Das Problem sind unsere Gefühle. Deshalb Schlaftabletten nehmen!


New York, 4. September 2010

Das Grundproblem an der Börse sind unsere Gefühle. Es gibt ganz wenige Menschen, welche die Gabe haben, ihre Gefühle abzuschalten und streng nach bestimmten Regeln zu handeln. Die Masse jedoch lässt ihren Emotionen freien Lauf. Es ist in der Tat verdammt schwer, wenn alle um einen herum Angst haben, sein Geld aggressiv in Aktien zu investieren. Ich glaube, dass nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung dazu in der Lage ist. Wir werden zu sehr von unserer Umwelt geprägt. Sogar die Aktienprofis unterliegen in der Mehrheit diesem Massenphänomen. Das ist jedenfalls meine Meinung. Je besser die Stimmung, desto mehr Geld pumpen auch die Experten in Aktien.
Um diese ganzen menschlichen Emotionen zu vermeiden, kamen vor ein paar Jahren sogenannte „Quant Fonds“ in Mode. Diese investierten streng auf Computermodellen basiert in Aktien und Anleihen. Es ging also um mathematische Formeln und gewisse Lernkurven bei dieser IT-getriebenen Anlagephilosophie. Es hat sich aber auch hier gezeigt, dass den Anlegern mehr versprochen worden ist, als die Fonds tatsächlich halten konnten. Eine aktuelle Studie der Fondsbewertungsagentur Morningstar ergab, dass 72 Prozent der 65 untersuchten Quant-Fonds auf Sicht von drei Jahren schlechter als die von Menschen gemanagten Vergleichsfonds abschlossen. Sie sehen also, dass die Fondsgesellschaften den Anlegern gerne das Blaue vom Himmel versprechen. Ganz gleich, welches Konzept die Industrie umsetzt: Sie vermarktet es uns so, als ob etwas völlig Revolutionäres umgesetzt wird. Mitnichten!
Meiner Meinung nach kann jeder, der gewisse Grundregeln befolgt, gute Renditen ohne Hilfe von Dritten einfahren. Sie brauchen also keinen Berater und keinen Fondsmanager. Setzen Sie auf sich selbst und Ihre Intuition. Kaufen Sie grundsolide Dividendentitel und achten Sie dabei auf eine hohe Qualität der Firmen. Dann nehmen Sie am besten Schlaftabletten und wachen 30 oder 40 Jahre später wieder auf. So riet es Börsenaltmeister Andre Kostolany immer und immer wieder. Der Grund hinter dieser These ist einfach: Das Weltvermögen wächst. Es geht uns doch im großen und ganzen immer besser. Kaum aufzuhalten ist der technologische Fortschritt. Immer mehr Krankheiten können geheilt werden, die Lebenserwartung steigt und die Armut nimmt ab.
Hinzu kommt bei dieser Schlaftabletten-Theorie: Die Kursschwankungen spielen auf Sicht von 30 oder 40 Jahren keine Rolle. Die Dividenden sind dagegen immanent wichtig. Da Sie die Aktien eine Ewigkeit liegen lassen, können Sie auch keine „dummen“ Fehler beim Traden machen. Kurzum: Clever Investieren ist eigentlich ganz einfach. Nur machen uns unsere Gefühle leider einen Strich durch die Rechnung. Ich schließe mich da mit ein. Zu guter Letzt möchte ich Ihnen noch eine kurze Lektüre empfehlen: Die Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen hat sich mit der Schlaftabletten-Theorie Kostolanys in einem Aufsatz beschäftigt, der lesenswert ist. Allerdings stimme ich nicht bei allen Schlussfolgerungen mit den Verbraucherschützern überein. Wer sich näher mit dem Versagen der Quant Fonds befassen möchte, findet hier einen Artikel vom 2. September aus dem „Wall Street Journal.“


tim schaefer (Author)

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