Der Unfug mit der Riester-Rente


New York, 28. November 2013

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Von Anfang an war klar: Die Riesterrente war nicht für die Bürger, sondern für die Versicherungswirtschaft gedacht. In Berlin haben wir eine Politik, die sich von Lobbyisten leiten lässt.
Immer mehr Medien ziehen die Riester-Rente in Zweifel. Sie fragen sich zu Recht, ob sich die Dinger überhaupt lohnen.
Mit der Riesterrente wird meiner Ansicht nach nicht effektiv die Altersarmut bekämpft. Riester ist ein bürokratisches Monster mit mickrigen Renditen für den Sparer (wenn überhaupt eine Rendite zustande kommt). Eine Verschwendung von Steuergeld.
Der Staat sollte uns Bürger schützen. Er sollte uns vor Krankheiten, Krebs, Unfällen, medizinischen Fehlern und Armut schützen. Seine Aufgabe ist es Steuern vor allem von den Reichen zu erheben und dieses Geld sinnvoll neu zu verteilen.
Das ist bei Riester misslungen. Als Riester-Sparer fühlt man sich als Opfer. Als Opfer von Unternehmensinteressen. Den Unternehmen mache ich übrigens keine Vorwürfe, denn deren Aufgabe ist es die eigenen Gewinne zu maximieren.
Das Problem ist ja, dass wir Bürger glauben, etwas gegen den Riester-Unsinn tun zu können. Aber da müssen wir noch mal darüber nachdenken. Denn die Unternehmen bestimmen ja die Politik in Berlin. Das war bei Gerhard Schröder so. Und das ist bei Angela Merkel so. Merkel lädt nicht ohne Grund einen mächtigen Unternehmensvorstand zu dessen Geburtstag ins Kanzleramt ein und der Staat muss für die Party blechen. Minister Walter Riester, da war er kaum aus dem Amt, erhielt Redehonorare für Veranstaltungen in der Finanzindustrie. Er referierte über die staatliche Riester-Rente. Das Redehonorar floss in die privaten Taschen des Ex-Ministers.
Wir Bürger zahlen Steuern. Viel Steuern. Es ist ein teures Spiel. Ich frage mich manchmal wofür? Die Riester-Gesetze sind ein Verlust an Wahlfreiheit. Mit staatlichen Subventionen muss effizienter umgegangen werden. Die Altersarmut könnte besser bekämpft werden, wenn das Steuergeld nicht wieder in den Taschen der Versicherungswirtschaft landen würde via Gebühren und Provisionen.
Mit einem Indexpapier auf den DAX lässt sich im langen Schnitt 8 bis 10 Prozent verdienen. Mit Riester? Nur Krümel.
Regierungsmitglieder wie Schröder, Riester oder Merkel haben andere Vorteile als wir Bürger. Als Bürger kann man sich auf sie nicht verlassen. Sie entscheiden sich, so mein Eindruck, gegen unsere Interessen (und für die Interessen anderer).
Die Leute sind sauer. Ich entdeckte einen passenden Kommentar bei der Stiftung Warentest von einem Rentner, der enttäuscht ist:
„Riesterrente – da freut sich nur die Versicherung
Ich habe vor 10 Jahren einen Riester-Vertrag abgeschlossen und „ernte“ nun diese Rente: Eingezahlt habe ich insgesamt 14935,06€ mit Zulagen und erhalte eine monatlich Rente von 92,72€. D.h. erst nach 14 1/2 Jahren – da bin ich fast 80 – habe ich nur mein eingezahltes Geld (+staatlicher Zulagen) wieder bekommen. Keinen einzigen Cent Zinsen! Erst dann fängt die Verzinsung an. Sterbe ich nächste Woche, bekommt meine Frau noch knapp 10 Jahre diese Rente, aber die Versicherung freut sich, denn Sie sackt knapp 4000€ ein!
Auch konnte man mir bei meiner Versicherung nicht mitteilen, ob meine Rente überhaupt im Laufe der Zeit steigen wird. Auch bei der Stiftung Warentest habe ich nichts darüber gelesen. Während die gesetzliche Rentenversicherung jährlich steigt, bleibt die Riesterrente wohl konstant. Dann verliert sie noch mehr an Wert!
Fazit: Lieber Riesters Rente als Riesterrent!“


