Die Schrottbuden aus dem DAX


New York, 12. Oktober 2020

Wir haben im DAX ein Managementproblem. Nimm Bayer-Chef Werner Baumann. Wenn ein Aktionär seinen Namen hört, wird er zucken. Der Mann kaufte für 63 Milliarden Dollar für das amerikanische Saatgut- und Chemie-Unternehmen Monsanto. Dabei unterschätzte Baumann die Risiken des Unkrautvernichtungsmittels Roundup, das Monsantos Topseller war. Seit der Übernahme von Monsanto ist Bayer abgestürzt. Die Leverkusener sind nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Schadenersatzklagen haben Bayer paralysiert. Baumann hat ein drastisches Sparprogramm beschlossen. Es läuft auf einen massiven Personalabbau hinaus. Für Baumanns Fehler müssen andere leiden. Sein Vertrag ist verlängert worden.

Volkswagen hat über 30 Milliarden Dollar für seinen Diesel-Schwindel allein in den USA bezahlen müssen.

Die Deutsche Bank hat keinen Betrugsfall ausgelassen. Die Liste der Skandale und Strafzahlungen wird immer länger. Es wird gewitzelt, dass es für die Frankfurter “Betrug aus Leidenschaft” sei.

Natürlich passieren Konzernen aus dem Ausland ähnliche Missgriffe. So hat der Taxi-Dienst Uber 2,5 Milliarden Dollar offenbar mit selbstfahrenden Fahrzeugen in den Sand gesetzt. Die US-Großbank Wells Fargo steckt in einem Scheinkonten-Skandal fest. Aber bei den 30 größten börsennotierten Konzernen aus Deutschland scheinen sich die Desaster zu häufen. Schau dir nur das Betrugssystem des DAX-Neumitgliedes Wirecard an. Was für eine Schande.

Wie konnten Behörden wie die Bafin und Staatsanwaltschaft in München dies übersehen? Sie erhielten seit Jahren hunderte Hinweise. Sie ermittelten aber lieber gegen erfahrene Journalisten als gegen die Betrüger. Was für eine Ignoranz der Realität. 


tim schaefer (Author)

drucken


thoughts on “Die Schrottbuden aus dem DAX

  1. AvatarDer Domi

    @Kiev (voriger Beitrag)
    danke für den Einblick. Wenn ich eine Wette abgeben hätte müssen, hätte ich auf DevOps, Deep Learning und Python  gewettet :).
    Die Themen sind mir wohl bekannt. Bin aber eher in der Bereitstellung der Infrastruktur und Services zu Gange. (Openstack, Ansible, Docker, Anaconda, Nvidia, Azure, Bitbucket……) sind so meine täglichen Wegbegleiter.
    Alles Gute und viel Glück für Deinen Weg
    🙂

  2. AvatarMichael

    Ich hab für 10 TEUR Bayer gekauft “nachdem” die Kurse in den Keller sind. 4/10 Medikamenten in meiner Apotheke sind von Bayer. Das genügt mir.

  3. AvatarUlf

    In der Heute Show hieß es kürzlich es wäre sträflich in Deutschland nicht ungesetzlich zu handeln 😀 Die finanzielle Abstrafung ist schließlich auf lächerlichem Niveau gedeckelt!

  4. AvatarFuseboroto

    Interessant ist ja, das solche Übernahmen selten gut gehen, aber immer doch wieder gerne gemacht werden. Oder kennt jemand ein Gegenbeispiel?
    Habe ebenfalls ein paar Bayer Aktien im Depot, bin mal gespannt wie es weiter geht.

