Endet das Börsenfernsehen für immer? Nichtstun zahlt sich aus


New York, 13. September 2014
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Bildschirmfoto: Quelle CNBC.com

Herrscht bald Funkstille beim einst führenden US-Börsensender CNBC? Jedenfalls befindet sich CNBC im freien Fall. Es schauen nur noch 28.000 Menschen in der Zielgruppe täglich zu. Das ist ein 21-jähriges Rekordtief. Die Zahl ist wirklich minimal für ein so großes Land wie die USA.

Ich finde Börsenfernsehen ist manchmal wie Gehirnwäsche. Es wird viel dummes Zeug erzählt. Aufgrund von solchen TV-Berichten würde ich niemals mein Depot verändern. Niemals.

Ohnehin zeigen Studien: Börsianer, die ihr Depot nicht Jahrzehntelang anrühren, schneiden am besten ab. Das hat Fidelity herausgefunden. Kunden, die vergessen hatten, dass sie bei Fidelity ein Depot haben, hatten die beste Performance.

Ist das nicht herrlich? Nichtstun ist Königsklasse. Aktivität schadet höllisch. Wenn also die Fidelity-Auswertung tatsächlich zutrifft, ist das sogenannte „Rebalancing“ ebenfalls schädlich.

Fazit: Buy and Hold ist King. Wir Menschen suchen immer Gründe, um aktiv zu werden an der Börse. Dabei ist es viel besser, wenn Sie Schlaftabletten nehmen und Ihr Depot ganz vergessen. So wie es uns André Kostolany geraten hat:

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Endet das Börsenfernsehen für immer? Nichtstun zahlt sich aus

  1. Ulrich

    Das Börsenfernsehen wird einfach zunehmend vom Internet verdrängt. Und nicht etwa, weil die Menschen das Nichtstun an der Börse für sich entdeckt haben.

    Wobei sogar im „börsenfeindlichen“ Deutschland Börsensendungen wie z.B. die Telebörse nach wie vor sehr prominent im Tagesprogramm von n-tv präsent sind. Da ist also offenbar durchaus noch Bedarf / Resonanz vorhanden.

    Aber klar: reines Börsenfernsehen den ganzen Tag hat es schwer. Ein ähnliches Schicksal haben schon die Musiksender hinter sich, die sich inzwischen auf andere Inhalte konzentrieren.

  2. Alois

    Was das Börsenfernsehen anbelangt und ich denke, Tim sorry, den Printmedien im Börsenbereich wird es ähnlich ergehen, so ist der Hype wohl vorbei. Die Zuschauer haben das wohl auch gemerkt, dass die Kurse nicht dadurch steigen, dass man sie den ganzen Tag vor Augen hat. Wenn ich überlege, wie viele Börsenmagazine in deutscher Sprache es gegeben hat, so sieht man ein deutlich nachlassendes Interesse. Selbst die altbackene  Tagesschau – denke ich – hatte mal Börsenkurse durchlaufen lassen. Jetzt gibt es noch das Börsenstatement „fünf vor acht“ ind der ARD mit oft hanebüchenden Kommentaren  über den DAX, der „abgestürzt ist“ usw. wenn er mal 1 % nachgeben hat.

    Und auch, wenn ich den zehnten Artikel über die Apple-Aktie lese, den elften Analystenkommentar wird das nichts ändern. Das Informationsrauschen ist kein Beitrag zur finanziellen Bildung. Da sind viele Blogs, insbesondere der hier, besser geeignet, weil sie nicht reißerisch auf Modethemen springen müssen.

    Ich glaube inzwischen auch, dass Rebalacing ein Märchen der Finanzindustrie ist. Ich gebe jedenfalls meine besten Aktien nicht her und habe in vielen Fällen festgestellt, die laufen weiter. Und gerade dann macht sich der „Zineszinseffekt“ so richtig bemerkbar. Ich habe inzwischen auch sämtliche Börsenbriefe wieder abbestellt.

  3. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Moin! Ich würde erstmal geklärt haben wollen, was man denn wirklich unter Rebalancing versteht. Ich habe es bisher so verstanden, dass man sein Gesamtportfolio nach einer festgelegten Gewichtung ausrichtet. Einer will vielleicht 5 Klassen à 20%, z.B. Aktien-Anleihen-Immobilien-Edelmetalle-Rohstoffe. Jemand anders will vielleicht etwas mehr Aktien und nimmt davon 40%, 35% Anleihen und 25% Gold usw… Je nach Anlegertyp wird gewichtet. Wenn ich fremdes Vermögen zu verwalten hätte, dann fände ich eine 100% Aktiengewichtung natürlich für absolut unverantwortlich. Sollte dann eine Anlageklasse stark seine Gewichtung verlassen, dann muss das wieder ausgeglichen werden (schwächeren Sektor aufstocken, und/oder zu stark gelaufenen abbauen, je nachdem). Dass der Sektor Aktien natürlich in sich selbst so ordentlich geführt wird wie es nur geht und man es vermag, ist ja selbstredend.

