Das Leben in New York ist spottbillig – außer die Miete


New York, 18. Januar 2014

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Eine Freundin in Mannheim sagte mir, wie sehr sie mich beneidet, weil ich in New York lebe. Allein schon wegen der vielen exotischen Lebensmittel. Vor allem vermisst sie die „Dumplings“. Das sind die chinesischen gefüllten Teigtaschen. Gerade gestern bestellte ich sie im Restaurant (mein Foto).
In solchen Gesprächen kommt es oftmals zu falschen Annahmen (nicht in jenem Telefonat). Viele Menschen glauben, New York sei sauteuer. Das ist nicht wahr. Lebensmittel, Restaurants und Dienstleistungen (Frisör, Reinigung, Taxi) sind spottbillig. Es liegt am beinharten Konkurrenzkampf.
Wenn Sie in Manhattan die Straße entlang laufen, gibt es ein Restaurant nach dem nächsten. Die unterschiedlichen Gerüche können Sie auf dem Gehweg beim Vorbeigehen aufschnappen. Die Gewerbetreibenden kämpfen hier jeden Tag aufs Neue um Kunden.
Gerade mittags ist der Preis heiß. Da kriegen Sie ein ganzes Menü beim Chinesen für pauschal 12 Dollar, sprich Suppe, Hauptgericht, Nachspeise mit einem Glas Wasser. Ich kann es als kaum fassen, wie billig gutes Essen ist.
Wer ein extremer Sparfuchs ist, kriegt für 5 Dollar ein ganzes Menü an der Selbstbedienungstheke.
Natürlich gibt es in allen Metropolen rund um den Globus einen Knackpunkt: Es ist das Wohnen, was extrem teuer ist – insbesondere in Manhattan. Daher leben viele Menschen auf engem Raum beziehungsweise in WGs oder außerhalb.
Sie können in New York mit einer Metro-Karte für 112 Dollar im Monat überall hinfahren. Mit einem Einzelticket für 2,50 Dollar fahre ich manchmal bis zum Flughafen. Ich muss zwar von der U-Bahn in den Bus umsteigen, was trotzdem insgesamt bloß 2,50 Dollar kostet. Wo kommen Sie von der Innenstadt bis zum Airport für 2,50 Dollar?
Im Endeffekt ist der Reiche der Gewinner von diesen staatlichen Subventionen. Wer sparsam ist, kommt mit einem Mini-Budget über die Runden.
Ich traf kürzlich einen BWL-Professor am Flughafen, der in New York lebt, der sagte mir: „Ich fahre nur mit der U-Bahn und dem Bus. Es ist unglaublich günstig. Warum sollte ich ein Auto kaufen?“
Stimmt! Sprit, Versicherung, Inspektion und Abnutzung sind ein Klotz am Bein. Selbst wenn es sich um einem Mittelklassewagen handelt. Auf dem Land braucht man das Auto. Diese Kosten muss man fairerweise gegenrechnen. Im Dorf gibt es nur einen Tante-Emma-Laden, der muss mit keinem anderen Supermarkt konkurrieren.
In einer Studie brachte Wissenschaftlerin Jessie Handbury Erstaunliches zum Vorschein (Wharton School, University of Pennsylvania): Höhere Einkommensschichten ab 100.0000 Dollar im Jahr müssen 20 Prozent weniger für Lebensmittel in Metropolen wie New York ausgeben als auf dem Land, weil in den Großstädten der Preiskampf intensiver ausgetragen wird.
Sie kriegen hier ein Netz Zwiebeln für 99 Cent, zwei Stangen Sellerie für insgesamt 3 Dollar, zwölf Eier für 1,99 Dollar, ein ganzes warmes und gewürztes Grillhähnchen für 5,99 Dollar, ein Stück warme Pizza to go für 99 Cent. Selbstverständlich bekommen Sie gleichzeitig eine Dose Kaviar für 12.000 Dollar. Oder eine Luxus-Handtasche auf der Madison Avenue für 3.000 Dollar.
Übrigens gibt es die besten Dumplings in einem Imbiss in China Town, wo eine Familie frisch das Essen vor den Augen der Kunden zubereitet. Der Laden sieht von außen aus, als ob es sich um ein großes Loch in einer Hauswand handelt. Die Leute lieben es.
In den Großstädten kommt das enorme Kulturangebot hinzu.
Fazit: Ich glaube, das Leben in der Metropole ist nicht viel teuerer als auf dem Land, wenn man die Wohnungsgröße den Gegebenheiten anpasst und andere Kosten wie das Auto berücksichtigt. Außerdem sind die Verdienst- und Jobmöglichkeiten in Großstädten besser.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Leben in New York ist spottbillig – außer die Miete

