Studie: Wir können von den Shortsellern lernen


New York, 4. März 2011

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Ich möchte mich bei meinen Lesern bedanken, die für meinen Blog abgestimmt haben. Der Wettbewerb zum „Finance Blog of the Year 2011“ endet am Montag. Wer noch nicht seine Stimme abgegeben hat, der kann dies gerne für TimSchaeferMedia.com hier (!!!!) nachholen. Natürlich nur, wenn Ihnen mein Blog gefällt.
Nun zur Wall Street: Wie schnell sich der Dow Jones erholt hat und mit welcher Wucht, ist schon erstaunlich. Erinnern Sie sich an all die Weltuntergangspropheten, die vor einer Großen Depression warnten? Sie prophezeiten, dass das Weltfinanzsystem zusammenbricht. Sie fabulierten von einer Arbeitslosenquote von 30 oder 40 Prozent. All dies ist nicht eingetreten. Vielmehr wirkten die Selbstheilungskräfte des Marktes. Zudem halfen die Staaten und Zentralbanken rund um den Globus. Sie griffen aktiv ein und stabilisierten die Lage, sie stärkten das Vertrauen der Menschen. Gewiss hatten wir einen sehr kritischen Punkt erreicht. Wir waren kurz davor, dass Panik ausbricht. Aber anstatt panisch zu reagieren, besannen sich die Menschen. Es hätte es sich in dieser Phase gelohnt, am Aktienmarkt die abgestürzten Papiere einzusammeln. Die wenigsten haben das allerdings getan. Ich glaube, dass aus diesem Grund die Optimisten eine bessere Performance machen müssen.
Wie Sie am Chart des Dow-Jones-Indexes oben sehen, hat der Index das Vor-Krisen-Niveau des Jahres 2006 schon wieder erreicht. Mit Siebenmeilenstiefeln marschiert der Index auf das Allzeithoch bei 14.164 Punkten zu. Das Tief hatten wir bei rund 6.500 Punkten erreicht. Mit anderen Worten haben sich die Kurse seit dem Tief nahezu verdoppelt. Nun kommen wieder die Mahner zu Wort. Sie warnen davor, dass der Aufholjagd zu schnell über die Bühne ging und jederzeit ein Rückschlag drohen könnte. Natürlich kann das passieren. Damit müssen Sie immer rechnen. Aber die Rallye kann auch weiter gehen. Kein Mensch weiß, wie es kurzfristig weiter geht. Insgesamt ist der langfristige Trend des Dow Jones seit mehr als 100 Jahre eine einzigartige Wachstumsstory, die im Grunde von nur kleinen Rücksetzern unterbrochen wird. Da die Börse langfristig steigt, halte ich persönlich nicht viel davon, den Markt zu shorten, also „leer zu verkaufen“. Es handelt sich um eine kurzfristige Wette. Es ist wie beim Lotto. Es ist ein Glücksspiel. Wer das Leerverkaufen hingegen zur Absicherung seiner Positionen einsetzen will, kann dies natürlich tun. Nur kostet diese Absicherung Geld.
Eines können wir auf jeden Fall tun, selbst wenn wir nicht short gehen: Wir können von den Leerverkäufern lernen. Wenn die Profis, also etwa Hedgefonds, massiv auf den Absturz einer Aktie setzen, dann sollten Sie in der Tat aufpassen. Oft haben nämlich die Leerverkäufer zu Recht ihr Opfer herausgepickt. Meist ist das attackierte Unternehmen einfach zu teuer beziehungsweise etwas ist „faul“. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Mays Business School an der texanischen A&M-Uni hat herausgefunden, dass es sich lohnt auf die Shortseller zu hören. Wenn die Analysten vor Freunde jubeln und zum Einstieg raten, sollten wir ebenfalls nicht kaufen, sondern uns fern halten. Am besten ist es eine Aktie zu kaufen, wenn keine Analysten dafür werben und keine Shortseller im großen Stil aktiv sind. Das ist die Quintessenz der Studie. Kurz: Wenn es ruhig um eine Aktie geworden ist, ist der ideale Zeitpunkt zum Einsammeln. Diese Strategie klingt ganz nach der Value-Strategie des Warren Buffett. Zuletzt stand beispielsweise das Online-Filmverleiher und DVD-Versender Netflix unter Druck. Shortseller hatten sich positioniert, nachdem die Aktie wie verrückt gestiegen war. Hier finden Sie eine aktuelle Liste mit Aktien, die extrem an der Wall Street geshortet werden. Achtung vor diesen Titeln! Das ist ein heißes Pflaster. Auf jeden Fall nichts für schwache Nerven. Die Kurse sind extrem schwankungsanfällig. Es handelt sich um eine Liste mit „schwarzen Schafen“, zumindest sind diese Firmen umstritten. Ob zu Recht oder zu Unrecht, lasse ich einmal dahingestellt. Wo Rauch ist, ist auch Feuer, sagt der Volksmund.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Studie: Wir können von den Shortsellern lernen

  1. Christoph Mischke

    Hallo Tim,
    besten Dank für den interessanten Artikel. Vor allem den Hinweis auf die Liste der extrem geshorteten Aktien finde ich sehr wertvoll. Gibt es solch eine Liste auch für europäische Werte? Meine Suche war bisher leider nicht von Erfolg gekrönt.

    Herzliche Grüße
    Christoph Mischke

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Christoph, danke für Deine Rückmeldung. Mir ist leider keine Liste mit Leerverkäufen in Deutschland bekannt. Das Melde-System funktioniert über dem Atlantik anders, das hängt wohl damit zusammen.

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