  5. AvatarNico Meier

    Interessant ist ja, das solche Übernahmen selten gut gehen, aber immer doch wieder gerne gemacht werden. Oder kennt jemand ein Gegenbeispiel?
    @Fusebroto
    Natürlich gibt hier einige Gegenbeispiele als erstes fällt mir die Firma Novartis ein. Sie ist aus einer Fusion der Firmen Ciba-Geigy und Sandoz hervorgegangen und ist eine der zwei grossen schweizer Pharmafirmen. Die andere grosse Pharmafirma der Schweiz ist Hoffmann La Roche auch sie hat ettliche Übernahmen getätigt um gross zu werden.
    Diese beiden Pharmafirmen gehören zu den drei grössten Pharmafirmen der Welt!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmann-La_Roche
    https://de.wikipedia.org/wiki/Novartis

  6. KievKiev

    @ Bruno, Domi
    Die Corona App ist auch in Deutschland nicht unbedingt als Meisterleistung zu bewerten. Von daher zieht es mich da nicht direkt hin. Es wird auch noch sehr lange dauern bis ich den Arbeitgeber wechsle. Da ist die App hoffentlich hinfällig. Für mich ist außerdem ein naher Arbeitgeber sehr wichtig. Am liebsten möchte ich zu Fuß zur Arbeit gehen können.
    Im Lernbereich dachte ich eher an Software für Schulen, oder Kitas. Hier gibt es so viele Defizite, dass es nahezu unbegrenzt Möglichkeiten gibt etwas zu entwickeln. Hier stellt sich dann allerdings die Frage, ob das überhaupt gewünscht ist. Ich möchte jetzt auch nicht Jahre über nicht Vorhandenes oder Vorzeigbares sprechen. Services sind Bestandteil von DevOps und werde ich sicher auch schreiben. Ich weiß auch noch nicht wo die Reise hingeht. Es gibt viele interessante Bereiche. Ich werde natürlich nur einen Teil der Möglichkeiten bei dem neuen Arbeitgeber näher kennenlernen. Deep Learning ist ebenfalls interessant. Aber der neue Arbeitgeber möchte auch Überlappungen mit meiner jetzigen Tätigkeit. Ich muss etwas für mich interessantes finden.
     

  7. AvatarAl Bundy

    @Tim,
    ein wichtiger und aktueller Beitrag. Es hört sich auf den ersten Blick sehr offensichtlich an, trifft jedoch genau ins Schwarze. Das Problem existiert tatsächlich.
    Nur eine Frage habe ich. Ist es ein Problem mit dem Management oder mit den Aktionären? Wenn der jeweilige Vorstand entlastet wird und die Verträge verlängert werden, heißt doch,  dass die Mehrheit der Aktionäre zufrieden ist. Also alle sind glücklich und zufrieden.

  8. AvatarStefan

    Hallo,
    Die USA haben Bayer nach dem 2.Weltkrieg das Patent für Aspirin entzogen. Das hat man sich zurück erkämpft. Ich denke, Bayer wird auch diese Krise überstehen.
    Außerdem denke ich, aber das ist nur reine Spekulation, dass sich der Bayervorstand absolut darüber im Klaren war, was die Übernahme bedeutet, man hat die Klagen bewusst in Kauf genommen. Man hat sich hier nicht überschätzt, sobald Grass über die Sache gewachsen ist, wird die Lage sich wieder beruhigen.
    Zeit muss hier mitgebracht werden.
    Monsanto und Bayer haben auch ihre Agent Orange Vergangenheit in den Sechziger Jahren aus dem öffentlichen Gedächtnis “gelöscht”.
    Ich mache mir um Bayer keine Sorgen. Und wenn Bayer tatsächlich Pleite gehen sollte, sind es nur 3% des Depots, die muss man immer bereit sein abzuschreiben.

  9. AvatarFuseboroto

    @Nico Meier
    Hey, danke für die Info. Solche Dinger sind tatsächlich an mir vorbei gegangen, vermutlich weil solche Erfolge wenig in den Medien erwähnt werden, ist ja auch deutlich interessanter, wenn es krachend scheitert. 🙂

  10. Avatar-M

    Fuseboroto 
    Du denkst aber in die richtige Richtung. Viele Übernahmen entwickeln sich nicht so wie erhofft. Das Management verdient viel Geld, also müssen die Manager auch viel für ihr Geld tun. Solche Aktionen vernichten mitunter viel Kapital. 
    Natürlich geht nicht alles in die Hose! Man sollte jedoch kritisch sein, wenn ein Unternehmen eine andere Firma übernimmt. 
     
