Krisenexperte William Isaac: Er gibt der Regierung die Schuld


New York, 11. November 2010

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Kürzlich sprach ich mit Bill Isaac. Auf finanzen.net finden Sie mein Interview. Er war viele Jahre Chef des Einlagensicherungsfonds FDIC. Isaac war 34 Jahre alt, als ihn der damalige US-Präsident Jimmy Carter 1978 als jüngstes Mitglied in das FDIC-Board berief. Während der Finanzkrise in den 80er-Jahren leitete er den Fonds durch stürmische Zeiten. 3.000 Banken gingen seinerzeit unter, aber Panik brach nie aus. Jetzt kritisiert er scharf das Krisenmanagement der US-Regierung. Als die Banken ins Trudeln kamen, wurden gravierende Fehler gemacht. Seiner Meinung nach hätte die Regierung alle wankenden großen Institute retten müssen. Nur so hätte das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewonnen werden können. Es sei schizophren gewesen, erst Bear Stearns zu retten und dann Lehman Brothers untergehen zu lassen. Auch sei es inkonsequent gewesen AIG und andere wie Fannie und Freddy zu retten, aber dann wiederum Washington Mutual Konkurs gehen zu lassen. Isaac sieht diese inkonsequenten Handlungsstränge als den Kern der Panik. Die Menschen fragten sich in der Tat damals, wer geht als nächstes unter? In einer Krise, wie wir sie erlebt haben, müsse es in erster Linie um die Beruhigung der aufgeheizten Gemüter gehen, proklamiert der Insider. Und dies könne nur mit konsequenten Rettungsmaßnahmen erreicht werden. Ich gebe Isaac Recht.
Ich finde cool, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich erlebte Isaac auch bei einer Bank hinter verschlossenen Türen. Jemand setzte sich dort kritisch mit seinen Aussagen auseinander und in der hitzigen Debatte bezichtigte Isaac schon mal den einen oder anderen bekannten US-Politiker der Lüge. Diese Diskussion gab er freilich nicht als Interview frei. Personen kritisiert er nicht in der Öffentlichkeit, das macht er lieber hinter verschlossenen Türen. Diese Woche trat der Bankenexperte beim Börsensender CNBC auf und redete mal wieder Klartext. Er vermied es erneut, die Personen beim Namen zu nennen. Aber selbst seine allgemein gehaltene Kritik überraschte den Moderator. Der Journalist sagte: „Du bist wild heute, wirklich wild Mann. Ich bin schockiert! Du bist Chairman einer Bank in Cincinnati. Ich bin besorgt. Solche Sachen sagt man nicht.“ Wow. Was hätte der Journalist wohl gesagt, wenn er Isaac ohne Kamera erlebt hätte? Bill war auf CNBC geradezu vorsichtig, was er sagte! Der Mann ist aufrichtig und man merkt ihm an, dass er weiß, wovon er spricht. Ich kann sein Buch nur empfehlen: „Sinnlose Panik: Wie Washington scheiterte“ im Original lautet der Titel: Senseless Panic: How Washington Failed America
Schauen Sie sich hier das Fernseh-Interview mit ihm an – mitsamt dem schockierten Moderator (ganz zum Schluss des Videos):


tim schaefer (Author)

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