Michael Bloomberg: New Yorks Bürgermeister ist ein Vordenker


New York, 11. Juni 2012

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New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg wird als Kindermädchen verunglimpft. Im Fernsehen, in Zeitungen, im Internet – überall erscheint eine Fotomontage des Stadtoberhaupts in grau-blauer Frauenkleidung. Einige sind sauer auf Bloomberg, weil er die übergroßen Cola-Becher und Soda-Getränke aus der Stadt verbannen will. Er sagt dem Zucker und den Kalorien in New York den Kampf an. Amerikaner sind zu dick geworden. Bald sind nur noch kleine Colas in Schnellrestaurants und Kinos erhältlich. Eine Vorschrift macht den Kalorienbomben den Garaus. Ich finde das gut.
Auch die First Lady hat die gesunde Ernährung zu ihrem Leitthema gemacht. Sie empfängt im Weißen Haus jede Menge Kinder und Eltern, erklärt ihnen, wie man sich gesund ernährt, mehr Sport macht. Ich habe mir voriges Jahr ihren Gemüsengarten am Weißen Haus angeschaut und war beeindruckt. Selbst hohe Staatsgäste müssen nun das Öko-Grünzeug von Michelle Obama essen, wenn sie zu Gast im Weißen Haus sind.
Michael Bloomberg ist ein Vorreiter. Als einer der ersten hat er weltweit künstliches Frittierfett verboten, die Raucher verdrängt. Der Milliardär baut wie verrückt Fahrradwege durch die Metropole, verbannt die Autos aus den Innenstädten. Er lässt massenweise Parks entstehen. Ein gigantisch großes Fahrradverleihsystem soll ähnlich wie der ÖPNV die Menschen zum Fahrradfahren animieren. Gegen eine Jahresgebühr kann man sich die Fahrräder an 600 Stationen ausleihen.
Ich finde: Der Bürgermeister ist ein Vordenker, ein klasse Typ. Auch setzt er sich wie kaum ein anderer für Immigranten ein. Er akzeptiert alle Religionen, alle Nationen. Er ist einer der tolerantesten Politiker, die ich kenne. Bloomberg räumt mit allerlei Vorurteilen auf. Er sagt: Die rund 500.000 illegalen Immigranten in seiner Stadt seien unglaublich ehrgeizig arbeitende Menschen. Ohne zu schuften, könnten sie in den USA kaum überleben. New York sei kein Paradies. Man könne nicht hierher kommen und die Beine auf der Couch ausstrecken, erklärt der Superreiche. Er schätzt alle seine Bürger – sogar jene, die illegal hier leben. Am liebsten würde er sie alle offiziell integrieren, sprich legalisieren. Doch es fehlt in Washington die Mehrheit dafür.
Foto: Wikipedia.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Michael Bloomberg: New Yorks Bürgermeister ist ein Vordenker

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    zu dem Teilthema „Integration“ dieses Beitrags möchte ich sagen:
    Bei der Mehrheitsgesellschaft ist es doch oft so: Viele benutzen ihre eigene Bequemlichkeit, bei manchen ist es auch Dummheit, um es zu unterlassen an den eigenen Vorurteilen ggü ethnischen/religiösen/sexuellen Minderheiten zu arbeiten.
    Erschwerend kommt aber hinzu, dass die Minderheitenangehörigen ihrerseits wiederum ebenfalls Vorurteile haben, und zwar sowohl ggü der Mehrheitsgesellschaft als auch ggü. den anderen Minderheitenangehörigen.

    Hier geht Bloomberg auf vorbildliche Weise einen anderen Weg.

    Jetzt könnte man sagen, dass er es als Milliardär auch leichter hat. Das ist auch ein Vorurteil (würde ich sagen.) Das er dadurch jedoch mehr Gestaltungsspielraum hat, dürfte nicht angezweifelt werden.

    zum Teilthema „gesündere Ernährung“:
    Bei der immer größer werdenden Gruppe der an Adipositas erkrankten Amerikaner, war diese Entwicklung gewisserweise vorauszuahnen. Es könnte sein, dass sich dieser Gesundheitstrend weiter ausbreitet.

    Gruß Matthäus

  2. Matthäus Piksa

    Nachtrag zum Thema „Integration“:

    Erschwerend kommt desweiteren hinzu, dass es oftmals zu Enttäuschungen kommt. Lehrer, Sozialarbeiter, Kirchenmitarbeiter, Sonstige können hierzu sicherlich das ein oder andere Klagelied singen.

    Und seit Neuestem kann sicherlich auch erwähnt werden, dass die Finanzkrise ihren negativen Beitrag zu der Verbreitung der Vorurteile nicht nur ggü den Bankern, sondern im Verhältnis Mehrheitsangehöriger – Minderheitsangehöriger und vice versa und Minderheitsangehöriger – Minderheitsangehöriger herbeigesteuert hat.

    So bin ich der Ansicht, dass zwischen der Rekordarbeitslosigkeit in Europa und dem wachsenden Antisemitismus, um nur ein Bsp. herauszugreifen, ein Zusammenhang besteht oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. In Deutschland liegt die Quote des latenten Antisemitismus bei 20%. Andere Länder verzeichnen ähnlich hohe Quoten, teilweise liegen diese noch höher

  3. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthäus,

    das sind mal wieder spannende Gedanken. Sehr gut formuliert. Da fällt mir kaum eine Ergänzung ein.

    Vorurteile sind etwas menschliches. Wir tragen sie alle in uns. Manchmal ist das mehr, manchmal weniger stark ausgeprägt.

    Ich glaube, Denken in Schubladen (verschiedene Kulturen, Gruppen) ist ein reiner Überlebenstrieb aus der Urzeit. So wussten unsere Vorfahren in Notlagen, wer Feind und wer Freund war (bzw. glaubten es zumindest zu wissen).

    Aber heute ist diese Methode überholt.

  4. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    deine Ursachenanalyse der Vorurteile klingt überzeugend.

    Dabei wissen wir aus der alten Geschichte, dass es den Menschen immer wieder auch gelungen ist, extrem multikulturell und extrem erfolgreich nebeneinander herzuleben, Bspe.: das alte Ägypten, Babylon, das römische Reich usw.

    Was wir aus der Geschichte ebenfalls wissen, ist, dass es auch schon immer Schulden gab. Früher verschuldeten sich Private gar, um sich eine bessere Kriegsausrüstung (Schilde, Speere, Schwerter etc.) leisten zu können. So stieg die Durchschlagskraft bei den Feldzügen und man hoffte, die Schulden mit dem Erlös aus dem Verkauf der Kriegsbeute wieder tilgen zu können, plus was darüber hinaus noch übrig blieb.

    Gruß Matthäus

  5. tim schaefertim schaefer

    Hallo Matthäus,

    gute Erkenntnisse mit der Multi-Kulti-Kultur.

    Die USA und insbesondere New York ist ja so eine.

    Kanada und Australien lassen sehr viele Ausländer ins Land, ist es ein Zufall, dass es denen verhältnismässig gut geht? Vermutlich nicht. Ich denke, dass die Ausländer wichtiger Antriebsfaktor sind, denn Immigranten sich hochmotiviert.

    Mit Blick auf die Schulden der Staaten: Gut erklärt. Die Schulden gibts eigentlich schon immer. Und kein Staat zahlt die Schulden jemals zurück. Es wird einfach eine neue Währung eingeführt oder man gerät in Zahlungsverzug. Auch das ist menschlich. Man nehme, was man kriegen kann und dann gilt es, zu rennen…

    Matthäus, du hast immer exzellente Ergänzungen, einfach super Kenntnisse.

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