Sparen und Investieren: Es kommt auf die Cashflüsse an


New York, 13. Juli 2014

Eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen ist eine Herausforderung für viele Menschen. Ein Problem ist das typische Konsumverhalten. Es stimmen die Prioritäten nicht. Ich sehe es so oft. Ich hatte meinen ersten Job, da war ich 15. Zeitungsausträger. Meine Eltern sagten mir damals: „Wenn Du die teuren Schuhe und den Gürtel willst, musst es selbst bezahlen.“

Als ich sah, wie hart es ist bei jedem Wetter frühmorgens mit dem Fahrrad die Zeitungen auszufahren, erkannte ich, was es bedeutet, Geld zu verdienen. Es ist kein Zuckerschlecken. Nach der Schule fuhr ich mit dem Rad zu McDonalds. Arbeiten.Anstatt teure Markenklamotten zu tragen, gingen meine Mutter und ich zu C&A. Wobei in der Schule die sparsamen Kinder oft ausgelacht wurden: Wer Sachen von Aldi oder C&A hatte, war out.

Als ich aufwuchs, lebten meine Eltern sehr bescheiden. Sie hatten eine Dachwohnung in einer kleinen Stadt gemietet. Meine Mutter nähte nebenher. Sie kürzte Hosen für die Nachbarn, um über die Runden zu kommen. Wir gingen immer auf den Campingplatz. Ein Highlight war, als wir das Wohnmobil von Freunden ausleihen konnten. Es hatte Funk an Bord und hieß „Brauner Bär“. Die LKW-Fahrer funkten uns an – das war als Kind aufregend. Statt in den Urlaub zu fliegen, setzten mich meine Eltern in den Bus. Es dauerte ewig, bis ich in Athen war. Das Flugticket war zu teuer.

Neben meinem Studium arbeitete ich in einer Fabrik (Frühschicht), in einem Marktforschungsunternehmen, für eine Regionalzeitung.Ich setzte meine Schwerpunkte anders. Ich sparte einen Großteil meines Einkommens.

Seitdem ich den ersten Nebenjob hatte, spare ich schon. Ich hatte ein Ziel: „Du kannst Dir nicht gleich alles kaufen. Warte ab und entscheide später, wenn Du es Dir leisten kannst.“ Ich dachte mir: „Warum kaufen so viele Leute immer alles sofort, was sie sich wünschen. Das kann langfristig nicht gut gehen.“

Lebemenschen haben immer Ausreden, wenn Sie konsumieren. Sie bezeichnen zum Beispiel ihr neues Auto als einen Wertgegenstand. Ich sehe darin reinen Konsum. Ein wahres Asset erzeugt in meinen Augen positive Cashflüsse. Das ist zum Beispiel bei einer vermieteten Wohnung der Fall. Oder bei Dividendentiteln. Ein Auto generiert negative Cashflüsse: Benzin, Reparatur, Steuern, Kaufpreis, Gebühren (TÜV), Wertverlust (indirekt).

Außerdem gibt es Leute, die behaupten, ihr Eigenheim sei ein wertvolles Asset, das im Wert steigen würde. Mag sein. Über die Einzelheiten kann man sich streiten. Etwa können wir über die Opportunitätskosten endlos diskutieren.

Anstatt in einem übergroßen Haus zu residieren, kann man genauso gut auf kleinerem Fuß leben. Ich finde, bei den eigenen vier Wänden kommt es auf Größe und Ausstattung an. Eigenheime werden stetig größer. Dabei kostet jeder Quadratmeter extra eine Stange Geld – gerade in Innenstadtlagen der Metropolen. Nebenkosten (Heizung), Erhaltungsaufwand, Steuern, Putzen…Lebemenschen behaupten, ihre neue Einbauküche habe zu einer erheblichen Werterhöhung ihres Eigenheims beigetragen. Dabei generiert die Küche keinerlei Cashflows, sondern sie wird abgenutzt, verliert schnell an Wert. Das gleiche gilt für neue Bäder.Ich finde, die Prioritäten stimmen oftmals nicht. Assets sind nicht gleich Assets. Sparen ist nicht gleich Sparen.

PS: Auf dem Foto oben sehen Sie eine Brücke mit einer Welle für das Elbhochwasser von 2002.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Sparen und Investieren: Es kommt auf die Cashflüsse an

  1. Dmitri

    Echt schön zu lesen! Deine Geschichte gleicht sich meiner und ist mir wie aus dem Leib geschrieben. Vielen Dank! Auch ich hatte meinen ersten Job als Zeitungsausträger. Später jobbte ich in den Sommerferien bei McDonalds zur Sommerferiensaison an einer Autobahnraststätte. Bei glühender Hitze am Patty-Grill und Kindergeschrei. Das war hart!

