Ein Dauererfolg: Wie Amerika für die Rente mit Aktien spart


New York, 19. Februar 2015
Amerikaner sparen für die Rente ziemlich clever. Sie setzen über Spezialdepots mit dem Namen 401(k) auf Aktien. Immer mehr Sparer werden so Millionäre.

Amerikaner sparen für die Rente ziemlich clever. Sie setzen über Spezialdepots mit dem Namen „401(k)“ auf Aktien. Immer mehr Sparer werden so Millionäre. Washington lässt die 401(k)-Depots aus dem Bruttoeinkommen besparen. Die Erträge sind steuerfrei. Der Arbeitgeber gibt einen Bonus oben drauf. Mit den Jahrzehnten reifen immer mehr Millionendepots heran. Wie Fidelity meldet, hat die Fondsfirma bereits 72.000 Millionäre unter den Spezialdepot-Inhabern. Vergleichen Sie das mit Deutschland: Mit Riester kann man kaum Millionär werden.

In den USA trägt das Aktiendepot für die Rente namens „401(k)“ Früchte. Wie Fidelity meldet, hat die Fondsfirma bereits 72.000 amerikanische Arbeitnehmer, die 1 Million Dollar in diesen Rentendepots angespart haben. Es werden immer mehr.

Im Schnitt befinden sich in den Spezialdepots 91.300 Dollar je Kunde. Ohne Strafsteuern dürfen Bürger Geld entnehmen, wenn sie 59-einhalb Jahre alt sind.

Wenn Sie das mit den deutschen Riester-Verträgen vergleichen, ist es eher unwahrscheinlich, dass es bald Riester-Millionäre gibt. Die Verzinsung ist hierzulande zu mickrig, die Kosten sind in vielen Fällen zu hoch.

In den USA werden die Aktiendepots für die Rente im Endeffekt kostenlos von Discountbrokern und Fondsfirmen für die Sparer geführt. Meist werden sie mit Indexfonds oder Mischfonds bestückt.

Bei Riester-Versicherungen werden zuweilen gleich bei Vertragsabschluss mehrere tausende Euro Provision fällig. So entstehen absurde Gebührengräber. In Deutschland wäre es sinnvoll, wenn gelten würde: Zuerst das Interesse des Kunden! Die enormen Gebühren sind nicht im Sinne des Kunden. Milliarden werden so zum Fenster hinausgeworfen. Das Problem: In Berlin hat Lieschen Müller keine Lobbyisten, sondern nur die Finanzgiganten.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Ein Dauererfolg: Wie Amerika für die Rente mit Aktien spart

  1. franz

    Kaufst du monatlich oder quartalsweise? Wie sieht es mit den gebühren aus? Ich zahl 10 euro pro trade!

    Danke!

    Lg

  2. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Franz

    Ich kaufe 2 Mal im Jahr. Am liebsten wäre es mir, wenn ich einen Dividenden-Reinvestment-Plan hätte. Jedes Mal wenn also eine Dividende fließt, kommt das Geld auf ein spezielles Unterkonto, um automatisiert neue Aktien mit dem Dividendencash zu kaufen. Sieben Discount-Banken bieten das in den USA ihren Kunden gratis an:

    http://www.dailyfinance.com/2014/08/09/brokers-offer-free-money-dividend-reinvestment/

    Das ist eine feine Sache. Du sparst automatisch und gratis.

  3. Tino

    feines Angebot, wenn man langfristig orientiert ist und sein Depot nicht direkt für passives Einkommen benötigt. Ich bevorzuge jedoch etwas mehr Kontrolle, möchte gezielt selbst entscheiden wann und wo ich investiere, um Stimmungsschwankungen, Korrekturen, etc. zu meinem Vorteil zu nutzen.

    Es ist wie Du es mehrfach geschrieben hast mit den geförderten Sparprogrammen. Sie sind nicht viel besser  als ein Sparstrumpf, unflexibel noch dazu. Von dem Geld profitieren andere, skandalöser Lobbyismus. Für mich ist es traurig, dass Menschen sich evtl. bewusst einschränken um dann im Alter eine nicht marktfähige Rendite zu erhalten. Sie gehen in diese Produkte mit vorgegaukelter Sicherheit und bringen sich damit sogar in die Gefahr der Verarmung je nach Status. Wenn kein Zinseszins wirken kann ist das Ergebnis um ein Vielfaches schlechter nach Jahrzehnten. Das ist keine Sicherheit, sondern eine reale Gefahr, wenn mit Realzins gerechnet wird. Genauso wie es immer noch viele Leute gibt die ihr Geld auf Sparbüchern horten. Wenn diese Menschen sehen würden wie Schein für Schein an Realwert verbrennt, keiner würde auch noch einen Cent dort anlegen. Die Lösung beschreibst Du gebetsmühlenartig aus immer neuer Perspektive. Wer sorgfältig liest und versteht, hat eine Chance so wie die Rentner mit dem 401(k)-Depot.

  4. franz

    Und wenn du da 2x pro Jahr einsteigst kaufst du da einen etf oder kaufst du bei deinen einzelwerten nach?

    Achtest du dabei auf die kurse bzw. bewertungen oder kaufst du da regelmäßig unabhängig der genannten parameter.

     

    Dankeschön!

    Lg

    PS: Dein blog ist echt toll!

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 20. Februar 2015 | Die Börsenblogger

  6. StefanStefan

     

    @ Tim:

    du kaufst nur zwei Mal im Jahr Aktien?

    Wenn du als in Amerika Lebender die Möglichkeit hast so ein Depot zu errichten warum machst du es dann nicht?

  7. Jan

    Nur mal eine kurze Empfehlung / Bitte an unseren werten Herrn Schäfer, quasi off topic: ich bin, wie viele hier, auch interessiert daran mich weiterzuentwickeln. Und da helfen m.E. nur Bücher. Ich würde mich daher mal über einen Artikel zu lesenswerter Literatur (inkl. Empfehlungen in den Kommentaren) freuen.

  8. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Tino

    Genau. Man kann sein Geld schützen, indem man es smart LANGFRISTIG investiert. Da genügt im Endeffekt schon ein ganz einfacher Indexfonds auf den DAX. Oder man legt sein Geld aufs Sparbuch und schon nagt die Inflation… zumindest wird der Kaufkraftverlust mit den Jahren kommen.

     

    @ franz

    Ich kaufe immer im Frühjahr. Einmal im Jahr. Das habe ich mir so angewöhnt. Ob das jetzt besonders clever ist vom Timing, weiß ich nicht. Ich mache es einfach so, weil ich dann immer meine Steuererklärung vorbereite. Ich schaue, welche Aktie für mich Sinn macht. Ich besitze Berkshire Hathaway, Bank of America, Exxon, SAP, Adidas…:
    http://timschaefermedia.com/meine-vier-aktien-bis-zur-rente/
    Ich verkaufe meine Positionen nicht mehr. Ich halte die Dinger einfach langfristig durch. Und stocke manchmal auf (im Frühjahr). Hinzu kommt: Als Journalist vermeide ich so mögliche Interessenskonflikte. Im direkten Umfeld eines Artikels/Empfehlung kaufe ich keine Aktien. Es wäre zwar bei einem Blue Chip wie Exxon oder Berkshire an den Haaren herbeigezogen, trotzdem mache ich es nicht.

     

    @ Jan

    Ich lese am liebsten Magazine, Zeitungen und Online: New York Times, Wall Street Journal, The Economist, Fortune, Time, The New Yorker, fool.com. Zur Zeit blicke ich in diese Bücher: „More Money Than God“ von Sebastian Mallaby und „Talent is Overrated“ von Geoff Colvin. Da stehen ganz interessante Dinge drin. Meine Dauerempfehlungen sind rechts in der Amazon-Buchspalte. Ich schmökere noch im Buch von Guy Spier, der seine Karriere an der Wall Street ziemlich selbstkritisch schildert („Die Value Investor Ausbildung“). Eines der besten Bücher ist von Benjamin Graham: Intelligent Investieren.

