Die Börse ist teuer geworden


New York, 23. Dezember 2014
Auf der Titelseite eines Tageszeitung wird die Kursrallye gefeiert. Der größte Zweitagesgewinn seit 2008. Der Größte Eintagesgewinn seit in drei Jahren. Die Mini-Korrektur ist vorüber etc.

Auf der Titelseite einer großen US-Tageszeitung vom Wochenende wird die Kursrallye gefeiert. Der größte Zweitagesgewinn seit 2008. Der Größte Eintagesgewinn in Höhe von 421 Punkten (am Donnerstag) seit in drei Jahren. Die Mini-Korrektur ist vorüber etc. Das Jubeln kann irgendwann enden.

  • Der IPO-Markt ist heiß gelaufen. Selten zuvor gab es so viele Börsengänge.
  • Es ist der heißeste Markt seit dem Blasenjahr 2000.
  • Sie sollten bei IPOs vorsichtig werden.
  • Die Börse ist teuer geworden, es zeichnet sich eine Überhitzung ab.
  • Das perfekte Timing zum Aus- und Einstieg findet niemand.
  • Ich behalte als Langfristanleger trotz der euphorischen Stimmung all meine Aktien. Ich kaufe allerdings keine Börsengangskandidaten. 

Kommen wir gleich zum Punkt: Aktien sind teuer geworden. Der breite Markt wird üppig bewertet. Zumindest in den USA. Seit sechs Jahren läuft der Dow Jones schon nach oben. Die Zahl der IPOs ist auf einem Mehr-Jahres-Hoch angekommen.

Schauen Sie diesen Zeitungsauszug vom Wochenende an: Die Tageszeitung „USA Today“ berichtet vom „Bubble 2.0“. Vom verrückten IPO-Markt. Seit dem Jahr 2000 gab es nicht mehr so viele Börsengänge. 273 waren es dieses Jahr. Davon entfällt das Gros auf die Nasdaq, die bis dato 175 Neulinge aufs Parkett geführt hat. Sehen Sie mein Foto vom Times Square. Am Freitag Abend freute sich die Nasdaq auf ihrem Billboard über den IPO-Erfolg:

Am Times Square wirbt die Technologiebörse für sich: 175 IPOs hat sie dieses Jahr gemacht.

Am Times Square in New York wirbt die Technologiebörse für sich: 175 IPOs hat sie dieses Jahr gemacht. Was die einen als toll empfinden, kann als Warnung für andere dienen. Das Foto machte ich am Freitag Abend.

IMG_0574

Die Zeitung „USA Today“ nennt es selbst eine „Blase 2.0“, den verücktesten IPO-Markt seit dem Blasenjahr 2000.

Nun was tun? Als Langfristanleger ertrage ich eine teure Börse. Ich behalte trotzdem meine Aktien langfristig. Ich weiß, dass ich den Markt nicht perfekt timen kann. Die Börse kann noch Jahre nach oben laufen, bevor sie ins Rutschen kommt. Niemand weiß, was exakt kurzfristig passieren wird.

An IPOs beteilige ich mich aber nicht. Ich zeichne keine Neuemissionen. Ich halte mich fern von diesen. Sie sind mir generell zu intransparent. Und zu teuer. Die Emittenten möchten natürlich die höchst möglichen Preise realisieren. Wenn Ihnen eine Firma gehören würde, würden Sie am liebsten an die Börse gehen, wenn Sie kernige Preise realisieren können. Ist doch logisch. Dann, wenn das Interesse möglichst groß ist.

Eine Sache, die mich beim IPO-Prozess stört, ist eine Art von Auktion. Die Bank mitsamt dem Börsennovizen sammelt alle Zeichnungsaufträge und versucht, einen möglichst hohen Emissionspreis festzulegen. Es ist wie eine Zitrone, die ausgepresst wird. Niemand möchte schließlich Geld verschenken. Wenn Sie als Unternehmer zum Beispiel massenweise Interesse zu 25 Dollar je Aktie haben, warum sollten Sie dann die Aktie zu 20 Dollar hergeben, selbst wenn es angemessen wäre?

