Altersvorsorge: Vorbeugen ist besser als Heilen


New York, 30. Januar 2015
Leben im Alter: In einfachsten Verhältnissen

Leben im Alter: In einfachsten Verhältnissen

Leben im Alter in Armut: In einem verfallenen Haus.

Leben im Alter in Armut: In einem verfallenen Haus.

Vorbeugen ist besser als heilen. Das ist eine schöne Regel fürs Leben. Menschen gehen pleite, weil sie zu viel Geld ausgeben. Weil sie sich verschulden. Also sollten Sie aufpassen, Ihre Ausgaben in den Griff zu bekommen.

Millionen Deutschen werden in einer Altersarmut enden, weil sie nicht genug sparen.

Wir Deutsche sind eigentlich gut darin, wenn es ums Sparen geht. Unsere Kanzlerin Angela Merkel ist sparsam. Sie trägt ihre uralte Garderobe immer wieder. Was die Medien davon halten, ist ihr egal. So scheint es zumindest.

Ich finde das gut. Bodenständig. Es kommt ja nicht darauf an, was für Kleider man trägt, sondern was für ein Mensch man ist.

Noch besser als das Sparen ist das Investieren. Ihre Taler sollten hart für Sie arbeiten. Sparen ist die Vorstufe des Investierens. Investieren bedeutet, sie legen ihr Geld in Produktivkapital an. Etwa an der Börse. Der DAX ist ein herrliches Instrument. Dort sind die 30 führenden börsennotierten Konzerne Deutschlands versammelt. Sie wachsen, weil die Menschheit immer vermögender wird. Und weil die Weltbevölkerung explodiert. Alle zwölf Jahre kommen eine Milliarde mehr Menschen auf den Planeten.

Die Amerikaner sind gut im Investieren. Sie haben gelernt, mit den Aufs und Abs der Börse umzugehen. Einen Großteil ihres Sparstrumpfs investieren sie an der Wall Street. Sie machen das langfristig.

Es sind sogenannte „401(k)“-Depots. Washington hilft, indem es die Depots aus dem Brutto ohne Steuerabzug besparen lässt. Die Arbeitgeber geben einen Bonus obendrauf. Es handelt sich um extrem kostengünstige Depots, die zudem auf eine hohe Rendite getrimmt sind. Im Schnitt haben Amerikaner, die mindestens zehn Jahre ihr Aktiendepot für die Rente besparen, 248.000 Dollar angehäuft.

Weil es aber in den USA eine freiwillige Sache ist, macht nur jeder zweite Arbeitnehmer davon Gebrauch. Durch die Steuerfreiheit und den Zuschuss des Arbeitgebers wäre es aber clever, wenn mehr mitmachen würden. Insofern machen sich die Politiker in Washington Sorgen um die Menschen, die nicht mitmachen. Es wird eine neue Informationskampagne geben.

Australier machen es noch besser, finde ich. Bei ihnen ist das Sparen für die Rente Pflicht. Die Politik kümmert sich intensiv um diese Sache. Es ist eine Herzensangelegenheit. Sie wollen vermeiden, dass in einigen Jahrzehnten große Bevölkerungsschichten in der Altersarmut enden werden. Daher haben die Australier ein Renten-Sparsystem beschlossen. Bis zu zwölf Prozent des Einkommens muss gespart werden. Es geht in Schritten hinauf. Sie nennen es „Super-Fonds“ bzw. „Super Annuation“.

Und so bauen die Australier einen der größten Rentenspartöpfe der Welt auf.

Das ist schon clever. Kostengünstig und möglichst hoch rentabel zu investieren. Langfristig. Und das mit der Hilfe des Staates, der auf Steuern verzichtet.

So machen es die Australier:


Deutschland macht in meinen Augen mit den gebührenfressenden Riester-Dingern einen gewaltigen Fehler. Es werden Milliarden zum Fenster hinausgeworfen. Die Riester-Rente ist ein Produkt aus einer alten Zeit. Zu hoch sind die Provisionen und Verwaltungskosten. Dadurch kommt meist eine mickrige Rendite (wenn überhaupt) heraus. Warum lernt Deutschland nicht von den USA, von Großbritannien oder Australien?