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Der Unfug mit der Riester-Rente

  1. Martin

    Da steht auch nicht, welches Riesterprodukt er genommen hat. Es gibt ja durchaus Aktiensparpläne als Riester. Zudem kann man sich einen gewissen Betrag zu Rentenbeginn auszahlen lassen, anstatt ihn zu verrenten. Über eine Umschichtung in Wohnriester kann man auch den ganzen Betrag vor der Verrentung sichern.
    –> die eigene Dummheit wird da auch zuweilen auf andere geschoben

    Viel besser wäre natürlich ein kostenloses Riesterdepot mit freier Auswahl an ETFs unter Eigenverwaltung. Hoffe das kommt noch zu meinen Lebzeiten.

  2. Marc

    „Der Staat sollte uns Bürger schützen. Er sollte uns vor Krankheiten, Krebs, Unfällen, medizinischen Fehlern und Armut schützen. Seine Aufgabe ist es Steuern vor allem von den Reichen zu erheben und dieses Geld sinnvoll neu zu verteilen.“

    Schützt euch selbst. Wie krank ist sowas. Selbstverantwortung.

    Live free or die.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Ich stimme weitgehend zu. Ich finde, wenn der Staat Subventionen verteilt, sollte er das besser regulieren. Es geht um Fairness. Nicht jeder Bürger versteht 100 Seiten Kleingedrucktes auf Anhieb.

    @Marc
    Mit einem Schiedsrichter auf dem Fussballfeld ist es angenehmer zu spielen.

  4. Felix

    Ehrlich gesagt, ich halte von der Amme oder dem Übervater Staat, der für alles im Leben seiner Bürger zuständig ist und verantwortlich gemacht wird, auch nichts. Zuerst einmal sollte jeder für sich und seine Familie selbst sorgen.
    Nur bei besonderen Umständen und kommt der Staat zu Hilfe. Alles andere regelt der mündige Bürger selbst.
    Wer einen Bevormundungsstaat will, muss auch wissen, dass da alles gleich grau wird. Kreativität, Vielfalt, Buntheit gehen den Bach runter.

  5. Turing

    Ich habe mal ausgerechnet, was der Rentner hätte, wenn er 124 € in einen passiven Aktienfonds mit 8 % Rendite p.a. investiert hätte: 22417,97 €.

    Ich weiß, es ist hypothetisch, wegen der Verwaltungsgebühren usw. Aber er hätte zu Rentenbeginn ein anständiges Vermögen gehabt, mit dem das eine oder andere schon hätte anfangen können. Bei 4 % Dividendenrendite hätte der Fonds 897 € jährlich ausgeschüttet. Wenn es keine Fonds gibt, die Dividende ausschütten: Er kann sich das Geld komplett auszahlen lassen hätte davon dividendenstarke Aktien gekauft, z. B. vier verschiedene Titel, wegen der Streuung. 897 € jährlich sind 74,7 € monatlich. So viel weniger als die 97 € ist das nicht. Aber dafür hat er vererbbares(!) Vermögen. Im Falle seines Todes geht das Aktienvermögen zur Witwe und generiert für sie Dividendeneinnahmen. Stirbt auch die Witwe, bekommen die Kinder das Aktienvermögen.

    Deswegen ist es ein Trauerspiel, dass die Deutschen Aktien so ängstlich gegenüberstehen. Diese einfachen Überlegungen kann doch jeder nachvollziehen; die Argumente mit der Rendite, der Flexibilität und der Vererbung sind unschlagbar. Das einzige, was man verkehrt machen könnte: mangelnde Diversifizierung über Raum, Branche und Zeit.

