Detroits Niedergang sollte uns eine Lehre sein


New York, 31. Juli 2013

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Die Autostadt Detroit ist pleite. Aus der einst boomenden Metropole wird bald eine Geisterstadt, wenn sich der negative Trend fortsetzt. 1950 lebten dort 1,9 Millionen Menschen. Nun sind es 700.000. Es werden von Tag zu Tag weniger. Das Finanzautor Morgan Housel vom Portal fool.com bringt das Problem auf den Punkt.
Stadtteile sind verlassen, Häuser verrotten, die Kriminalität explodiert. In manchen Vierteln ist es zu gefährlich, das Auto zu verlassen. Blitzschnell können Sie das Opfer eines Überfalls werden.
Woran liegt es? Die drei Autoriesen General Motors, Ford und Chrysler haben massiv ihr Personal reduziert. Aus „Motor Town“, so der Spitzname für die Autostadt, ist ein Häufchen Elend geworden.
Massenweise gibt es verfallene Häuser für 500 Dollar zu kaufen.
Ich habe einen Vorschlag für Sie lieber Leser: Sagen Sie Ihrer Frau, anstatt zwei neue Paar Schuhe sollte sie besser ein Haus in Detroit erwerben. Nein, das war ein Scherz! Besser nicht. Keiner will die Bruchbuden. Es gibt Häuser für ganze 1,00 Dollar. Kein Mensch interessiert sich dafür. Allein das Land muss doch einen Wert haben, denken Sie jetzt sicherlich.
Aber wo keine Arbeit ist, wo es keine Hoffnung gibt, macht das Wohnen keinen Sinn.
Die Chinesen wollen das nicht begreifen. Sie haben von den billigen Häusern in Detroit aus den Medien erfahren. Und die Asiaten fangen an, wie verrückt die ausgebombten Häuser einzusammeln.
Ein Chinese kaufte auf einen Schlag 30 Objekte. Andere wollen sich gleich 100 oder 200 Grundstücke unter den Nagel reißen.
Was diese hoffnungsvollen Chinesen nicht verstehen, ist: Es gibt keine Arbeit, kein Lohn, kein Brot, keine Hoffnung, keine Sicherheit.
Gut, es kreuzen ein paar Schnäppchenjäger auf. So kauft der US-Investor John Hantz ganze Parzellen von der Stadtverwaltung auf. Die Schrottimmobilien reißt er ab, pflanzt Bäume und sät Gras. Er hofft auf bessere Zeiten. Riesige Straßenzüge gehören ihm. Er baut grüne Oasen mitten in der Stadt.
Ob sich das grüne Konzept finanziell jemals auszahlt? Ich sehe schwarz. Ich sehe nicht, wie sich der negative Trend auf einmal umkehren soll. Seit 50 Jahren schrumpft die Stadt. Es gibt massenweise Arbeitslose. Kriminelle laufen mit Pistolen herum. Warum soll es jetzt plötzlich besser werden? Die Stadt hat versäumt, andere Industrien und Dienstleister anzusiedeln.
Was lernen wir als Anleger aus dem Desaster in Detroit? Streuen ist verdammt wichtig. Selbst endlos boomende Industrien können eines Tages kaputt gehen. Denken Sie an den Filmentwickler Kodak. Es ist ein ständiger Wandel im Gange. Wer den Trend verschläft, ist weg vom Fenster.
Denken Sie an das marode Kaufhaus Karstadt, die insolvente Baumarktkette Praktiker, den Pleitefall des Solarzellenbauers Q-Cells. Solarworld kämpft noch ums Überleben. Denken Sie an den Todestanz des defizitären Fernsehgeräteherstellers Loewe. Oder an die Commerzbank, deren Kurs vom Rekordhoch 98 Prozent verloren hat.
Vermeiden Sie es, große Aktienpakete in einzelnen Firmen oder Branchen aufzubauen. Streuen Sie ausreichend, um Pleitefälle besser verdauen zu können.
Berlin kann von Detroit ebenfalls lernen. Unsere Bundesregierung sollte daraus lernen, wie wichtig es ist, dass ein Volk wächst. Die deutsche Bevölkerung wird alt und schrumpft wie nie zuvor in unserer Geschichte. Das kann zu einem ernsthaften Problem werden. Die gesetzliche Rente wird aus den Angeln gehoben, die Inlandsnachfrage wird schrumpfen. Wenn der Nachwuchs fehlt, verliert ein Land seine Hoffnung, seine Kraft. Japan ist neben Detroit ein mahnendes Beispiel. Seit zwei Jahrzehnten stagniert die Insel.
Wir sollten begreifen, wie wichtig es ist junge Immigranten in unser Land zu lassen. Und der Familiennachwuchs sollte mehr denn jemals zuvor gefördert (bzw. unterstützt) werden.
Schauen Sie hier den US-Investor, der billig Land in Detroit einsammelt, um Bäume zu pflanzen (Foto oben ist ein Bildschirmfoto aus diesem Youtube-Video). Der kurze Film erscheint surreal zu sein. Es ist aber die Realität:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Detroits Niedergang sollte uns eine Lehre sein

  1. Matthias

    Nun ja, wachsende Bevölkerung mag vielleicht kurzfristig das Problem der Altersabsicherung minimieren, langfristig ist aber doch eher die explodierende Weltbevölkerung das eigentliche Problem.

