Macht und Gefahr des Internets


New York, 26. Dezember 2012

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Es ist beeindruckend, was im Internet alles möglich ist. Die Welt verändert sich unglaublich schnell. Wie ein Fegefeuer hat sich das schräge Lied „Gangnam Style“ im Netz verbreitet. Eine Milliarde Mal hörten sich User den Song auf Youtube schon an. Es ist das erfolgreichste Video aller Zeiten. Der Sänger, ein südkoreanischer Millionärssohn, hatte sich einen solchen Hit wohl kaum erträumt.
Weltweit gibt es 325 Milliarden Websites. Zum Vergleich: Im Jahr 1993 gab es erst 623 Websites. Jeden Tag gehen 65.000 neue Blogs an den Start. Das Angebot ist überwältigend. Es ist eine Informationsexplosion, die zu einem unglaublich schnellen Wandel in der Wirtschaft führt.
Google betreibt mit einem Marktanteil von über 85 Prozent die führende Suchmaschine. Nur mit solchen Suchmaschinen können Sie sich im World Wide Web zurechtfinden. Ohne Google, Bing und Yahoo wäre man im Netz ziemlich hilflos unterwegs. 3,6 Milliarden Suchanfragen bearbeitet Google täglich.
Im Netz sprudelt das Geld immer schneller. Als das Internetzeitalter begann, war es schwierig Fuss zu fassen.
Im Rückblick war es ein Nachteil von Anfang an dabei gewesen zu sein. Denken Sie an Yahoo. Gegründet 1994, Umsatz und Ergebnis sind mit 5 bzw. 1 Milliarde Dollar weit abgeschlagen gegenüber Rivalen wie Google oder Facebook, die viel später an den Start gingen.
Google gründeten die beiden Doktoranden Lawrence Page (39) und Sergey Brian (38) im Jahr 1998. Umsatz und Ergebnis heute: 38 und 10 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu ist Yahoo ein Zwerg.
In keinem anderen Sektor wird derart viel Geld in so kurzer Zeit verdient. Mark Zuckerberg gründete Facebook 2004. Der 28-jährige ist einer der reichsten Amerikaner geworden. Seine Mitarbeiter der ersten Stunde schwimmen im Geld, sie sind Millionäre. Facebook ist heute mit 58 Milliarden Dollar an der Wall Street mehr wert als die Deutsche Bank (40 Milliarden Dollar), obgleich der Frankfurter Marktführer im Jahr 1870 gegründet worden ist. Die Deutsche Bank beschäftigt 100.000 Mitarbeiter, Facebook ganze 4.300. Praktisch über Nacht ist die Facebook-Datenbank mit privaten Fotos zu einer Erfolgsstory geworden.
Auf der einen Seite gibt es diese Erfolge zu feiern, auf der anderen Seite leiden ganze Wirtschaftszweige unter dem Internet. Die Elektronikkette Best Buy, einst ein mächtiger Gigant, kämpft ums Überleben. Der Kurs befindet sich auf Talfahrt. Die Kunden bleiben in den Filialen aus. Bestellt wird heute im Netz bei Amazon, Ebay & Co. Jahrhunderte alte Zeitungshäuser schließen, weil Werbekunden und Leser ins Netz abwandern.
Selbst Giganten wie Wal-Mart oder Metro müssen sich warm anziehen. Das Internet ist mehr eine Bedrohung als eine Chance für den klassischen Filialisten geworden. Der Trend, online zu bestellen, sich die Ware nach Hause liefern zu lassen, nimmt rasant zu.
Als Value Investor rate ich in der Welt des Einzelhandels, des Internets und der Technologie zur Vorsicht. „Buy and Hold“ ist dort schwierig umsetzbar, weil sich die Marktanteile blitzschnell verschieben.
Alte Technologie-Ikonen wie Hewlett-Packard, Dell oder Nokia sind abgestürzt. Heute ist Mietsoftware von Salesforce gefragt. Heute sind Smart Phones von Apple und Samsung der Renner. Wer in zehn Jahren die Menschen mit neuer Technologie begeistern wird, das kann niemand erahnen.
Absehbar ist nur, dass traditionelle Segmente nicht verschwinden werden. In 50 oder 100 Jahren wird es noch Ölfirmen, Waschmittelhersteller, Hotels, Krankenhäuser etc. geben. Das Handwerk wird weiterhin einen goldenen Boden haben. Denken Sie an Bäcker, Schreiner, Dachdecker, Landwirte, Müllwerker usw.
Ob aber Facebook, Twitter oder Research in Motion eine Erfolgsstory im Jahr 2070 sein werden, keine Ahnung.
Es scheint das schnelle Geld im Tech-Sektor nur auf den ersten Blick zu winken. Ich glaube, die meisten Anleger werden auf die Nase fallen. Die Fusion zwischen AOL und Time Warner löste den größten Verlust aller Zeiten aus. 99 Milliarden Dollar gingen den Bach hinunter. Das spricht für sich.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Macht und Gefahr des Internets

