Das Vertrauen in die Deutsche Bank ist auf dem Tiefpunkt


New York, 16. Februar 2013

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Das Vertrauen in unsere Banken ist ganz unten angekommen. Umfragen zeigen, wie sehr die Menschen verärgert sind. Fast die Hälfte der Deutschen haben keinerlei Vertrauen mehr in die Banken.
Nun macht die Deutsche Bank Werbung für den eigenen Youtube-Kanal. Sie platziert Anzeigen im Internet (über Google Adwords). Ein Video von der Jahrespressekonferenz 2013 hebt das Geldhaus hervor.
Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Die Frankfurter Marketingfachleute scheinen nicht zu wissen, wie Social Media funktioniert. Fans kann niemand mit Werbegeldern kaufen. Niemals. Social Media funktioniert von ganz alleine. Das kommt von innen heraus. Sind die Kunden begeistert, machen sie alleine Werbung für die Bank und deren Produkte. Die Menschen werden aus eigenem Antrieb auf Youtube, Facebook und Twitter „Freunde“. Niemand kann ein gutes Image kaufen. Wer das versucht, über den machen sich anschließend alle lustig. Das ist unglaubwürdig. Darüber wird sich die Netzgemeinde nur amüsieren. Der Schuss geht nach hinten los.
Ähnlich ist das bei der Werbung für schlechte Produkte: Ein cleveres Management wird niemals schlechte Produkte massiv bewerben. Denn das ist so, als ob Sie Perlen vor die Säue werfen würden.
Es muss ein Wandel von innen beginnen. Mehr ist nicht nötig. Das sagt einem ja der gesunde Menschenverstand. Der Kunde muss fair behandelt werden. Ebenso die Gesellschaft und der Staat. Ethik und Fairness müssen im Mittelpunkt der Tätigkeit stehen. Wer die Gewinnmaximierung zur obersten Maxime erklärt und dabei Wohlverhaltensregeln übersieht, wird teuer dafür bezahlen. Das ist ja logisch. Eine Kultur der Gier ist eine schlechte Kultur.
Wenn ich mir die Skandale bei der Deutschen Bank anschaue, scheint die Gier immer der Antriebsstoff zu sein. Die Skandalliste ist lang und wird immer länger. Es ist erschreckend.
Denken Sie an den Liborskandal. Ein Trader hat 80 Millionen Euro Bonus in einem Jahr kassiert für seine Betrügereien, mehr als die Vorstände. Die Bank wusste natürlich nichts von der Manipulation des Liborzinssatzes. Nein, niemand wusste davon.
Seit über zehn Jahren zieht sich der Rechtsstreit gegen Medienunternehmer Leo Kirch hin. Es gibt sogar den Verdacht, dass Bankvorstände Falschaussagen vor Gericht gemacht haben. Im Raum steht der Vorwurf des Prozessbetrugs. Es kam zu Razzien in der Frankfurter Taunusanlage.
Dass bei dem deutschen Bankenprimus niemand einen Fehler in diesem Fall zugeben konnte, wundert mich. Ein Jahrzehnt vor Gericht, ein Jahrzehnt der Negativschlagzeilen genügt der Bank nicht, nein, sie zieht das Verfahren endlos hinaus, obwohl Herr Kirch längst verstorben ist. Dabei ist es in der Geschäftswelt verdammt wichtig, ein sauberes Image zu haben. Wer Fehler zugibt, dem wird vergeben. Wer von Starrsinn beherrscht wird, der wird niemals Vertrauen aufbauen können.
Der damalige Bankchef Rolf Breuer hat in den Medien schlecht über seinen Kunden Leo Kirch gesprochen. Ich finde: Das gehört sich nicht. Niemals sollte eine Bank über einen Kunden in der Öffentlichkeit reden. Ich bin wohlgemerkt kein Fan von Kirch. Trotzdem habe ich Respekt vor ihm, weil er sich gegen das schlechte Benehmen der Bank zur Wehr gesetzt hat.
Für all die Probleme übernimmt niemand in der Führungsspitze Verantwortung. Keine Entschuldigung. Nichts. Es wird alles auf die lange Bank geschoben. Der normale Menschenverstand sagt einem ja: Es ist von Vorteil Fehler zuzugeben, reinen Tisch zu machen, aufzuräumen, nach vorne zu schauen.
Die Deutsche Bank hat bei einem Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten im Umfang von 230 Millionen Euro mitgewirkt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sie von dem Institut seit Jahren an der Nase herumgeführt wird. Beweismittel soll die Bank den Ermittlern nicht übergeben haben. Hier wird verzögert, Fehler werden abgestritten. Es gilt das Motto: Lieber hunderte von Anwälte beschäftigen, als einen Fehler zuzugeben.
Konzernchef Jürgen Fitschen hat sich sogar beim hessischen Ministerpräsidenten in einem Vieraugengespräch bitter über die staatsanwaltlichen Ermittlungen beschwert. Dabei befindet sich Fitschen selbst unter den Verdächtigen, gegen ihn wird persönlich ermittelt.
Dabei hat die Bank selbst den Staat geschröpft. Nicht nur mit Steuerbetrügereien. An Kommunen verkaufte der Bankenriese riskante Zinswetten, die tiefe Löcher in Stadtkassen rissen.
Ganz zu schweigen von dem Schwindel mit Hypothekenpapieren (CDOs), in deren Folge Kunden wie die Industriebank IKB in Existenznot gerieten.
Mir ist ein ethischer, fairer, offener Kapitalmarkt ein großes Anliegen. Wir Bürger sind auf die Banken angewiesen. Ohne sie würde es uns nicht gut gehen.
Die Deutsche Bank ist ein großartiges, innovatives Unternehmen mit einer beeindruckenden Historie. Es handelt sich um eine tolle Aktie. Ich bin ein echter Anhänger. Aus Sicht eines Contrarian Investors macht es Sinn, zu erwägen, die Aktie zu kaufen. Wegen all der Skandale notiert der DAX-Titel 39 Prozent unterhalb des Zerschlagungswerts. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist in einem normalen wirtschaftlichen Umfeld logischerweise größer als 1,0 (aktuell sind es nur 0,61).
Aber ein Wandel muss her. Er kann nur von innen heraus funktionieren. Ich empfehle dieses Interview zu lesen.
Der Doppelspitze rate ich: Beide Co-CEOs, Jürgen Fitschen und Anshuman Jain, sollen ihre Boni aus der Zeit der Skandale dem Unternehmen zurück geben. Das wäre ein positives Signal, vor allem an die Mitarbeiter. Das würde die Menschen beeindrucken. Alles andere wird nur als Lippenbekenntnis wahrgenommen.
Und beendet alle unnötigen Gerichtsverfahren. Es ist ein Irrsinn, was hierfür ausgegeben wird. Es ist das Geld der Aktionäre, das sollte niemand vergessen. Jahrzehntelang ziehen sich manche juristischen Streitereien hin. Denken Sie an den Imageschaden. Der ist unglaublich groß. Unter die Lupe müssen Sie die Produkte nehmen: Der Kundennutzen muss im Vordergrund stehen, nicht die eigene Gewinnmaximierung.
Wie ein so großartiges Haus einen so hohen Scherbenhaufen auftürmen kann, ist unvorstellbar. Es ist ein tiefer Fall. Es ist verheerend. Um sich davon zu erholen, werden Jahre vergehen. Gleichwohl habe ich Hoffnung: Die Bank wird sich von den Skandalen erholen, da bin ich mir sicher.
Ich frage mich derweil, was für Leute sitzen im Aufsichtsrat? Was ist da eigentlich los?