Manchmal habe ich das Gefühl, einige unserer deutschen Politiker haben Tomaten auf den Augen. Ich habe schon mit Bundestagsabgeordneten gesprochen, die hatten keine Ahnung von der Börse. Sie wussten absolut nichts. Und sie gaben es sogar zu. Es muss ja nicht jeder alles wissen, aber gewisse Grundkenntnisse würde ich schon von einem Bundestagsabgeordneten erwarten. Deutsche Politiker wissen wenig oder gar nichts darüber, wie die Rentensysteme in anderen Ländern funktionieren. Dabei wäre das wichtig. Nur so kann man von anderen lernen. Denn man lernt nie aus.

Ich habe noch ein kleines Video zum Sparen für die Rente erstellt:


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Altersvorsorge: Vorbeugen ist besser als Heilen

  1. Jan

    Hallo Tim und guten Morgen Zusammen,

    erstmal Lob und Anerkennung für deine Seite von einem jahrelangen (vorwiegend passivem) Leser.

     

    Da ich heute früh dran bin mit meinem Kommentar möchte mal die Chance nutzen und auf das allgemeine „Riester-Bashing“ eingehen und freu mich auf Antworten von dir und anderen.

     

    Ich habe mir, mangels finanzieller Bildung, 2007 auch son Ding aufschwatzen lassen und ärgere mich heute. Die ersten 5 Jahre wurden ordentlich Gebühren abgeführt, meine ich, undurchsichtig ist das Teil für mich auch. Dennoch glaube ich, ich habe noch eines der besseren Produkte (fondsbasiert von der DWS).

     

    JA: Undurchsichtig, vermutlich hohe Gebühren, Rendite KANN (!) privat eine bessere erzielt werden. Gleichwohl ist es löblich, dass Otto Normalbürger (der in Deutschland nun mal keine Ahnung von Finanzen hat) sich selbst dazu zwingt fürs Alter zu sparen, selbst wenn dies (durch eine geringe Rendite) unterm Strich „nur“ einen Kapitalerhalt bedeutet. Er verbrennt die Kohle wenigstens nicht. Nicht, auf dem Aktienmarkt und nicht in der Kneipe.

     

    Nun kommts aber, worauf ich mir ein paar Rückmeldungen erhoffe: Ich habe eine ganze Zeit 162,65 pro Monat gespart, macht knapp unter 2000 Euro im Jahr (max. mögliche steuerliche Förderung). Bei dieser Konstellation habe ich über die Steuererklärung 500 Euro nur hierfür zurück bekommen. Ich mache das selbst mit Software und kann es bequem durchrechnen. Das entspricht einer jährliche Netto-Rendite von 25 %!!! Kein Buchgeld, nicht nur Zahlen, sondern jährlich aufs Konto. Da kann man doch nicht meckern?? Dazu kommen die Zulage von 154 Euro. Und das meine fondsbasierten Gelder erhalten bleiben (bzw. sind sie bereits leicht gestiegen), davon gehe ich zunächst mal aus.

    Ich habe die Beiträge nun auf ca. 1000 jährlich reduziert (um anderweitig zu investieren), bekomme aber immer noch ca. 250 Euro netto am Jahresende zurück. Rendite 25 % + Zulage + Steigerungen bzw. zumindest Kapitalerhalt (die Steigerung waren bisher mau, da ja eben in den ersten Jahren die hohen gebühren fließen).

     

    Ich meine daher, mit dem allgemeinen Riester-Bashing machen es sich viele zu einfach. Die o.g. rechnung spricht jedenfalls für sich (bzw. für mich ;-).

     

    Zum Ende: Welche Argumente ich im Grunde nicht akzeptiere sind die, dass die Kohle ohnehin irgendwann weg sein wird. So viel Vertrauen habe ich in unseren Staat, bzw. sollte wirklich der ganz große Reset kommen, glaube ich, dass es dann ohnehin alle Geld- und sonstigen Vermögen („Goldsteuer“, Aktienvermögen, etc.) erwischt. Sprich, dann sind sowieso alle fällig.

     

    Beste Grüße an Alle!

  2. Sebastian

    Meine Gedanken gehen in eine ähnliche Richtung. Für meine Frau haben wir vor einigen Jahren eine fondsgebundene Riesterrente bei der DWS Direkt abgeschloßen.

