Einfach langfristig Anlegen und auf kurzfristige Prognosen verzichten


New York, 28. Dezember 2014

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Menschen sind nicht geschaffen, um einzelne Aktien auszuwählen, zu kaufen und Geld zu verdienen. Ihnen fehlt das Wissen. Und die emotionale Stärke. Vielen Menschen fehlt ferner die Zeit, um die nötigen Informationen zusammenzutragen.

Etwas einfacher ist dagegen das langfristige Investieren in Indexfonds bzw. ETFs. Wobei es natürlich Aktien gibt, die sich zum extrem langfristigen Halten anbieten. Wie diese zehn Aktien hier zum Beispiel.

Im Endeffekt geht es beim Aufbau der Altersvorsorge nur um zwei Dinge: Erstens sollten Sie Ihre Konsumausgaben unter Kontrolle haben. Zweitens sollten Sie in Produktivkapital investieren. Ob es nun Aktien oder Indexprodukte sind, ist zweitrangig und hängt von den individuellen Stärken ab. Das Investieren sollte über lange Zeiträume erfolgen. Mehr ist nicht nötig.

Es ist im Prinzip so einfach. Niemand muss wissen, wann der nächste Crash folgt. Wo das Gold exakt stehen wird in einem Jahr. Niemand braucht zu wissen, wo der Dow Jones, Dax oder ATX am 31.12.2016 landen werden. Das ist alles ziemlich unwichtig. Es lenkt uns nur vom Langfristziel ab.

Natürlich können Sie sich zurecht fragen, warum die Börse jetzt so toll läuft. Ein Grund ist ganz klar das billige Geld der Notenbanken. Weil die FED Wertpapiere wie verrückt aufkauft, steigen die Kurse „künstlich“. Sie werden wie an einer Schnur von einer Geisterhand nach oben gezogen. Das muss irgendwann enden. Das kann dann einen Crash auslösen.

Aber diese Erkenntnis führt nicht weit. Wir kennen eben nicht exakt die Zukunft. Wir wissen nicht, wann die nächste Korrektur kommen wird. Wir wissen aus der Vergangenheit aber, dass die US-Börse im langen Schnitt um zehn Prozent per annum steigt. Also macht es Sinn, dabei zu sein.

Wer meint, die Zukunft exakt zu kennen, wird leichtsinnig. Sie kennen ja bestimmt den Spruch: Übermut tut selten gut. Wer zu mutig ist, macht sich höchstwahrscheinlich mit einem höheren Trading einen Strich durch die Rechnung. Trader und Zocker (Optionsscheine, Hebelprodukte…) schneiden im Regelfall schlechter als die Geduldigen ab. Die Zocker machen aber wenigstens eines: Die Banken reicher und sich ärmer.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Einfach langfristig Anlegen und auf kurzfristige Prognosen verzichten

  1. Fabian S.

    Genau so ist es Tim,

    allerdings denke ich schon, dass man mit normalen Aktien also keine „ewigen Aktien“ schon eher verkaufen kann bspw. wenn der Aktienmarkt stark überwertet ist, sprich wenn die „Zittrigen“ auf den Markt kommen oder der Friseur bzw. Taxifahrer auf einmal Aktien kaufen will.

     

    Ein weiteres Indiz kann auch der Bild-Zeitung-Titel “ Kauft Aktien“ sein.

     

    Denn dann könnte man bei einem Crash wieder voll investieren…

  2. Couponschneider

    Was ich ärgerlich finde, ist die Verwendung des Wortes „Korrektur“. Und zwar wird immer dann von Korrektur gesprochen, wenn Kurse fallen. Warum nie, wenn die Kurse steigen? Warum hat niemand von einer Korrektur gesprochen, als der DAX sich vom 2009-Tief erholte? Immerhin wurde er doch völlig zu unrecht runtergeprügelt.

  3. Felix

    Wenn ein Privatanleger, wie wir hier wohl alle, 10 bis 20 Aktien in seinem Depot hat, kommt es eben doch sehr auf die richtige Auswahl an. Es macht mir auch keiner weiß, dass Privatanleger, quasi in Heimarbeit, Weltkonzerne wirklich bewerten können, um dann zu sagen, jawohl hier irrt der Markt, jetzt steige ich mit 30 % Unterbewertung ein. Wenn diese aufgeholt sind, dann steige ich aus und hole mir den nächsten, von mir durchleuchteten Konzern. Vergiss es!