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Das Vertrauen in die Deutsche Bank ist auf dem Tiefpunkt

  1. make

    Hallo Tim,

    könntest du mir zu meinem Post von vor 2 Tagen vielleicht noch kurz ne Antwort geben. Falls es kein Produkte dieser Art gibt oder du keine kennst ists ja auch nicht wirklich schlimm. Toller Blog

    make schrieb am 15.2 zum Artikel Nassim Taleb rät: Aktien plus Immobilien:

    „Schön und gut Tim, aber richtig weiter bringt mich das jetzt nicht. Ich würde ja gerne zur Absicherung 10-20% in Immobilien investieren. Gibt es denn Produkte mit denen man zum Bsp. einen Anteil an vermieteten Wohn- bzw. Geschäftseinheiten erhält. Ich stelle mir das z.B. so vor. 10000€ investiert, und damit erwerbe ich 0,01% Anteil an einem 100 Millionen Gebäude, das meinetwegen 200 Wohneinheiten besitzt. Damit wäre das Risiko Mietausfall überschaubar, Hausverwalter wäre ich auch nicht und wenn dann zum Schluss nur 3% Rendite übrig bleiben ist gut. Im Umkehrschluss habe ich wenn wirklich das ganze Geldsystem zusammenbrechen sollte bzw. Hyperinflation entsteht zumindest meinen 0,01% Anteil an einem Gebäudekomplex. So etwas in der Art würde ich mir vorstellen und die Frage war ob es etwas seriöses in der Art als Anlageform gibt.

