Berkshire Hathaway: Die Zeiten werden turbulenter


New York, 23. Februar 2019

Das Ketchup-Käse Kraft-Heinz ist zu einem Sorgenkind geworden. Hat sich Warren Buffett ein Dauerproblem eingehandelt? Ich denke, die Probleme lassen sich mit cleveren Übernahmen im Lebensmittelbereich und einer Neuausrichtung lösen.

Warren Buffett hat seinen Aktionärsbrief heute veröffentlicht. Der Nettoverlust in Höhe von 25 Milliarden Dollar im vierten Quartal ist auf nicht realisierte Verluste des Anlageportfolios von 27,6 Milliarden Dollar zurückzuführen. Buffett hat die Anleger aufgefordert, sich die zugrunde liegenden operativen Kennzahlen genauer anzusehen, da die Rechnungslegungsvorschriften jetzt nicht realisierte Gewinne und Verluste aus Aktien in das Nettoergebnis einbeziehen. Die neue Vorschrift erschwert das Verständnis der Zahlen.

Das volatile vierte Quartal wies mehrere Tage auf, an denen das Aktienportfolio von Berkshire um mehr als 4 Milliarden Dollar stieg. Berkshire spürte die Auswirkungen der Abschreibung vom Ketchup-Kärse-Imperium Kraft Heinz im vierten Quartal. Als größter Aktionär hat Buffett einen Abschlag in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar vorgenommen.

Berkshire profitierte von seinem Eisenbahn- und Energiegeschäft. Es trug dazu bei das Gesamtbetriebsergebnis im Jahr 2018 auf 24,8 Milliarden Dollar zu erhöhen. Geholfen haben Steuererleichterungen. Donald Trumps Steuerreform sorgt für Entlastungen.

Die Versicherungsunternehmen des Konglomerats erzielten im vergangenen Jahr einen versicherungstechnischen Gewinn von 1,6 Milliarden Dollar, nachdem sie im Jahr 2017 einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar eingefahren hatten (der erste Verlust in 15 Jahren). Damit erhöhte sich das Betriebsergebnis des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um 71 Prozent. Das ist wohl die relevanteste Zahl für mich.

Wenn du dir die Performance von Berkshire im Vergleich zum S&P-500-Index anschaust, siehst du, dass zwar die Überrendite des Genies Warren Buffett seit den 1960er Jahren abnimmt. Aber der Senior übertrifft noch immer den Index in den meisten Jahren. Also die Vorwürfe, dass Buffett so viele Fehler macht, stimmen unterm Strich nicht. Er liegt vorne.

Ein Schwerpunkt in meinem Portfolio ist mit rund 10% Berkshire Hathaway. Meine Heinz-Aktien hat mir Buffett Anfang 2013 mit einer schönen Prämie von rund 20% zwangsweise gegen Cash abgekauft (Glück gehabt!). Er hatte Heinz damals komplett übernommen und anschließend mit dem Käse-Imperium Kraft Foods verschmolzen. Danach kam Heinz zurück an die Börse. Wie gesagt, ich besitze den Lebensmittel-Titan nicht mehr, nur indirekt über Berkshire.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Berkshire Hathaway: Die Zeiten werden turbulenter

  1. AvatarAlexJ

    Ich finde, dass diese Entwicklungen bei Berkshire sehr gut zeigen, warum eine Aktie des Unternehmens eben nicht ein weltweit diversifiziertes ETF-Portfolio ersetzen kann.

     

    Berkshire ist ein Einzelunternehmen mit allen Risiken, die das mit sich bringt. Es ist ein völlig anderer rechtlicher Mantel als ein ETF.

  2. AvatarFabian S.

    Hallo Tim,

    sehr guter Artikel wie immer. Wow 10% Berkshire wusste ich gar nicht.

    Und sagte ja schon:  Bei der Performance in Bezug auf den S&P wird Berkshire bald mein spezieller ETF mit 100%  sein. 😉

     

    Aber wie Du sagst: nicht unterkriegen lassen!

    P.S.: Was hat Jennifer Lopez mit Warren Buffett zu tun?! 🙂

  3. ManniBManniB

    @FabianS
    du schreibst bald täglich wie toll du Buffet findest, und das
    du BH als deinen persönlichen Etf siehst….

     

    Warum kaufst du dann nicht endlich ???

  4. AvatarChristian

    @ManniB: Er schreibt „wird bald mein spezieller ETF mit 100% sein“. Vielleicht will er ja eine A-Aktie (WKN: 854075) zu aktuell 265.000€ kaufen – und diese Summe hat er noch nicht komplett angespart. 🙂

    An Buffet und seinem Konzern finde ich kann man schön erkennen, dass auch abseits von Snapchat und Facebook in der realen Welt tatsächlich noch viel Geld verdient wird. Sei es mit Hausratversicherungen, Telefongesprächen, Bahntickets oder Ketchup-Flaschen…

  5. AvatarFabian S.

    @ManniB:

    Naja ich schreibe viel öfter wie toll Tims Artikel sind. Aber stimmt, dass ich auch Warren Buffett lobe und es auch spitze finde, wenn Tim viel über ihn schreibt.