    Gut, dass meine Mutter mich ständig dazu animierte, einen Großteil des Geldes sofort zur Bank zu bringen. Solange ich noch zu Hause wohnte und keine Kosten hatte, sammelte sich im Laufe der Zeit eine Menge an Kohle an. Dank meiner Mutter kenne ich das Sparen seit den Kindheitstagen. Das gehörte einfach zum Leben dazu. Bis heute! Und das ist gut so.

    Markenklamotten ja, ab und zu, doch war das nie ein großes Thema. Die Sachen sollten einfach gut sitzen. C&A, h&m, NKD tuens doch auch! Wie gesagt, solange die Sachen gut sitzen…!

    Ich denke nämlich, nur wer das Sparen im Griff hat, dadurch ein kleines und großes Vermögen anhäufen kann, kann dementsprechend erst über das Investieren nachdenken. Das „richtige“ Sparen, wie du schön beschrieben hast, ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Investitionsgeschichten. So denke ich zumindest.

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Dmitri,

    ja, McDonalds war ein hartes Brot. Am Schlimmsten war die Pommesstation. Ich verbrante mir oft die Hände. Das Fett sprühte in alle Richtungen. Am Abend auf dem Heimweg roch alles so eklig-fettig, fast ranzig.

    Mein Vater wechselte irgendwann den Job. Als es finanziell viel besser lief, kauften meine Eltern ein Haus. Als eine Hochzinsphase begann, bereitete ihnen aber plötzlich die Hypothek Probleme. Es war ein ständiger Kampf, den Monat zu überstehen. Wenn Du das als Kind erlebst, ist das eine Lektion fürs Leben. Grüße Tim

  3. Dmitri

    Hallo Tim,

    oh ja, als ob es gestern gewesen wäre. Bei mir war noch eine riesige Diskothek ansässig. Teilweise habe ich nachts gearbeitet. Und wenn dann am Wochenende die Landjugend aus der Diskothek in die Filiale zum Bauchstopfen strömt, die Kassiererin an der Front laut nach hinten in den Background: „Bus, Buussss!“, schreit, erschauert erst mal die Mimik und beginnt das Zittern. Besonders dann, wenn die Filiale nach dem internen Controlling-System drei Mann (und Frau) unterbesetzt läuft.

    Aus meinem Bekanntenkreis haben etwaige Freunde und Verwandte ein Eigenheim gekauft oder gebaut. Und ich merke einfach, dass viele daran fast ersticken. Einige mussten ihren Traum schon wieder aufgeben. Die Last war einfach zu groß. Irgendwann, wenn vor lauter Eigenheim kein Geld für die nötigsten Dinge des Lebens bleibt, ist es genug.

    Und wenn man so etwas sieht und sogar selbst erlebt, wie in deinem Fall als Kind „die Hypothekenprobleme“ und „den Monat überstehen“, dann ist das eine wahre Lektion fürs Leben. Das kann ich echt gut nachvollziehen. Es heißt ja: „Das Leben ist die beste Schule!“ Lg Grüße

  4. StoikerStoiker

    Hallo Tim,

    ein schöner Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Auch mir ging das Sparen schon als Kind in Fleisch & Blut über.

    Schwierig ist sicherlich eine Grenze zwischen sinnvollem Sparen = Konsumverzicht & angenehm Leben zu finden. Es geht ja nicht darum sich zu geisseln, aber ob es 2-3 mal am Tag der Double Tall Caramel Macchiato für je 5,- sein muss etc.

    Ich bin beispielsweise leidenschaftlicher Läufer. Wichtig ist mir ein gutes Paar Laufschuhe, aber ob mein Laufshirt 10 Jahre alt ist oder 5 Euro gekostet hat, ist mir egal. Wenn ich andere Läufer unterwegs sehe, mache ich mir manchmal den Spaß deren Outfit zusammen zu rechnen. Oftmals korreliert deren Fitnesszustand negativ mit dem Preis ihres Outfits.

    Weiter so! Du kannst es nicht oft genug wiederholen.

