Rohstoffpreise im freien Fall


New York, 22. Juni 2012

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Am Donnerstag rauschte der Dow-Jones-Index um 250 Punkte in die Tiefe und landete bei 12.575. Das entsprach fast einem Minus von 2 Prozent. Ein schwarzer Tag in New York! Dabei lachte die Sonne. Es handelte es sich um einen der heissesten Tage in Manhattan in diesem Jahr.
Nicht nur die Aktienkurse stehen unter Druck. Seit Wochen und Monaten purzeln auch die Rohstoffpreise. Ob Kupfer, Blei oder Zink, ob Kakao, Mais, Kaffee, Kautschuk, Öl oder Erdgas – alles befindet sich im Sinkflug. Heftig ist zum Beispiel Baumwolle abgestürzt, der Preis halbierte sich binnen Jahresfrist. Silber schlug zwei mal bei ca. 28 Dollar je Unze auf. Das können Sie hier im Chart gut sehen. Ich dachte, das muss das untere Ende sein. Daher riet ich Mitte Juni, den Silberkonzern Silver Wheaton als Investment ins Visier zu nehmen. Doch nun geriet am Donnerstag die Silbertaxe erneut ins Rutschen. Mit meiner Turnaround-Spekulation lag ich daneben, wobei sich Langfristanleger von einem solchen Kursrutsch nicht verunsichern lassen. Das Foto oben machte ich in einer neuen Silbermine in Mexiko. Hier wird beinhart gearbeitet.
Im Endeffekt findet doch niemand den perfekten Einstiegszeitpunkt. Selbst ein George Soros oder Warren Buffett nicht.
Kupfer verlor innerhalb eines Jahres 25 Prozent. Auch das ist eine ziemlich heftige Korrektur. Wer weiß, wann das endet.
Warum sinken die Rohstoffe derart kräftig? Weil sich die Konjunktur weltweit abkühlt. In Südeuropa fliegen die Fetzen und die EU kriegt keine solide Lösung auf die Beine. US-Präsident Barack Obama und sein Team sind stinksauer auf die Bürokraten in Europa, die die Krise nicht entschiedener angehen. Washington glaubt, dass die EU wichtige Zeit verspielt. Und dadurch die Wirtschaft rund um den Globus ins Chaos stürzen kann, weil wir alle miteinander vernetzt sind.
Nun rutscht also die Weltwirtschaft ab. Hinzu kommt, dass in China, die große Wachstumslokomotive, nicht mehr mit Zuwachsraten von zehn Prozent zu rechnen ist, wie es seit Jahrzehnten dort der Fall war. Allenfalls mit fünf Prozent Wachstum ist in China zu rechnen. Griechenland, Spanien und Italien importieren deutlich weniger Güter. Hier sind die Konsumenten extrem verunsichert. Selbst die USA leiden schon unter der Abschwächung in Europa.
Aber es besteht Hoffnung: Mittelfristig müssen die Preise kräftig anziehen. Die Weltbevölkerung wächst wie verrückt. Menschen in Asien, Südamerika, Indien und Afrika konsumieren mehr und mehr. Eine neue Arbeiterschicht und Mittelschicht wächst hier heran. Die armen Menschen sehnen sich danach, einen Mikrowellenherd, Backofen, Kühlschrank, ein Auto, Klimagerät und Fernseher nutzen zu können. Diese neue Nachfrage dürfte einen neuen Rohstoff-Boom entfachen. Daran führt kein Weg vorbei.
Es muss doch jedem ein Licht aufgehen, wenn man sich den Energiehunger einmal anschaut. China, Indien, Russland, USA und Südkorea bauen derzeit neue Atommeiler. Weltweit befinden sich 60 Reaktoren im Bau, meldet der weltweite Nuklearverband. Die meisten entstehen in China. Weitere 150 Atomkraftwerke sollen errichtet werden.
Man kann über den Absturz lamentieren, wie man will. Es bringt nichts. Achten Sie besser auf die langfristigen Perspektiven. Sogar auf kurze Sicht gibt es Gewinner. So wirken sich die sinkenden Rohstoffpreise entlastend auf uns aus, die Geldentwertung verliert an Kraft. Wir Verbraucher sparen u.a. Geld an der Tankstelle. Auch die Produzenten profitieren. Firmen können ihre Rohstoffe günstiger einkaufen. Seien es Lebensmittelhersteller oder Bekleidungshäuser, die sich günstiger mit Getreide beziehungsweise Baumwolle eindecken können. Oder denken Sie an die Chemie- und Elektronikindustrie (Öl, Silber, Kupfer, Erdgas etc.).
Insofern sind die sinkenden Rohstoffpreise keine Katastrophe. Ich rate dazu, zehn Prozent des Vermögens in Rohstoffe zu investieren. Mit einem soliden Bergbauer oder Ölkonzern kann man langfristig kaum etwas falsch machen. Ich schrieb kürzlich über Exxon Mobil. Diese Aktie ist der helle Wahnsinn. Was soll bei Exxon langfristig anbrennen? Schauen Sie sich nur einmal diesen Exxon-Chart seit 1970 an.
Die Leidtragenden an der gegenwärtigen Situation sind mal wieder die Pessimisten. Denn die Angsthasen nutzen die Chancen nicht, die sich in Krisen auftun.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Rohstoffpreise im freien Fall

  1. Sascha Huber

    Hallo!

    Alles korrekt, außer dass Du noch ein paar Aktien hättest nennen sollen, die von diesen Trends profitieren. Mir fallen da ganz spontan Monsanto oder Syngenta oder auch Bayer ein. Oder unser absoluter Top Tipp aus dem sharewise Börsenbrief, die Aktie der KWS Saat AG. Die haben wir seinerzeit für 134,00 Euro ins Musterdepot gekauft, wurden jedoch zwischenzeitlich mal unglücklich ausgestoppt. Unser Kursziel für die Aktie lag damals wie heute bei 250,00 Euro – bei 200,00 Euro sind wir schon angekommen!! 😉

    Gruß, Sascha!

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