Laie zu sein, schadet nicht


New York, 24. März 2012

Vermögensverwalter, Fondsmanager und Hedgefonds betrachte ich ziemlich kritisch. Ich glaube, dass Privatanleger in den meisten Fällen, wenn sie sich umfassend informieren, ohne die Hilfe Dritter besser abschneiden können. Denn die Profis sind nicht unbedingt ihr Geld wert. Die Profis versuchen gleichwohl einen besonders guten Ruf aufzubauen, um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen.
Allein die Kosten, die unsere Geldzauberer verlangen, müssen ja erst mal durch Mehrertrag zurückverdient werden. Und das ist genau der Knackpunkt. Die meisten Fondsmanager schaffen es nicht, die Benchmark zu schlagen. Fondsgesellschaften kosten jede Menge Gebühren und Kosten. Sie müssen sich das wie ein kleines Loch in einem Schiff vorstellen: Ständig tritt Wasser ein.
Auch mit Blick auf Anlageberater rate ich grundsätzlich zu einer gesunden Portion Skepsis: Eine Studie an der Goethe Universität in Frankfurt kam sogar zu dem Schluss, dass Anleger mit einem Berater mehr Risiken eingehen. Die wissenschaftliche Ausarbeitung machte außerdem klar: Ohne Anlageberater bleibt mehr Geld unter dem Strich. Finanzberater verleiten ihre Kunden nämlich nicht nur zu höheren Risiken, sie animieren auch zu häufigen An- und Verkäufen. Dies hängt vor allem mit versteckten Provisionen zusammen, die die Berater still und heimlich kassieren. Wegen der Provisionen kaufen die Berater für ihre Kunden auch viel mehr Fonds ein, als die Laien es gewöhnlich tun.
Wie gingen die Forscher vor? Eine deutsche Direktbank mit Online-Börsen-Zugang gab den Forschern Zugriff auf die Daten ihrer Kunden. Die Stichprobe umfasste die Konten von 32.751 zufällig ausgewählten Einzelkunden im Zeitraum von Januar 2001 bis Juni 2006. Auch gab eine große deutsche Filial-Bank Einblick auf deren Kundendaten (analysiert wurden hier 4.447 Depots). Die Professoren Andreas Hackethal und Michael Haliassos von der Goethe Uni sowie Tullio Jappelli von der Uni von Naples Federico II werteten die Daten aus.
Wenn wir das Resultat der Studie zusammenfassen, kommen wir zu dem Schluss:
1. Die Performance der Profis ist schlechter. Die Differenz: Fünf Prozentpunkte. Auf den ersten Blick mag das wenig erscheinen. Auf Sicht von 30 Jahren kann da ein erhebliches Sümmchen zusammen kommen. Wenn sich Laien also gut informieren und eine gute Strategie verfolgen, haben Sie keinerlei Nachteil. Im Gegenteil.
2. Ein Bankberater oder Vermögensberater arbeitet natürlich nicht umsonst. Sie kassieren jede Menge Gebühren und Provisionen. Das erzeugt einen Interessenkonflikt. Welches Interesse steht im Vordergrund? Das Interesse des Endkunden, möglichst eine hohe Rendite zu erzielen oder das Interesse des Beraters, die eigenen Provisionseinnahmen zu steigern?
3. Wenn Sie einen Profi (Arzt, Kfz-Mechaniker, Klempner, Berater) anheuern, sollten Sie eigentlich davon ausgehen, dass der Fachmann besser ist als Sie. In der Finanzbranche ist das leider nicht immer der Fall.
Warum schreibe ich diesen kritischen Blog-Beitrag? Ich möchte zum aufmerksamen Umgang mit Beratern und Vermögensverwaltern aufrufen. Es gibt in der Branche natürlich exzellente Ratgeber und Fondsmanager, die ihr Geld wert sind. Diese zu finden, ist freilich nicht einfach. Auch Privatanleger machen natürlich jede Menge Fehler. Insofern sollten Sie sich unbedingt in das Geldanlage-Thema einarbeiten, lesen Sie viele Bücher, gehen Sie in die Bibliothek, lernen Sie mehr über Ihre Lieblingsaktien. Gehen Sie auf die Homepage Ihrer Lieblingsfirmen.
Wer unsicher ist mit der Aktienauswahl und nicht die Zeit hat sich damit zu beschäftigen, für den lohnt sich der Kauf eines kostengünstigen Indexfonds (etwa auf den S&P 500). Damit sollte langfristig eine schöne Rendite möglich sein.
Und noch was: Was mich schon immer gewundert hat, wie die Hedgefonds derart boomen können. Die Hedgefonds sind ein recht neues Vehikel, das für die superreichen Anleger geschaffen worden ist. Sie sind sozusagen die „Aktienfonds für die Multimillionäre“. Doch die Gebühren sind verdammt hoch. So kassiert ein Hedgefonds zwei Prozent des verwalteten Vermögens. Zudem behält der Manager jährlich 20 bis 30 Prozent des erwirtschafteten Profits ein. Wie soll bei solch horrenden Kosten eine Outperformance möglich sein? Ich rate Ihnen: Seien Sie grundsätzlich skeptisch, wenn jemand behauptet, er wüsste, wie man schnell ein großes Vermögen aufbauen kann. Und fragen Sie immer nach den Kosten, Gebühren, Provisionen – auch den versteckten.
Hier können Sie die Studie der drei Professoren (in Englisch) abrufen. Das PDF ist kostenlos, hat 43 Seiten. Zu der Differenz der fünf Prozentpunkte zwischen Anlegern mit Beratern und den Anlegern ohne Ratgebern finden Sie mehr Infos auf Seite 14 in dem Dokument.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Laie zu sein, schadet nicht

  1. tim schaefertim schaefer

    Hallo Mario,

    danke für den sehr guten Artikel. Das zeigt mal wieder, dass all die Gebühren unter dem Strich nichts bringen. Nach dem Motto: Außer Spesen nichts gewesen.

    Warten wir mal ab. Noch ist ja Zeit bei diesem Wettkampf zwischen den Dachhedgefonds und dem kostengünstigen Indexfonds.

    Die Problematik ja schon jetzt ersichtlich ist: Die extremen Kosten lassen sich kaum rechtfertigen.

  2. Anna

    Hallo,
    ich muss wohl mein Bild über Superreiche etwas gerade rücken. Bislang dachte ich immer, diese Leute würden ihr Geld zusammmenhalten und rechnen können.
    Das trifft wohl nur noch auf die Gründergeneration zu. Bei den Erben ist es scheinbar anders.
    2 % vom Kapital + einbehaltenden Wertzuwachs ist schon allerhand.
    Die 2 % kommen auch wenn die Jungs in den Miesen liegen. Da gibt es vielleicht eine Pulle Schampus weniger, aber umsonst war die Geschichte nicht.

    Viele Grüße

  3. Anna

    Anmerkung:
    Ehe es hier zu Irritationen kommt. Ich meine natürlich die einbehaltenden 20 – 30 % vom Wertzuwachs.

    Viele Grüße

  4. tim schaefertim schaefer

    Hallo Anna,

    ganz genau. Daher sind Hedgefonds-Gurus wie George Soros oder John Paulson auch mehrfache Milliardäre.

    Wobei zu dem Geschäft mit den Hedgefonds zu ergänzen ist: Wer es nicht schafft, den Markt zu schlagen, der steht vor einem großen Problem. Denn die Anleger suchen schnell das weite und investieren woanders.

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