    -M

  11. AvatarNico Meier

    In meinen Augen sind Übernahmen nie generell gut oder schlecht. Gerade grosse Firmen in der Pharmabranche leben davon kleiner Firmen die gute Forschung betreiben zu schucken um so stärker zu wachsen. Übernahmen helfen der eigenen Firma zu wachsen und nicht selten werden so unliebsame Konkurrenten einverleibt.

  12. Avatar42sucht21

    @Monsanto
    Das Kauf war ein mutiger Schritt. Es war m.E. nicht unbedigt falsch. Über den späten Kaufzeitpunkt kann man natürlich trefflich streiten. Aber neben dem Round-Up Streit erwarb man auch sehr viel Umsatz und Marktzugang aber auch sehr viel Know-How und zukünftige Projekte. Die Zukunft wird zeigen ob man diese profitabel auf bzw. in den Boden bringt.

    Es gab 6 Große in der grünen Gentechnik zu der Zeit, alles natürlich originär Chemiekonzerne. Bei allen gab & gibt es noch immer viel Bewegung. Übernahmen lagen im Trend. Dabei hatte Monsanto die Markt-beherschende Stellung sowohl bei Techniken, Marktzugang als auch bestimmten Nutzpflanzen (u.a. Mais) – Greenpeace sagte 2005, dass 90% den angebauten gentechnisch modifizierten Agrarpflanzen von Monsanto stammten. Monsanto war mächtiger als die anderen. Es hatte einen Burggraben. Syngenta (Joint-Ausgliederung von Novartis und AZ) wurde für 43 Mrd. geschluckt von ChemChina, nach Scheitern des Angebots von Monsanto. Heute ist es zusammen mit der AgrarSparte von SinoChem und u.a. Adama der welgrößte Agrarkonzern. DuPont Pioneer Heute nach der Zusammenlegung mit Dow Agrarsparte als Corteva bekannt. Bayer CropSciences kaufte eben Monsanto. Die viel kleinere BASF PlantSciences hielt sich im wesentlichen erst mal zurück, auch weil in DE die Regulierung zu stark war. Damit floppte zB die Amflora Kartoffel (RNAi-Technik) und man ging komplett in die USA. BASF kaufte dann 2017/18 von Bayer als weißer Ritter, um die Monsantoübernahme möglich zu machen, als Divestition u.a. Teile der Saatgutbehandlung, Unkrautvernichtungsmittel (Glufosinat-Ammonium), eine Forschungsplattform für Weizen-Hybride für ich glaube ca. 7,5 Mrd.€. BASF hat jetzt gerade die kleine slowakische Softwarefirma Cloudfarms gekauft u.a. im Einsatz für die Schweinemast im Bereich BASF Nutrition & Health / Aromen.

    Für alle die lediglich auf Monsanto schauen (u.a. Agent Orange, PCB, Dioxin), man sollte auch die anderen nicht vergessen. Für die Schweizer unter uns noch ein aktueller Artikel zur Syngenta (u.a. Atrazin, Paraquat u.a.)
    https://www.publiceye.ch/de/themen/pestizide/verbotene-pestizide-eu/schweiz

  13. AvatarTobias

    Generell ist es mit Übernahmen so eine Sache. Ich habe darüber promoviert und kaum relevante Erfolgsfaktoren gefunden für verschiedene Zeiträume, in machen Dekaden sind Übernahmen erfolgreich die 20 Jahre später nicht sinnvoll sind. Leider fällt dies dann immer erst Rückblickend auf…
    Aber rein Daten bezogen sind Übernahmen, die in Bar bezahlt werden und einen Größenunterschied aufweisen (Groß frisst Klein) eher erfolgreich als solche Merger of Equals (wie Daimler und Chrysler oder Bayer und Monsanto). Dann lieber sowas wie Google übernimmt Youtube. Zumindest aus Sicht der Aktionäre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *