Die Inflation kommt, was tun? Aktien kaufen!


New York, 9. Juli 2011

Politiker wollen uns stetig beruhigen. Alles ist halb so schlimm. So oder so ähnlich sind die Botschaften von Barack Obama. Die Inflation sieht so recht keiner. Wer Verantwortung hat in Washington, der versucht die Menschen eben zu besänftigen. Dabei gibt es genug Alarmsignale. Vor allem rechne ich mit einer gewaltigen Inflationswelle, die über uns schwappen wird. Die Inflation ist ja längst in China und Südamerika ausgebrochen. In Europa zieht sie an, daher erhöhte die EZB gerade die Leitzinsen. Das war erst der Anfang. Die Geldentwertung wird sich weltweit wie eine Seuche ausbreiten. Viel heftiger, als Sie sich wohl ausmalen können. Wir hatten nämlich seit Anfang der 1980er Jahre keine wirklich alarmierende Situation mehr. Eines sollte uns bedenklich stimmen: Clevere Milliardäre wie John Paulson haben im großen Stil Goldaktien in den vergangenen Jahren gekauft, bestimmt nicht aus Jux und Tollerei. Dass die chinesische Zentralbank Goldvorräte massiv aufkauft, spricht für sich. Mexiko riss sich hastig mehr als 93 Tonnen Anfang des Jahres unter den Nagel. Die Liste der großen Goldkäufer ist lang: Russland, Indien, Saudi Arabien. Sind das alles Idioten? Oder warum kaufen diese Staaten alle das Edelmetall? In den vergangenen Jahren deckten sich sogar Thailand, die Philippinen, Sri Lanka, Mauritius, Kazakhstan, Venezuela, Bolivien, Peru und so weiter mit Gold ein. Nun wenn alles so toll aussieht, warum engagieren sich gerade die Schwellenländer in der Reservewährung? Da ist doch was im Busch. Ich glaube: Diese Staaten wollen ihre Währungen und damit ihr Staatssystem schützen, indem sie es mit Gold unterfüttern. Sie haben schlichtweg Angst. Angst vor einem Kollaps.
Wir hatten in den USA eine gigantische Kreditblase, die mit ziemlich wertlosen Immobilien abgesichert war. Wie kriegen wir den Hypothekenberg aus der Welt? Nun der muss entweder abgeschrieben werden auf Seiten der Banken oder die Kreditnehmer müssen ihren Schuldenberg Stück für Stück abtragen. Eine weitere Variante: Die Bürger müssen in die Privatinsolvenz gehen. Das ist der Lösungsweg. Der ist schmerzhaft, aber drum herum kommen wir nun einmal nicht. Eine zeitlang dachte man in Washington, der Schmerz könne verhindert werden, indem man billiges Geld auf die Menschen wirft und ihnen neue Kredite gewährt. Aber die Gelddruckerei ist keine Lösung, und schon gar kein Sinn macht es, ständig neue Hilfen und Darlehen zu gewähren.
Die Probleme schlummern nicht nur in den USA. Überall brodelt und kocht es. Griechenland ist pleite und weitere Länder in der EU wanken. Das ist wohl der Grund, warum die Schwellenländer sich mit Gold eindecken. Ein Trend, den es in diesem Ausmaß seit Jahrzehnten nicht gab. Gut möglich, dass die Staatschefs und ihre Berater Sorgen vor einem Kollaps des Zahlungssystems haben. Ohnehin ist ein Krieg der Währungen ausgebrochen. Die Währungskurse sind extrem volatil, es gleicht einem Spielkasino. Ausschläge von über einem Prozent an einem Tag bei Währungspaaren wie dem Dollar-Euro scheinen mir suspekt zu sein. War das früher auch der Fall?
Wenn ich mir dann den einen oder anderen mächtigen Politiker in Washington anschaue, was die so an Gold besitzen, dann ist das beachtlich. Nehmen Sie den Kongressmann Ron Paul. Der erzkonservative Republikaner will sich erneut für das Präsidentenamt bewerben. Der Mediziner hat sich bis unter die Halskrause mit Minenaktien eingedeckt. Ich habe die offizielle Parlamentsmeldung über Pauls Reichtümer herausgefischt. Ohnehin ist es interessant zu sehen, welche Aktien die mächtigen Politiker besitzen. Das Parlament besteht in den USA vermutlich nur aus Multimillionären. Hier können Sie herumstöbern und schauen, wer was besitzt. Studien haben gezeigt, dass die Politiker bei ihren Aktiengeschäften verdammt gut abschneiden. Vermutlich hängt es mitunter mit dem Ausnutzen von Insiderwissen zusammen. Auf diesem Link können Sie sich zwölf prominenten Abgeordnete und ihre größten Aktienpositionen anschauen. Die alten Hasen in Washington sind allerdings nicht wild am Handeln, das sind eher die Neuankömmlinge. Auffällig oft befinden sich Cisco, Microsoft und jede Menge Banken in den Depots. Diese Firmen haben auch etliche Lobbyisten in der Hauptstadt, sie sind zudem brave Spender. Übrigens bieten Aktien einen guten Schutz vor der Inflation. Denn die Wertpapierkurse steigen mindestens so stark wie die Geldentwertung. Wer am Ende die Rechnung bezahlt, wenn es wieder knirscht im Gebälk, sind die Kleinsparer, die ihr Geld auf Sparbüchern und Festgeldkonten horten. Von diesem Reserven wird am Ende des Tages wohl nicht mehr viel übrig bleiben.
Obwohl ja Gold als der Schutzhafen für Krisen gilt, bin ich hin- und hergerissen, ob es auf dem aktuellen Niveau von rund 1.500 Dollar je Unze noch Sinn macht, hier einzusteigen. In den vergangenen zwei Jahren verteuerte sich die Feinunze um 60 Prozent. Das ist ein mächtiger Anstieg. Wir haben einen Goldrausch sondergleichen. Das kommt vielleicht alle 100 Jahre vor. Einen solchen Boom, der jetzt die „Normalbürger“ erfasst, sollte uns zumindest nachdenklich stimmen. Ich meine, es macht eher keinen Sinn mehr, aggressiv einzusteigen. Wir haben eine Rekordrallye beim Gold gesehen. Wer kleine Minenpositionen seinem Depot hinzufügen möchte, warum eigentlich nicht. Aber Haus und Hof würde ich jetzt nicht mehr auf das gelbe Edelmetall verwetten. Denn eines Tages wird der Goldpreis sinken. Warren Buffett rät jedenfalls zu Aktien. Von Gold ist der Meister alles andere als begeistert, obwohl sein Vater dick im Geschäft mit Gold war.
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tim schaefer (Author)

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