    Mag sein, dass es Leute gibt, die das können und auch entsprechenden Aufwand betreiben. Einer davon soll in Omaha sitzen. Natürlich schaue auch ich mir die Schulden, die Gewinnentwicklung, das KGV, die Wettbewerber usw. an. Trotzdem bleibt da ein gut Teil Bauchgefühl, trotz intensiver Beschäftigung mit der Börse. Ich mache das nicht, weil ich glaube der beste Analyst zu sein, sondern, weil es interessant ist; es ist zu meinen Hobby geworden. Ich stecke auch viel Zeit rein – just vor fun.

    Ich würde mal schätzen, dass das vielleicht 5 bis 10 % der Bevölkerung so machen können. Trotzdem haben alle das Problem der Vermögensbildung, beispielsweise für das Alter. Was machen die anderen 90 %, die weder Zeit noch Nerv haben, sich mit der Aktienauswahl zu beschäftigen? Nun, da kommen, wenn das hier auch nicht gern gehört wird, Fonds ins Spiel. Im Prinzip langt ein guter, global anlegender Fonds. Der kostet Gebühren, das ist wahr. Wenn er gut ist, sollte er diese wert sein. Es ist wohl für die meisten Menschen, welche regelmäßig etwas über haben, das ideale Instrument, um monatlich einen bestimmten Betrag einzuzahlen (Sparplan), dann kommt im Alter auch etwas dabei rum.

    Soweit, so gut. Das Problem dabei ist, dass wieder tausende von Fonds am Start sind, vom Spezialitätenfonds, der in irgendwelche Goldminen in Südafrika investiert, bis zu den Lieblingen der Finanzpresse, die es verstehen in den Medien präsent zu sein. Auch die von  Hasardeuren gemanagten Fonds, welche zwei drei Jahre unglaubliche Performance abliefern (ich erinnere mich dunkel an einen Bernd Förtsch) und dann kollabieren, sind für eine seriöse Vermögenverwaltung nicht geeignet. Zu den auf den Cayman Islands lokalisierten Fonds habe ich auch keine Vertrauen.

    Gibt es für den nicht börsenaffinen Anleger die seriös agierenden und erfolgreich geführten Aktienfonds, welche man 30 Jahre besparen kann, um am Ende eine schöne Rendite zu erhalten? Das wäre mal den Schweiß der Edlen wert, statt des ewigen Riester-Geschwätzes.

     

  4. Timmy

    @Felix

    Mittlerweile kann man auch Indexfonds/ETFs monatlich besparen. Bei vielen Direktbanken sogar kostenfrei. Ob MSCI World, Stoxx Europe 600, S&P500 etc. – das gibt mir die Aktienmarktentwicklung in Reinform.

    Bei den „aktiven“ spricht mich z.B. der DWS Top Dividende an. Da hat man dann die Klassiker drin und bekommt eine jährliche Ausschüttung von knapp 3%. Auch diesen kann ich bei einigen Direktbanken kostenfrei besparen.

  5. Salvatore

    @Felix

    Wie wichtig ist es für einen Privatanleger die 1000ste Analyse von Werten wie Nestle, Roche, Procter & Gamble, MCD etc. durchzuführen? Solange man auf bekannte Blue Chips setzt, kann man sich das m.M.n. größtenteils sparen, wenn ich von der Branche/den Produkten überzeugt bin.

    Gegenbeispiel E.On/RWE – Produkt „Energie“ wird immer gebraucht und hier kann ich dann entscheiden,  inwieweit ich davon ausgehe, dass die beiden ohne politische Einflüsse Gewinne erzielen können etc.

     

  6. Tom

    Hallo,

    Vanguard-Index gibt es neuerdings auch direkt in Europa zu kaufen.. Mit minimalem Aufwand kann man eigene Vorsorge aufbauen.. Ideal fuer Leute die sich nicht gross mit dem Thema beschaeftigen moechten.. Automatischer Vermoegensaufbau ohne grossen Aufwand..

    Selber tue ich gezielt Aktien kaufen. Das Ziel ist es dadurch schneller die finanzielle Freiheit zu erreichen. Die ersten Jahre waren schwierig, weil der „Schneeball“ langsam groesser wird. Mit jedem Reinvestieren der Dividenden und Aufstocken der Aktien waechst er. Es lohnt sich langfristig.. Kaufen und Halten auf „Ewigkeit“ ist in der Praxis nicht so einfach wie es aussehen mag.. 😉

     

     

  7. Markus

    @Felix

    Mal ein unverbindlicher link zu ein paar Aktienfonds… http://www.gegen-altersarmut.de/Durchschnittswerte-Templeton-Growth-Fund.htm

    Zu aktiven Fonds, passivem Indexing, Einzelaktien und diversen Strategien, soll doch jeder seine eigene Entscheidung treffen und somit auch die Konsequenzen tragen. Vor- & Nachteile findet man bei jeder Anlagestrategie. Logik, Emotion, die persönliche Lebenssituation, gut schlafen können… es gibt so viele unterschiedliche Faktoren, dass ein Patentrezept schwierig wird.

