Axel Springer: Insider decken sich ein


New York, 24. Juli 2008

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Als Value-Investor gefällt mir die Verlagsgruppe sehr gut. Binnen Jahresfrist stürzte der Kurs des führenden deutschen Zeitungshauses (Bild-Zeitung, Die Welt) von 135 auf zuletzt 76,05 Euro. Der Börsenwert beträgt nur noch 2,4 Milliarden Euro. Dabei gingen im vorigen Jahr 2,6 Milliarden Umsatz durch die Bücher. Das waren 8,5 Prozent mehr als 2006. Sie bekommen damit den Traditionskonzern für etwa einen einfachen Jahresumsatz. Das ist sehr günstig. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben 2007 immerhin 470 Millionen Euro hängen. Plus acht Prozent. Meilenstein war, dass erstmals die Welt-Gruppe mit der Berliner Morgenpost positiv abschloss. Unter dem Strich verhagelte aber die Schließung des deutschen Postdienstleisters PIN Group das Resultat. Die Einstellung der defizitären Sparte sorgte für einmalige Abschreibungen von 573 Millionen Euro. Der harte Schnitt zeigt jedoch, dass Friede Springer nicht bereit ist defizitäre Geschäftsfelder mitzutragen.
Nun ist die Gruppe saniert und so stark aufgestellt, wie seit Jahren nicht mehr. Vorstandschef Mathias Döpfner arbeitet seit Jahren an einer höheren Rentabilität. Mit Hilfe der Unternehmensberatung Roland Berger kürzte er radikal die Verwaltungskosten. Seit 2001 sank die Zahl der Mitarbeiter von 14.000 auf rund 10 000. Ferner modernisierte er das Kerngeschäft. Inzwischen erzielt Axel Springer rund neun Prozent der Einnahmen oder 222 Millionen Euro im Internet. Bis zum Jahr 2010 soll sich der Onlineumsatz nochmals verdoppeln. Neben der Digitalisierung treibt Döpfner die Internationalisierung voran. Ein Fünftel der Erlöse stammen schon aus dem Ausland. Besonders stark entwickelte sich zuletzt das Geschäft in Polen, Russland und Ungarn. Mit seinen mehr als 170 Zeitungen und Magazinen kommen die Berliner auf einen Marktanteil bei Anzeigen von 16 Prozent – deutlich vor der Nummer zwei, Gruner + Jahr, mit zehn Prozent. Vor allem dank der auflagenstarken Bild-Zeitung erreicht die Springer-Gruppe 55 Prozent der deutschen Bevölkerung täglich.
Friede Springer kauft seit Monaten Anteile ihres Verlagsimperiums. Im Januar investierte die Witwe des Firmengründers über 4,5 Millionen Euro in eigene Aktien. Im Februar und März gab sie erneut mehr als vier beziehungsweise zwei Millionen Euro aus. Die Milliardärin sammelte die Papiere seit Jahresbeginn zu Kursen in der Bandbreite zwischen 71 und 79 Euro ein. Offenbar sieht die Großaktionärin eine günstige Gelegenheit. Aufsichtsratschef Giuseppe Vita orderte im April und Mai Aktien zu Kursen um die 71- und 72-Euro-Marke. Mich wundern die aggressiven Aktienkäufe keineswegs: Beim aktuellen Kurs wirft die Dividende eine schöne Rendite von 5,3 Prozent ab (sie wird im April ausgeschüttet). Unterstellen wir im laufenden Jahr einen Nettogewinn aus dem Kerngeschäft von 350 Millionen Euro, so beträgt das Kurs-/Gewinnverhältnis nur knapp sieben. Ein absolutes Schnäppchen! Im ersten Quartal hat der Zeitungsriese einen gigantischen Gewinn von 450 Millionen Euro eingefahren, der Großteil des Betrags stammt aus dem Verkauf der ProSiebenSat.1-Beteiligung. Bild Dir Deine Meinung.


tim schaefer (Author)

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