Dow Jones im Höhenrausch. Ist das die Wende?


New York, 28. Oktober 2008

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Die Wall Street in Feierlaune. Heute machte der Dow Jones Freudensprünge. Der Leitindex explodierte um 889 auf 9.065 Zähler. Über zehn Prozent im Plus beendete die weltgrößte Börse den Handel. Es riecht nach einer Bodenbildung. Die 889 Punkte waren der zweithöchste Punkteanstieg, den es je gab. Der Dow Jones hat den Verlust im Oktober auf nur noch 16,5 Prozent reduziert. Es war der zweitbeste Tag auf Sicht von zwei Wochen. Wir sind nur noch knapp 40 Prozent vom Allzeithoch im Dow Jones entfernt. Wie sich die Börse kurzfristig nun weiterentwickelt, kann ich Ihnen nicht sagen. Nur langfristig weiß ich, dass wir neue Rekordhöhen erreichen werden. Viele Unternehmen haben ihre Kosten radikal gekürzt, ihre Reserven erhöht, Personal entlassen. Sobald die Konjunktur wieder in Schwung kommt, sollten die Sparmassnahmen eine gigantische Hebelwirkung entfalten. Die großen und gesunden Konzerne werden so stark wie nie zuvor aus dieser Krise hervorgehen. Etliche Wettbewerber werden auf der Strecke bleiben. Insofern sichern sich die übrig gebliebenen Firmen einen höheren Marktanteil. Survival of the fittest! Die Unternehmen werden dann Gewinn-Rekorde melden.
Ich bin schon gespannt, in welchem Sektor die nächste Blase entsteht. Wir haben so viele gesehen in den letzten Jahren. So hatten wir die Technologieblase in den Jahren 1999 und 2000. Es folgte die Immobilienblase. Daraufhin kam es zum wahnwitzigen Hype um Hedgefonds. Viele dachten, dass die Fondsmanager Geldzauberer sind – und ohne Risiko, Geld verdienen können wie verrückt. Nun fliehen viele Anleger aus diesen Fonds, ein Drittel der Anbieter dürfte vom Markt verschwinden. Außerdem hatten wir eine Blase um den Euro gesehen. Gegenüber dem Dollar war die europäische Gemeinschaftswährung gnadenlos überbewertet. Und wir sahen eine Überbewertung bei Rohstoffen – etwa dem Rohöl. Ich bin mir sicher, dass die nächste Blase gerade am Entstehen ist. Wenn Sie entsteht, ist es gut dabei zu sein. Nur muss man rechtzeitig den Ausstieg schaffen, bevor sich die Blütenträume in Luft auflösen. Ich versuche, um Blasen einen weiten Bogen zu machen und suche nach unterbewerteten Aktien. Jetzt ist beispielsweise eine schöne Gelegenheit, um an der Börse auf Schnäppchenjagd zu gehen. Immobilien-, Bank-, Airline-, Stahl- und Ölaktien stehen in meinem Fokus. Viele Anleger haben in dieser Krise jedoch die Nerven verloren. Ich lernte in New York etliche Menschen kennen, die kürzlich ihre Aktien verkloppt haben. Das ist der Hammer, es ist schade. Menschen verlieren einfach die Geduld. Dabei ist der langfristige Blick wichtig. Gier und Angst sind die falschen Ratgeber. Problematisch sind in diesem Zusammenhang die Medien. Sie schreiben nur über die Krise und vergessen dabei dem Anleger zu sagen, dass dieser Abschwung die beste Zeit für Langfristanleger ist. Wer sich jetzt ausgebombte Aktien unter den Nagel reißt, kann auf lange Sicht ein gigantische Rendite in die Scheune fahren. Lassen Sie sich nicht verrückt machen.
Boing kletterte heute um 15 Prozent. General Motors und der Mobilfunkanbieter Verizon schlossen jeweils knapp 15 Prozent höher. Den Vogel schoss Alcoa ab. Die Aktie des Aluminiumherstellers schnellte um 19,25 Prozent auf 10,78 Dollar in die Höhe. Ich hatte übrigens den neuen Vorstandschef Klaus Kleinfeld kürzlich auf einem Empfang in New York getroffen. Der ehemalige Siemens-Lenker hielt eine interessante Rede über die Zukunftsaussichten von Aluminium. Die Aktie kam brutal unter die Räder. So hat sich das Alcoa-Papier seit dem Frühjahr geviertelt (siehe Chart). Dabei stellt Kleinfeld ein jährliches Wachstum von im Schnitt sechs Prozent in Aussicht. Die Globalisierung, das Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung würden den Bedarf von Aluminium anheizen, sagte Kleinfeld. Der Börsenwert ist auf 8,6 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Für mich ist die Alcoa-Aktie auf dem ausgebombten Niveau ein Kauf: 2007 gingen immerhin mehr als 30 Milliarden Umsatz durch die Bücher, es blieben 2,5 Milliarden Dollar nach Steuern hängen. Freilich wird der Konjunktureinbruch nicht spurlos an dem Rohstoffhersteller vorüberziehen. Kleinfeld kündigte Sparmassnahmen und Effizienzsteigerungen an. Er will Schmelzereien schließen. Unterm Strich schleppt der Konzern allerdings acht Milliarden Dollar Schulden mit sich herum. Bilanziell ist das jedoch vertretbar. Das Kurs-Gewinn/Verhältnis ist mit neun günstig, die Dividendenrendite mit sieben Prozent attraktiv.


tim schaefer (Author)

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