Erleben wir die Dotcom-Blase 2.0? Wie ich mit dem absurden KI-Hype umgehe

Wenn ich mir die Bewertungen einiger hochgelobter Technologieunternehmen ansehe, beschleicht mich ein unangenehmes Déjà-vu. Es fühlt sich an, als ob wir das Jahr 2000 und die Dotcom-Blase noch einmal durchleben. Damals reichte es aus, ein „.com“ an den Firmennamen zu hängen, um die Aktienkurse in den Himmel schießen zu lassen. Heute ist es das Kürzel „KI“ oder „AI“. Ich habe schon mehrfach auf den blasenartigen KI-Hype hingewiesen.

Verstehe mich nicht falsch: Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt und ganze Finanzsektoren massiv verändern. Die Disruption von Bürojobs und klassischen Arbeitsmodellen ist in vollem Gange. Aber die Preise, die an der Wall Street derzeit für viele dieser Aktien aufgerufen werden, sind schlichtweg absurd. Wir sehen Bewertungen, die weit entfernt von jeglicher fundamentalen Realität oder vernünftigem Value-Investing sind.

So wird der Glasfaser-Kabelhersteller Corning mit dem 59-fachen Gewinn taxiert (KGV). Der gehypte Datenauswerter Palantir kommt ein 97-faches KGV. Das ist absurd! Es ist eine Spekulationsblase. Anders ausgedrückt: Wenn der Gewinn gleich bleiben sollte, müsstest du 97 Jahre warten, bis du deinen Einsatz bei Palantir zurück hast.

Beim Chiphersteller AMD musst du 60 Jahre warten. Broadcom kommt auf 39 Jahre. Denk daran: Wenn irgendwo eine kleine Handwerkerfirma in deinem Ort verkauft wird, bezahlt man vielleicht den 6- oder 8-fachen Gewinn. Aber nicht den 100-fachen.

Die Gier nach dem schnellen Geld

Die Angst, etwas zu verpassen, treibt Anleger derzeit in Scharen in diese Papiere. FOMO ist das Schlagwort. Es wird spekuliert statt investiert. Doch was rasant steigt, kann auch genauso schmerzhaft wieder fallen. Wer heute zu Mondpreisen kauft, braucht im schlimmsten Fall Jahrzehnte, um auch nur seinen Einstandspreis wiederzusehen, wenn die Blase platzt. Viele Unternehmen aus dem Jahr 2000 haben ihre damaligen Höchststände nie wieder erreicht – andere sind komplett vom Kurszettel (Brokat, EM.TV, AOL) verschwunden.

Wie reagiere ich als Anleger?

Lasse ich mich von der Hysterie anstecken? Nein. Meine Strategie bleibt stoisch und unaufgeregt. Als strikter Verfechter des Buy-and-Hold-Ansatzes gehe ich in solchen Marktphasen wie folgt vor:

  • Fokus auf den Burggraben: Statt dem neuesten Hype hinterherzujagen, suche ich nach Unternehmen mit einem echten, tiefen wirtschaftlichen Burggraben. Firmen, die unabhängig von technologischen Moden unverzichtbare Produkte oder Dienstleistungen anbieten und Preissetzungsmacht besitzen. Etwa Frischeier oder Holz mit Cal-Maine und Rayonier sind in meinem Depot. Oder ich kaufte die abgestürzte Krankenkasse UnitedHealth. Hier siehst du mein Depot im Überblick.
  • Dauerläufer-Aktien bevorzugen: Mein Depot stützt sich auf grundsolide Werte und echte Dividendenkönige wie Target, J&J, P&G. Ein Blick auf Unternehmen wie Waste Management, Abbott Laboratories oder PepsiCo zeigt: Hier wird kontinuierlich echtes Geld verdient. Müll muss immer entsorgt werden, medizinische Versorgung bleibt ein Grundbedürfnis, und gegessen und getrunken wird immer. Das sind die wahren Dauerläufer.
  • Füße stillhalten: Der Drang, ständig handeln zu müssen, ist oft der größte Feind des langfristigen Vermögensaufbaus. Ich kaufe qualitativ hochwertige Unternehmen zu fairen Preisen und halte sie. Wenn der Markt verrückt spielt und eine Blase aufpumpt, lehne ich mich zurück und schaue dem Treiben von der Seitenlinie aus zu. Ich würde Palantir nicht mit der Kneifzange anfassen, zumal die Großaktionäre Peter Thiel und CEO Alex Karp längst im großen Stil verkauft haben.
  • Frugal bleiben: Anstatt auf schnelle Gewinne durch Spekulation zu hoffen, konzentriere ich mich auf das, was ich zu 100% kontrollieren kann: meine eigene Sparquote. Meine Ausgaben halte ich niedrig, um das freie Kapital stetig in solide, fair bewertete Investments fließen zu lassen. Ich besitze kein Auto. Ich beleihe mein Depot nicht. Ich nehme nur Geld zum Aktienkauf, das ich auf absehbare Zeit nicht brauche.

Fazit

Lassen Sie sich von den astronomischen Kursgewinnen einiger KI-Highflyer nicht verrückt machen. Die Geschichte lehrt uns, dass Übertreibungen am Aktienmarkt für diejenigen, die ganz oben einsteigen, selten ein gutes Ende nehmen.

Bleib deiner Strategie treu, investiere in Substanz zu moderaten Preisen. Denke in Jahrzehnten, nicht in Quartalen. Wahre Vermögensbildung ist ein Marathon, kein Sprint. Vergiss das Trading, Zocken und Spekulieren, denn das geht meistens schief.

Euer Tim

Wir haben eine Börsenblase

In diesem neuen Live Video aus New York gehe ich auf die absurden Bewertungen an der Börse ein:

5 1 Bewertung
Artikel-Bewertung

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

4 Kommentare
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Marco
2 Stunden vor

Corning habe ich letztes Jahr gekauft, läuft bei mir auch als Sparplan.Die machen auch Gorilla Glas.,und die Scheiben von Musk seiner Raumschiffe.Von corning kann man die nächsten Jahre noch viel erwarten.

Guten Abend erstmal,Tim

I want to believe
1 Stunde vor
Antwort auf  Marco

von corning kann man die nächsten Jahre noch viel erwarten.

Kann schon sein.Aber de as habe ich auch gehört 2020 und danach von Beyond Meat. Super wachsender Markt, Super Marktstellung weltweit, Super Produkte, Super Produktauswahl, Super Bekanntheit, Super Distributionsnetzwerk, Aber…

Corning ist ohne Zweifel super, aber sicherlich kein no brainer.

ggman
1 Stunde vor

Das ist ein Artikel wie ich ihn liebe-prägnant, unaufgeregt und stoisch. ?

Sebastian
1 Minute vor

Diese Bewertungen sind total verrückt, stimme dir zu. Es wird solange gutgehen bis Banken und Investoren zum ersten Mal aus der Euphorie Blase rauskommen und echte substanzielle gewinnen sehen möchten. Dann knallt es. Auch sind die ganzen kreisenden Aufträge innerhalb der großen tech unternehmen untereinander sehr gefährlich. Siehe Oracle openai NVIDIA usw.

Ähnliche Beiträge
4
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x