Börsianer brauchen Profi-Anleger nicht zu fürchten: Im Gegenteil


New York, 19. März 2012

Wir brauchen uns als Privatanleger, nicht hinter den Profi-Anlegern zu verstecken. Ein Großteil der Fondsmanager schneidet schlechter als die Benchmark ab. Es gibt also keinen Grund, in Ehrfurcht zu verfallen. Selbst wenn es um Prominente wie Donald Trump, Warren Buffett oder George Soros geht, müssen wir wissen, dass den Milliardären hin und wieder gravierende Fehler unterlaufen. Ich glaube, wenn wir dies im Hinterkopf haben, können wir besser mit unseren eigenen Fehlern umgehen und aus ihnen lernen.
Wir sind in der Lage, gut an der Börse abzuschneiden, wenn wir ein paar Grundregeln befolgen. Zu ihnen gehört, langfristig zu denken und die Tagesmeldungen auszublenden. Kurse bilden sich nur aufgrund der langfristigen Perspektiven. Die künftigen Gewinne (auf Jahrzehnte hinaus) werden praktisch auf den heutigen Tag abdiskontiert im Kurs. Ob nun der Gewinn eines Unternehmens in einem Quartal 1 Cent über oder 1 Cent unter den Erwartungen liegt, ist ziemlich egal. Hauptsache die langfristigen Aussichten bleiben solide. Nur darum geht es.
Wir sollten darüber hinaus aufpassen, nicht jedem Hype (Trend) hinterherzujagen. Vielleicht sind die sozialen Medien ein Hype. Vielleicht nicht. Wir wissen es nicht. Es kann sein, dass Facebook langfristig ein gigantischer Erfolg wird. Es kann aber genauso gut in zehn Jahren ein anderer Anbieter die Nase vorn haben. Es ist eben diese Unkenntnis über die Zukunft bei solchen Newcomern, wovor smarte Value-Anleger zurückschrecken. Im Mai soll Facebook an die Börse kommen. Ich bin gespannt.
Haben Sie dagegen einen 100 Jahre alten führenden Waschmittel-, Getränke- oder Wurst-Hersteller, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese Traditionsfirma noch in zehn Jahren tonangebend ist. Man muss an der Börse nicht jedem Trend folgen. Je langweiliger, desto besser! Denken Sie nur an die Technologieblase vor dem Jahr 2000. Gut, Sie mögen vielleicht die tollen Gewinne Ihrer Freunde nicht zwischenzeitlich mit irgendwelchen IT-Buden gemacht haben. Dafür haben Sie sich auch nicht die Finger an diesen Buden verbrannt. Wie gewonnen, so zerronnen, war ja das Motto nach dem IT-Hype. Wer der Blase seinerzeit fern blieb, dem blieb viel Schmerz erspart.
Seien Sie an der Börse optimistisch. Positiv denkende Anleger sind grundsätzlich erfolgreicher sind als Pessimisten, denn die US-Börse befindet sich seit über einem Jahrhundert im Aufwind. Allerdings sollten Sie nicht allzu euphorisch werden. Bleiben Sie immer mit Ihren Erwartungen auf dem Boden der Tatsachen. Was zählt, sind Fakten. Und vor allem die Gewinne und die Gewinnaussichten. Keine andere Kennzahl ist wichtiger. Am Ende des Tages geht es nur darum, wie viel Geld ein Unternehmen verdient. Klicks, Kundenzahlen, Umsätze, Mitglieder, Facebook-Fans – all das zählt an der Börse langfristig nicht. Nur eben der Profit.
Trotz der optimistischen Sichtweise rate ich davon ab, auf Pump Aktien zu kaufen. Setzen Sie nur Eigenkapital ein, das Sie auf absehbare Zeit nicht benötigen. Gerade führt Gier in der Investmentwelt zu gefährlichen Hebeln. So scheitern große Investoren häufig an ihrem Leverage. Ich erinnere nur an den Untergang des einstmals renommierten Hedgefonds Long-Term Capital, der von zwei Wirtschafts-Nobel-Preis-Trägern gemanagt wurde. Wer nur Eigenkapital einsetzt, kann im Grunde genommen nicht untergehen. Denn mit der Zeit sollte sich ein Crash in einen Aufschwung umkehren. Zumindest können Sie nicht mehr verlieren, als Sie besitzen. Wer hingegen auf Hebel (Schulden) setzt, der kann fürchterlich auf die Nase fallen und einen gigantischen Schuldenberg hinterlassen.
Sind Sie investiert, brauchen Sie anschließend jede Menge Geduld. Und noch ein Tipp: „Buy cheap, so you can be rich.“ Kaufe günstig, so kannst Du reich werden! In einem Börsencrash steckt unheimlich viel Potential, wenn Sie all Ihren Mut zusammennehmen und einsteigen.
Ich habe zum Glück im Jahr 2009 die Chance beim Schopfe gepackt und bin ziemlich aggressiv eingestiegen. Leider war ich schon im Jahr 2008 am Aktiensammeln, ich war also viel zu früh mit Teilbeträgen am Markt. Vor allem bei den Banken hatte ich ab 2008 auf eine Erholung gesetzt. Nun, was soll es. Ich habe zum Glück die Verluste bei den Finanzdienstleistern nicht realisiert, sondern hatte Sitzfleisch. So warte ich einfach weiter ab. Derzeit bin ich nahe an der Gewinnschwelle bei den Großbanken. Den genauen Zeitpunkt kann man ohnehin nie erwischen. Übrigens auch die Profis nicht.
Was lernen wir daraus? Vermeiden Sie es, Verluste zu realisieren, wenn es nicht unbedingt sein muss. Gute Konzerne kommen in der Regel immer wieder auf die Beine nach einem Kursrutsch. Ich habe das in den vergangenen Jahren immer wieder falsch gemacht. Wie oft habe ich schon bei exzellenten Firmen Verluste realisiert und musste später feststellen: Verdammt, warum habe ich das nur gemacht? Jetzt ist der Kurs wieder zurück beziehungsweise noch höher!!! Klar muss es nicht immer so ausgehen! Bei mir war es jedoch meistens der Fall. Ich gebe zu, über diesen Punkt der Stop-Loss-Orders kann man lange zu Recht streiten. Die Befürworter der Verlustbegrenzung haben natürlich gute Argumente. Wenn Sie super starke, erstklassige Firmen kaufen, dann kommen die jedoch meistens wieder zurück. Warten Sie nur ab! (Das ist mein Ratschlag, der auch gewisse Schwächen hat.)
All diese Tipps sind natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ich habe sie aus dem Leben von Starinvestoren wie Warren Buffett, Benjamin Graham, John Templeton oder Donald Trump entnommen. Ich habe vor einiger Zeit schon die „Zehn Börsentipps“ auf meiner Website zusammengestellt. Über Jahre hinweg hatte ich die Ratschläge entwickelt. Sie denken jetzt sicherlich, das stimmt nicht. Aber glauben Sie mir: Ich habe mir extrem viel Mühe gegeben. Im Grunde kann ich immer nur auf diese zehn Regeln hinweisen.
Haben Sie den Namen Jeremy Grantham schon mal gehört? Nein? Schade! Das ist ein cooler Typ. Von Grantham lese ich alles, was ich bekommen kann. Er hat die Technologieblase und die Immobilienblase in den USA richtig vorhergesagt. Grantham verwaltet 97 Milliarden Dollar. Der britische Investor ist einer der besten Geldmanager unserer Zeit. Seine Vermögensverwaltung heißt „Grantham Mayo Van Otterloo“, kurz GMO. Der Firmensitz befindet sich in Boston. Lesen Sie mal seinen jüngsten Quartalsbrief. Dieser ist ein phantastischer Leitfaden für die Börse. Er ist super zu lesen, wobei es sich um nichts Neues handelt. Seine Ratschläge sauge ich trotzdem immer wie einen Schwamm auf. Auch in diesem heutigen Blog stecken viele seiner Dauer-Tipps.
Ich wünsche Ihnen gute Geschäfte!


