Goldman Sachs und Deutsche Bank vor Gericht


New York, 12. Februar 2012

Weil Goldman Sachs offenbar bei einem Übernahmedeal sowohl den Käufer als auch den Verkäufer beraten hat, muss sich die Investmentbank nun vor einem US-Gericht verantworten. Es handelt sich um eine verzwickte Milliardentransaktion im Energiesektor. Es geht um die angedachte Übernahme von El Paso durch Kinder Morgan. Jedenfalls müssen die Goldmänner in gewisser Weise auf beiden Seiten des Verhandlungstisches gesessen haben. Ein möglicher Interessenkonflikt hätte wohl strikter vermieden werden müssen, meinen die Kläger.
Aufatmen in Frankfurt: Unterdessen wurden zwei Schadenersatzklagen gegen die Deutsche Bank von einem Bundesgericht in New York abgeschmettert. Die europäische Dexia Bank und eine Versorgungseinrichtung für amerikanische Lehrer, die beide hunderte von Millionen Dollar mit wertlosen CDO-Paketen der Deutschen verloren hatten, konnten dem Richter gegenüber nicht klar genug ihre Vorwürfe darstellen. Dexia hatte eine Klageschrift mit mehr als 160 Seiten, die Versorgungseinrichtung für Lehrer mehr als 130 Seiten eingereicht. Gestützt haben sich beide Finanzdienstleister in ihren Klagen auf einen umfangreichen Senatsbericht, der die Abgründe des amerikanischen Immobilienbooms beleuchtet hatte.
Ohnehin wäre es ja nicht richtig gewesen, der Bank als Ganzes die Schuld für Fehler einzelner Mitarbeiter in die Schuhe zu schieben. Hinter Verfehlungen stehen immer Menschen – niemals die gesamte Bank. Das möchte ich hier ausdrücklich betonen. Ich bin der Meinung, dass ein falscher Anreiz die exorbitanten Boni für Investmentbanker sind. Der Kunde muss im Mittelpunkt stehen und nicht der eigene Geldbeutel.
Einen traurigen Ruhm erreichte der Vice President von Goldman Sachs, Fabrice Tourre, der mit Kollegen minderwertige Hypothekenpapiere an Investoren rund um den Globus verkauft hatte.

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Lesermeinungen zu „Goldman Sachs und Deutsche Bank vor Gericht

  1. Matthäus Piksa

    Hallo Tim,

    langsam scheint Rechtsfrieden in der Hypothekengeschichte einzukehren. Erst in diesen Tagen verglichen sich 5 führende Banken mit dem Staat in Höhe von 25 Milliarden US-$.: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/streit-um-zwangsraeumungen-amerikanische-banken-zahlen-25-milliarden-dollar-11643731.html

    Nur die Tabakindustrie musste in den 90ern eine höhere Schadensersatzsumme zahlen, heißt es in dem Artikel weiter.

    Ein weiteres noch ungelöstes Problem läßt sich aus der Lektüre des Artikels herauslesen: Derzeit gibt es noch 11 Millionen Haushalte, die unter “Wasser stehen”, deren Haus also weniger wert ist, als die mit ihm belastete Hypothek.

    Ein Schuldenschnitt an dieser Stelle könnte die amerikanische Volkswirtschaft befeuern.

    Gruß Matthäus.

  2. Tim

    Hi Matthäus,

    danke für den Link und die Infos! Stimmt, ein Schuldenschnitt könnte ein Wunder bewirken.

    Das Problem ist nur, die Banken möchten sicherlich nicht auf das Geld verzichten? Wer soll den Schuldenschnitt bezahlen?

  3. Matthäus Piksa

    Wenn sich in den nächsten Monaten herauskristallisiert, wer auf republikanischer Seite der Herausforderer des amtierenden Präsidenten sein wird, ist es vorstellbar, dass der demokratische Bewerber als traditionell links Positionierter irgendwelche Wohltaten in Aussicht stellen werden wird. Diskutiert wird schon jetzt ein Umschuldungsprogramm, bei dem hochverzinste Kredite durch niedriger Verzinste abgelöst werden sollen.

    Grundsätzlich ist es das Anliegen der amerikanischen Wirtschaftspolitik den Konsum anzukurbeln, der wiederum zu höheren Steuereinnahmen, höheren Wachstumsraten und einer Belebung des Arbeitsmarktes führt. Da ein Teil des Konsums immer den Import von Waren und Produkten vergrößert und die Kehrseite davon der Export von Devisen ist, kommt es folgerichtig zu einem Anstieg des Handelsbilanzdefizits und dann zu einer Abwertung des Dollars. Die in amerikanischen Staatsanleihen investierten Handelsbilanzüberschüsse der Exportländer sind automatisch weniger wert. – Ein Schuldenschnitt-Programm müsste aber zunächst einmal wieder mit einem hohen dreistelligen Milliardenbetrag vom Staat vorfinanziert werden.

