Für Übernahmen gibt es Signale


New York, 13. Juni 2013

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Mich faszinieren Übernahmen. Eine kleine Excel-Liste habe ich vor Jahren erstellt und beobachte meine heißen Übernahmekandidaten. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Es gibt ein paar Indizien, die Ihnen helfen können, potentielle Firmen zu identifizieren.
In den vergangenen Wochen haben sich etliche Deals so ergeben, wie ich es vermutet hatte. So ist der bekannte Gemüse- und Früchtehändler Dole Foods von der beherrschenden Familie geschluckt worden. Ich hatte darüber im Februar in der „Euro am Sonntag“ spekuliert.
Außerdem ist diese Woche der Reifenhersteller Cooper Tire von einem indischen Konkurrenten gekauft worden. Über einen Verkauf des niedrig bewerteten Reifenproduzenten fabuliere ich seit langem (u.a. im Börsenbrief „Prior Global“).
Meine Liste mit den Übernahmekandidaten hat eine ziemlich gute Trefferquote. Ich schätze sie liegt bei 50 Prozent. Sehen Sie weitere Treffer hier und hier.
Es ist keine Geheimwissenschaft. Ganz einfache Argumente helfen einem, solche Firmen zu finden. Der gesunde Menschenverstand genügt. Die Argumente müssen einfach Sinn machen, einleuchten. Demnächst rechne ich bei der MTV-Mutterfirma Viacom mit einem Deal. Die massiven Aktienrückkäufe sind schon verdächtig. Und der uralte Großaktionär.
Eine Garantie für eine Transaktion gibt es natürlich nie. So können sich die Pläne des Kaufinteressenten ändern. Oder kann es sich um spekulative Annahmen handeln, die einfach nicht zutreffen.
Das sind meine Indizien für einen möglichen Deal:
1. Sie haben eine beherrschende Familie, die stetig seit Jahren ihren Anteil aufstockt.
2. Sie haben eine Firma, die nach und nach filetiert wird. Sprich, wenn uralte unprofitable Sparten plötzlich verkauft werden, eine Fokussierung auf das Kerngeschäft stattfindet.
3. Wenn der Großaktionär sehr alt ist und stirbt, suchen oftmals die Erben (Kinder, Frau) nach einem Käufer.
4. Wenn es sich um einen traditionsreichen Familienbetrieb handelt, der in der zweiten oder dritten Generation geführt wird und die Kinder das Interesse verlieren. Das sehen Sie daran, wenn Familienangehörigen den Vorstandsvorsitz an externe Manager abgeben, obgleich sie den Job selbst machen könnten.
5. Wenn plötzlich der Vorstand schweigt, obwohl er immer redselig war. Manchmal werden Firmen sehr ruhig, sie ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück, beantworten Anfragen von Journalisten und Analysten ungern oder gar nicht mehr.
6. Wenn der Kurs mit negativen Meldungen auf einmal gedrückt wird. Ein Quartal kann ein Vorstand schlechter aussehen, als es eigentlich ist. So kann der Kurs unter Druck geraten, um einen Übernahmepreis zu drücken. Wenn sich negative Meldungen häufen, ist das verdächtig.
7. Wenn die Großaktionäre ihre Käufe ausbauen.
8. Massive Aktienrückkäufe.
9. Verbündete Aktionäre erhöhen ihren Anteil.
10. Übernahmegerüchte tauchen auf, die Sinn machen.
11. Der Kurs zieht an, ohne dass es Meldungen gibt.
All diese Punkte sind Indizien. Wie gesagt, genau weiß man es erst hinterher.
Nicht immer lohnt es sich, auf eine kernige Übernahmeprämie zu wetten. Der Übernehmer möchte natürlich tendenziell so wenig wie möglich bezahlen. Im Vorfeld einer Offerte kann er den Kurs künstlich (mit durchaus legalen Methoden) unter Druck bringen, um Geld zu sparen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Für Übernahmen gibt es Signale

  1. Andreas

    Sehr interessante Liste mit Indizien für eine Übernahme – alle Punkte klingen sehr plausibel und einleuchtend.
    Ich hoffe ich kann die meisten im Hinterkopf behalten 🙂

  2. Frank

    Hallo Tim,
    was hältst du eigentlich von h&r ag.
    Ziemlich verprügelt, aber stetige Insiderkäufe.
    Frank

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