    Die meisten Amerikaner haben eine gesunde Einstellung zum Investieren intus. Wenn man mit Unternehmern, ehemaligen Unternehmern oder gescheiten Unternehmerskindern redet, hört man auch heraus, dass die eine gesunde Einstellung zum Investieren und zu Aktien haben. Die deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten aber wurden jahrzehntelang auf Leibrente dressiert und dumm gehalten.

    Riester und den anderen Politikern unterstelle ich keine Lobbypolitik. Die haben die Riesterrente mit voller Überzeugung so gestaltet, weil sie einfach nur blöd sind. Für Lobbypolitik sind die nicht clever genug. Die Medien haben ihre Mitschuld, weil sie anfangs nur kritisierten, dass die Versicherungen kaum Riesterprodukte anboten. Dann wurde Riester geändert und die Verwaltungsgebühren mussten nicht mehr über zehn(?) Jahre gestreckt werden, sondern nur noch über fünf(?). (Bei den konkreten Zahlen bin ich mir unsicher, daher die Fragezeichen.)

    Das war der große Kritikpunkt von WISO, Frontal 21 und den ARD-Magazinen, ohne aber auf mangelnde Rendite, mangelnde Flexibilität und mangelnde Freiheit hinzuweisen. Eine weitere Änderung war dann der „Wohnriester“. Ebenfalls totaler Quatsch.

  6. Turing

    Was ich habe noch zu vergessen zu erwähnen: Bei Riester gibt es ja noch eine Förderung, die intransparent von der Versicherung kassiert wird. Die Versicherung hat nicht mit 124 € pro Monat gearbeitet, sondern mit mehr. Das macht dieses Trauerspiel um Riester eigentlich noch erbärmlicher.

    Wenn der Staat nicht diese Förderung ausschütten würde, könnte er den die Steuern senken und der Aktiensparer oder Fondssparer hätte mehr Geld für Investitionen übrig.

  7. sandro

    Meiner Meinung ist vielen noch nicht bewusst oder bemerken es später, was sie sich mit Riester angetan haben. Gerade die Verträge aus der Anfangszeit glänzten ja nicht unbedingt mit Transparenz.
    Man sollte aber auch unterscheiden, den für bestimmte Gruppen ist das Thema schon interessant unter Umständen auch rentabel.
    Ich denke, wenn man sich an manch einfache Regel hält wie z. B. „Was ich nicht verstehe, sollte ich auch nicht kaufen“, was insbesondere auf Finanzprodukte zutrifft, fährt man ganz gut.

    Nur was willst Du Menschen raten, die Riesterverträge abgeschlossen haben und da raus wollen?
    -Kündigung – hier wäre das Problem der Zulagenrückzahlungen usw. zu berücksichtigen
    -beitragsfrei stellen – hier werden aber weiterhin Gebühren fällig, das freiwerdende Geld könnte dann aber für andere, wie oben schon dargestellte Produkte (Fonds/ETF usw.) verwendet werden
    -weiter einzahlen und sich die nächsten Jahre und Jahrzehnte ärgern

  8. Marvin

    @Tim

    Ich finde es nicht gut, dass du das Produkt Riester über einen Kamm scherst. Es gibt durchaus gute Riesterprodukte, die mit einer niedrigen Kostenquote auskommen (Wohnriester, Riesterprdukte auf Fondsbasis).
    Klar ist, dass Riesterverträge von Versicherungen absoluter M… sind. Kosten von teilweise 18% im Jahr sind unakzeptabel.

  9. Eric

    Hallo,

    grundsätzlich teile ich die Einwände gegen Riesterprodukte und halte sie schlicht für zu teuer / renditearm.

    Ich habe mir trotzdem einen Riesterfondsparplan vor ein paar Jahren gegönnt. Der Grund: die Verträge zählen zum Altersvorsorgevermögen und somit auch vor Anrechnung auf Hartz 4 geschützt.

    Ich habe noch 30 Jahre bis zur Rente, pflege mein eigenes Depot durch regelmäßige Einzahlungen und hoffe mir damit irgendwann einen entspannten Ruhestand zu machen.

    Aber 30 Jahre sind lang und wenn man mit 58 arbeitslos wird und nach und nach auf die eigenen Rücklagen zurückgreifen muss, dann steht man plötzlich vor dem Renteneintritt ohne Vermögen dar.

    Von daher sehe ich den Riestervertrag(ebenso wie ein paar Edelmetalle) als kleine Möglichkeit, wenigstens einen kleinen Teil des Vermögens vor dem Zugriff des Staates zu schützen.

    Also eher Notfall-Versicherung, als Geldanlage.

    Viele Grüße

  10. tim schaefertim schaefer

    @ sandro
    Was tun mit einem Riester-Vertrag, der sich nicht lohnt? Das ist eine gute Frage. Das ist eine schwierige Angelegenheit. Ganz ehrlich: Da bin ich überfragt.

    @ Marvin
    Ich bin auf die typischen Riester-Dinger der Versicherer eingegangen. Stimmt, ich hätte das besser differenzieren können.

    @ Eric
    Klingt logisch. Seine Ersparnisse auf verschiedene Töpfe zu verteilen ist grundsätzlich eine feine Sache. Immer bei der Geldanlage auf 3 Punkte achten:
    1. Kosten / Gebühren,
    2. erwartete Rendite,
    3. Vorsicht vor Betrügern/Schwindlern (nur kaufen, was man kennt bzw. versteht)

  11. Turing

    @Tim
    Ich denke, ein ganz wichtiger vierter Punkt sollte da noch rein: Flexibilität.

    Man muss auf die Eventualität vorbereitet sein, dass man den Vertrag nicht durchhält. Man muss das Vermögen schnell und hoffentlich verlustfrei liquidieren können. Die Krux bei KLVs, bei Riester und Rürup ist, dass man ziemlich blauäugig vor sich hinspart, immer in der Erwartung, dass man das Renteneintrittsalter erreicht, niemals arbeitslos oder krank wird, die Frau sich nicht scheiden lässt usw. usf. Und wenn dann die Frau die Scheidung einreicht, dann kündigt man die KLV mit mehreren tausend Euro Verlust. Ich habe es selbst im Bekanntenkreis miterlebt.

    Das ist eigentlich so hirnrissig, dass man selbst bei 8 % Rendite keine KLV abschließen sollte und keinen Riester und keinen Rürup. Und dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob es eine Riesterrentenversicherung, ein Wohnriester oder ein Riesterfondssparplan ist.

    Ich beispielsweise weiß, dass wenn ich kommende 20000 € brauche, um einen von mir verursachten Schaden zu begleichen, ich nur ein paar Aktien verkaufen muss und schon ist die Sache vom Tisch. (Angenommen ich hätte keine Haftpflicht.)

  12. tim schaefertim schaefer

    Hi Turing,

    meine 3 Punkte waren ganz generell für die Geldanlage gedacht. Sie klingen so einfach, haben aber einen tiefen Kern, der häufig übersehen wird.

    1. Gebühren + Nebenkosten werden nicht ernst genommen.
    2. Die erwartete Rendite wird oft zu hoch eingeschätzt (NK werden übersehen, Risiken nicht einkalkuliert, Inflation vergessen).
    3. Leute gehen Betrügern auf den Leim, weil sie zu leichtgläubig sind und gerne träumen.

    Flexibilität kann, wie Du zu Recht schhilderst, ein wichtiger Punkt sein.

    Ich plane grundsätzlich für mehrere Jahrzehnte – aber wenn etwas dazwischen kommt, ist eine flüssige bzw. flexible Analge natürlich ein riesiger Vorteil.

    Ich versuche alles zu unternehmen, um meine Aktienpositionen nicht verkaufen zu müssen.

    VG

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