Goldman Sachs wettete auf den Untergang von Bear Stearns


New York, 22. Mai 2010

Der Skandal um Goldman Sachs weitet sich immer mehr aus. Die New Yorker Adresse wird sich von den Vorwürfen nicht so schnell erholen. Das Image ist im Eimer. Immer mehr Kunden kehren Goldman den Rücken. Jetzt hat der New Yorker Verkehrsbetrieb M.T.A. die Geschäfte mit Goldman eingestellt. Aus und vorbei! Sie müssen wissen: MTA ist ein Milliardenkonzern, der einen enormen Finanzierungsbedarf hat, den bislang Goldman steuerte. Der Versicherungsriese AIG wendete sich ebenfalls von dem einst renommierten Haus ab. Die „Washington Post“ hat Goldman schon mit dem Teufel gleichgestellt.
Es wäre falsch, eine Adresse zum Sündenbock des gesamten Sektors zu machen. Die Geschäfte der Konkurrenten sollten gleichfalls unter die Lupe genommen werden. Was mich aber erstaunt an dem Goldman-Betrugsvorwurf der SEC ist: Wie kann Goldman derart aggressiv gegen die Interessen der eigenen Kunden handeln? Wie funktioniert das langfristig? Ich verstehe das Geschäftsmodell nicht.
Nehmen Sie Bear Stearns, dieser traditionsreichen Investmentbank verkaufte Goldman Sachs ein geschnürtes synthetisches Hypothekenpaket im Wert von 300 Millionen Dollar. Genauer gesagt ging das sogenannte „Timberwolf“-Produkt an Hedgefonds von Bear Stearns. In internen Emails bezeichneten Goldman-Mitarbeiter die Transaktion als „Scheiß-Deal“. Die Hedgefonds-Kunden verloren schnell 80 Prozent an dem Geschäft. Daraufhin geriet der Mutterkonzern Bear Stearns ins Wanken und stand kurz vor dem Bankrott. Zudem wettete Goldman Sachs mit Short-Wetten auf den Kursverfall von Bear Stearns. Ich gehe davon aus, dass Goldman sich mit der Short-Wette eine goldene Nase verdiente, denn der Bear-Stearns-Kurs kollabierte regelrecht. Goldman lehnt es ab, das Ausmaß des Verdienstes an dem Leerverkauf zu quantifizieren. Nur durch das Eingreifen der US-Regierung konnte Bear Stearns vor dem Aus bewahrt werden. In einer Notübernahme und mit Schützenhilfe des Weißen Hauses schluckte JPMorgan Chase den kriselnden Bear-Stearns-Koloss.
Ich finde es unethisch, was sich hier abspielte. Erst dem Kunden Schrott unterjubeln und dann auf den Untergang des gleichen Kunden zu setzen, ist nicht die feine englische Art. Wie kann ein solches Geschäftsmodell langfristig funktionieren? Es zeigt sich glasklar, dass unethisches Handeln sich nicht lohnt. Der Imageschaden ist weitaus größer, als die Milliarden, die Goldman mit den unfairen Geschäften gemacht hat. Das ist jedenfalls meine Meinung.


tim schaefer (Author)

drucken


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *