Langfristig wird alles gut


New York, 26. Mai 2012

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Mir ist der Vorwurf gemacht worden, ich würde die Leser meines Blogs verunsichern. Ich halte das für Unfug. Gewiss, ich schreibe über das Finanzchaos in Europa, die horrenden Staatsschulden und die Sorge vor einem „Run auf die Banken“.
Gleichzeitig weise ich aber gebetsmühlenartig darauf hin, dass Aktien die höchste Rendite aller Anlageklassen abwerfen. Insofern rate ich Ihnen, gerade in der aktuellen Krise an Ihren Aktien festzuhalten. Zu soliden Dividendentiteln gibt es keine Alternative. Jetzt Bargeld in großem Umfang zu horten, wäre meiner Meinung nach ein großer Fehler.
Im Schnitt legen Aktien um acht bis zehn Prozent per annum zu. Der Dow-Jones-Index läuft seit über 100 Jahren nach oben. In dieser Epoche wüteten zwei Weltkriege, Erbeben, Terroristen, Kernschmelzen, Seuchen und so weiter. Und trotzdem laufen die Börsenkurse stetig nach oben. Die besten Börsianer verlieren in kritischen Phasen eben nicht die Nerven. Im Gegenteil, sie kaufen dann zu. Ich glaube, viele Anleger traden nur deshalb, weil sie unsicher sind und nicht über das nötige Hintergrundwissen verfügen.
Wenn die Masse ihre Aktien verkauft, ist es ratsam einzusteigen. Glauben Sie nicht, dass die Kurse stets nach neutralen Kriterien zu Stande kommen. Der Börsenmarkt wird immer von Gefühlen (Angst, Gier) angetrieben. Wer dies zu seinem Vorteil nutzt, kann außergewöhnlich hohe Renditen erzielen. Selbst in einer Rezession können übrigens die Kurse steigen. Es gibt auch jede Menge Krisengewinner. So steigen in diesen hektischen Tagen vor allem die Kurse von Lebensmittelherstellern, Supermarktketten, Waschmittelvermarktern und Discountern (1-Dollar-Ketten). Ein Zufall? Wohl kaum. Profianleger flüchten gerne in solch stabile Unternehmen. Sie gelten als sicherer Hafen.
Nun zur gegenwärtigen Finanzkrise: Der Euro ist auf ein 22-Monats-Tief abgestürzt. Oje. Das große Kapital flüchtet in die USA. Aus diesem Grund befindet sich der Dollar im Höhenflug. Das liegt an dem Chaos in Europa. Es wächst die Sorge, dass Griechenland den Euro aufgibt. Und eventuell weitere Wackelländer wie Spanien oder Portugal die Gemeinschaftswährung verlassen. Im schlimmsten Fall müssen wir ein neues Finanzbeben durchstehen. Kommt ein Schock auf uns zu? Ein Schock, wie wir ihn zuletzt nach der Pleite von Lehman Brothers erlebt haben? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, unsere Politiker haben aus dem Lehman-Desaster gelernt. So etwas darf es nicht mehr geben. Aber völlig auszuschließen ist es natürlich nicht. Ein solches Lehman-Destaster wäre meiner Meinung nach auch der Kollaps eines Staates wie der Griechenlands.
Was mich zum Nachdenken bringt: Etliche Zentralbanken kaufen derzeit wie verrückt Gold. Das ist sehr merkwürdig. Das passt zur allgemeinen Verunsicherung.
Gleichwohl korrigierte der Gold- und Silberpreis in den vergangenen Monaten kräftig. Woran liegt das? Der größte Goldkonsument Indien leidet unter einer Flaute. Daher stellen die Inder ihre Goldkäufe zurück. In China schwächt sich das Wachstum ebenfalls ab. Legte die Volkswirtschaft des 1,3-Milliarden-Volks in den vergangenen Jahrzehnten stets um zehn Prozent zu, so ist nun mit einer abgeschwächten Rate von allenfalls acht Prozent (oder weniger) zu rechnen. Insofern ging auch hier die Nachfrage nach Gold (als Schmuck bzw. als Anlagegut) zurück.
Angesichts der horrenden Staatsverschuldung rund um den Globus dürfte die Inflation wieder ein Thema werden. Nur verschiebt sich dieses Thema wohl um ein paar Jahre nach hinten. Aktuell liegt die Geldentwertung in den USA bei überschaubaren 2,1 Prozent. Das ist akzeptabel.
Wie geht es weiter? Ich vermute: Alle Euro-Länder behalten den Euro. Aber die hohe Arbeitslosigkeit und die Angst der Menschen fordert ihren Tribut: Es ist mit einer schweren Rezession in Europa zu rechnen. Einen schnellen Boom kann ich jedenfalls nicht erkennen. Bis Finanzkrisen überstanden sind, vergehen in der Regel zehn bis 15 Jahre. Wir haben gerade vier Jahre überstanden. Es liegt also noch ein weiter Weg vor uns.
Zu einem kräftigen Auftrieb der Konsumentenpreise ist ein Boom nötig, und den wird es vorerst nicht geben. Aber: Aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Investieren Sie daher in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien. Diese Anlageformen bieten einen guten Schutz vor der Geldentwertung. Einen kleinen Teil Ihres Vermögens, sagen wir zehn Prozent, sollten Sie in Rohstoffe stecken. Allein schon der Streuung wegen. Je breiter Sie aufgestellt sind, desto besser. Das sorgt für Stabilität. Dann können Sie ruhig schlafen.
Noch eine positive Nachricht zum Schluss. So gefährlich die Krise ist, sie ist von vorübergehender Natur. Die Welt wird nicht untergehen. Es geht der Menschheit schrittweise besser. Der Lebensstandard klettert unaufhörlich. Gerade in einstmals sehr armen Ländern wie China werden unglaubliche Fortschritte erzielt. Der Fortschritt, die Demokratisierung und das Bevölkerungswachstum wird die Aktienkurse auf neue Höhen treiben. Langfristig sieht es verdammt gut an der Börse aus. Vergessen Sie das nicht.


tim schaefer (Author)

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