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Börsianer brauchen Profi-Anleger nicht zu fürchten: Im Gegenteil

  1. Stefan

    Ich hatte den Namen Jeremy Grantham tatsächlich noch nie gehört. Aber der verlinkte Quartalsbrief ist in der Tat sehr interessant.

    Vielen Dank für den Tipp!

  2. DorisDoris

    Jeder Aktienkäufer ist ein kleiner Zocker!
    Hab ich als Beispiel €30 000.- auf der sicheren Seite als
    Langzeitläufer mit guter Dividende angelegt warum dann nicht auch mal
    €3 000.- in einen Hype Titel anlegen, der mir vom Bauchgefühl her vielversprechend
    scheint. (Ohne Schulden)
    Sonst ist das für mich wie eine Mahlzeit ohne Salz und Pfeffer, ohne Würze.
    So was muss auch erlaubt sein. Diese optimistische Risikobereitschaft haben
    die Amerikaner den Deutschen voraus. No risk not as much fun!!!

  3. Stefan

    Doris: wie definierst du zocken?

    Ich definiere zocken für mich folgendermaßen (bezogen auf die Börse):
    a) ich weiß nicht was ich tue und hoffe einfach auf hohe Gewinne, oder
    b) ich gehe an sich vielleicht garnicht unkluge Positionen ein, die aber für mein Gesamtportfolio bestandsgefährdende Risiken erzeugen.

    Ich sehe kein Problem darin, sehr risikoreiche Investments zu tätigen, solange man sich sicher ist, dass der Erwartungswert positiv ist, und man bei hohen Verlustrisiken die Positionsgröße entsprechend klein wählt.

    Das von dir bestehende Vorgehen würde ich also (nach meiner Definition) nicht grundsätzlich als zocken bezeichnen.

    Hören tue ich bei Geldangelegenheiten aber lieber auf meinen Kopf, als auf meinen Bauch…

  4. tim schaefertim schaefer

    @ Doris,

    Ich kann den Wunsch zum Trading (Zocken) durchaus nachvollziehen. Ich sage mal, mit einem kleinen Teil des Portfolios warum eigentlich nicht? Wobei oft gehen solche Spekulationen eben schief. Ich habe auch schon Pennystocks gekauft.

    @Stefan: Danke. Sehr gut erklärt.

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