Ein gutgelaunter Bill Clinton im Hotel


New York, 11. November 2008

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Gestern traf ich Bill Clinton in New York. Der ehemalige US-Präsident hielt eine beeindruckende Rede auf einer privaten Veranstaltung. Die amerikanische Regierung wird zwei Konjunkturprogramme in Kürze verabschieden, deutete Clinton an. Angesichts der wachsenden Erwerbslosigkeit will Washington außerdem die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ausdehnen. Clinton lobte das Rettungspaket der Bush-Regierung, die 700 Milliarden Dollar in den maroden Finanzsektor pumpte. „Es war die richtige Entscheidung, dem System schnell Liquidität zuzuführen.“ Bush habe ein exzellentes ökonomisches Beraterteam mit Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke, sagte Clinton. Der prominente Gast war von mindestens fünf Leibwächtern umgeben. Überall im Hotel überwachte die Polizei das Geschehen.
In den Jahren 2007 und 2008 sind eine Million beziehungsweise zwei Millionen Häuser zwangsversteigert worden. Clinton warnte, wenn die Zahl weiterhin so schnell steige, würden sich die Kosten daraus schnell auf 500 Milliarden Dollar summieren, was Zweidrittel des 700 Milliarden Dollar Rettungsplans ausmachen würde. Grundsätzlich sei es wichtig, bei neuen Konjunkturpaketen gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen, mahnte er an. Er machte sich für Investitionen in Energie-Sparmassnahmen stark. Beispielsweise sollten in Gebäuden Fenster ausgewechselt und auf eine effizientere Beleuchtung gesetzt werden. Eine massive Beschäftigung könnte ein solches Projekt landesweit hervorrufen. Eine große Zahl an Kohlekraftwerken könnte dank der Einsparungen geschlossen werden, schwärmte der 42. Präsident der USA. „Das sollte Teil des Konjunkturpakets sein.“
Clinton sprach sich dafür aus, das Krankenversicherungssystem zu modernisieren. „Wir geben 50 Prozent mehr im Gesundheitswesen aus als andere wohlhabende Staaten. Wir müssen uns das noch mal genau anschauen.“ Zudem appellierte er, die US-Armee so schnell wie möglich aus dem Irak abzuziehen. Zehntausende von Soldaten seien verwundet, die Familien litten zum Teil sehr stark unter dem Krieg. „Die Iraker wollen uns nicht. Wir haben keine andere Wahl. Unsere Armee hat Schwierigkeiten. Wir haben dramatische Stresssituationen unter den Militärangehörigen und ihren Familien.“ Hoffnungsvoll äußerte er sich über den Nahen Osten: „Es gibt neue Chancen für Friedensgespräche im Nahen Osten.“
Bestens aufgelegt war der Gastredner. Er riss Witze und erzählte Anekdoten. So habe er – eine Woche bevor das Rettungspakt der Regierung verabschiedet wurde – mit dem Aufsichtsratschef von Wal-Mart gesprochen. Der Wal-Mart-Aufseher habe ihm erzählt, dass Tresore fürs Eigenheim verkauft worden seien wie verrückt. Damit spielte Clinton darauf an, dass die Bürger ihr Erspartes aus Sorge vor weiteren Bankpleiten lieber zu Hause bunkern.
40 Prozent der Zunahme des Inlandsprodukts sei in den zurückliegenden Jahren auf den Hausboom zurückzuführen. Der restliche Teil basierte auf Konsumausgaben, die größtenteils mit Krediten finanziert wurden. „Inmitten der Krise erhielt ich zwei automatische Anrufe von Kreditkartenfirmen. Da haben wohl einige etwas nicht verstanden“, scherzte Clinton über die aggressiven Vermarktungstaktiken der Kreditkartenanbieter.


tim schaefer (Author)

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