Ich rate Ihnen zur Vorsicht. Insbesondere vor windigen IPO-Kandidaten. Etwa solche, die niemals Geld verdient haben und teuer bewertet werden.

Auch die Zahl der Übernahmen nimmt zu. Die Zahl der Kapitalerhöhungen klettert. Die Euphorie wird eines Tages bereut werden. Wenn auf Titelseiten großer Tageszeitungen die Börse als Erfolgsstory gefeiert wird, ist das etwas, was mich nachdenklich stimmt. Aber noch mal, um es klar zu sagen: Ich bleibe der Börse treu mit meinen Aktien. Ich behalte sie für die Ewigkeit.

Als ich anfing als Börsenjournalist zu arbeiten, dachte ich immer, dass die bekannten Banker, die ständig im Fernsehen auftraten, wie Wissenschaftler waren, die alles wussten. Im Laufe der Zeit fand ich heraus, dass die nicht mehr wissen, als ich weiß. Sie verpacken alles in schöne Worte. Sie wissen, wenn sie selbstsicher klingen, mit vielen Fremdwörtern um sich werfen, werden sie ernst genommen.

Es klingt so logisch, wenn sie sprechen. Aber sie liegen genauso daneben, wie wir alle. Sie kennen eben nicht die Zukunft. Keiner kennt sie exakt. Nur reden sie so, als ob sie genau wüssten, was passieren wird. Die ganzen Prognosen, wohin der Markt Ende 2015 laufen wird, sind sinnlos. Es ist wie eine Wette. Wie ein Los, das jemand zieht.

Also, selbst wenn die Börse etwas teuer ist, ist das halt eben so. Langfristig steigt die US-Börse um circa zehn Prozent. Ich lasse mir diese zehn Prozent nicht nehmen, indem ich rein- und rausspringen werde. Ich möchte diese knapp zehn Prozent eintüten. Daher warte ich ab.

Ich lehne mich zurück und sitze alles aus. Am Ende geht es nur darum, lange genug Geduld zu haben und all den Irrsinn zu ertragen.

Hier noch ein kleines Youtube-Video über den heißen IPO-Markt:

Allen Lesern wünsche ich frohes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und alles Gute im Neuen Jahr. Bleiben Sie dieser Seite treu. Ich schreibe, was ich denke. Mein Ziel ist es Ihnen die erfolgreiche Aktienanlage zu erläutern. Ich weiß selbstverständlich nicht alles. Ich mache Fehler. Und lerne ständig dazu.

Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, die einen erfolgreichen Anleger ausmachen. Es sind ziemlich einfache Dinge. So etwas wie Geduld zu haben. Auf die Kosten, Risiken und Steuern zu achten. Die Bewertung und Zukunftsfähigkeit einer Firma unter die Lupe zu nehmen. Anders als die Masse zu reagieren – zum Beispiel in einer Panik usw.

Dann werde ich über meine Sparsamkeit schreiben. Über meine Fehler und meine guten Taten.

Ein neues Rad, das ich gespendet habe.

Ein neues Rad, das ich an eine Familienstiftung gespendet habe. 

IMG_0502

Mein uraltes Rennrad, mit dem ich einige Triathlons gemeistert habe. Hier bei der Abgabe in der Stiftung in Brooklyn.

Apropos gute Taten: Ich habe zwei Fahrräder gespendet. Ich habe einfach zu viele Drahtesel. Ein nagelneues Fahrrad war darunter. Beide gingen an eine Familien-Stiftung in Brooklyn. Ich möchte nach dem Motto „Simplify Your Life“ leben. Ich möchte einfacher, gesünder, glücklicher leben. Mit wenigen Dingen. Ich erhielt in den vergangenen Tagen etliche Emails. Meinen Lesern gefallen offenkundig meine Blogbeiträge, in denen ich meinen ehemaligen Konsumrausch beschreibe und mich davon distanziere. Ein Leser schrieb:

„Vor allem Deine letzten Beiträge über die Sparsamkeit und über das einfache Leben haben mich angesprochen. (…) Das Gefühl, dass der ganze Konsumscheiß nicht glücklich macht, begleitet mich schon lange.“


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Die Börse ist teuer geworden

  1. Nelson

    Schöner Beitrag!