    Eine ständige Rebalancierung des Aktiensektors in sich würde ich persönlich nicht aus Prinzip machen, da man den automatisch mit seinen Vorlieben und Erwartungen nach bestem Wissen und Gewissen füllt.  Bei mir überwiegen z.B. auch Finanztitel deutlich. Die bringen einfach das meiste ein. Buffetts Portfolio ist ja auch mit über 45% Finanztiteln gewichtet.

    MS

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Blogger und Vermögensverwalter Barry Ritholtz bestätigt ja genau das gleiche: Nichtstun führt zu einer außergewöhnlich guten Performance. So hat Ritholtz beobachtet, wenn nach dem Tod eines Familienmitglieds sich die Erben vor Gericht 10 oder 20 Jahre lang streiten und das Depot in dieser Zeit unangetastet bleibt, ist es das Beste, was dem Depot passieren kann. Aufgrund der Inaktivität war die Performance die beste, die diese Leute jemals beobachtet haben. Fazit: Lasst Eure Depots wie einen alten Schinken einfach liegen. Oder wie einen Bourbon: Je älter das Fass, desto wertvoller.

    http://www.dailyfinance.com/2014/09/10/investing-success-secret-amnesia/?a_dgi=aolshare_twitter

  5. Markus

    Rebalancing ein Märchen??? 😉

    Wissenschaftliche Studien sind anscheinend doch / noch zu schwere Kost…

     

  6. Der Couponschneider

    Bekannt ist auch, wenn ein Fernsehsender seine Felle davonschwimmen sieht, dann setzt er auf junge hübsche Damen. Das Foto passt dazu.

     

    Ich halte Börsenfernsehen für Blödsinn. Auch Nachrichtenkanäle konsultiere ich nicht. N-TV und N24 sind doch niveaulos. Seltsam finde ich, dass meine Kollegen, die gar keine Aktien haben, das Programm der beiden Sender durchaus kennen und schätzen.

  7. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Markus

    Zu den Nachteilen/Gefahren des Rebalancing gibt es Studien. Selbstüberschätzung/Fehler kommen beim „Rebalancing“ natürlich genauso vor. Und die anderen Nachteile der Aktivität (Gebühren, Steuern, Kurs-Lücke zwischen Bid und Ask) spielen ebenfalls eine Rolle.

     

    Hier sind 80.000 Depots untersucht worden zwischen 1984 und 2007, die von Profis gemanagt wurden. Das Fazit der Studie: „Results show that plan sponsors may not be acting in their stakeholders‘ best interest when they make rebalancing or reallocation decisions.“

    http://www.cfapubs.org/doi/pdf/10.2469/faj.v65.n6.4

  8. Geld schläft nicht - Blog

    Hierzulande gibt es ja auch Börsenfernsehen. Manches davon wird inzwischen nur noch über das Internet ausgestrahlt, weil die Zuschauer weg blieben. Ich hab das anfangs mal geschaut, war aber dann auch recht schnell genervt von dem ewigen Hin- und Her. Erst eine Kaufempfehlung und eine Woche später dann die Empfehlung zum Verkauf. Genauso ist es bei den großen Börsenzeitschriften. Ich finde die Sender und die Verlage machen sich ihr Geschäft selbst kaputt bzw. werden schnell unglaubwürdig.

  9. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Vielleicht doch noch paar Worte zum Rebalancing. Ich glaube, das wird hier mit Market-Timing verwechselt. Es geht nicht darum, Tiefs und Hochs zu handeln, sondern Tiefs und Hochs im Portfolio eher zu glätten, und sich weniger zu kümmern. Dafür gibt es z.B. das „Permanent Portfolio“ (als Mutual Fund: http://www.permanentportfoliofunds.com/) nach Harry Browne.  Die Aufteilung sieht man hier: http://www.permanentportfoliofunds.com/pdfs/perm/PRPFX.pdf

    Man kann natürlich sein eigenes Portfolio nach so einer Theorie zusammenbasteln, wenn man es sich zutraut. Gold kann man als Xetragold kaufen, Immobilien als REITs, Anleihen und Aktien als ETFs oder CEFs usw.

