Mein Gespräch mit einem Wall-Street-Manager


New York, 12. Juni 2012

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Wir Menschen denken leider gerne in Kategorien. Wir arbeiten mit Vorurteilen, mit Stereotypen. So schieben die meisten Bürger, wenn sie von einem Wall-Street-Banker hören, diese Person automatisch in die Schublade „reich und egoistisch“. Es ist ein großer Fehler, so zu denken. Es ist unfair. Ich gebe zu, selbst manchmal in Kategorien zu denken.
Bestes Beispiel ist der Wall-Street-Banker Manuel Schnaidman. Er arbeitet für die Deutsche Bank in New York, er ist ein führender Manager bei dem deutschen Institut.
Ich treffe Schnaidman im Finanzviertel in einem Café. Ein Bekannter stellte den Kontakt her.
Schnaidman plaudert über seine Familie, Freunde, den Sport, die Karriere. Er kann stundenlang über seine Eltern, die Familie seiner Frau und die Kinder erzählen. Er ist ein Familienmensch. Er ist altruistisch, spendet gerne an Stiftungen. Er sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, um der Gesellschaft zu helfen. Es ist geradezu beeindruckend zu sehen, wie sich Schnaidman für das Allgemeinwohl einsetzt. Kraft gibt ihm die Religion. Er ist orthodoxer Jude und hält sich strikt an die Gebote wie den Sabbat. Ich habe selten jemanden erlebt, der sich so intensiv für andere stark macht. Lesen Sie hier mein Gespräch mit dem Banker.
Ohnehin ist das „Geben“ in den USA eine große Tugend. Keine andere Nation spendet mehr. Etliche Museen, Bibliotheken, Schwimmbäder, Krankenhäuser, Kindergärten, Konzerthallen, Parks und so weiter müssten umgehend schließen, wenn die Spendengelder ausblieben. In New York ist die Kultur nur deshalb so facettenreich, weil die Reichen und Superreichen so großzügig sind. Auch setzen sich gerade die Vorstände der Wall Street für Minderheiten ein. Das sollten wir niemals vergessen.
Vorurteile sind nicht gut. Das muss auch die Occupy-Wall-Street-Bewegung noch lernen. Stephen Schwarzman, Warren Buffett, George Soros, Bill Ackman, Carl Icahn und andere Hedgefondsmanager geben unglaublich große Summen zurück an die Gemeinschaft.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Mein Gespräch mit einem Wall-Street-Manager

  1. martin

    Ich finde ich es gut zu teilen, weil es das Verteilungsproblem löst, dem Gebenden (s)ein gutes Gefühl vermittelt und dem Empfangenden notwendige Hilfe gibt. Was ich bedenklich finde ist, dass – aus meiner Sicht – Grundleistungen des Staates/Bundesstaates/Gemeinde/… von dieser Hilfestellung abhängig sind. Verkürzt: Wer zahlt, bestimmt dann doch auf irgendeine Weise die Musik.
    Wenn die Allgemeinheit sich allgemein finanziert, fallen Abhängigkeiten weg. Staat/Bundesstaat/Gemeinde/… ist viel freier, frei zu entscheiden und es bleibt dennoch genügend Freiraum Gutes zu tun.

  2. tim schaefertim schaefer

    Hallo Martin,

    Danke für den Einwand. In den USA ist sehr viel Soziales basiert auf privaten Spenden.

    Es gibt gute Argumente Pro und Contra für diese Form des Kapitalismus. Ich kann das jetzt hier nicht diskutieren, verstehe aber durchaus, wenn jemand Bedenken hat.

    VG
    Tim

  3. Kapitalismusgegner

    Hallo Tim,

    ja es ist schon erstaunlich, wie Du hier seitenweise den Kapitalismus in höchsten Tönen lobst und wenn dann eine Meinung aus einem anderen politischen Lager auftaucht, dann heißt es nur kurz, dass Du das derzeit nicht kommentieren kannst. Fakt ist, dass es Aufgabe des Staates ist, solche Dinge zu finanzieren und es in keinster Weise lobens.- oder auch nur erwähnenswert ist, das Kapitalisten Geld spenden. Der Staat hat Bibliothelen zu finanzieren und fertig. Wenn ihm da sGeld fehlt , sollte er Regeln schaffen, die es ihm ermöglichen, das Geld zu haben. Es ist ein mieses System, in dem ca, 47 Mio US-Menschen von Lebensmittelkarten leben. Leider gibt es derzeit kein System was man als Beispiel zeigen könnte, aber die Zeit wird kommen, wo sich Menschen erheben werden und dieses kranke System beseitigen werden, in dem Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden und dann solche Typen, welche ihre Marktstellung durch Ausbeutung der Menschen in armen Staaten und durch Nichtzahlung von Tariflöhnen realisieren, hier als große Macher dargestellt werden(wie gesagt, natürlich ist eine gespendete Mio besser als keine gespendete Mio, es ist nur erbärmlich, das einerseits die Mio fehlt und andererseits einer die Mio über hat um sie wegzugeben.) Aber zumindest in Europa(aufgrund besserer Bildung der breiten Masse im Gegensatz zu den Amis)wird sich das bald die Mehrheit nicht mehr gefallen lassen.