    Es wird Zeit, sich auf den großen Abverkauf im nächsten Jahr vorzubereiten. Die großen Adressen verdienen sich eine goldene Nase daran.

    Der eine mag sich noch ein paar Aktien kaufen, weil er immun gegen Kursverluste ist (oder das zumindest glaubt), der andere hält Cash und wartet auf günstigere Kurse und wieder ein anderer guckt erst in 5 Jahren wieder in sein Depot. Jeder wie er mag.

    Das nächste Börsenjahr wird turbulent. Ich wünsche allen einen gesunden & glücklichen Start!

  2. Geld schläft nicht

    Die Börse ist in der Tat teuer geworden. Wobei es immer wieder mal günstige Gelegenheiten gibt, derzeit meiner Meinung nach zum Beispiel bei den Ölwerten.
    Ich wünsche Dir und allen anderen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Beste Grüße

  3. Couponschneider

    Alten Kram verschenken, ist vernünftig. Ich erinnere mich, wie ich einem Familienvater (dreier Kinder) drei Kisten mit Kinderbüchern zuschickte… Über Ebay bin ich die Bücher einfach nicht losgeworden. Mir ist es einfach lieber, wenn noch jemand daran Freude hat.

    Ich hoffe, Tim Schäfer hat wenigstens ein Fahrrad behalten. Das „neue Rad“ hätte ich übrigens nicht gekauft, wegen der gefederten Gabel. So eine Federung geht als erstes kaputt.

  4. Larry.Livingston

    Hallo Tim,

    Ich teile deine Einschätzung zu IPOs grundsätzlich schon, GOOG und Co. sind eher die Ausnahmen. Jedoch sollte man IPOs nicht per se verteufeln, denn wenn das IPO in einem Krisenjahr kommt wie zB 2008/2009 in dem das Sentiment am Boden ist, dann sollte man doch schon mal genauer hinschauen (meist ist dann auch der Preis nicht ganz so abgehoben).

    Sind in der IPO Statistik auch Spin-Offs enthalten? Hier sieht die Sache dann auch wieder anders aus. Spin-Offs sind meist recht interessant – sofern die Mutter diesen bei Entlassung in die Selbstständigkeit nicht zu viel Ballast in der Bilanz mitgibt. Grundsätzlich haben etablierte Unternehmen schon ein Interesse daran, dass ihre Spin-Offs auch ein gutes Licht auf sie selbst zurückwerfen. (Vgl. dazu Peter Lynch in „One up on Wall-Street“)

    Merry Christmas

    Cheers,

    Larry

  5. StefanStefan

    Ich finde es schon sehr schwierig dem Verkaufen zu widerstehen. Meine Microsoft sind 75 % im Plus. Nun befürchte ich, dass die wieder zusammenschmelzen werden.

    Ich versuche mich aber auf die steigenden Dividenden zu konzentrieren und die damit steigende Rendite aufs eingesetzte Kapital. So fällt es leichter den Kurs zu ignorieren.

     

    Allen hier wünsche ich ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest!

  6. Nelson

    Eine schwere Weltkrise nicht mit Kleingeld, sondern mit seiner immens wichtigen, grossen Alterssicherung auszusitzen, schafft in der Regel nur ein Autist, oder ein sehr erfahrener Anleger mit guten Nerven und viel innerer Sicherheit, die aus Erfahrung resultiert.

    Genau das passiert aber fast nie! Theoretisch ist das alles immer ganz einfach, aber wer noch eine Erinnerung daran hat, wie sich das alles im 4. Quartal 2008 angefühlt hat, weiss was ich meine.

    Alle erwarten, dass Draghi QE liefert. Tut er dass, dann halten sich die Kurse noch etwas oben, weil die großen Jungs noch genug damit verdienen und ihren Kram an neue Käufer verticken können.

    Liefert Draghi nicht geht es erstmal 2-3 Etagen tiefer.

