Buy-and-Hold: Konservative Strategien zahlen sich aus


New York, 21. Juni 2010

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Nun flüchten die Menschen in sichere Anlageformen. Die Nachfrage nach Festgeld- und Sparkonten ist riesig. Eigentlich ist die hohe Sparquote in Deutschland in Höhe von elf Prozent durchaus gut. Es zeugt von einer konservativen Grundeinstellung. Statt zu konsumieren, legen wir Deutschen sehr viel Geld zur Seite. Wir bauen gigantische Cash-Vorräte auf. Für den Notfall. Man kann ja nie wissen. 1,78 Billionen Euro sind auf Girokonten, Festgeldern und anderen Spareinlagen deponiert.
Jetzt kommt aber das große DOCH: Sparen ist gut. Ein Cashbestand ist wichtig. Ich empfehle, mindestens fünf bis sechs Monate des monatlichen Nettogehalts als Cashreserve vorzuhalten. Für den Fall, dass Sie arbeitslos, krank oder von einem Problem heimgesucht werden. DOCH sollten Sie nicht Ihr gesamtes Vermögen in mickrig verzinste Anlageformen stecken. Gerade in einer Zeit, in der die Börse noch weit von den einstigen Höchstkursen entfernt ist und sich unsere Wirtschaft nur sehr langsam erholt, bietet die Börse eine herrliche Alternative. Sie bekommen schöne Dividendenrenditen. Hochsolide Aktien notieren weit unter ihrem Höchstkurs. Wenn wieder die Börse ein Rekordhoch nach dem nächsten erklimmt, dann rennen wieder alle den Aktien hinterher. Gehen Sie vor der Masse an Bord!
Bei der Aktienanlage rate ich Ihnen, einen äußerst soliden Anlagestil zu verfolgen. Nur das macht wirklich Sinn. Kaufen Sie nur, was Sie kennen und verstehen. Konzentrieren Sie sich auf attraktive Dividendenzahler. Und bleiben Sie langfristig investiert. Mit einer Buy-and-Hold-Strategie können Sie meiner Meinung nach die beste Rendite erzielen und nicht viel falsch machen. Sie zahlen nicht ständig Transaktionskosten und Steuern. Trader verlieren hier einen schönen Batzen Geld. Der Erfolg von Warren Buffett zeigt ganz klar, dass die Buy-and-Hold-Strategie exzellent funktioniert. Nicht umsonst ist er einer der reichsten Menschen und beste Anleger der Welt. Und diese Strategie hat nicht ausgedient. Das wird natürlich immer wieder behauptet. Klar ist, dass die Finanzindustrie mit den Buy-and-Hold-Anhängern nur sehr wenig Geld verdient. Daher wird diese Anlagephilosophie bevorzugt attackiert und als „altes Zeug“ abgestempelt. Dabei gibt es etliche Studien zu dem Themenkomplex.
Im Grunde ist unsere eigene Gedankenwelt unser größter Feind. Buffett und sein Partner Charles Munger schauen sich nicht täglich die Kurse ihrer Positionen an. Sie lassen sich nicht verunsichern von dem täglichen Auf und Ab. Das jedoch tun leider die meisten Anleger. Sie werden verunsichert. Unsere Gefühle machen uns einen Strich durch die Rechnung. Wir beginnen, zu handeln. Und machen dann Fehler. Wenn wir handeln, entstehen folgende Kosten: Der Spread (Differenz) zwischen Käufer und Verkäufer, Börsenplatz, Makler, Bank etc. Eventuell werden Steuern fällig. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass aktive Privatanleger bei ihren Transaktionen meist einen schlechten Tausch ihrer Positionen vornehmen. Das haben etwa die beiden Wissenschaftler Brad Barber und Terrance Odean herausgefunden. Es wird vermutet, dass Menschen dazu neigen, ihre „Gewinner-Positionen“ zuerst zu verkaufen und ihre Verluste tendenziell aussitzen wollen. Es zeigt sich jedoch, dass die „guten“ Aktien weiterhin besser abschneiden als die „schlechten“ Aktien.
Wer Buffett analysiert, stellt fest, dass es nicht nötig ist auf Pump zu spekulieren. Die super-smarten Hedgefonds-Manager, die glauben Sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und mit hohen Kreditsummen Ihr Portfolio vergrößern, fallen doch alle eines Tages auf die Nase. Die Börse lässt sich eben nicht mit mathematischen Formeln berechnen. Die Börse ist unberechenbar! Es gibt zahlreiche Beispiele für traurige Pleitefälle. Warum gehen die Profianleger pleite? Weil Sie auf Pump spekulieren oder hochspekulative Wetten eingehen. Einer der spektakulärsten Niedergänge legte Long-Term Capital Management (LTCM) hin, ein Investmentvehikel, das von Wissenschaftlern geführt wurde, zwei Nobelpreisträger waren sogar darunter.
Mein Rat: Setzen Sie nur Ihr eigenes Geld ein. Nur Geld, das Sie kurz- und mittelfristig nicht brauchen. Überlassen Sie das Spekulieren mit Krediten anderen. Kein Mensch kann exakt Kursverläufe vorhersagen. Das sehen Sie schön an den ganzen Prognosen, die die Banken jedes Jahr abgeben. Jedes Jahr verkünden die Chef-Volkswirte namhafter Organisationen großkotzig Vorhersagen für den Dollar, Dow Jones, DAX etc. Der Blick in die Glaskugel ist absoluter Blödsinn. Wenn diese Menschen genau wüssten, wo die Kurse ein Jahr später stünden, dann würden sie nicht mehr zur Arbeit gehen.
Eines meiner Lieblingsbücher ist die „Buy and Hold Bibel“ von Gerd Kommer. Der Autor hat ein klasse Werk abgeliefert. Einleuchtend. Klar. Verständlich. Mit vielen Fakten und Beispielen. Er erklärt, warum es Sinn macht, solide Aktien zu kaufen und langfristig zu halten. Langfristig sind bei ihm zehn Jahre und länger. Er zeigt auf, wie man Risiken meidet. Etwa wie das Depot am besten strukturiert wird nach Ländern und Branchen. Ein gelungenes Buch für alle Value-Anhänger.


tim schaefer (Author)

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