    Aber auch bei anderen Themen kommentiere ich hier oft.

    Und wenn es thematisch passt wiederhole ich mich eben.

     

    @Christian:

    Ja das stimmt. Momentan ist sie mir aber noch viel zu teuer. 😉

    Gute Ansicht!

  6. AvatarIvan

    Hallo Tim,

    erstmal ein dickes Kompliment für deinen tollen Blog, den ich erst seit Dezember letzten Jahres mit Spannung verfolge. Ich bin darauf durch ein Interview mit Dir bei „Geldbildung“ aufmerksam geworden.

    Besonders gut finde ich die Geschichten von einfachen Leuten, die sich mit Beharrlichkeit beim Sparen und einer simplen Buy-and-Hold-Strategie ein Vermögen aufgebaut haben.

    Übrigens wäre es toll wenn Du uns mal wieder in einem Youtube-Video auf eine kleine New York Tour mitnehmen würdest. So schaut man sich gewissermaßen die  Stadt an und kann gleichzeitig ein wenig über Aktien und den genügsamen Lifestyle philosophieren ?

    Aktien von Berkshire habe ich leider noch keine, jedoch stehen diese auf meiner Einkaufsliste ganz weit oben ? Meine Anlagestrategie besteht jedoch darin ca. 80 % passiv und 20 % aktiv zu investieren.

    Danke für deine motivierenden und interessanten Artikel.

    Mach weiter so!

     

    Schönen Gruß nach New York

    Ivan

     

  7. AvatarThorsten

    Mein Sparplan läuft weiter. Bei Berkshire handelt es sich um einen veritablen börsennotierten Mischkonzern. Das Geschäft ist diversifiziert. Viele Dickschiffe kriegen die Kurve, wenn sie auf den Markt hören. Coca Cola ist so ein Beispiel. Sie haben ihre Zuckerplörre modernisiert und haben von Wasser bis Kaffee eine breite Palette. Als Einzelaktie bevorzuge ich jedoch Pepsi CO. Letzlich können alle aus Turbulenzen lernen.

     

  8. KievKiev

    @ Fabian S.

    Ich versuche es auch einmal… Von Buffett stammt folgendes wunderbares Zitat: „Ich versuche Aktien von Unternehmen zu kaufen, die so wunderbar sind, dass ein Idiot sie führen könnte – denn früher oder später wird es einer tun.“

    Buffett ist aktuell 88 Jahre und Munger ist 95 Jahre. Bist Du auch so ein großer Fan von Ajit Jain? Nichts gegen ihn, ich habe mich überhaupt nicht mit ihm befasst…
    Ich würde in Berkshire investieren, wenn ich von dem Firmenkonglomerat als solches langfristig überzeugt bin. Hier braucht man auch nicht auf die A Aktie ansparen sondern kann immer mal wieder B Aktien kaufen. Falls Du auf einen guten Einstieg wartest, kannst Du alternativ auch bei Phasen der Überbewertung Anteile verkaufen und bei Unterbewertung kaufen. Der Cost Average Effekt wird Dir aber vor allem Sicherheit beim Einstieg geben. Warum möchtest Du eine Aktie an einem Tag kaufen, wenn Du mit der B Aktie flexibler und langsamer Einsteigen kannst? Bei einer Immobilie muss man sehr konzentriert investieren. Bei Aktien nicht. Diesen Vorteil würde ich in dieser Anlageklasse auf jeden Fall ausnutzen.
    Kaufe Berkshire wenn Du von dem Unternehmen überzeugt bist. Du kannst Dir von Buffett und Munger jeweils ein Buch ins Regal stellen und sie im Geiste fragen was sie von einer Kaufidee zu einer Aktie halten. Du kannst auch nach ihrem Stil Aktienkäufe tätigen. Sie schauen aber selbst immer nach neuen Möglichkeiten in andere Unternehmen zu investieren. Ansonsten könnten sie einfach immer nur die eigenen Aktien aus den Überschüssen kaufen.

  9. AvatarFabian S.

    @Kiev:

    Danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar.  Du hast Recht, aber ich denke, dass Buffett und Munger Berkshire Hathaway in gute Hände übergeben werden. Das hat Tim ja auch schon so gesagt.

    Du hast ebenfalls Recht, dass man sich nicht unbedingt auf die A-Aktien versteifen muss, aber ich denke, dass es in naher Zukunft evtl. eine historische Chance gibt relativ günstig heranzukommen, falls es crashen sollte. Aber das ist auch reine Geschmackssache ob man A oder B nimmt und im Zweifel würde ich natürlich auch die B nehmen, weil sie auch leichter zu handeln sind.