  9. Stefan Müller

    Habe bislang alle relevanten Parteien bezüglich Riester, 401 (k) Depots und Altersvorsorge angeschrieben.

    Hier die Antwort der AfD:

    Sehr geehrter Herr Müller,

    vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen und die daraus abgeleitete Frage. Die von Ihnen genannten 401(k)-Depots kenne ich leider nicht, auch sind sie (bisher) nicht Gegenstand von parteiinternen Erörterungen.

    Ihre negativen Einschätzungen zur Riesterrente teile ich vollständig. Dennoch ist jedem Bürger dringend private Altersvorsorge anzuraten. Da ich in Wirtschaftsfragen eine liberale Haltung habe, ist für mich die erste Frage, ob der Staat hier überhaupt mit einem komplizierten Regelwerk eingreifen muss oder ob es nicht reicht, über eine einfache steuerliche Förderung private Altersvorsorge attraktiver zu machen. Dann hätte der Bürger vermutliche ein große Auswahl, die der Markt zur Verfügung stellen würde.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Bernd Kölmel

     

     

    Fazit: SPD und CDU gegen 401 k Depots, da keine Garantie vorhanden. Riester ist gut.

    Grüne, Linke: Keine Ahnung, und offensichtlich kein Interesse.

    FDP und AfD: Auch keine Ahnung von 401 k, aber raten dringend zur Altersvorsorge und finden Riester (zu) kompliziert.

    Ich kann auf Wunsch alle gesammelten Antworten inkl. meiner Frage auflisten.

     

  10. Couponschneider

    Ich finde, Riester und Rürup (R&R)haben enormen Schaden angerichtet. Wie der AfD-Mensch schrieb, ist private Vorsorge wichtig. (Ich rate von der AfD dennoch ab. Ich wähle FDP.) Das Problem ist nun, dass R&R verbrannte Erde hinterlassen haben. Ich habe schon viele Kommentare von R&R-Opfern gelesen wie: „Man hat uns empfohlen, private Vorsorge zu betreiben. Nie wieder!“ – Es müsste heißen: „Nie wieder so!“ Nie wieder diese unflexiblen und überbürokratisierten Dinger. Die ohnehin lethargische Gesellschaft ist durch R&R noch lethargischer geworden.

    Dabei ist es doch so einfach: Jeglicher Wohlstand wird durch Arbeit geschaffen. Wo wird gearbeitet? In Unternehmen. Daran kann man partizipieren, indem man Teilhaber (Aktionär) wird oder der Unternehmung Geld verleiht (Anleihen zeichnet). Fertig ist die Laube! Mehr Instrumente braucht man nicht. Keine KLV, kein Bausparvertrag, kein R&R, keine Zertifikate, keine Garantieprodukte, einfach nur diese zwei Instrumente.

  11. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Stefan

    Besten Dank für das sehr gute Update, das das Problem auf den Punkt bringt: Unkenntnis. Wenn jemand bereit ist zu lernen, sollte die Person über den Tellerrand schauen. Nicht alles, was in Australien oder den USA gemacht wird, ist perfekt. Das behauptet niemand. Aber lernen von den guten Dingen – das sollte schon möglich sein. Zumindest ist das Bilden und Informieren oberste Pflicht für einen Politiker.

    Wenn Du die anderen Antworten zustellen kannst, wäre das klasse. So wird das Verhalten der Politiker transparent.

     

    @ Couponschneider

    Du hast es gut auf den Punkt gebracht. Sparen ist wie Stricken gegen bittere Kälte. So kommt man kaum ans Ziel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *