Millionäre sind verdammt sparsam


New York, 18. August 2013

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In der Bevölkerung herrscht diese komische Vorstellung vor, Millionäre seien Lebemänner. Villa, Rolls-Royce, Urlaub auf den Seychellen, Edelrestaurant, Putzfrau, Fahrer, Kindermädchen und so weiter. Dieses Bild ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Die Mehrzahl der Reichen ist verdammt sparsam. Der Reichenexperte Thomas J. Stanley beschreibt das in seinen Büchern anschaulich. Super finde ich sein Buch Stop Acting Rich… and Start Living Like a Real Millionaire.
Darin beschreibt er, wie die reichen Amis wirklich leben. Er hat Erhebungen dazu im Buch. Diese zeigen, die Vermögenden lieben eben die Flasche Wein für rund zehn Dollar. Von wegen sauteures Zeug. Sie lieben die Discounter Wal-Mart und Costco. Sie kaufen bevorzugt Billigklamotten. Sie wählen einen günstigen Urlaub. Sie lieben einfache Sachen. Die Häuser befinden sich nicht in den besten Lagen, eher etwas außerhalb, wo das Grundstück günstiger ist. Die Autos sind typische Mittelklassekutschen, die Restaurants sind billig. Nichts ist wirklich Luxuriös bei den meisten.
Nehmen Sie John Malone. Der Milliardär fährt mit seiner Familie im Wohnmobil herum.
Was lernen wir daraus? Sparsamkeit führt zu finanzieller Freiheit. Nicht der Konsumrausch.
Gut, es gibt ein paar Hollywoodstars, die mit ihrem Geld um sich werfen. Nicolas Cage ist so einer. Aber viele dieser Schauspieler, die auf großem Fuß leben, gehen pleite.
Es gibt Otto Normalverbraucher, die leben von Gehalt zu Gehalt, haben am Monatsende kein Cash übrig. Sie verplempern alles. Krimskrams, Kleidung, Elektronik, Filme, Auto, Handy, Schuhe, Kosmetik…
Die Schränke sind voll, der Geldbeutel ist leer.
Natürlich sollte jeder ein Hobby haben und sich etwas Besonderes leisten. Wer gerne fotografiert, braucht gute Kameras. Wer gerne in die Berge zum Wandern fährt, der sollte das tun usw. Doch bei vielen anderen unnötigen Konsumausgaben ist es ratsam aufzupassen.
Ein Urlaub im Wohnmobil kann mehr Spass machen als ein Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Millionäre sind verdammt sparsam

  1. ZaVodou

    Dann fahr mal zu einem der Jet-Set Orte, da kannst du sehen, wie sparsam deine Millionäre leben.
    Oder nach Florida, wo man ganz bescheiden auf 1.000 qm Wohnfläche lebt mit eigener Bootsanlegestelle und Mitgliedschaft im nächsten Golfklub.
    Oder wie jüngst sich ein Täschchen für nur 35.000 USD kaufen will.
    Warum auch nicht. Für die sind 35.000 USD so viel wie für mich 35 USD.
    Es gibt bestimmt auch sparsame Millionäre, aber auch jede Menge, die ihren Reichtum leben, sonst gäbe es die ganzen Luxusbranchen nicht.
    Nur nicht alle stellen es gleich zur Schau.
    Könnte ja Neid erwecken und man könnte sich fragen, warum jemand so immens viel Geld hat und manche noch nicht mal was zum Essen und ob man Reichtum nicht irgendwo auch begrenzen sollte.

  2. Ulrich

    Die Geschichte von den sparsamen Reichen bringst du ja gern und oft. Ein paar Superreiche, die mit ihrem angeblich sparsamen Lebensstil als Paradebeispiele und Vorbilder für sparsames Leben herhalten müssen. Das Wohnmobil von John Malone wird im Internet als „bizarres High-Tech“-Gerät mit einem Wert von 750.000 Dollar beschrieben. Und das ist für dich ein gutes Beispiel für Sparsamkeit und Argument gegen „Konsumrausch“? Das IST ein fahrendes 5-Sterne-Hotel.

    Ein paar Zahlen zum Thema Reichtum, die ich auf die Schnelle gefunden habe: Es gibt auf der Welt ca. 1.500 Milliardäre und etwa 11 Millionen Millionäre (gerechnet in Dollar und nur auf das Finanzvermögen bezogen, nicht auf Häuser etc.). Von diesen 11 Millionen leben etwa 3,3 Millionen in Nordamerika.

    Ich weiß nicht, wie der „Reichenexperte“ Thomas J. Stanley zu seinen Erkenntnissen gekommen ist. Ich schüttle jetzt einfach mal paar Erkenntnis aus dem Ärmel:

    Ja, es gibt sparsame und sogar geizige Millonäre. Es gibt auch welche, die trotz oder gerade wegen ihres Reichtums unter Existenzängsten leiden. Zum Beispiel, weil sie ohne Arbeit von den Ersparnissen leben wollen. Oder Reiche, die mit ihrem Geld einfach nichts anfangen könnnen.

    Es gibt aber natürlich auch ganz viele, die sich jede Menge Luxus gönnen. Davon lebt die bekanntlich weitgehend konjunkturunabhängige Luxusindustrie, davon leben Immobilien-Makler, Hersteller von Yachten und dicken Autos, Verkäufer von Diamanten.

    Und es gibt jede Menge Zwischenformen. Kein Wunder bei 11 Millionen Millionären. Jeder ist anders, auch wenn du sie immer gern über einen Kamm scherst.

    So nebenbei bemerkt: mit der ersten Million ist bei Kapitalerhalt noch gar kein Luxusleben möglich. Sooo viel Geld ist das gar nicht. Das wird immer gern vergessen.

  3. Thomas

    Haha. Da fällt mir nur Prinz Marcus von Anhalt ein.

    Sparsam kommt in seinem Wortschatz bestimmt nicht vor. 😀

  4. Gert

    Ich kann auf alles verzichten nur nicht auf Luxus;-))

    Mal im Ernst: Man muss sich ja nicht die kubanischen Zigarren mit der 100-$-Note anzünden,aber leben wie ein Asket, wenn man viel Geld hat, warum nur?

    Man kann aber auch aus allem eine Religion machen.

  5. Tom

    Wenn man die finanzielle Freiheit erreicht hat, erfüllen sich die Leute halt viele Wünsche. Ist sehr gut für die Wirtschaft – das Geld fliesst wieder in das System ;-))
    Es werden nicht alle Leute wie Warren Buffet leben (wollen).

    Für die Leute welche auf dem Weg sind zuerst mal finanziell unabhängig zu werden, ist das Sparen die Basis.
    An das Geld muss man sich gewöhnen und den Umgang üben. Ausgeben ist viel einfacher – kostet weniger Energie. Nicht alle Reichen heute wurden auch reich geboren.

    Wie gut oder schlecht es ist, dass der Graben zwischen Reich und Arm grösser wird, kann man sicherlich einen neuen Blogeintrag machen. Viele Reiche haben aber erkannt, dass es an der Zeit ist, das Geld an wohltätige Zwecke zu spenden. Siehe Bill Gates Stiftung..

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich
    Ja, stimmt. Eines meiner Lieblingsthemen. Ich verschlinge seine Bücher. Es öffnet einfach die Augen.

    Die Reichen sind deshalb reich, weil sie weniger Geld ausgeben, als sie einnehmen bzw. haben. Logo.

    Ich kenne in NY ein paar Leute, die haben schätzungsweise 5 bis 10 Millionen auf dem Konto. Die sind alle ziemlich sparsam.

    Viele Lottogewinner müssen diese Erfahrung machen.

  7. Anna

    Ja, und irgendwann gibt es Nachkommen, die dann das, was der Alte zusammengekratzt hat, „unter die Leute bringen“.

  8. tim schaefertim schaefer

    @ Anna
    Mag sein. Es kommt eben auf den Charakter an. Wohl auf die psychologische Stabilität. Erziehung, Erfahrung und das soziale Umfeld an.

    Eine Bekannte arbeitet in einem großen Krankenhaus. Sie ist dort Krankenschwester und kann von ihrem Büro den Parkplatz der Angestellten einsehen.

    Sie sagte mir: „Die Ärzte fahren meistens Toyota oder Honda. Dann haben wir junge Mitarbeiter im Marketing oder in der Personalabteilung, die haben einen neuen BMW oder Mercedes.“

  9. Turing

    Wer adelig ist oder reich geboren wurde, ist in Wahrheit ein ganz armer Schlucker. In der Barockzeit war die Gesellschaft überhaupt nicht durchlässig. Man schaue sich das Frankreich vor der französischen Revolution an: Der Adel profitierte Jahrzehnte von seinen Privilegien (z. B. Steuerfreiheit), hat aber nichts daraus gemacht. Der Adel war feige, dumm und satt. Zahlreiche Adlige waren Analphabeten, einige verarmt. Die Bourgeousie war fleißig, gebildet und vermögend.

    Wer sich tagtäglich anstrengt und lernt, der bringt es zu etwas im Leben. Wer in einem nichtvermögenden Elternhaus aufwächst, bekommt diese wichtige Lebenseinstellung mit auf den Weg. Nicht umsonst sagt der Volksmund: Der Vater erstellt's, der Sohn erhält's, dem Enkel zerfällt's.