  7. ZaVodou

    Hallo Tim,

    ich mache das so wie Du.

    ich halte mich von IPOs fern, wobei ich mich da an die Erkenntisse von J. Siegel halte. Ebenso halte ich an meinen Aktien fest.  Auch mangels Alternativen. Ich finde man muss nämlich auch die Situation auf dem Anleihemarkt berücksichtigen, weswegen ich weiter steigende Aktienkurse nicht für all zu vermessen halte.

    Der Aktienmarkt ist zwar historisch gesehene relativ teurer, aber man muss auch sehen, dass die Zinsen historisch gesehen ebenfalls  sehr tief stehen.

    Man munkelt zwar immer wieder, dass die US-Notenbank die Zinsen anhebt, aber das wird auch immer wieder verschoben. Wer will da sagen, wann es wirklich so weit ist. Ich jedenfalls nicht.

    Deswegen halte ich es für vernünftig weiter an Aktien festzuhalten und sie nicht zu verkaufen. Im Gegenteil.  Bei gelegentlichen Dips hoffe ich, dass die ein oder andere Aktie auf den von mir vorher festgelegten Kaufkurs fällt. Ansonsten warte ich auf die eintreffenden Dividenden. Das ist ja das schöne an Dividendenpapieren. Selbst, wenn sich am Aktienmarkt nichts bewegt, fließt trotzdem Geld. Und mit jeder Dividendenzahlung vermindert sich das eingegangene Risiko.

    Vor ein paar Tagen gab es einer dieser Möglichkeiten auf dem Ölmarkt. Für mich kam das jedoch viel zu früh. Die niedrigen Ölpreise dürften sich eigentlich erst in ein paar Monaten auf die Bilanzen auswirken, weswegen ich da noch mal mit Rücksetzer bei den Ölwerten rechne.

    Wie irrational es manchmal auf den Märkten zugeht hat dieses Beispiel gezeigt. Obwohl sich beim Ölpreis nicht viel verändert hat, sind die Kurse der großen Ölwerte wieder nach oben geschossen, anstatt erst mal auf den niedrigeren Kursen zu verharren.

    Ich finde das gut, dass Du Dich von (alten) Sachen trennst. Mir fällt das schwer. Daran muss ich noch arbeiten. Aber zumindest kommt auch nicht mehr viel hinzu. Ich sehe das nämlich auch eher als Problem, dass man sich mit zu vielen Dingen umgibt, die einen eher belasten denn nützen. Die Bude sieht dann einfach viel zu überladen aus. Das scheinst Du gut im Griff zu haben.

    Frohe Weihnachten

    ZaVodou

  8. LK

    Hallo Tim,

    mein Depot hat mir dieses Jahr viel Freude gemacht, + 20%, vor allem wegen den Amerikanischen Blue Chips und dem starken Dollar. Wer hätte das gedacht?

    Viele Werte sind auf den ersten Blick schon ziemlich ausgereizt, bei anderen sehe ich noch Potenzial. Es hilft nichts, ich werde auch im Markt bleiben, vor allem wegen der Gewinnsteuern, die beim Verkauf fällig werden. Und wer weiss schon, wann es wirklich wieder billiger wird?

    Als Anregung für nächstes Jahr:

    Mich würde ein Beitrag zum Thema Index-Fonds interessieren. Auf welchen Index sollte man am besten langfristig setzten (Msci World, Stoxx 600,…)?

    Schöne Feiertage und danke für deine interessanten Blog-Einträge!

    LK

  9. Markus

    @LK

    Das kommt darauf an.

    Will man eine 1 etf Lösung oder hat man ein mittelgroßes oder großes Depot.

    Wie komplex mag man es?

    Will man es steuerlich unkompliziert? Wie steht man zu Swaps & Wertpapierleihe etc.?

    Will man es als Beimischung (Einzelaktien etc.) oder setzt man komplett auf Indexing?

    Will man small, value und emerging berücksichtigen oder sogar übergewichten?

    Setzt man auf die BIP – Variante oder nach Maktkap.? Will man ausschütter oder thesaurierer?

    Prinzipiell abzuraten ist eigentlich von „marktengen“ etf`s wie DAX & DOW (nur 30 Werte) sowie den ganzen Branchen etf`s, gehebelt usw. MSCI gewichtete etf`s sind meist sehr breit.