    Bei 600€ Einzahlungen im Jahr kommen vom Staat bei drei Kindern (1 nach 2007 geboren) noch einmal 824€ dazu. Zumindest bis zum 18.Lebensjahr der Kinder beträgt die „Rendite“ allein hierbei jährlich über 100%!

    Der Wert der Fondsanteile wächst dank Zinseszins die nächsten Jahrzehnte ordentlich an.

    Mag sein, dass eine Menge Produkte Müll sind (Banksparpläne, etc.).
    Hier „spendiert“ der Staats aber Fondsanteile in frühen Jahren. Die kosten Gebühren – sicher. Die Zulagen machen das aber wett.

    Habe mal den Auszug von 2014 herausgekramt. Das Altersvorsorgevermögen überstieg die Einzahlungen bis dato um über 100%. Selbst die garantierte Mindestleistung lag bei über 95%!

    Insofern stimme ich Jan zu. Für die ein oder andere kann sich das (Fonds-)Sparen wohl lohnen.

  3. Sebastian

    Eine kurze Ergänzung, auch wenn das aus dem Text sicher hervorgeht.
    Das Fondssparen sollte sich fast immer lohnen. Ich meinte hier natürlich speziell das Riesterfondssparen.

  4. Mario

    Hi

    das australische System finde ich gut. Kann man das mit dem in Österreich verpflichtenden Mitarbeitervorsorge (Abfertigung) vergleichen?

    hier werden monatlich 1,53% vom Bruttolohn vom Arbeitgeber an eine Vorsorgekasse (MVK) abgeführt. Dieses Geld wird dann von der jeweiligen MVK angelegt.

    Bei Beschäftigungsende hat der arbeiter dann Anspruch auf das eingezahlte Geld + Veranlagungsgewinne. Je nach beendigung der Beschäftigung hat man sofort oder nach einer bestimmten Frist (zB. Selbstkündigung) die Möglichkeit auf Kapitalauszahlung, oder eine mtl. Zusatzrente.

    Mindestauszahlung: Tatsächlich eingezahltes Kapital (Bruttogarantie, dh. Es ist das Kapital vor Abzug der Verwaltungskosten garantiert)

    Bei Wahl der Zusatzpension ist diese Steuerfrei, bei gesamter Kapitalauszahlung fallen 6% Steuern an.

    Sind zwar nicht die angepeilten 12% wie in Australien aber zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

    Wie seht ihr das oder bin ich mit diesem Vergleich total auf der falschen Spur und möchte Äpfel mit Birnen vergleichen?

    Gruß Mario

  5. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Jan

    @ Sebastian

    Danke für die beiden positiven Riester-Beispiele. Wenn ich das richtig sehe, sind Eure Produkte die Ausnahme. Das Problem ist, dass die meisten Deutschen die Versicherungs-Riester-Dinger wählen und nicht die fondsbasierten Produkte. Es liegt wahrscheinlich an den Vertriebstrupps und an Unkenntnis.

    Bei Riester sind die hohen Gebühren (Provisionen, Verwaltungskosten …) und die Intransparenz ein Problem. Zudem verpulvert der Staat Milliardensummen an Zuschüssen, die manch ein Riester-Anbieter (Versicherung etwa) für sich (indirekt) in Anspruch nimmt. Wenn dann jemand 30 bis 40 Jahre spart und nur das eingezahlte Kapital erhalten wird, ist das ein trauriges Resultat.

    In den USA ist der einzige Staatszuschuss die Steuerfreiheit: Die Bürger sparen aus dem Brutto, sie verdienen in den Depots ihre Kursgewinne und Dividenden frei von der Steuer.

     

    @ Mario

    In Australien kann der Bürger wählen, wie sein „Super-Fonds“, den er ein Leben lang gemeinsam mit seinen Arbeitgebern bespart, investiert: Aktien, Anleihen, Infrastruktur, Immobilien… Insofern kann eine höhere Rendite winken.

