Endlich beginnen die Amerikaner zu sparen


New York, 31. März 2009

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Um gut ein Prozent hat sich am Dienstag der Dow Jones auf 7.608 Punkte erholt. Für General Motors und Chrysler gibt es kaum noch Hoffnung. Sie gehen wohl in das Insolvenzverfahren nach Chapter 11. Ich glaube, dass sich jetzt in der Tat die Börse auf Erholungskurs begeben sollte. Die Wirtschaft wird dagegen noch einige Monate brauchen, bis die Wende eintritt. Schließlich handelt es sich um die schwerste Krise seit der großen Depression.
Ende des Jahres sollten sich die ersten Anzeichen für eine Belebung abzeichnen. Die Finanzinstitute sind gerettet und gestützt worden. Das war eine der wichtigsten Voraussetzungen einer Erholung. Wenn dann noch die giftigen Papiere aus den Bankbilanzen genommen werden, dürfte die gesamte Branche vor einer Mega-Rallye stehen.
Die Leitzinsen von derzeit Null Prozent müssen die Amerikaner teuer bezahlen. Es wird wohl in einer Super-Inflationsperiode münden, die wir schon mal in den 1970er Jahren erlebt haben. Gut möglich, dass die FED dann die Leitzinsen auf mehr als zehn Prozent anheben muss, um die Geldentwertung in den Griff zu bekommen. Also, wer jetzt eine langfristige Hypothek unter Dach und Fach bringt, ist gut beraten. In den USA gibt es Hypotheken mit 30-jähriger Bindung unter fünf Prozent. Das dürfte nicht mehr allzu lange so billig bleiben.
Die Arbeitslosenzahlen für den März kommen am Freitag. Ich rechne mit einem weiteren Anstieg, im Februar waren offiziell 8,1 Prozent oder 5,7 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Im März 2007 lag die Arbeitslosenquote noch bei 4,4 Prozent. Und jetzt drohen schon bald zehn Prozent und mehr. Dass die Verbraucher nun sparen wie verrückt, verschärft die Krise auf den ersten Blick. Betrug die Sparrate noch kürzlich Null Prozent, so ist sie nun auf gesunde 4,3 Prozent angestiegen. Das Sparen ist dringend nötig, sonst gehen noch mehr Verbraucher pleite. Die amerikanischen Haushalte haben von ihren im Jahr 2007 gehaltenen Nettovermögenswerten in Höhe von 64,4 Billionen Dollar einen beträchtlichen Anteil verloren. Darin enthalten sind Häuser, Wohnungen, Aktien etc abzüglich der Schulden. Von dieser Summe sind 12,9 Billionen durch die Krise den Jordan hinunter gegangen.
Der Aderlass setzt sich fort. Die Häuserpreise fallen weiterhin rapide. Obwohl Immobilien mittlerweile supergünstig und die Finanzierungen wegen der niedrigen Zinslasten tragfähig geworden sind, ist ein Ende des Preisverfalls nicht in Sicht. Es traut sich einfach keiner, einzusteigen. Es ist wie der Griff in das fallende Messer. Warum kaufen, wenn jeden Monat die Preise um fünf bis zehn Prozent einbrechen? Was den Verbrauchern derzeit hilft, sind die geringeren Energiepreise und die Steuerkürzungen im Rahmen des Investitionsprogramms. Sparen ist in! Kredite sind out! „The American Dream“ hat Kratzer abbekommen – war doch ein Großteil des Traums auf Pump aufgebaut. Der Traum vom schnellen Reichtum ist erst einmal dahin.


tim schaefer (Author)

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