Madoffs Anwalt fordert mildes Urteil


New York, 23. Juni 2009

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Am Dienstag sank der Dow Jones um 16 Pünktchen. Die Börse läuft nun wohl seitwärts. Ich rate, abzuwarten und Tee zu trinken.
In dem größten Betrugsfall der Geschichte wird am kommenden Monatag in Manhattan das Urteil gefällt. Dem Schwindler Bernie Madoff drohen über 100 Jahre Knast. Damit käme der 71-jährige nicht mehr lebend aus dem Gefängnis. Seine Opfer wünschen es ihm! Sie wollen, dass der Gauner hinter Gittern bis zu seinem Tod schmort. Aber genau das recht hohe Alter Madoffs hat nun sein Anwalt als Grund für eine deutlich kürzere Strafe genutzt. So habe Madoff der Statistik zufolge noch 13 weitere Jahre zu leben. Insofern sei eine Strafe von zwölf Jahren gerechtfertigt, fordert sein Anwalt. Ob der Richter am Montag auf diese Argumente eingeht? Das glaube ich kaum. Der Fall ist derart gigantisch in seinem Ausmaß, da bleibt dem Richter keine andere Wahl, als eine drakonische Strafe zu verhängen. 65 Milliarden Dollar gingen bei dem Betrug über den Jordan. Das macht bei 305 Millionen US-Einwohnern pro Bürger einen Verlust von 213 Dollar. Wahnsinn!
Richtig fies an Madoff ist, dass er Universitäten, Stiftungen und sogar den KZ-Überlebenden Elie Wiesel um ihre Ersparnisse brachte. Zahlreiche Stiftungen mussten schließen, als heraus kam, dass Madoff ein Schneeballsystem betrieb. Alles war eine riesige Lüge.
Dafür muss Madoff jetzt büßen. Dass seine Frau und seine beiden Söhne noch auf freiem Fuß sind und in Saus und Braus leben können, ist ein Skandal. Die New York Times widmete kürzlich Ruth Madoff, der Gattin des Betrügers, einen riesigen Sonderbericht. Im Kern ging es darum, dass Ruth bei ihrem Friseur, ihrem Stammrestaurant oder beim Blumenladen nicht mehr bedient wird. Ein paar Tage später brachte Spiegel Online einen Abklatsch der Geschichte.
Wie viele Jahre soll Madoff hinter Schloss und Riegel? Was meinen Sie?


tim schaefer (Author)

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