    Nett sind die Summen, was aus 10 k nach sehr … sehr langen Zeiträumen mit einer ansehnlichen Rendite geworden ist.

  8. Felix

    @ Markus

    Ja, ich bin nach längeren Recherchen und auch nach Lektüre des Buches „So schaffen Sie Vermögen“ zu dem Schluss gekommen, dass der „Templeton Growth Fonds“ ein geeignetes Instrument sein müsste, um einen auf 25 bis 30 Jahre abzielenden Sparplan durchzuführen. Da dieser für meine Kinder ist, die sich eher weniger mit Börse, Aktien u.dgl. beschäftigen, möchte ich einen Wahl treffen, die nicht wieder nach ein paar Jahren zur Disposition gestellt werden muss.

    Jetzt werde ich noch schauen, wo es diesen Fonds ohne Ausgabeaufschlag gibt und dann jedes Monat 500 € dorthin überweisen.

    Vielen Dank für die Anregung!

  9. Felix

    @ Salvatore

    Ich wollte keine weitere Analyse von Nestle und Co. anregen, sondern gute, global anlegende Fonds diskutieren.

    Wir jammern hier zwar sehr oft über die Riesterprodukte. Ich bin aber eher für Lösungen zu haben und da ich die Politik nun mal nicht ändern kann und mich das wohlfeile Politiker-Bashing auch nicht wirklich weiterbringt, sind einfache, funktionierende Alternativen gefragt. Ich habe gut und gerne 500 €/M zum Anlegen frei und mir geht es darum, mit welchen Instrument(en) ich das konkret, möglichst einfach und möglichst langfristig – auf jeden Fall – für Jahrzehnte machen kann.

    Dabei will ich weder endlos Geschäftsberichte durchkämmen, x Blogs nach Anlageideen filtern oder bankabhängige Produkte kaufen. Ich will, wie bei anderen komplizierten Dingen des Lebens auch, einen Experten anteilig bezahlen, der mit seinem Knowhow und seiner Expertise die Sache übernimmt. So wie ich es auch mache, wenn mein Auto kaputt ist, ich ins Krankenhaus muss oder mir die Steuererklärung über den Kopf wächst. Von all den Dingen habe ich eine gewissen Ahnung, bin aber kein Profi, genauso wenig wie bei der Geldanlage. Deshalb hole ich mir externe Expertise, für die ich bezahle, womit ich auch kein Problem habe, wenn sie gut ist.

    Deshalb die Nachfrage bei Euch, welche Fonds in Betracht kommen.

  10. Markus

    Hier kann man z. B. 10 Jahre mal miteinander vergleichen… http://www.fondsweb.de/fondsvergleich/LU0114760746-FR0010148981-FR0000018277-DE0009848119-DE0009774794

    Allerdings kann man sich auch zu Tode vergleichen… Äpfel mit Birnen vergleichen usw.

    Ein älterer msci world index ist mit dabei…

    Top Dividende wird über 5 Jahre von den dbx global select 100 dividende geschlagen und und und

    Value, small, emerging, Dividende, Buchwert, rafi…. Korrekte Benchmark? Korrekt gewählter Zeitraum?

  11. Salvatore

    @Felix

    Der Templeton Growth ist eine sehr kostspielige Art und Weise in globale Aktien anzulegen. Je nach Fondsmanager (hat diverse Male gewechselt) schlägt er den MSCI World. Rechne mal z.B. unter http://www.zinsen-berechnen.de wieviel es ausmacht, ob Du über 10/20/30 Jahre 0,5% oder 1% oder wie bei Templeton knapp 2% Gebühr p.a. zahlst.

    Was spricht gegen einen physisch-replizierenden (d.h. direkt anlegenden) MSCI World ETF?

    Zum Beispiel der hier (kann monatlich bespart werden), Kosten 0,3% p.a. : A0NCFR

    Oder Du nimmst die größten Blue Chips weltweit, Kosten 0,5% p.a.: 628938

    Ich bespare für meine Tochter kostenfrei einen ETF auf den Stoxx Europe 600 mit jährlichen Kosten von 0,2% p.a. – über 20 Jahre ist die Korrelation zwischen den einzelnen Aktienregionen fast 1, d.h. identisch.

     

  12. Johann

    Noch eine Idee könnte der Aktiensparplan von der Consorsbank sein. Da kann man bspw. eine Berkshire oder Coca Cola etc. monatlich besparen und zahlt 1,5% dafür. Das finde ich fair.

    Guten Rutsch!

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