahlen vor. Ich bin gespannt. Disclaimer: Ich besitze ein paar TheStreet.com-Aktien. PS: Es handelt sich leider nur um ein sehr kleines Päckchen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „TheStreet.com: Warum das Börsenportal Potential hat

  1. tim schaefertim schaefer

    Danke Werner für Deine Anmerkung. Ich muss jedoch zugeben, dass die Dividende derzeit aus der Substanz des Unternehmens bezahlt wird. Der Cashbestand ist riesig und Großaktionär Cramer braucht wohl ein paar Groschen. Dennoch befindet sich TheStreet.com kurz vor dem Turnaround.

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