„The American Dream“: Das brauchen wir Deutschen


New York, 17. März 2010

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Was mich immer wieder an den Amerikanern und Briten so fasziniert, ist deren Gründergeist. Deren Mut, was Neues zu machen. Der Mut eine Firma zu gründen oder einfach etwas auf gut Glück zu versuchen. Dahinter steckt natürlich immer die Idee, den großen Durchbruch zu schaffen. „The American Dream“ beinhaltet das Ziel, Millionär zu werden, ein tolles Haus zu besitzen und irgendwo am Strand ein Ferienhaus zu haben.
Das Platzen der Immobilienblase steht im direkten Zusammenhang mit dem „American Dream“. Denn die Amerikaner scheuen nicht die Risiken, sie fokussieren sich mehr auf die Chancen. Daher haben sie die Hypotheken in Kauf genommen und vor lauter Euphorie übersehen, dass die Zinsen ja steigen beziehungsweise der Wert des Eigenheims sinken kann. Wir hatten auch in Deutschland niedrige Zinsphasen, doch führte es bei uns nicht zu einer übertriebenen Nachfrage nach Betongold. Denn die Deutschen sind besonders vorsichtige Wesen, sie meiden Risiken. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen schon als Dreikäsehoch immer wieder von ihren Eltern gesagt bekommen, dass sie einmal später den Beruf des Vaters übernehmen sollen. Die lebenslange Karriere bei ein und derselben Firma scheint in Deutschland immer noch für viele erstrebenswert zu sein, weil sie Risiken eines Jobwechsels scheuen. Ich habe das Gefühl, dass viele der Deutschen in der Tat ihren Eltern beruflich in gewisser Weise folgen. Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, ist das jedenfalls in der Grundtendenz der Fall. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Es ist ja nicht verwerfenswert, doch zumindest interessant zu verfolgen.
In den USA habe ich schon viele Quereinsteiger getroffen. Bei einer großen Schweizer Bank kenne ich einen, der in der Vermögensverwaltung in New York arbeitet, obwohl er in jungen Jahren Schauspieler war. Die Amerikaner sind offen für Arbeitskräfte, die aus anderen Bereichen kommen. In Deutschland habe ich das Gefühl, dass immer in Schubladen gedacht wird. Nach dem Motto: Was will der bei unserer Bank, der war doch fünf Jahre lang Schauspieler? Dass Seiteneinsteiger ihren Charme haben, weil sie eventuell gewisse Dinge in der Arbeitswelt anders einschätzen, was zum Vorteil sein kann, wird dabei übersehen. Keine Nation hat nur Vor- oder Nachteile. Es ist nur die andere, offene Herangehensweise, die mir in New York sehr gefällt. Freilich hat der Kapitalismus auch seine Schattenseiten. Alles in allem finde ich jedoch dieses System sehr gut.
Großen Beifall ernten in den Vereinigten Staaten oder England Menschen, die es schaffen, aus dem Nichts ein Millionenvermögen aufzubauen. Bei den Freunden oder Bekannten scheint Neid, wenn es jemand wirklich schafft, gar keine Rolle zu spielen. Tief verankert ist dieser Gesellschaft für die Erfolgreichen: Etwas wieder an die Schwächeren zurückzugeben. Sie werden es sicherlich bemerken, wenn Sie in New York oder in einer anderen amerikanischen Großstadt unterwegs sind, dass die Leute sehr bereitwillig den Obdachlosen einen Dollar zustecken. Amerika ist die größte Spendennation der Welt.
Vor einem Jahr hat es in England etwa die arbeitslose Susan Boyle (Foto Wikipedia) geschafft, eine atemberaubende Karriere zu starten. Die damals völlig unbekannte 47-jährige trat bei „Britains Got Talent“ auf – vergleichbar mit „Deutschland sucht den Superstar“. Boyle wurde über Nacht zum Star, zur Multimillionärin. Ihr damaliger Auftritt wurde auf Youtube mittlerweile mehr als 89 Millionen Mal abgerufen. Selbst das britische Könighaus bewundert die Sängerin. Voller Hochachtung spricht man über sie im Buckingham Palace.
Oder nehmen Sie den Erfolg von Joanne K. Rowling. Die Britin war alleinerziehende Mutter, lebte von Sozialhilfe, als sie ihren ersten Harry-Potter-Roman schrieb. Nun hat sie mehr als 570 Millionen britische Pfund als Autorenhonorar verdient. Sie gilt seit 2004 laut dem Forbes Magazin als Dollar-Milliardärin und hat sogar Königin Elisabeth II. an Reichtum übertroffen. Vor Leuten wie Sängerin Boyle oder Bestsellerautorin Rowling haben die Angelsachsen große Achtung. Weil diese Leute es aus dem Nichts geschafft haben, rollt man in dieser Gesellschaft Neuankömmlingen oder Quereinsteigern auch keine Steine in den Weg. Jeder bekommt eine Chance. Beispielsweise ist doch die Grundidee hinter der „Green Card“-Lotterie, dass alle Erdenbürger, welcher Nation auch immer, in den USA eine Chance erhalten sollen. Ob Uni-Abgänger mit Prädikatsexamen oder Tellerwäscher. Diese Weltoffenheit vermisse ich manchmal in Deutschland. Schauen Sie sich nur das Youtube-Video von Susan Boyle an! Ihr Auftritt vor einem Jahr ist der Wahnsinn! Absolut sehens- und hörenswert.


tim schaefer (Author)

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