    Vielen Dank

    Grüße „

  2. MIchael C. Kissig

    Leider nur zu wahr, Tim. Auch die Privatkunden wurden in Deutschland ja reihenweise über den Tisch gezogen mit Schrottimmobilien und in den USA spielt die Deutsche Bank eine extrem unwürdige Rolle bei den ENteignungen der Hausbesitzer (Stichwort gefälschte Dokumente für Zwangsräumungen).

    Die Banken haben sich moralisch und ethisch zurückentwickelt zu den Institutionen, die sie im 18. und 19 Jahrhundert waren. Sie waren Kapitalsammelstellen für Reiche und haben – auf eigenes Risiko – in riskante Unternehmungen investiert, um eigenen Profit zu maximieren. Und alle paar Jahre gab es einen Banken-Crash mit anschließendem Bankenrun und vielen Firmenpleiten (weil deren Geld dann weg war durch die Bankpleite) und daraus resultierend ein Börsen-Crash. Hieraus wurden die lehren gezogen und es wurden die vielen staatlichen Regulierungen geschaffen, um Banken an Exzessen zu hindern. Doch in den 1980er Jahren wurde hier viel zurückgedreht, um die wirtschaft unzukurbeln. Und das hat prima funktioniert – allerdings hat man bei der Deregulierung wieder übertrieben und die Banken zu sehr von der Leine gelassen. Und inzwischen verstehen nicht mal mehr Profis, was die Banken da an „Produkten“ auf die Menschheit loslassen. Und zunehmend verstehen die Banken es selbst nicht mehr. Sie streichen aber hohe Gewinne ein und hoffen im Crashfall auf die staatliche Rettung. Das kann so nicht gutgehen.

    Und es sind eben nicht nur die amerikanischen Gierlappen, sondern eben auch die Deutsche Bank, die hier an vorderster Front eine ganz unrühmliche Rolle spielen. Und man muss sich als Deutscher inwischen schämen, dass so ein Unternehmen diesen Namen trägt. Man stelle sich mal vor, diese ganzen Niederträchtigkeiten hätte eine Bank namens „Iran Bank“ oder „India Bank“ oder „China Bank“ begangen. Es hätte schon Massendemos in Frankfurt gegeben, so ein unseriöses Bankinstitut aus Deustchland rauszuwerfen und ihm die Banklizenz zu entziehen.

    Kurzum: in so ein Unternehmen mit einem solchen Ethikproblem und einer derart schmierig-gierigen Führungsrige würde ich niemals (!) Geld investieren. Nicht alleine aus Risikogesichtsunkten, sondern weil ich derartige Geschäftsmacher nicht mit meinem Geld unterstützen möchte. 80% der Geschäfte und Produkte, die diese Großbanken anbieten, braucht kein Mensch, kein Unternehmen, keine Volkswirtschaft. Und die übrigen 20% bekommen ich bei jeder anderen Bank auch. Allerdings seriös.

  3. Markus

    Wenn das ganze Geldsystem zusammenbrechen sollte, dann haben wir ganz andere Probleme…

    Ich finde die Beschreibung hört sich fast nach Reits bzw. einer Börsennotierten Immobilienfirma an. Ist natürlich wieder vom Geldsystem abhängig…

    Von geschlossenen Fonds würde ich als Privatanleger die Finger lassen. Das ganze ist meist viel zu undurchsichtig.

    Anlageempfehlungen sind sowieso sehr schwierig, da jeder normal sich selber Gedanken über seine Anlagen und seine Strategie machen sollte.!!!
    Der eine kriegt Herzflimmern bei einem 40 % Crash, der andere kauft nach… Auch ist eine ganzheitliche Betrachtung von Arbeitsplatzsicherheit, laufende Fixkosten, evtl. Absicherung von unvorhergesehenen finanziellen Risiken und seiner Familie immer erst einmal als Basic oder Grundüberlegung zu machen.

    Die ich kauf mal schnell dieses Produkt, das hat in der Vergangenheit immer die Rendite gebracht, ohne Nachzudenken-Einstellung ist wohl etwas durch die vollmundigen Reichtumsbücher und Motivationsgurus geprägt worden.

    Auch ist diese Mentalität immer wieder in jeder Bank zu beobachten, wo Leute blind Ihrem Bankberater (ich sag mal frech Bankverkäufer) vertrauen. Oft werden sich mehr Gedanken bei einem Urlaub oder Autokauf wie bei einer sinnvollen Vermögensplanung gemacht…

    Traurig, ist aber die weit verbreitete Mentalität vieler Menschen bei der Geldanlage.