    Eigentlich gut ist auch wenn der etf ein mittelgroßes oder großes Volumen hat. Geringer Tracking Error usw.

    Also für einen Privatanleger mit buy & hold Mentalität wären dass so im groben die Überlegungen.

    Manchen sind Aktien emotional lieber, manche wollen historisch teure Märkte eher meiden, manche wollen nur die ausschütter, andere wollen timen und finden Jahresvorhersagen total wichtig… 2015 wird es scheppern…?

    Garantien und den Stein der Weisen gibt es bei keiner Geldanlage der Welt. Den größten Feind sieht man meistens morgen im Spiegel. 😉

  10. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    Guten Abend,

    IPOs sehe ich auch nicht als sinnvolles Investment. Es sei denn, man will strikt nur schnelle Gewinne realisieren. Oftmals klappt das ja. Aber mein heutiges Interesse ist auch anders.

    Die Indizes stehen hoch, aber das gilt ja nur für Indexer. Viele Aktien haben krass gelitten. Vor allem natürlich die Rohstoffwerte (darf gar nicht auf meine Vale schauen), vor allem auch die Goldminer, natürlich die Ölfirmen (vor allem die Driller). Es ist ein ziemliche Schramme in meinem Depot.

    Hätte vor paar Tagen gern Baytex oder Crescent Point Energy genommen, wenn ich nicht schon so stark Öl gewichtet hätte. Da ich ständig investiere, fehlen mir leider auch die Mittel für solche Schnäppchen.

    Trotzdem konnte ich nicht ganz die Finger davon lassen. Meine letzten Käufe für das Jahr waren deswegen noch eine Öl/Gas-Service Company (PHX Energy Services Corp: http://phxtech.com), ein Royalty Unternehmen (PZA Pizza Pizza Royalty Corp: http://www.pizzapizza.ca) und ein REIT (REI.UN RioCan Real Estate Investment Trust: http://www.riocan.com. Mal sehen, ob es läuft wie ich hoffe.

    Beste Grüße und Feiertage

    MS

  11. LK

    Hallo Markus,

    danke für deine Antwort!

    Um meine Frage etwas zu präzisieren: John Bogle und Warren Buffett empfehlen immer wieder einen S&P 500 Index Fonds. Bogle nennt vor allem Währungsrisiken bei ausländischen Aktien (aus der Sicht der Amerikaner) und allgmeine wirtschaftliche Risiken, die ausserhalb der USA größer seien.

    Was soll ich jetzt als Bewohner des EURO-Raums machen? Bei uns gilt ja der umgekehrte Fall, dass wir mit dem USD ein für mich eigentlich unerwünschtes Währungsrisiko eingehen. Leider gibt es in Europa keinen „Guru“, der so klare Tipps gibt wie Bogle und Buffett! Ich habe schon Dollar-Abstürze erlebt, die haben sämtliche Kursgewinne zunichte gemacht – war sehr frustrierend.

    Die Frage ist, ob der Stoxx 600 eine ähnliche Qualität wie der S&P 500 hat, nur mit weniger Währungsrisiko?? Und wäre der MSCI World dann nicht genau der goldene Mittelweg für Unentschlossene?

    Zur Info: Ich habe heuer vor allem in die ETFs EXSA und EUNL investiert. Oder wäre doch der S&P 500 die bessere Wahl? Ich rede jetzt von einem Haltezeitraum von mind. 10-15 Jahren.

    Viele Grüße,

    LK

  12. Markus

    @MS

    Nö, alle Indexe sind nicht gleichzeitig teuer…

    Günstig sind emerging markets, Europa large & value und Rohstoffe.

    Teuer sind small caps, reits und Amerika. Die sind auch sehr gut gelaufen…

    Wobei teure Bewertungen auch noch teurer werden können…

    Beim timing ist es nur so, dass die stärksten Anstiege sehr nahe an den Tagen mit den stärksten Drawdowns liegen…

    Verpasse die besten 20 Tage in 20 Jahren und die Rendite liegt bei sehr niedrigen einstelligen Werten oder man rechnet noch die Inflation mit rein und ist im Minus.