    Hier ist übrigens ein weiteres gutes Video, das den Super-Fonds in Australien erklärt. Genannt werden in dem Video 9% vom Einkommen. Es geht aber schrittweise auf 12%:
    http://youtu.be/b7zQQNkTkzI

  6. Alexander

    Zum „Riester-Bashing“, sicher kommt es auf die Einzelsituation und auf den Vertrag an. Ich habe z. B. keine Kinder, da schaut es mit der Förderung schon etwas mau aus. Viele sparen in den Riester, wobei deren Rente eines Tages unter der Grundsicherung liegen wird, d. h. aber, dass deren Riesterrente dann angerechnet wird. Sie sparen für nix. Das betrifft vor allem Leute, die ein geringes Einkommen haben. Das ist in meinen Augen Betrug durch die Politiker. Diese wären besser dran, ihr Geld unters Kopfkissen zu legen, auch wenn es keine Zinsen erwirtschaftet. Ich habe generell Vorbehalte gegen alles, was vom Staat kommt. Auf unsere Politik ist kein Verlass mehr, das zeigen die Gesetzesänderungen der letzten Jahre deutlich. Bei der Eigenvorsorge bin ich flexibler, sollte mir heute etwas passieren, hat meine Frau vollen Zugriff auf unser Depot. Möchte ich meinen Ruhestand im Ausland verbringen, muss ich mich mit niemanden rumplagen. Im Einzelfall mag Riester bis zu einer gewissen Grenze sinnvoll sein. Für die Masse taugt es aber meiner Meinung nach nichts. Und wenn die Politiker schon selber zugeben, von der Börse, den Kapitalmärkten etc. keine Ahnung zu haben, wie sollen die dann einen Riester durchschauen? Finger weg, von allem dass man nicht versteht und zu kompliziert ist.

  7. Stefan

    Hi Tim,

    im Sparen sind die Deutschen wirklich gut, aber der Übertritt zum Investieren klappt dann wirklich oft nicht. Ich glaube hier ist wirklich die Kernangst, dass die Anlage schwankt und Nominal weniger im Depot steht und die Angst vorhanden ist, dass das Geld endgültig weg ist. Der Buchverlust wird dann gedanklich umgerechnet in Alltagsgüter, z.B. „Ohh mein Gott, in einer Woche habe ich 3.000 Euro verloren, dafür hätte die ganze Familie in den Urlaub fahren können“.

    Gruß

    Stefan

  8. Ulrich

    Mag sein, dass „Riester“ im Einzelfall und als Momentaufnahme sehr gut aussieht. Aber entscheidend ist doch die Gesamtrechnung. Und die hat viele Unbekannte.

    Tatsache ist doch: das Geld ist für immer weg. Es ist eine Verrentung von mindestens 70% des Geldes vorgeschrieben. Auf alle Auszahlungen sind Krankenkassenbeiträge und nachgelagerte Besteuerung in heute unbekannter Höhe fällig.

    Mit nachträglichen Eingriffen und Veränderungen zu Lasten des Kunden ist jederzeit zu rechnen (siehe nachtägliche volle Krankenkassenpflicht bei Betriebsrenten).

    Wer bei Anlageformen wie der Riester-Rente ein gutes Gefühl hat und meint, ein gutes Geschäft machen zu können, soll sich gerne so einen Vertrag holen. Ich werde das ganz sicher nicht tun.

    Im übrigen stimme ich den Ausführungen von Alexander zu.

  9. willihope

    @Mario

    Also deren „Performance“ ist gelinde gesagt schlecht! Ist wieder nur eine Umverteilung bei der man für keine viel Leistung bezahlt, wie üblich wenn der Staat was erfindet!

    Da das System so toll ist ist man auch Zwangsmitglied, freiwillig hätten die ja wohl keine Kunden für so eine Abzocke.

    Letztens schaffte „meine“ doch glatt 2% Gewinn und minus Management blieben für mich ganze 0,..%! 🙁

     

    Ja das mit den Steuern ist immer sehr individuell, ich hatte Staatsanleihen gekauft, nicht wegen der 4,5% sondern weil sie als Vorsorge (bis 4000 pro Jahr) Einkommenssteuerfrei (auf die Kaufsumme) nur 4 Jahre gehalten werden müssen, bei 36% Eingangssteuersatz kann man die Performance leicht ausrechnen. 🙂

    Zusätzlich gibts darauf keine Gebühren, werder beim Kauf noch Verkauf!

     

    Allerdings sind die Zeiten mit 4,5% Zinsen wohl vorbei und einen Haircut brauche ich auch nur am Kopf und nicht am Konto!

     

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