  4. Martin

    Paradoxerweise vertrauen die Deutschen den Banken allgemein nicht, aber ihrer eigenen Bank vertrauen sie dennoch. Ich vertraue selbst meiner eigenen Bank nicht.

    In Deutschland sind wohl die Volksbanken die skandalärmsten Banken. Ich bin und war auch nie Kunde, aber die Struktur scheint am besten zu sein. Sparkassen sind zu politisch und die Landesbanken treiben das auf die Spitze. Privatbanken denken an die schnell zu machende Mark.

    Bei der deutschen Bank kommen die Skandale auffälligerweise von den Besserverdienern der Bank. Es sind keine kleinen Einzeltäter.

  5. Matthäus Piksa

    Im Hb erschien 2010 ein ausführliches Portrait über Anshu Jain, den aktuellen Chef der Deutschen Bank.
    Darin wird seine indische Herkunft thematisiert, sein Bildungsweg aufgezeigt und auch auf kurioses in seinem Lebenslauf hingewiesen. So lebte Jain als Kind eine Zeit lang in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Geprägt hat Jain, heißt es weiter, der religiöse background. Er praktiziere seinen Glauben zwar kaum, aber der ständige Drang sich selbst zu verbessern, selbstdiszipliniert und asketisch zu leben ist auf den Einfluss durch den Jainismus zurückzuführen. Früh übte er außerdem sein rhetorisches Geschick, das ihm neben der Durchsetzungsfähigkeit, einer Eigenschaft, die er sich beim Cricket abschaute, verhalf, um Karriere zu machen.

  6. tim schaefertim schaefer

    @ make
    In Deinem Fall wäre wohl eine REIT-Aktie sinnvoll (aber die sind schon sehr gut gelaufen).

    Weitere Infos findest Du
    auf der Website der Dt. Börse.

    @Michael
    Danke für den kritischen Beitrag. Was ich schade finde: So viele Banker arbeiten jeden Tag mit reinem Gewissen. Aber in den obersten Etagen fehlt leider die Vorbildfunktion. Es mangelt an Fingerspitzengefühl. Da wird gegen Kunden gewettet, was unethisch ist. Über Kunden im Fernsehen vom Leder zu ziehen (Stichwort Leo Kirch) ist nicht fair. Da werden irre Boni kassiert. Absurde Renditeziele verkündet. Die Bilanz gerät aus den Fugen… Es ist traurig zu sehen, wie die Integrität abhanden kommt. Das solide langfristige Konzept fehlt. Das ist jedenfalls mein persönlicher Eindruck. Eine ethische Führungsspitze ist wichtiger denn jemals zuvor in dieser schwierigen Zeiten. Ein CEO wäre super, der 1 Euro Gehalt nimmt, solange der juristische Dauerkampf andauert. Es geht schließlich um Milliardensummen.

    Ich denke, die Deutsche Bank wird diese Krise meistern. So wie viele zuvor in der 143-jährigen Geschichte. Es ist und bleibt ein großartiges Unternehmen, das glaube ich ernsthaft (ich bin allerdings kein Aktionär).

    @ Markus
    Danke. Sehr gut erklärt.

    @ Martin
    In den USA gibt es den Trend zu Genossenschaftsbanken zu wechseln. Sie heißen „Credit Union“.

    Diese Konzepte boomen. Der Kunde wird dort wie ein Partner behandelt.

    @ Matthäus
    Danke. Es ist eine beeindruckende Karriere. Und es ist super, dass wir in Deutschland mehr Ausländer in den Führungsebenen haben.

  7. Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog

    Ich lese gerade das Finanz Sachbuch „Der größte Raubzug der Geschichte“. Das Buch ist echt lohnenswert und es wird einem übel, was man da an Fakten präsentiert bekommt. Bonuszahlungen von 170 Millionen Dollar und dann die Bank gegen die Wand fahren – sind einfach unglaublich !

  8. Martin

    Ja, die Credit Unions klingen ganz interessant. Irgendwie scheinen die amerikanischen eine höhere Eigenkapitalrendite als die europäischen zu verdienen.

    Um zu sehen wieviel die Banker verdienen braucht man nicht unbedingt ein Sachbuch. Da reichen mir die kostenlosen Geschäftsberichte. Man sieht sehr schön wieviel an das (Führungs-)Personal und wieviel an die Aktionäre geht.

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