  1. Turing

    Ich bin etwas enttäuscht… Man bekommt hier immer alten Wein in neuen Schläuchen geboten, immer nur Durchhalteparolen zum Sparen, aber fast nie Kommentare zum aktuellen Geschehen.

    Im letzten Jahr wurde S&K hochgenommen… Tim Schäfer war es keinen Artikel wert.

    Jetzt steht Prokon kurz vor der Pleite… Warum schreibt Tim Schäfer nicht darüber?

    Das sind spannende Themen, denn es geht ums Investieren: Wie sicher ist ein Investment, welches risikofreie 8 % Rendite verspricht? Oder 12 % bei zahlreichen Holzinvestments.

    Immer nur Durchhalteparolen und Beispiele von sparsamen Reichen sind doch auf Dauer ziemlich ermüdend.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Turing
    Die angesprochene Rendite kriegst Du bei Nestle, McDonalds, Nike, Adidas, BASF, Berkshire, Exxon, Chevron, P&G, GE, Ford, GM, Walt Disney, bei den Großbanken usw. Aber ein wenig Risiko ist immer mit dabei.

  3. Fabian

    Ich finde die Artikel von Tim super. Tolle Spartipps und gerne noch mehr über den Geiz der Milliardäre!

    Ich liebe die Geschichten!!!

  4. Martin

    Dim Sums kriegt man auch im guten Chinarestaurant in Deutschland. Muss man vielleicht etwas suchen.

    Bei den Preisen kommt doch noch Trinkgeld drauf, oder? Wieviel Prozent sollte man denn in New York so geben (Restaurant, Taxi, Friseur)?

  5. Jack

    Ich finde den Artikel auch klasse!

    Mal was über den Alltag in New York zu hören oder Sparsame Reiche ist doch eine nette Abwechslung zu den Finanzthemen.

    Als Langfrist Investor interessiert mich das aktuelle Börsengeschehen, geschweige den einzelne Aktien überhaupt nicht 😉

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Martin

    Ja, stimmt. Trinkgeld ist so 15 bis 20%. Das kommt obendrauf.

    Bei den Selbstbedienungsläden (Büffet, Cafes) braucht man nix geben. Viele werfen ihr Wechselgeld in eine Trinkgelddose.

    Lebensmittel (frisches Gemüse, Obst, Salat, Fleisch, Fisch) gibt es ganz ohne Steuern im Supermarkt. Hierfür gibt es keine Mehrwertsteuer.

  7. Fritz

    Ich gebe Jack recht. Ich lese beispielsweise gar keine Blogs, welche über das aktuelle Börsengeschehen berichten. Ich verfolge einen Buy&Hold-Ansatz. Aktuelle Nachrichten interessieren mich im Grunde nicht.

    @Turing: Durchhalteparolen sind beim Buy&Hold mit das Wichtigste!

  8. Felix

    Ein sparsamer Lebensstil ist sicher für die meisten Normalverdiener (was ist das?) überhaupt die Voraussetzung, um investieren und sich einen Kapitalstock aufbauen zu können. Ohne, dass am Monatsende etwas übrig ist, geht es nicht. Ich denke, das wissen hier auch alle. Milliardäre können mich da nur wenig inspirieren.
    Wichtiger ist mir schon die andere Seite, das Investieren. Ich bin damit nie fertig. Also einmal alles investieren und dann nur noch 40 Jahre warten, ist Unsinn. Deshalb sind für mich neue Investitionsmöglichkeiten schon ein Thema. Auch ich verkaufe kaum Aktien, trotzdem beobachte ich die Börse regelmäßig.
    Also ich vermisse sie auch, die Diskussionen über Investments, Unternehmen, Strategien usw.

  9. Thomas

    Hört sich ja super an! New York ich komme!

    @Tim

    Wieviel Steuer zahlt man eigentlich auf Kapitalgewinne?
    Und wieviel Steuern fallen auf Dividenden an? Bzw wenn man diese reinvestiert sind die dann Steuerfrei?

  10. tim schaefertim schaefer

    @ Thomas

    Es gibt 2 Arten an Depots. Erstens gibt es die Aktiendepots für die Rente. Zweitens die „normalen“ Aktiendepots.

    1. Kommen wir zu den Depots für die Rente: Null Prozent. Alles Steuerfrei. Sowohl Dividenden als auch Aktienkursgewinne sind steuerfrei, wenn sie sich in einem Altersvorsorgedepot befinden. Es gibt verschiedene Arten dieser Depots, je nachdem ob jemand angestellt oder selbstständig ist. Die einen Depots heißen 401(k), die anderen SEP-IRA. Das Finanzamt überwacht mit den Banken diese Depots, damit kein Geldabfluss vor dem Rentenbeginn stattfindet. Du kommst also erst mit dem Ruhestand an das Geld steuerfrei im Depot dran. Wenn Du vorher Geld abziehst, fällt eine Sondersteuer auf die Gewinne an. Wenn Du Geduld hast, ist alles steuerfrei im Alter. Sparen kannst Du in die Depots jedes Jahr während Deines Arbeitslebens mit Deinem steuerbefreiten BRUTTO-Einkommen. Um es anders auszudrücken: Washington fördert massiv das Aktiensparen für die Rente.

    2. Das normale Depot: Du kannst ein ganz normales Depot bei einer Bank einrichten wie in Deutschland, wo Du an Dein Geld jederzeit drankommst. Deine Sparbeiträge kommen hier aus Deinem NETTO-Einkommen. Aktiengewinne werden glaube ich mit 10 oder 20% besteuert, wenn Du die Aktie mindestens 1 Jahr lang hälst. Zocker/Trader zahlen eine höhere Steuer auf ihre Kursgewinne. Der Aktiengewinn wird dem Einkommen zugerechnet (meines Wissens nach).

    Fazit: Ratsam ist für Amerikaner ein Aktiendepot für die Rente einzurichten, weil sie steuerbefreit sparen und verdienen können. Die USA ist ein Paradies für Aktienfans.
    Fonds-Legende Peter Lynch rät jedem Ami so ein Renten-Depot intensiv zu besparen:

  11. Alex

    @Turing
    Verstehe deine Kritik nicht. Warum sollte sich Tim von New York aus um deutsche Themen wie S&K oder Prokon kümmern? Die Säue werden doch genug von anderen Medien durchs Dorf getrieben. Im Prinzip dürften Leser von Tim (wenn sie ihn lesen weil er genau das schreibt, was er schreibt) mit Prokon oder S&K nie etwas zu tun gehabt haben. Denn wir verfolgen eine gänzlich andere Anlagestrategie. Wer S&K „Kunde“ war, hat sich nie selbst um seine Finanzen gekümmert und wer Prokon „Kunde“ war, der hat die seit Jahren kursierenden Warnungen bewußt ignoriert.

    Wie Tim schon schrieb, selbst die genannten Renditen sind es nicht wert darüber zu berichten, denn es sind keine Überrenditen. Diese sind auch mit Aktien und Dividenden locker erzielbar. Zudem viel sicherer und risikoärmer.

    Ich kann daher den Kommentaren von @Jack und @Fritz nur zustimmen.

    Lieben Gruß

    Alex aus dem deutschen Valley!

  12. Markos

    Ich finde auch den Tiny House Trend in den USA sehr interessant. Hast Du davon auch schon was gehört Tim, oder ist das eine kleine Minderheit?

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