  13. Markus

    @LK

    Risiko gibt es immer… bei einzelnen Aktien, bei Dividenden, bei Indexen und bei Währungen…

    Ob jetzt ein S&P500 oder jetzt der stoxx 600 in 10 oder 15 Jahren höher steht, kann kein Mensch wissen!!!

    Krisenherde gibt es immer wieder und das auch weltweit wie man momentan wieder merkt.

    10 Jahre ist z. B. nicht wirklich langfristig für Aktien. Wenn Du in 10 Jahren komplett verkaufen willst, kann es evtl. unschön werden…

    Man kann s&p 500, stoxx 600,  msci Asien-Pazifik und msci emergings im Aktienteil des Portfolios nach BIP aufteilen und vermindert so z. B. die Bubblebildung wie damals Japan bei marktcap vom msci world.

    Erfordert allerdings rebalancing und verursacht wieder kosten je nach Volumen… ob BIP-Gewichtung die eierlegende Wollmichsau ist oder eine Mischung world, europe und emergings schlechter in Zukunft sein wird????  Es ist deutlich sinnvoller für viele Anleger es möglichst simpel & kostengünstig zu halten, damit man eine Strategie auch wirklich durchhält. Ich glaube das meint Warren mit seiner Empfehlung… Nicht unbedingt, dass das jeder so machen muss.

    Hin und Her ist auch nicht so prickelnd.

    Ich lasse die Währungssicherung bei den Aktien komplett raus (weil es nix bringt und meistens etwas kostet), habe allerdings Europa nach BIP und zusätzlich Kaufkraftparitäten gewichtet und das evtl. vorhandene Teil des Depots mit Anleihen/Festgeld/Tagesgeld ist sowieso sehr oft in Heimatwährung…

  14. Sky

    Hallo Tim,

    wieder ein guter inhaltsvoller Artikel und die Gabe zu Weihnachten ist eine gute Sache.

    IPO´s würde ich jetzt auch nicht verteufeln. Allerdings muss man genau hinsehen, wo man einsteigt.

    Manchmal ist es auch sinnvoll zu warten und dann einzusteigen, wenn die Aktie am Boden ist. Bei einer Aktie bin ich jetzt dabei und bin gespannt, ob es langfristig funktioniert.

    Behalte einfach mein Trendtipp im Hinterkopf…..bin mir sehr sicher, das die USA damit überrollt werden und die User das Konzept tragen und der Aktienkurs sich von selbst trägt!

     

    @Matthias Schneider

    vielen Dank bzgl. Baytex und Crescent Point Energy <<die Unternehmen kannte ich bisher nicht und sind jetzt in meiner Watchlist ganz oben.

    Du Bist ja auf dem CA-Markt unterwegs. Wie funktioniert das da mit der Quellensteuer bzw. wie hoch wäre da denn eine Besteuerung von Dividenden?

  15. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Sky

    Hauptsächlich bin ich in USD investiert, wie fast jeder hier, der die „normalen“ US-Dividendenwerte hält. Ich habe glücklicherweise den Hauptteil so Mitte 2011 gekauft, und einen USD-Durchschnittskurs von ca. 1,38 jetzt. Es fällt mir derzeit schon schwer, in US-Werte zu gehen. Wenn man den Langfristchart sieht: http://goo.gl/jMnVVH dann rechnet man schon mit einer baldigen Umkehr in Richtung billigerer USD, auch wenn die baldige Parität proklamiert wird.

    Deswegen habe ich mich etwas mehr nach Canada gewandt derzeit. Der CAD ist durch die Rohstoffkrise noch billiger. Was die Besteuerung angeht… ich weiß nicht wie es bei einem regulären deutschen Broker wie DAB oder Comdirekt ist, ich habe diese Werte bei Lynx. Das ist ein Ableger von Interactive Brokers. Das Depot wird in GB geführt, deswegen wird da auch keine deutsche Steuer einbehalten. Ich zahle i.d.R. die Quellensteuer von 15%, weiter vorerst nichts. Ich muss beim Jahressteuerausgleich dann die Einnahmen angeben und nachversteuern. Ich drucke dann also den Jahresbericht von Lynx aus, markere einfach die Posten „realized profits“ und die Dividenden, und dann sollten einfach die fehlenden 10% plus Soli nachbezahlt werden. Bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass dem Sachbearbeiter das zu kompliziert war, und ich eher bevorteilt wurde, also nicht den wirklich fälligen Betrag gezahlt habe, sondern eher irgendwie symbolisch was bezahlt habe. Ich habe für mich den Eindruck, dass ich gut gefahren bin bisher.