    Es geht dabei nicht darum, irgend einen Index schlagen zu können, sondern eine möglichst „risk averse“ Methode zu finden. Mir persönlich bringt es nichts, da ich auf Erträge stehe, dafür muss ich aber auch mit mehr Risiko leben. Obwohl, REITs und paar Alibi-Gramm Xetragold habe ich ja auch.

    MS

  10. wirtschaftswaisewirtschaftswaise

    Ich finde die „Börse vor Acht“ in der ARD ganz „tapfer“ gemacht. Es ist ja schon redlich, dass die ARD einem solchen Randgruppenthema (gemessen am Interesse der Deutschen an der Börse) regelmäßig einen SO populären Platz im Programm einräumt. So mancher Sachverhalt wird da in gefälligen Schaubildern einem finanziell fast durchweg ungebildeten Publikum dargebracht.

    Auch ich stolpere aber regelmäßig über so manchen Unsinn, der dort verzapft wird; so spricht man z.B. nach wie vor von der sog. „Euro-Krise“ statt der „Staatsschulden-Krise“ (wenn unsere Währung Muscheln wäre, so sprächen die wahrscheinlich von der „Muschel-Krise“) u.ä.

  11. Benedikt

    Lese seit ein paar Wochen passiv mit.

    Zwei Gedanken/Fragen kommen mir regelmäßig, wenn ich die Artikel & Kommentare lese:

    – Ist es sinnvoll auf diesem Niveau noch für Aktien zu trommeln?

    – Wissen „Anleger“, wie der Kommentator Matthias Schneider, was sie tun und verstehen sie die tatsächlichen Risiken?

    Im Bullenmarkt ist natürlich jeder ein Genie, aber ein Portfolio mit 50, 60, 70% unter Wasser fühlt sich in der Realität ganz anders an als die guten Vorsätze in der Theorie.

    Nichts für ungut. Jeder, wie er mag und der größt mögliche Erfolg für alle.

     

     

  12. StefanStefan

    @ Der Couponschneider

     

    Hehe, das stimmt. Kann man auch bei Sky beobachtet. Die Fussballreporterinnen sind alle heisse Geräte. Allerdings find ich das eher unpassend an dieser Stelle da ich denen einfach keine Kompetenz zutraue…

     

    Die Diskussion mit dem Kaufen und Liegenlassen hatte wir hier ja schon oft. Es müssen dafür aber definitiv die richtigen Aktien sein, die man nie mehr verkaufen muss. Die herauszufinden ist ja gerade die große Kunst…oder wer hätte gedacht, dass eine Eon oder Telekom dermaßen an Wert einbüssen könnte. Oder auch eine Deutsche Bank. Ich weiss noch wie die damals bei 80 € stand und alle dachten die ist jetzt aber saubillig…

     

    Von Börsenfernsehen halte ich schon jahrelang gar nix. Ganz entsetzt war ich dann als N24 diesem Verbrecher Markus Frick noch eine eigene Show gegeben hat und ihm so eine Plattform bot für seine kriminellen Machenschaften. Dabei war das damals schon deutlich zu erkennen, dass der winzig kleine, unbekannte Unternehmen hochjubelte…

  13. Alois

    @ Benedikt

    Im Prinzip stimme ich zu, nach 5 Jahren Bullenmarkt und 100% DAX-Anstieg entsteht der Eindruck die Börse läuft ewig so weiter. Trotz aller geopolitischer Krisen gibt es kaum mehr als einmal einen kleiner Rücksetzer von 10 %. Wer länger dabei ist, weiß, es geht auch anders!

    Die Frage ist nur, was wäre die Alternative zur Börse, wenn man sein Geld arbeiten lassen und fürs Alter vorsorgen will? Ich weiß keine! Da wir immer nur aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen können, muss man sagen, bisher haben die Börsen alle Rückschläge (einschließlich Weltwirtschaftskrisen, Weltkriege, Terroranschläge, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw.) wieder aufgeholt. Hoffen wir, das es so bleibt!

  14. Couponschneider

    @Wirtschaftswaise

    „Börse vor acht“ kann man sich eigentlich schenken. Ich brauche die Sendung nicht, zudem setzt sie den Fokus völlig falsch und den Zuschauern, die eigentlich wegen der Tagesschau einschalten, interessiert es nicht und die bekommen auch noch ein völlig falsches Bild von der Börse geliefert.

    Es geht nicht ums Zocken und Tageskurse. Wenn die ARD wirklich etwas wichtiges für den Wohlstand dieses Landes beitragen möchte, sollen sie doch entsprechende Dokumentation und Reportagen, wie man mit Geld umgeht, d.h.

    – Versicherungen richtig auswählen,

    – Sparen und Versicherung trennen,

    – Sparen in Aktien mit langfristiger Perspektive

     

    Stattdessen hört überall: Aktienmarkt sei ein Casino, Aktionäre seien Zocker, sicher wären nur Betongold, Lebensversicherungen und Riesterrenten. Diese Mythen muss man bekämpfen.

    Man findet vereinzelt richtige und wichtige Beiträge, z. B. in Plusminus. Aber diese Sendung schauen nicht viele und sie konkurriert am Mittwochabend gegen die Champions League. WISO mag ich nicht. Vor zehn Jahren ging es denen nur darum, wo man staatliche Förderung (Bauförderung, Wärmedämmung, Altersvorsorge, Solarförderung etc.) abgreifen kann. Es ging nie um Investitionen, die sich von alleine tragen könnten. Die Riesterrente bekam anfangs viel mediale Rückendeckung. Ich erinnere mich genau, wie die Reporter die Versicherungskonzerne dafür kritisierten, dass die Riesterprodukte nicht stark genug beworben worden. Jetzt kritisieren diese Reporter die Riesterrente als Abzockprodukt und die Konzerne, frei nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“

    Tatsache ist: Die Riesterrente ist wie jede zusätzliche private Rentenversicherung Unfug. Wir haben die gesetzliche Rente gegen das Langlebigkeitsrisiko, es gibt Betriebsrenten gegen das Langlebigkeitsrisiko, wozu also noch eine dritte Versicherung gegen das Langlebigkeitsrisiko? Das ist in etwa so, wenn man sich Coca Cola, PepsiCo und Dr. Pepper ins Depot legt. Und inflationssicher ist sowas auch nicht.

    Und genau das hätte man schon vor zehn Jahren mit wirtschaftlicher Vernunft erkennen müssen. Wenn ich das schon erkenne. Wirtschaft und Finanzen sind für mich nur ein Hobby; studiert habe ich Informatik. Dennoch ist diese Erkenntnis seit Jahren Teil meiner Investitionsphilosophie, weil es doch so schrecklich banal ist.

     

  15. wirtschaftswaisewirtschaftswaise

    @Benedikt

    „Ist es sinnvoll auf diesem Niveau noch für Aktien zu trommeln?“

    Ich sehe keine echten Alternativen. Nimm‘ einen Langzeit-Chart von Dax oder Dow (10, 15 Jahre) und du siehst, dass es langfristig immer nach oben ging. Den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg gibt es immer nur im nachhinein. Das ist auch der Grund dafür, dass ich das mir zur Verfügung stehende Kapital nicht auf einmal investiere, sonder dafür mehrere Jahre vorgesehen habe.

    „Wissen “Anleger”, wie der Kommentator Matthias Schneider, was sie tun und verstehen sie die tatsächlichen Risiken?“

    In meinem Depot und auf meiner Einkaufsliste sind Aktiengesellschaften, die z.T. seit über 100 Jahren Dividenden Zahlen. Auch über zwei Weltkriege hinweg. Ein so ‚modernes‘ und vermeintlich sicheres Produkt wie die Lebensversicherung jedoch ist schon heute völlig kompromittiert. Nur 13% der deutschen Verträge werden zu Ende bespart. Niemand versteht alle Vertragselemente und wie man in den letzten Monaten gesehen hat, schrecken die Regierenden selbst davor nicht zurück, bestehende alte Verträge im Nachhinein zu plündern. SOWAS nenne ich ein tatsächliches Risiko.

    „Im Bullenmarkt ist natürlich jeder ein Genie, aber ein Portfolio mit 50, 60, 70% unter Wasser fühlt sich in der Realität ganz anders an als die guten Vorsätze in der Theorie.“

    Siehe oben. Nichts hätte ich mir im August mehr gewünscht als einen echten Crash. So blieb es bei einer Korrektur von nur gut 10%. Ich werde weiter regelmäßig in (meist dividendenstarke) Aktien investieren und mich über jede günstige Gelegenheit, die sich durch das auf und ab ergibt freuen.

    „Nichts für ungut. Jeder, wie er mag und der größt mögliche Erfolg für alle.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen!

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