Praktiker, SolarWorld, Commerzbank: Streuen Sie


New York, 13. Juli 2013

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Oje, die Baumarktkette Praktiker ist pleite. Eine ruinöse Preispolitik und zu viel Wettbewerb haben die einstige Metro-Tochter an den Abgrund geführt (Foto: Praktiker AG).
SolarWorld ist ebenfalls einem knallharten Wettbewerb (aus China) zum Opfer gefallen. Jedenfalls kämpft Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck um den Fortbestand seines Unternehmens. Sein Solarzellenhersteller ist überschuldet. In der Spitze kostete die Sonnenaktie fast 50 Euro, nun sind es 50 Cent.
Ein Trauerspiel ist die Commerzbank. Gegenüber dem Spitzenkurs von 264 Euro im Jahr 2000 (bereinigt um Kapitalmaßnahmen) ist die gelbe Bank auf 6 Euro abgeschmiert. Der Kursverlust massive 98 Prozent. Das ist wirklich bitter.
Bei diesem Trio konnte man den Niedergang in diesem Ausmaß kaum vorhersehen. Praktiker kam mit einer gesunden Bilanz im Jahr 2005 an die Börse. Die Eigenkapitalquote erreichte über 50 Prozent. Gut, es gab operative Probleme bei der Nummer 2, aber die waren lösbar. Der Baumarkt war in breiten Bevölkerungsschichten bekannt.
Solarworld hatte in seinen besten Zeiten so viele Aufträge, dass das Unternehmen kaum nach kam mit der Produktion. Es floss sogar eine Dividende.
Bei der zweitgrößten Privatbank Deutschlands hat sich vor 20 Jahren niemand ausmalen können, dass dies ein Pennystock wird und der Staat einsteigen muss.
Was lernen wir daraus? Die ausreichende Streuung ist in Ihrem Depot wichtig. Natürlich sollten Sie nicht 200 Aktienpositionen besitzen, aber mehr als zehn sind ratsam.
Fehler passieren allen Anlegern. Sie gehören einfach dazu. Dafür brauchen Sie sich nicht schämen.
Am besten beschäftigen Sie sich im Vorfeld lange mit den Unternehmen, bevor Sie einsteigen. Eine starke Marktstellung, Marke, Marge und Preisgestaltungsspielraum sind wichtig. Logisch sind wir hinterher immer schlauer.
Ständig wird ein anderer Bereich zerfleischt: Baugewerbe, Kaufhäuser, Sollarzellen, Atomkraft, Banken…
In den USA sind mit General Motors, Enron, Lehman Brothers, Bear Stearns, Kodak, Washington Mutual richtig große Flaggschiffe pleite gegangen. Wer hier einen Großteil seines Vermögens geparkt hatte, für den ist es dumm gelaufen.
Trotz dieser abschreckenden Beispiele kaufe ich stetig weitere Aktien zu. Die Aktie ist und bleibt die beste Anlageform, die es gibt. Der Dow Jones lag vor 100 Jahren bei 66 Pünktchen. Heute steht der Index bei über 15.000.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Praktiker, SolarWorld, Commerzbank: Streuen Sie

  1. Chris

    Die beste Diversifikation erreicht man übrigens mit 30 Aktien.
    Hier spielen natürlich Korrelationen etc. eine entscheidende Rolle.

    Buffett hat übrigens mal gesagt, dass Diversifikation für alle ist, die keine Ahnung haben. Aber das ist auch kein Beinbruch. Wer keine Zeit hat sich genau mit Unternehmen zu befassen, für den ist und bleibt Diversifikation genau das richtige!

    Viele Grüße

  2. Turing

    Die Solarkrise hätte man voraussehen können. Jeder der ein wenig Ahnung von der dort verwandten Technik hat und auch sonst nicht auf den Kopf gefallen ist, musste sehen, dass da Zufallsstrom hoch subventioniert wird.

    In der Bevölkerung machen sich Erfahrungen mit dieser Technik breit, denn Solaranlagen rechnen sich aufgrund der hohen Wartungskosten kaum, trotz der hohen Subventionen. Und dann ist da noch die Brandgefahr. Eine brennende Solaranlage kann nicht gelöscht werden. Ich habe in diesem Jahr eine Gebäudeversicherung abgeschlossen und man muss ankreuzen, ob man denn eine Solaranlage habe. Und die Politik kann Fakten auch nicht auf Dauer ignorieren. Phillip Rösler wollte die Vergütungen für die Solar-KWh bereits senken, was dann leider im Bundesrat an den reaktionären Kräften gescheitert ist.

  3. Matthäus Piksa

    @Tim+touring

    Wie schwierig es ist gewinnbringend aus Sonnenenergie Strom zu erzeugen zeigt der Streit um das (toll-)kühne Desertec-Projekt.
    Wie es aussieht wird so bald kein Wüstenstrom nach Europa fließen. Oder viel weniger.

    Nach Nabucco ist das jetzt das zweite europäische Energieprojekt, das gescheitert ist.
    So wird das nichts mit einer Diversifikation der Energieversorgung in Europa und damit einer Verminderung der Energieabhängigkeit von Gazprom&etc.

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Chris

    Buffett hat eine riesige Diversifikation. Das wird gerne übersehen. All seine ganz „privaten“ Firmen sind zu berücksichtigen, die zu seinem Imperium gehören. Diese Konzerne verkaufen Eiscreme, Lollipops, Möbel, Schokolade, Häuser, Schuhe, Farben, Versicherungen… und diese kaum bekannten Unternehmen kaufen wiederum für mehrere Milliarden Dollar stetig weitere Firmen zu, ohne dass jemand davon groß Kenntnis nimmt.

    @ Matthäus
    Der Chart ist klasse. Es zeigt sich, dass der Dow Jones dynamischer zulegt – wegen des wachsenden Wohlstands rund um den Globus.

    @ Turing
    Die Solarkrise hätten wir vorhersehen können? Nun, kommt darauf an. Dass hohe Subventionen geflossen sind, war wohl ein Warnsignal. Da gebe ich Dir recht. Aber Fehleinschätzungen passieren trotzdem, wir Anleger übersehen eben so etwas. Daher ist es wichtig zu streuen.

  5. Me, myself and you

    Wer damals, als der DAX vor ca. 25 Jahren gestartet ist, sein Geld auf alle damals aktuellen 30 DAX-Werte verteilt hätte, hätte am Ende mehr Geld gemacht als er mit den ganzen Indexänderungen gemacht hätte. Und das, obwohl manche der ersten 30 DAX-Unternehmen ja auch in die Insolvenz gingen und mit SAP ja durchaus auch ein „Highflyer“ neu in den DAX kam. Das sagt wohl (fast) alles!

    Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dax-jubilaeum-deutscher-aktienindex-wird-25-a-908352.html

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