  4. tim schaefertim schaefer

    Hallo Kapitalismusgegner,

    danke für die Anmerkung. Die Kritik ist gut mit Argumenten unterfüttert.

    Das Problem ist doch, dass es leider kein perfektes System gibt. Wo gibt es keine Armut? Wo gibt es keine Ungleichgewichte? Wo keine Unterdrückung?

    Der Kommunismus hat eigentlich sehr gute Ideale, die Ziele sind super. Doch leider funktioniert der Kommunismus nicht, weil er den Menschen die Motivation wegnimmt, etwas zu erschaffen.

    In den USA nimmt die Armut zu, auch wird die Mittelschicht immer ärmer. Es gibt in den USA einen Trend, der brisant ist. Das gebe ich zu.

    Trotz der Schwachpunkte halte ich den Kapitalismus für das bessere System, weil die Menschen motviert sind, etwas zu schaffen.

    Ist es alles reiner Zufall, dass hier Microsoft, Google, Twitter, Facebook entstanden sind? Ist es reiner Zufall, dass hier die besten Wissenschaftler sind? Ist es Zufall, dass hier die besten Mediziner sind? Ist es Zufall, dass Amerika (trotz der Schwächen) das reichste Land der Erde wurde in relativ kurzer Zeit? Ich glaube es ist kein Zufall, sondern systembedingt.

    Ich glaube auch nicht, dass die Menschen hier intelligenter sind als in anderen Erdteilen. Das bessere System gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten.

    Mit Blick auf die Steuern gibt es bei den Superreichen ein Ungleichgewicht, denn die zahlen in den USA in der Tat zu wenig Steuern.

    Wenn jemand wie George Soros oder Warren Buffett ihr Vermögen an die Allgemeinheit spenden, weiß ich nicht, was daran schlecht sein soll.

  5. Besorgter Deutscher

    Ich habe ja nicht den Kommunismus gelobt, sondern den Kapitalismus getadelt.
    Zu Deinen Argumenten:

    „…funktioniert der Kommunismus nicht, weil er den Menschen die Motivation wegnimmt, etwas zu erschaffen.“
    Um das aussagen zu können, müsste man erst einmal definieren, was Kommunismus in Deinem Verständnis bedeutet. Fakt ist, dass z.B. China und Cuba keine kapitalistischen Staaten sind. Niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass in China, größter Gläubiger der USA, nichts geschaffen worden wäre. Das gleiche trifft auch für Kuba zu, wo das gesamte Volk übrigens eine ausgezeichnete Schulbildung genießt und ein gutes Gesundheitswesen besitzt(übrigens für alle!!! Bürger des Staates) und wo es keine Suppenküchen gibt und wo zig Mio Bürger ohne Krankenversicherungsschutz leben müssen. Dafür gibt es z.B. so gut wie keine Handys, keine Buffets aber ausgebildete Ärzte die wiederum Südamerika bei der Medizinerausbildung unterstützen.

    „…weil die Menschen motviert sind, etwas zu schaffen..“
    -dito und außerdem kannst Du ja mal die Mio US-Bürger fragen, die sich, weil sie es aufgegeben haben, gar nicht mehr arbeitslos melden, wie hoch ihre Motivation ist…

    „..Zufall, dass hier Microsoft, Google, Twitter, Facebook entstanden sind…“
    -Gut die Frage könnte ich auch stellen, dahingehend, ist es reiner Zufall, dass Siemens und BASF in Deutschland, Nokia in Finnland, Gasprom in Russland usw. entstanden sind?

    „..Zufall, dass hier die besten Wissenschaftler sind? Ist es Zufall, dass hier die besten Mediziner sind?..“
    -natürlich nicht, sondern Auswirkungen des Brainwars, also des sich „Einkaufens von ausgebildeten Spitzenkräften(die noch nicht mal was in USA gekostet haben, weil woanders ausgebildet wurden) aus aller Welt , insbesondere der dritten Welt

    „..Zufall, dass Amerika (trotz der Schwächen) das reichste Land der Erde wurde..“
    Auf welchen Reichtum beziehst Du das, auf den persönlichen Reichtum einiger Weniger wie Buffet, auf den Reichtum des Landes an Schulden, den Reichtum am Mangel an öffentlichen Ausgaben, wie z.B. für die Infrastruktur, den Reichtum an bisher geführten Kriegen…..?

    „…bessere System gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entfalten..“
    das glaube ich nun auf garkeinen Fall. Um sich(bezogen auf alles Söhne und Töchter des Volkes und nicht nur die aus gutem Hause) zu entfalten, kann ich mir wirklich kein besseres Land als Deutschland vorstellen.

    …“Warren Buffett ihr Vermögen an die Allgemeinheit spenden..“
    gegen den Fakt an sich spricht nichts. Was schlecht ist, dass der Staat immer mehr durch Runterschrauben seiner Leistungen so etwas erst nötig macht

  6. tim schaefertim schaefer

    ja, man kann sich lange streiten über die Vorteile und Nachteile.

    Ich frage mich, was an China so bewundertswert sein soll? Im übrigen öffnen die Kommunisten den Markt, sie formen mehr und mehr einen kapitalistischen Markt.

    Sonst wäre das Land nicht so weit.

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