    Detroit hat zu sehr auf eine Branche gesetzt. Auch Deutschland ist extrem Automobillastig. Das halte ich für gefährlich. Die Bewertungen der Automobilaktien zeigt schon heute, dass der Markt dem Auto keine rosige Zukunft vorhersagt. In einer urbanen Lebensumgebung wird das Auto immer unwichtiger, sollte es auch noch an Statussymbol für die jungeren Generationen verlieren, so wie es einige Untersuchungen bereits gezeigt haben, so müssen sich die Hersteller warm anziehen.

    In Detroit soll es wohl einige Leute geben, die dort Fahrräder „Made in USA“ herstellen wollen. Sicher kein ausgleich für GM, aber ein Anfang. Ich denke, irgendwann wird diese Stadt etwas neues finden und wieder auferstehen.

  2. StefanStefan

    Habe mich auch schon gefragt was mal mit Ludwigshafen passieren würde wenn die BASF nicht mehr tausende Arbeitsplätze zu bieten hätte. Dann würde es auch ganz ganz übel aussehen für die Stadt.

    Die Stadt lebt quasi von der Gewerbesteuer der BASF, tausende BASF-Mitarbeiter haben ihre kleinen Häuschen in den Neubaugebieten in den Vororten…

    Zu Japan: verstehe gar nicht warum Jim Rogers Japan immer in den höchsten Tönen lobt. Die haben auch eine massive Staatsverschuldung und eben eine stark alternde Bevölkerung…

  3. StefanStefan

    Loewe ist einfach seit Jahren nicht konkurrenzfähig. Die bauen zwar optisch schicke Fernseher. Diese sind aber gnadenlos überteuert.

    Wer kauft einen Flachbildschirm für den dreifachen Preis nur wegen des Designs?

  4. Turing

    Für Detroit wird es richtig schwierig. Gesundschrumpfen ist angesagt. Leerstehender und billiger Wohnraum zieht nur Kleinkriminelle an und deshalb ist Abriss und Verschönerung zu befürworten. Und sollten Bauherren keine Grundstücke von Hantz kaufen, dann kann er ja seine Gründstücke forstwirtschaftlich nutzen.

    Herr Tim hat mit Q-Cell und Praktiker zwei Pleitiers genannt, um dem Leser die Diversifizierung ausdrücklich ans Herz zu legen. Was hält Herr Tim eigentlich von K+S?

  5. tim schaefertim schaefer

    @ Turing
    K+S klingt auf dem ausgebombten Niveau spannend. Es handelt sich um einen führenden Düngemittel- und Salzkonzern.

    Allerdings braucht man bei dem Bergbauer viel Geduld. Es kann ein paar schlechte Geschäftsjahre geben. Die Aktie ist ziemlich volatil. Die Aktie ist also nichts für schwache Nerven.

    Ich würde aufgrund des Restrisikos nur eine kleine Position aufbauen.

  6. Anna

    @ Turing,
    Du hast zwar Tim nach seiner Meinung gefragt, aber auch bei mir ist K + S mächtig eingebrochen.
    Ich werde sie behalten. Das Geld ist eh erst mal weg.
    Welcher Teufel den Herrn von Uralkali geritten hat, weiß keiner. Der Kurs seiner Firma ist doch ebenfalls kräftig Richtung Süden unterwegs.
    Stop Loss und Leerverkäufe beschleunigen diese Sache noch kräftig. Da wird wohl mächtig verdient.
    Die Herren Analysten sind auch alle auf die Verkaufsseite gewechselt…
    Das erinnert mich fatal an 2008, da betraf es aber den gesamten Markt.
    Minenaktien sind z.Z. nicht besonders gefragt.
    Also, weiter beobachten, zum Trost ein Glas Rotwein und vielleicht bei 3 Euro aufstocken.
    VG
    Anna

  7. tim schaefertim schaefer

    @ Anna
    Gruselig sind weitere Kursverläufe. Etwa von Commerzbank, RWE und E.on. Dass diese Papiere so tief fallen, hat mich ehrlich gesagt überrascht. Irgendwann muss das drehen. Den exakten Tiefpunkt erwischt niemand exakt. Außer das Glück spielt mit.

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