    Grüße aus dem Land des Fußballweltmeisters:-)

  5. Tino

    kenne auch ein Beispiel, wo Maßlosigkeit zur bitteren Kehrtwende im Leben einer ganzen Familie geführt hat. Der Mann Alleinverdiener. Großspurig wurde erst ein Einzelhandel zum doppelten Eigenwert innerhalb der Familie abgekauft, dann dazu noch ein großes Haus finanziert, sündhaft teure Elektronik, Goldschmuck immer zu Feiern präsentiert, praktisch alles auf Zero gesetzt. Der Einzelhandel stagnierte bald, bedingt durch Discounter, Online-Handel und andere Faktoren. Am Geschäft wurde eisern weiter festgehalten, trotz der frappierend schlechten wirtschaftlichen Lage, viel zu hoher Kredittilgungsraten. Dazu dann noch die Hypothek, die nicht mehr bedienbar war. Das Haus verfiel über Jahrzehnte, am deutlichsten an der Außenfassade sichtbar. Es wurde sogar um Kredit bei Verwandten und Familienangehörigen gebettelt. Dann war die Familie jedes Wochenende Zeitungen austragen inkl. der Kinder, bald wurde Kontakte abgebrochen, weil man sich schämte in Gesellschaft mit Leuten im bescheidenen Wohlstand, die kein Haus haben, keinen eigenen Laden, aber zufrieden sind. Hätte man frühzeitig umgedacht, den Krempel abgestoßen, Privatinsolvenz angemeldet, dann wäre die Familie wahrscheinlich nicht in der dauerhaft bitteren Lage. Aus Fehlern sollte man zumindest lernen, unser Staat ermöglicht ja einen Neustart auch für Erfolglose.

    Es ist die Umkehrung dessen, was ich mir vorstelle, erst reich dann arm. Etwas mehr Bescheidenheit, kontinuierliches Sparen und trotzdem zufrieden leben und die Belohnung kommt später oder auf dem Weg immer wieder von selbst. Als Kind habe ich mir auch teure Computer, Stereoanlage selbst finanziert, war bei einer Zeitarbeitsfirma jobben, auch mal in dunklen Fabrikhallen, auf dem Bau, als Kurier später gefahren usw. So bekommt man eine gesunde Wertevorstellung.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Stoiker
    @ Markos
    @ Tino
    @alle

    Danke für die vielen tollen Zuschriften. Ja, super wir sind Weltmeister. Das ist klasse.

    Zum Thema Sparen versus Konsum: Es ist in unserem eigenen Interesse wenigstens etwas zu sparen. Es geht um uns. Um unser finanzielles Wohlergeben. Der gesunder Menschenverstand sagt uns ja: „Mensch. Kümmere Dich drum! Verdammt noch mal. Oder willst Du die Altersarmut erleben?“

    Das ist ja im Prinzip das gleiche beim Rauchen: Wer möchte Krebs kriegen und seine Zähne verlieren? http://www.welt.de/gesundheit/article7485482/Rauchern-fallen-mehr-Zaehne-aus.html

    Es ist das gleiche beim Saufen. Wer will sein Gehirn verlieren? http://www.alk-info.com/index.php/gesundheit-hm/328-alkoholdemenz-alkohol-und-gehirnzellen-alkoholmissbrauch-dr-martin-kurz

    Es kommt auf das Ausmaß an. Wir können natürlich mal ein Glas Wein oder Bier genießen. Aber nicht regelmässig das Zeug wegbechern. Genauso beim Konsum. Konsum in Maßen ja, aber nicht wie im Rausch.

    Ich glaube, der Mensch lernt dazu. Hoffen wir es. Deswegen schreibe ich ja die Website. Ich möchte zum Nachdenken anregen.

  7. Harald Frohnwieser

    Lieber Herr Schäfer,

    danke, dass Sie den Artikel meines Mitarbeiters Werner Schneider über den Abbau des Gehrins bei regelmäßigem Alkoholkonsum gepostet haben. Unsere Website will über die Gefahren des Alkoholmissbrauchs informieren ohne den Genuss von Alkohol zu verteufeln. Ich glaube, dass wir damit richtig liegen, denn immerhin können wir etwa 170.000 Seitenaufrufe pro Monat verbuchen, etwas mehr als ein Drittel kommt übrigens aus Deutschland. Alkoholismus ist freilich nicht nur ein gesundehitliches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem, wenn man die Kosten (Arbeitsausfälle, Krankenstände, frühzeitige Pensionierung etc.) miteinberechnet, die diese Krankheit verursacht.

    Ich persönlich finde Ihre Seite auch für Menschen, die wirtschaftlich weniger firm sind, sehr interessant. Ich werde nun öfter bei Ihnen reinschauen.

    Liebe Grüße aus Wien

    Harald Frohnwieser

    Chefredakteur

    Alk-Info

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Lieber Herr Frohnwieser,

    ich wollte einfach eingehen auf das Thema "Mäßigung". Vorsicht und Weitsicht sind hilfreiche Werkzeuge. Wir haben alle nur ein Leben. Ob es um übermässigen finanziellen Konsum, Alkoholgenuss oder um die Raucherei geht, Mäßigung ist eine gute Sache. Ihre Website gefiel mir gut, daher setzte ich den Link. BG

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