    😉

    Schönen Gruß

    MS

  16. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Sky

    Nachtrag, da man leider seine Beiträge nicht editieren kann.

    Ich finde auch „Pacific Rubiales Energy“ (PRE / http://www.pacificrubiales.com/corporate.html) sehr interessant. Ich bräuchte dauernd Kohle, habe immer mehr Kaufideen als Cash.

    MS

  17. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ alle

    Danke an alle für die wertvollen Kommentare heute. Und im gesamten Jahr 2014. Danke für die vielen Emails. Danke für die Vorschläge. Danke für die Kritik. Es macht wirklich Spass diesen Blog zu schreiben – angesichts der Resonanz ist das eine wunderbare Sache.

    Allen wünsche ich frohe Weihnachten, erholsame Feiertage und alles Gute im Neuen Jahr!

  18. Alexander

    Mit IPO´s hab ich bisher eher durchwachsene Erfahrungen gemacht, daher lasse ich inzwischen die Finger davon. Eine Firma soll erst mal beweisen, dass sie langfristig Gewinne erwirtschaften kann.

    Die rel. hohe Bewertung am Aktienmarkt ist nur schlecht, wenn man kaufen möchte. Da ich nicht vorhabe zu verkaufen, ist es mir egal. Solange die Firmen laufen und die Dividenden fließen, ist die Bewertung nur eine Zahl am Papier.

     

    Allen ein frohes Fest und gute Investments

  19. GertGert

    An alle hier, die Angst haben, im Dollar-Raum zu investieren:

    Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, was passieren wird, wenn der Euro uns um die Ohren fliegt?

    M.E. ist der Euro ein komplette Fehlkonstruktion und wird kläglich scheitern. Das kann zwar noch eine Weile dauern, ist aber nicht mehr zu vermeiden, falls dieses unsägliche Experiment nicht vorher beendet wird.

    Allen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

  20. Markus

    Jede Währung (auch der Dollar) ist nur so stark wie der Glauben daran!

    Sicher, der Euro-Raum ist bei weitem keine perfekte Konstruktion…

    Bei einem msci world hat man 57 % USA, 8 % Japan, Europa ist mit ca. 28 % und davon sind 9% UK gewichtet. Home Bias sieht anders aus.

    Es gibt auch immer wieder Studien zu Aktienrenditen inklusive Währungsbetrachtung…

    Einfach mal lesen, wenn es einen interessiert. Garantie für die Zukunft ist es keine, aber für`s Verständnis schadet es auch wiederum nicht.

    Mit 100% US Dollar im Depot würde ich mich nicht wohlfühlen…

    Ich habe lieber Dollar, Yen, Franken, Euro, Pfund, Reminbi u.v.m. (ungefähr nach Ihrer Wirtschaftskraft gewichtet) weil ich nicht so schlau bin und die Zukunft nicht kenne…

  21. Timmy

    Anstatt mir den MSCI World zu kaufen, in dem sehr viele Werte drin sind, die ich einfach nicht haben möchte, setze ich wieder auf ausgewählte Titel (u.a. Novo Nordisk, Coloplast, etc). Ich denke, dass Draghis QE besonders zyklische Werte und europäische Titel begünstigen wird. Die Zinsanhebung in den USA sehe ich auch noch lange nicht. Hier gehe ich eher von einem neuen QE aus (Gründe dafür wird die FED sicherlich genug finden) – u.a. weil der Dollar schon so zu stark wird und eine Zinsanhebung US-Unternehmen im Wettbewerb benachteiligen würde.

     

     

     

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *