Teil 3: Auf was Value Investoren achten: Der wahre Gewinn


New York, 28. Oktober 2010

Heute möchte ich Ihnen kurz vorstellen, wie Sie gesunde Unternehmen identifizieren können. Es ist Teil drei meiner losen Folge mit dem Titel „Auf was Value Investoren achten“. Um den wahren Gewinn geht es dieses Mal. Das ist für Value Anleger eigentlich der Kernaspekt. Zunächst schaut ja bekanntlich jeder auf die Gewinnentwicklung und auf den Umsatz. Wenn hier die Kennzahlen über Jahre hinweg steigen, so geht man zu Recht von soliden Verhältnissen aus. Ich rate aber, zudem die Kapitalflussrechnung unter die Lupe zu nehmen. Denn der ausgewiesene Gewinn wird von vielen bewertungsrelevanten Aspekten wie Abschreibungen beeinflusst, die keine Auswirkungen auf das Cash haben. Am wichtigsten ist mir daher der Blick auf den operativen Cashflow. So können Sie feststellen, ob Ihre Lieblingsaktie wirklich so gesund dasteht wie es auf den ersten Blick erscheint. Nun ein paar Beispiele für schöne Cashmaschinen: Nehmen Sie Yahoo. Die Suchmaschine wächst zwar kaum noch, doch wirft das Kerngeschäft mit 1,3 Milliarden Dollar einen großen Batzen Barmittel ab. Bei einem Umsatz von 6,4 Milliarden Dollar ist das eine schöne Ausbeute. Oder nehmen Sie die New York Times. Umsatz und Ergebnis des Zeitungskonzerns sind zwar brutal eingebrochen, doch produziert der Medienkonzern immerhin eine Viertel Milliarde Dollar Cash Jahr für Jahr. Allerdings plagen recht hohe Schulden das Unternehmen, die Zinsaufwendungen fressen einen Teil wieder auf.
Astrein ist dagegen meiner Meinung nach die Kapitalflussrechnung bei Heinz. Nahezu 1,3 Milliarden Dollar Cash erwirtschaftete der Ketchuphersteller im vergangenen Geschäftsjahr. Sie können fast die Uhr danach stellen: Pro Jahr sprudeln mindestens 1,2 Milliarden Dollar in der Kasse (siehe Vorjahre). Da nur wenig investiert werden muss in das Geschäft, fließt ein Großteil des Geldes direkt an die Aktionäre zurück. Sie sehen hier schön, dass mehr als eine halbe Milliarde Dollar als Dividende an die Anteilseigner ging. Ganz abgesehen davon, macht der Vorstand von seinem Aktienrückkaufprogramm Gebrauch. Stark sind übrigens fast alle großen Lebensmittelhersteller. Pepsi generierte mit Sodadrinks und Chips voriges Jahr 6,8 Milliarden Dollar. Investiert wurden 2,4 Milliarden. Es blieb also genug übrig für die Aktionäre. Pepsi schüttete 2,7 Milliarden Dollar an die Aktionäre aus.
Bei Hotelkonzernen, Fluglinien oder Luxuslinern ist das anders. Sie erzeugen jede Menge Cash. Aber diese Biester brauchen es wieder für Renovierungen und Neuanschaffungen auf. Wenn die Hotels oder Kreuzfahrtschiffe in die Jahre kommen, will kein Mensch mehr hin. Daher sind ständig Milliardeninvestitionen nötig. Wenn Sie nun den operativen Cashflow um die Investitionen reduzieren, kommen Sie zum sogenannten Free Cash Flow. Dieser steht dem Unternehmen sozusagen frei zur Verfügung. Dieses Geld kann an die Aktionäre als Dividende ausgekehrt, für Aktienrückkäufe oder für Übernahmen verwandt werden. Hieran zeigt sich die wahre Ertragskraft einer Firma. Schauen Sie sich beispielsweise den Glückspiel- und Hotelgiganten Las Vegas Sands einmal an: Rund 600 Millionen Dollar Cash erwirtschaftete das Geschäft zuletzt. Investiert hat jedoch der Konzern zwei Milliarden Dollar, da bleibt unterm Strich nichts für die Aktionäre übrig. Auch in den Vorjahren investierte die Führungsspitze jeweils mehr als drei Milliarden Dollar. Das sind gigantische Summen, die erst einmal wieder eingespielt werden müssen. Komisch nur, dass der Aktienkurs von Las Vegas Sands wie verrückt nach oben läuft. Vielleicht beginnt ja jetzt die Phase der großen Ernte. Beim Kreuzfahrtriesen Carnival Corp ist das nicht anders. Da wird praktisch seit Jahren das erwirtschaftete Geld gleich wieder reinvestiert, im Grunde genommen geht der Aktionär fast leer aus. Dabei sehen die ausgewiesenen Jahresgewinne in Milliardenhöhe so verlockend aus. Der Schein trügt. Also passen Sie auf den Cashbedarf auf. Es gibt diese Biester, die einen gewaltigen Geldbedarf haben! Komischerweise wird in der medialen Berichterstattung auf diesen Aspekt gar nicht eingegangen. Was wir immer wieder in den Zeitungen finden, sind die Umsatz- und Ergebniszahlen. Der Cashflow scheint keinen zu jucken, dabei zeigt sich hier die wahre Gewinnstärke. Und Value-Anleger sind nun einmal geldgierige Wesen, die mit Cash ohne Ende gefüttert werden wollen. Wenn Sie in das Depot von Warren Buffett blicken, finden Sie die größten Gelddruckmaschinen: Coca-Cola, Procter & Gamble, Wal-Mart, ConocoPhillips, Johnson & Johnson und so weiter. Diese Unternehmen schütten gigantische Summen aus. Fazit: Ohne Moos nix los.
Teil 2: Auf was Value Investoren achten: Das Timing
Teil 1: Auf was Value Investoren achten: Der Cash Flow


tim schaefer (Author)

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