    Natürlich weiß ich auch, dass Tim und andere nicht falsch liegen, wenn sie sich den ganzen Stress nicht antun und einfach einen Sparplan anlegen um kontinuierlich zu kaufen.

  10. Avatarsammy

    @Fabian S

    Sorry aber du klingst für mich wie ein kleiner unbeholfener und naiver Junge.

     

  11. AvatarFabian S.

    @ Sammy:

    Danke für die Blumen. Und Du klingst für mich wie jem. der keine Erziehung genossen hat wie sich in der Vergangenheit schon gezeigt hat. 😉

    Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum man Kommentare, die einem nicht gefallen oder die einen nerven etc. nicht einfach überlesen kann?!

  12. AvatarDanielKA

    Buffett hat die Nachfolge längst geklärt und öffentlich gemacht. Er hat selbst gesagt, dass seine Rolle zukünftig auf mehrere Schultern verteilt wird.

    Jain leitet das Versicherungsgeschäft
    Abel die nicht börsennotierten operativen Unternehmen
    Combs/Weschler das Investmentportfolio/Anlage des Floats
    Überwacht werden Sie im Sinne des Altmeisters von seinem eigenen Sohn.

    Buffett hat also nichts dem Zufall überlassen.

  13. AvatarMicha

    @Fabian S.

    >Aber das ist auch reine Geschmackssache ob man A oder B nimmt und im Zweifel würde ich natürlich auch die B nehmen, weil sie auch leichter zu handeln sind.

    Geschmacksache? Zweifel? Noch nach so langer Zeit des Überlegens? Kaufe Dir doch erstmal als Startposition ein oder zwei Dutzend von den A-Aktien und stelle fest, wie sich das anfühlt! In größerer Zahl aufstocken kannst Du dann ja immer noch.  😉

  14. AvatarMr. Pino Cavallo

    Ich habe Kraft Heinz vor rund 3 Wochen in mein Portfolio aufgenommen und habe nun das erste Mal einen solchen Absturz erlebt. Ärgerlich! Ich habe die Aktie quasi aus einer Laune heraus gekauft, im Wissen, dass da Buffett seine Hände im Spiel hat. Was habe ich daraus gelernt? – Keine Impulskäufe mehr! Vor dem Kauf eine eigene kritische Analyse durchführen (wohlwissend, dass ich niemals auch nur annähernd so gut wie Buffett sein werde, aber dann kann ich mir wenigstens nichts vorwerfen).

    Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich nachkaufen soll. Werde mir dazu in den nächsten Wochen Gedanken machen. Ich denke mal, dass die Aktie da jetzt erstmal auf dem Niveau bleiben wird und wir in nächster Zeit nicht mir Kurssteigerungen rechnen können….

    @ Tim

    Dass die Performance von Buffett kontinuierlich abnimmt, hängt mit den schier riesigen Summen zusammen, die der Mann bewegen muss. Ich bin mir sicher, würde man ihm nur 1 Mio. € in die Hand drücken und er sollte sich um nichts anderes kümmern, würde er eine phänomenale Performance erzielen.

  15. AvatarManfred

    Mein Depot besteht zu 90% aus Berkshire. Genau 626 Aktien besitze ich. Sehe mich trotzdem als passiver Investor mit sehr langen Anlage Horizont.

    In Krisenzeiten wird Buffetts Team die Schnäppchen aufsammeln , genug Cash ist vorhanden.

  16. AvatarFabian S.

    @ Manfred:

    Super! Also scheinen meine Ansichten nicht so blöd zu sein wie hier einige immer wieder behaupten 😉 Ziel: 100% Berkshire Hathaway

  17. AvatarCola-Viez

    @Fabian S. ich glaube du wirst mit der Entscheidung nicht zufrieden sein. Ich rede hier gar nicht von der Rendite sondern eher davon das du dir zu unsicher bist in deiner Entscheidung. Kommt mir jedenfalls so vor…

    Wenn BH auf einmal seine Altmeister verlieren sollte und der Kurs rapide fällt durch ein Fehlinvestment meinst du dann noch voll hinter der Firma zu stehen ? Wirst du dann verkaufen? Zukaufen? Panik?

    Hoffe verstehst was ich sagen will.

  18. AvatarFabian S.

    @ Cola_Viez:

    naja das Risiko hat man doch immer als Value Investor oder?! Ich denke schon, dass ich dann die Emotionen im Griff hätte. Aber wäre sicherlich sehr schwierig.

    Aber Du hast Recht bei einem Untermehmen ist das etw. anderes als wenn man diversifiziert. Aber ich habe mich schon vorentschieden sozusagen.

     

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