    Niemand erwartet, dass Paris Hilton vermögend stirbt. Unter ihr wird das Hotel-Imperium zerfallen.

  10. Ulrich

    @Anna: wie meine Oma schon sagte: eine Generation rafft es zusammen, die nächste verdummt es.

    @Tim: Ich kenne Ärzte mit Porsche. Und ich kenne Ärzte mit uralter Klapperkiste. Die Verallgemeinerung, dass „die“ Reichen fast alle extrem sparsam sind, halte ich einfach für falsch. Auch wenn du diese Vorstellung irgendwie toll zu finden scheinst.

  11. tim schaefertim schaefer

    @ Ulrich
    Natürlich gibt es Ausnahmen.

    Grundsätzlich gilt jedoch: Reiche leben unterhalb ihrer Verhältnisse. Würden Sie permanent darüber leben, wären sie nicht reich, sondern arm.

    Wenn jemand nicht sein Geld verprasst bedeutet außerdem: Derjenige hat Kohle, wenn er sie braucht.

    Ich empfehle den Autos Stanley zu lesen. Sein Blog ist faszinierend.

  12. StefanStefan

    Ich glaube es ist ein großer Irrglaube, dass man allein durch Sparsamkeit reich werden kann. Mit einem normalen Einkommen (ca. 1800-3000 € netto) wird es wohl nicht möglich sein „reich“ zu werden.

    Millionäre haben fast alle ein eigenes Unternehmen. Entweder selbst aufgebaut oder geerbt.

    Unschlagbar ist allerdings die Kombination hohes Einkommen und sehr sparsamer Lebensstil…

  13. StefanStefan

    Außerdem glaube ich, dass der Hang zu Luxusgütern und verschwenderischem Lebensstil eine Charakterfrage ist. Das hat prinzipiell nichts mit dem Beruf zu tun. Finde das auch zu allgemein: „die Ärzte fahren alle Toyota…“

    Es gibt Ärzte, Anwälte, Unternehmensberater die fahren Porsche, 7er BMW, S-Klasse und es gibt welche die fahren Golf, Opel oder VW. Das ist wohl eine Frage des Prestige und damit der eigenen Charakterfestigkeit. Viele stellen sich halt über ihr Auto dar.

    Das ist das schöne in Ländern wie Italien oder Frankreich. Da kann man mit der letzten Klapperkiste oder gleich mit der Vespa rumfahren und wird nicht als Loser abgestempelt…

  14. Karl Marx

    Das mit dem Quatsch von wegen Spare und Du wirst reich erzält Tim ja fast jeden Tag.Ihr solltet meine Schriften lesen und Ihrvwüstet, dass nur die Aneignung des Mehrwertes, den andere schaffen zu Reichtum in der kapitalistischen Gesellschaftvführt!

  15. Maximilian

    So bescheiden lebt Mr. Malone doch nicht:

    Billionaire John Malone buys Bridlewood Farm

    Billionaire John Malone, who is the country's largest private landowner, added to his holdings recently when he paid $14 million for the 800-acre Bridlewood Farm in Ocala.

  16. shortput

    Ich bin lange Jahre als Financial Analyst tätig gewesen und berate auch heute einige wohlhabende Personen bzgl. von Unternehmenskäufen/verkäufen und Asset Protection. Ich lebe selber im Ausland, um diese Transaktionen optimal zu betreuen.

    Nach meiner Erfahrung sind die meisten meiner Mandaten wirklich überdurchschnittlich sparsam. Bedauerlicherweise auch bzgl. meiner Honorare 😉

    Woher dieser Spartrieb kommt und ob es überhaupt gut ist, will ich nicht beurteilen.

    Bei meinen Mandaten kann ich sagen, dass diese tatsächlich im Verhältnis zu Ihrem Vermögen und Einkommen vergleichsweise sparsam sind. Vor allem aber ist dieser Personenkreis, soweit es sich nicht um ererbtes Vermögen handelt, sehr fleissig und kann auch die richtigen Entscheidungen treffen.

    Bei langfristigen Investitionen, wie v.a. Häusern und seltener auch Yachten, wird durchaus viel Geld ausgegeben. Die gebuchten Hotels sind aber idR eher aus funktionalen Gründen gewählt und auch die Kleidung ist relativ sparsam gewählt.

  17. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich war 2 Wochen in Griechenland (Kreta und Santorin) und wir haben viele Leute aus Russland gesehen und die haben eine Menge Geld und zeigen es schon mit ihrer Kleidung …

    Wahrscheinlich gibt es wirklich einige Millionäre die sparsam leben, jedoch gibt es auch viele Millionäre die es mit vollen Händen ausgeben.

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