Aktien-Depot für die Rente: Mit diesen 5 Regeln zum Erfolg


New York, 19. April 2012

Ich hoffe, ich langweile niemanden mit diesem Blogbeitrag. Ich glaube, es liegt eine enorme Unwissenheit darüber vor, wie man langfristig einen schönen Vermögensstock aus hochsoliden Aktien aufbaut. Ziel soll sein, ein Aktiendepot für die Rente zu basteln. Das Depot soll also für 15 bis 40 Jahre zusammengestellt werden. Wie gehe ich nun vor?
Regel Nummer eins ist, Aktien mit einem niedrigen Beta auszuwählen. Ich habe über das Beta schon mehrmals in diesem Blog geschrieben. Das Beta drückt im Endeffekt das Risiko (beziehungsweise Volatilität) einer Aktie aus. Je solider das Geschäftsfeld, desto geringer sind die täglichen Kurs-Schwankungen. Aktien wie Coca-Cola oder Procter & Gamble machen im Vergleich zu Papieren wie Google viel kleinere Luftsprünge. Solche hochsoliden, verlässlichen Langweiler-Aktien sind ideal für das Renten-Depot. Empfehlenswert sind beispielsweise Waschmittelhersteller, Ölfirmen, Versorger, Supermarktketten etc. Wenn Sie hier Hausmannskost auswählen, werden Sie langfristig viel Freude an Ihren Aktien haben.
Die Regel Nummer zwei: Ich würde nur auf Aktien setzen, die eine solide Dividende auskehren. Und das am besten seit Jahrzehnten machen. Eine Dividendenrendite von zwei, drei, vier Prozent ist eine schöne Sache. Das ist das Salz in der Suppe.
Regel Nummer drei: Ihre Aktien sollen ein solides Umsatz- und Gewinnwachstum aufzeigen. Sie brauchen natürlich keine reinrassigen Wachstumsfirmen, die ihren Umsatz alle paar Jahre verdoppeln oder verdreifachen. Solche heißen Firmen sind meist an der Börse viel zu teuer. Und vor allem lässt sich die Zukunft nur schwer vorhersehen. Ich suche stattdessen nach Konzernen, die um fünf bis zehn Prozent den Umsatz per annum ausbauen und eine flotte Nettomarge von ca. zehn Prozent ausweisen (die Marge hängt natürlich von dem Sektor und dem Marktanteil ab).
Regel Nummer vier: Ich achte auf eine attraktive Eigenkapitalrendite. Wenn ein Vorstand 20 oder 25 Prozent Eigenkapitalrendite in die Scheune fährt, ist das eine exzellente Leistung. Solche Firmen mag ich!
Regel Nummer fünf: Ich suche nach Firmen mit einem hohen Marktanteil, mit einem guten Image und solider Bilanz. Die Eigenkapitalquote sollte mindestens 50 Prozent betragen.
Wenn ich mein Depot zusammengestellt habe, gilt es, abzuwarten. Je weniger Sie Ihr Depot hin- und herschieben, desto besser. Lassen Sie sich nicht von einem lausigen Quartal verunsichern. Blenden Sie die Tagesmeldungen aus. Denken Sie langfristig. Das reduziert mögliche Steuern, Gebühren, Transaktionskosten und gefühlsgesteuerte Fehlentscheidungen.
Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten, sagte schon Börsenaltmeister Andre Kostolany. Oftmals werden kleine Tagesmeldungen aufgeblasen zu einem Elefanten. Da muss dann der Aluminiumhersteller Alcoa dafür herhalten, wenn die Börsen weltweit kräftig anziehen. DAX, Nikkei und Dow Jones gingen rauf, nur weil Alcoa gute Zahlen präsentiert hat? Das macht keinen Sinn, nicht wahr?
An einem anderen Tag gehen die Kurse weltweit auf Tauchstation, weil die Griechenland-Krise irgendwo aufgewärmt worden ist. Als ob das Desaster in Athen nicht schon seit Jahren bekannt ist.
Was ich damit sagen will: Ist Ihr Rentendepot fertig, behalten Sie die Nerven. Kaufen Sie stetig Aktien zu. Mag kommen, was will. Lebensmittel, Putzmittel, Öl, Windeln, Socken, Rasierer, Versicherungen und Strom werden immer gebraucht! Lassen Sie den Zinseszinseffekt für sich arbeiten. Warren Buffett hat mit dieser simplen Strategie ein Milliardenvermögen aufgebaut.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Aktien-Depot für die Rente: Mit diesen 5 Regeln zum Erfolg

  1. Tobias

    Hallo Tim!

    Deine Regeln sind echt gut, sehe das ähnlich. Allerdings habe ich kürzlich in den Essays von Herrn Buffett gelesen, dass er nichts vom Beta (deine Regel Nr. 1) hält. Begründung: Wenn ein Kurs stark gefallen ist, steigt der Beta-Wert, das Risiko sinkt aber (wenn man eine Insolvenz ausschließt), weil man mehr Unternehmenswert für sein Geld bekommt. Bei Herrn Buffett war dieses Vorgehen in letzter Zeit z.B. bei den (Nach-)käufen der Münchner Rück oder TESCO zu beobachten. Was denkst du dazu?

  2. tim schaefertim schaefer

    Hi Tobias,

    das ist ein guter Einwand. Das stimmt! Vielleicht hätte ich mehr auf das Grundrisiko eines Unternehmens eingehen sollen. Was wird produziert? Nur ein neues Internet-Portal oder etwas Traditionelles bis Lebensnotwendiges?

    Exxon wird vermutlich noch in 100 Jahren existieren, ob das aber bei einem Web-Portal wie Groupon der Fall, steht in den Sternen… Eine Eisenbahnlinie wird noch in 100 Jahren Güter (Kohle, Getreide, Zement) transportieren. Ob aber ein Online-Spiele-Anbieter im nächsten Jahrhundert unverändert aktiv sein wird, wer weiß das schon.

    Darum ging es mir mit dem Beta.

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