  1. Jan

    Ich stimme deinem Artikel zu und verfolge eine ähnliche Anlagestrategie, „gute“ Unternehmen zu einem „fairen“ Preis zu kaufen und diese sehr lange bis dauerhaft zu halten. Ich kann jedoch eins nicht nachvollziehen: Warum wird den Ölunternehmen noch eine so lange Zukunft vorausgesagt? Persönlich habe ich den Eindruck, dass sich alle so langsam aber sicher vom Öl verabschieden. Welchen Aspekt habe ich an dieser Stelle übersehen?

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Jan
    Danke für den Zuspruch und den Einwand zugleich. Ich sehe nicht,dass die Ölproduktion sinkt. Eher wird es wohl bei der Kohle zu einer Stagnation kommen (wegen der höheren Umweltbelastung).

    Die Weltbevölkerung wächst massiv. Wie soll der Energiebedarf ohne Öl gedeckt werden? Klar gibt es Versuche, Autos künftig mit Erdgas / Batterien zu betreiben. Trotzdem wird meiner Meinung nach die Nachfrage an Erdöl bestehen bleiben. Unsere Haushalte sind voll mit Produkten aus Öl (Kunststoffe, Jacken, Tüten, Verpackungen, PCs, Böden etc.)

    @ Matthäus
    Danke für das Super-Interview.

  3. Jan

    Danke Tim, genau das habe ich wohl übersehen. Ich habe bei Öl nie an die ganze Kunststoffproduktion gedacht. Danke für den schnellen Kommentar

  4. StefanStefan

    Öl-Konzerne finde ich auch schwierig. Es wird schon noch eine ganze Weile weitergehen, aber irgendwann denke ich wird die Branche schrumpfen. Vermutlich haben Konzerne wie BASF schon neue Möglichkeiten in den Schubladen um Kunststoffe herzustellen. Alles eine Frage des Geldes. Wenn Öl zu teuer wird kommen die Alternativen um so schneller.

    Ich habe mal eine Doku gesehen, da hat ein Wissenschaftler ein Verfahren entwickelt um aus Algen Öl zu machen. Das hat tatsächlich funktioniert, war billig und hätte im großen Stil umgesetzt werden können. Irgendein Ölkonzern hat ihn dann mit Geld ruhig gestellt. Habe nie wieder etwas davon gehört.

    Was mich auch abschreckt ist, dass ein großer Unfall reichen kann um den Kurs so richtig absacken zu lassen, siehe BP. Ein solcher kann jederzeit und überall auf der Welt passieren.

    Dazu kommt, dass die Förderung immer teurer wird. Ich bin nicht wirklich begeistert von Ölkonzernen. Es gibt genug interessante Alternativen.

    Gruss und allen einen guten Rutsch.

  5. Matthäus Piksa

    Hallo Diskutanten!

    Ich denke, dass die fossilen Energieträger noch in Jahrzehnten genutzt werden, sei es zur Fortbewegung (Autos, Flugzeuge, Schiffe etc.) oder zum Beheizen von Räumlichkeiten.

    Ich mache mir hier nichts vor. Kaum vorstellbar, dass unter Berücksichtigung einer wachsenden Weltbevölkerung im Jahr 2020 oder auch 2030 plötzlich alle mit Batterie-Autos fahren, Strom aus Photovoltaik-Anlagen beziehen usw.

    Das ist meine Einschätzung. Ich denke, dass sie durchaus realistisch ist.

    Gleichwohl bin ich kein Gegner des Ökotrends. Ich habe Respekt vor den Aktivitäten der Greenpeace-Anhänger. Niemand kann ernsthaft etwas gegen saubere Flüsse, Meere, Seen und Wälder haben.

    An Weihnachten lief im Fernsehen der Film „Wall Street 2“ mit Michael Douglas. Darin spielt der Star-Schauspieler den berüchtigten Investor Gordon Gecko („Greed is good!“). Thema ist ua. eine neue Energieherstellungsform.
    Jedenfalls meint Gecko, dass „Grün“ eine neue Blase sein könnte.

    Wer weiß?

    Ich jedenfalls finde es gewagt, dass wir in Deutschland eine Energiewende stemmen möchten. Gleichwohl können wir es uns scheinbar leisten. Ich denke aber, dass es nicht nur um den Preis geht. Das ökologische Gewissen spielt eine wichtige Rolle. Immer mehr Menschen wollen saubere Energie und damit ein sauberes Öko-Gewissen.

    Die meisten können es sich auch leisten. Und die Stromrechnung der Bedürftigen zahlt ohnehin der Staat. Das ist doch die Denkweise nicht nur bei den Entscheidungsträgern in Berlin und andernorts.

    Ich sehe die Energiewende aber dennoch als gewagtes Experiment.

    Man muss auch sehen, dass die alten Energieproduktionsstätten mithilfe immer besserer Katalysatoren und Filter auch immer weniger CO2 produzieren. Hier blieb der technologische Fortschritt auch nicht stehen.

    Wenn die alten Kraftwerke (Atomkraftwerke sind zwar sauber mEn wegen der ungelösten Frage der Endlagerung ein Sonderthema)also immer sauberere Energie liefern, dürfte schlussendlich doch der Preis darüber entscheiden,ob die Energiewende gelingt…?!

    Unter Berücksichtigung der hohen Preise für Strom/Benzin (die Amerikaner zahlen doch nur einen Bruchteil unserer Preise (und jammern trotzdem) – wie viel zahlen eigentlich die Chinesen?) finde ich es insofern einfach erstaunlich, dass wir uns die Aufgabe auferlegen, komplett auf Erneuerbare Energien zu setzen.

    Gleichwohl kann mit dieser neuen Technologie natürlich auch viel Geld verdient werden. Arbeitsplätze entstehen.

    Doch wenn ich mir wiederum ansehe, dass mit Steuergeld Subventionsgräber geschaffen wurden, weil chinesische Öko-Unternehmen viel günstiger produzieren können, dann frage ich mich auch, ob die Kosten am Ende in's Unermessliche steigen, die Profite aber irgendwo im entfernten Ausland landen?

    Abschließend:
    1. Ich würde mir wohl eher keine Aktien von Öko-Unternehmen in's Depot legen. Hat Warren Buffett welche? Nein!
    2. Es gibt natürlich viele neue Technologien über die zum Teil schon seit Jahrzehnten diskutiert wird. Einige Start-ups haben hier Achtungserfolge erzielt.
    3. Wer anderer Meinung ist als ich, wer verlässliche Studien, die am besten ohne Hysterie auskommen, verlinken kann, der darf das gerne tun. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Ich habe bei den Themen Rohstoffabbau/förderung, Energiesicherheit, Energieversorgung, Energiemix etc. keine in Zement gegossene, sprich unabänderliche, Meinung.

    Summa Summarum bin ich skeptisch. Skeptisch ob uns die Energiewende gelingt bzw. wenn sie uns doch gelingt, dann zu welchem Preis? – Wenn man sich die Kostenexplosionen bei vielen vom Staat angeleierten Prestigebauten (S21, Elbphilharmonie, Nürburgring, Berliner Flughafen etc.) ansieht, dann wird mir jedenfalls Angst und Bange. (Ich bin Befürworter der Urbanisierung und der städtebaulichen Modernisierung.)

    Gruß Matthäus

  6. Matthäus Piksa

    @Tim

    Zum facebook-Gründer Mark Zuckerberg lese ich nur Gutes. Er soll relativ bescheiden leben. Das Haus, dass er sich gekauft hat, kostete wohl „nur“ 7 Millionen US-$, er fährt ein bescheidenes Auto, die Hochzeit mit seiner chinesischen Frau fiel bescheiden aus. Und mittlerweile beteiligt sich der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Jung-Milliardär an der Spendenaktion der Superreichen „The Giving Pledge“, wie Buffett und Gates.

    Ich denke, dass man durchaus sagen kann, dass der Ex-Informatik und Ex-Psychologie-Student ein Genie ist.

    Ob facebook in der schnelllebigen Social-Media-Branche noch in 10 Jahren eine Rolle spielen wird, kann ich nicht vorhersagen. Allerdings ist mit über 1 Milliarde Mitgliedern derzeit jeder halbwegs aktive Internet-User mit an Bord. Die facebook-like-Buttons sind aktuell nicht mehr aus dem Web wegzudenken.

    Trotzdem bleibt sie Aktie, deren Kurs sich in letzter Zeit etwas erholt hat, überbewertet, keine Frage.

    Eines steht aber auch fest: Der Datenschutz, auf den facebook nicht viel Wert legt, ist den Usern nicht wirklich wichtig. Wäre es anders, hätte facebook nicht diesen gigantischen Erfolg. – Das ist im Übrigen die Einschätzung von Zuckerberg höchstpersönlich.

    Nichtsdestotrotz sieht man bei den VZ-Netzwerken, dass der Erfolg schnell verblassen kann.

    Gruß Matthäus

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Matthäus
    Danke für das Update zum Thema „Buffett der Öko-Anleger“.

    Das ist spannend. Es geht hier nur um die Rendite. Das ist jedenfalls meine Meinung dazu. Es ist nicht eine plötzlich entdeckte Öko-Ader. Mal wieder zeigt sich, dass Buffett gegen den Strom schwimmt.

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