  4. Tim Schäfer

    Hi Matthäus,

    klar. Die Verbraucher zu entschulden, wäre ein gigantisches Konjunkturprogramm. All die Millionen Haushalte, die überschuldet sind, wenn die wieder Luft zum Atmen bekämen, wäre das ein Riesenschritt nach vorne. Deiner Meinung nach würde der Staat den Schuldenschnitt bezahlen. Macht Sinn. Denn die angeschlagenen Banken können sich das kaum leisten. Unter dem Strich könnte sich das vielleicht rechnen. Aber dann würde im Umkehrschluss der Staat wieder für die Fehler der Banken (und Verbraucher) gerade stehen müssen….

  5. Matthäus Piksa

    Im Lichte eines religiös-biblischen Kontextes betrachtet sind solche Forderungen nichts Neues: http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/unternehmen/alle-50-jahre-schuldenerlass-152590/index.do

    So stellt der Schuldenschnitt/erlass eine alte jüdische Tradition dar. Schon zu Zeiten Israels wurden den einfachen Menschen immer wieder die Schulden erlassen, um ein zu starkes Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich zu verhindern. Im Mittelalter wurde diese Praxis im christlichen Europa alle 25 Jahre fortgeführt.

    Hier die biblische Stelle, auf der in dem Artikel Bezug genommen wird: http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/lev25.html

    P.S.: Ich würde selbstverständlich keinem (potentiellen) Schuldner raten, einen Schuldenerlass/schnitt quasi miteinzuberechnen, bin ich mir der eher geringen Wahrscheinlichkeit, dass es zu so einem Schritt kommen wird, durchaus bewusst.

    Gruß Matthäus

  6. Tim

    Hi Matthäus, interessanter Gedanke. Ein Schuldenschnitt kann Berge versetzen.

    Ich frage mich, warum der US-Konsument sich derart verschuldet? Vermutlich weil sie nicht wissen, wie sie am besten sparen sollen. Wenn ich mir die Zinsen auf Festgeldkonten oder bei Versicherungen anschaue, bleibt nach Abzug der Inflation und der Steuer nix übrig. Weil es also für diese Leute keinen Sinn macht, zu sparen (sie kennen sich an der Börse nicht aus), geben sie alles, was sie haben, einfach aus. Und nehmen zusätzlich noch Schulden auf. Oder Sie kaufen eben wie verrückt Häuser auf Pump.

  7. Matthäus Piksa

    Ich sehe den Konsum der Ami's schon als eine Art Dilemma, Fluch und Segen. Die Verschuldung der Konsumenten ist nunmal der Umsatz+Gewinn der WallStreet-Konzerne.

    Aber summa summarum wird ohnehin viel zu viel auf hohem Niveau gejammert. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,3%, was im Umkehrschluss bedeutet, dass 91,7% der Menschen im erwerbsfähigen Alter einer Arbeit nachgehen.

    Übrigens: Auf facebook hat gerade jemand einen weinenden Indianer aus Brasilien gepostet. Dort steht jetzt fest, dass am Amazonas ein Riesen-Staudamm gebaut wird, der das energiehungrige Land stabil mit Energie versorgen wird. Aufgerufen wird nunmehr, eine Online-Petition gegen den Bau des Mammutprojektes zu unterstützen. – Eigentlich wollte ich dazu posten: “Die Wahrheit ist: Der Kapitalismus wird dem Indianerstamm und seinen Mitgliedern Arbeitsplätze, also auch Geld, Strom und letzten Endes Wohlstand durch den technologischen Fortschritt bringen. – Von der Entschädigung wird sich der Häuptling zum ersten Mal in seinem Leben einen Fernseher und einen Kühlschrank kaufen können! – Die Tränen rühren daher, weil ein komplett neues Leben auf ihn zukommt und er sich, gewohnt an seine alten Lebensumstände, noch nicht vorstellen kann, dass es auch besser werden kann. – Solche Leute müssen auch mal in’s kalte Wasser geschmissen werden, hätten sie nämlich das Sagen würden wir heute noch alle in der Steinzeit leben. Was hart klingt entspricht einfach der Realität. – Die Anti-Staudamm-Petition ist der blanke Hohn irgendwelcher pseudoweltverbessernder Träumer.” – Da ich aber nicht ständig überall mitdiskutieren will, lasse ich es lieber…

  8. Tim

    Hi Matthäus,

    Ich denke, dass die Arbeitslosigkeit in den USA viel größer ist als eben diese rund 8%. Wenn Du die Teilzeitarbeiter und viele andere rein nimmst in die Statistik (Langzeitstudenten, Hausfrauen und Hausmänner, die eigentlich gerne arbeiten würden etc.), dann ist wohl jeder 5. Erwachsene ohne Job.

    Es stellt sich grundsätzlich die Frage, was einem wichtig ist im Leben. Nur das Geld macht nicht glücklich. Es ist mehr als das. Ich denke andere Faktoren wie die Umwelt, Ökologie, Gesundheit, Familie, Freizeit, Freunde und so weiter sind verdammt wichtig.

    Nur Wachstum und Industrialisierung sind nicht die reinen Glücksbringer für eine Gesellschaft. Die Geschichte mit dem Indianer ist wirklich interessant….

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