Jedes Quartal blickt die Wall Street gebannt auf die 13F-Filings der großen institutionellen Investoren. Mitte Februar 2026 war es wieder soweit – doch dieses Mal lag eine ganz besondere historische Spannung in der Luft. Die Berichte für das vierte Quartal 2025 zeigen nämlich die letzten offiziellen Portfolioumschichtungen von Warren Buffett als CEO von Berkshire Hathaway, bevor er zum 31. Dezember 2025 in den Ruhestand getreten ist.
Gleichzeitig hat auch Bill Gates über seine Stiftung einige bemerkenswerte Anpassungen vorgenommen. Lass uns einen Blick auf die jüngsten Transaktionen werfen – und vor allem darauf, was wir als langfristige Anleger daraus lernen können.
Buffetts Abschiedsgeschenk: Cash aufbauen, bei KI abkassieren und Pizzen kaufen
Dass Buffett und sein Team (mittlerweile unter der Führung von Greg Abel) den aktuellen Markt als historisch teuer erachten, ist kein Geheimnis. Der Cashberg von Berkshire ist Anfang 2026 auf unvorstellbare 300 Milliarden Dollar angewachsen. Die jüngsten Verkäufe unterstreichen diese Vorsicht:
- Kahlschlag bei Amazon: Berkshire hat seine Amazon-Position im vierten Quartal um gewaltige 77 Prozent reduziert. Mitten in der ausufernden Euphorie um Künstliche Intelligenz nimmt das Orakel von Omaha hier massiv Chips vom Tisch.
- Reduzierung der Kernpositionen: Auch bei Apple (minus 4 Prozent) und der Bank of America (minus 9 Prozent) wurden weiter Gewinne mitgenommen und Risiken herausgenommen.
Doch Buffett wäre nicht Buffett, wenn er nicht auch in einem überhitzten Markt noch Value-Perlen finden würde. Auf der Käuferseite stechen zwei Werte heraus:
- The New York Times (NYT): Berkshire hat eine komplett neue Position (gut 5 Millionen Aktien im Wert von rund 375 Millionen Dollar) bei dem Traditions-Medienhaus aufgebaut. Warum? Die NYT ist zu einer absoluten Cashflow-Maschine geworden, wächst hochprofitabel im Digitalbereich und glänzt durch stabile, wiederkehrende Abonnenten-Einnahmen. Ein klassisches Value-Play. Aber das KGV ist üppig.
- Domino’s Pizza: Zum sage und schreibe sechsten Quartal in Folge hat Berkshire bei der Pizzakette aufgestockt. Ein wunderbar simples Geschäftsmodell mit starker Marktstellung, hoher Kapitalverzinsung und Preissetzungsmacht. Aber die Amerikaner essen weniger Pizza, was problematisch werden kann für den Marktführer.
Bill Gates: Solide Fundamente und Tech-Gewinnmitnahmen
Wenn man sich das Portfolio des Bill & Melinda Gates Foundation Trust ansieht (aktuell rund 35 Milliarden Dollar schwer), fällt eines auf: Es strotzt nur so vor „langweiligen“, aber enorm profitablen Qualitätsunternehmen.
Im vierten Quartal 2025 hat Gates jedoch ebenfalls Kasse gemacht und Umgewichtungen vorgenommen:
- Tech und Value reduziert: Er verkaufte rund 16 Prozent seiner Microsoft-Anteile und reduzierte ironischerweise auch seine Position in Berkshire Hathaway um knapp 11 Prozent.
- Das Fundament bleibt stur: Die größten Positionen des Software-Milliardärs bleiben weiterhin grundsolide Burggraben-Unternehmen, die die Basis unserer Wirtschaft bilden und jeden Tag gebraucht werden: Waste Management (Müllentsorgung, fast 18% des Portfolios), Canadian National Railway (Eisenbahn, 14,5%) und Caterpillar(Baumaschinen, über 10%).
Was bedeutet das für uns Buy-and-Hold-Anleger?
Wenn zwei der erfolgreichsten Investoren der Welt in einem stark gelaufenen Markt Gewinne bei hoch bewerteten Tech-Werten mitnehmen und stattdessen massiv Liquidität halten oder in Pizzen, Zeitungen, Müllabfuhr und Traktoren investieren, ist das ein klares Signal.
Es zeigt uns einmal mehr: Auf lange Sicht zählen an der Börse nicht die wilden Hype-Storys, sondern harte Unternehmensgewinne, planbare Cashflows und eine vernünftige Bewertung beim Einkauf. Im Einkauf liegt schließlich der Gewinn. Wir müssen nicht panisch verkaufen, wenn wir großartige Unternehmen im Depot haben. Aber wir sollten uns – wie Buffett und Gates – stets darauf konzentrieren, Qualität zu halten und unsere Gewinne durch den Zinseszinseffekt („Compounding“) über Jahrzehnte ruhig für uns arbeiten zu lassen. Hin und her macht Taschen leer – Langmut hingegen zahlt sich aus.
Waste Management (WM) ist ein Paradebeispiel für langweilig, krisensicher und mit einem gigantischen Burggraben. Der Müll-Gigant ist eine Goldgrube.
Wenn Bill Gates fast 18% seines Portfolios in einer Firma hält, die buchstäblich Abfall einsammelt, dann sollten Value-Anleger genau hinschauen. Waste Management ist kein „Hype-Stock“, sondern ein Infrastruktur-Monopolist.
1. Das Geschäftsmodell: Ein natürliches Monopol
Waste Management betreibt das größte Netzwerk an Mülldeponien und Recyclinganlagen in Nordamerika.
- Der Burggraben: Es ist heute nahezu unmöglich, neue Genehmigungen für Mülldeponien zu erhalten („Not In My Backyard“-Effekt). Wer die Deponien besitzt, kontrolliert den Markt. Konkurrenten können nicht einfach „neu bauen“.
- Preissetzungsmacht: Müllabfuhr ist keine Ermessensentscheidung. Ob die Inflation bei 2% oder 5% liegt – der Müll muss weg. WM gibt steigende Kosten (Sprit, Löhne) direkt an die Kunden weiter.
2. Die Kennzahlen
WM glänzt nicht durch 50% Umsatzwachstum, sondern durch chirurgische Präzision bei den Margen:
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
| Umsatzmarge Ebit | 20% | Exzellent für einen Industriedienstleister. |
| Dividendenrendite | etwa 1,4% | Klingt wenig, aber die Steigerungsrate ist der Schlüssel. |
| Dividendenwachstum | 10 bis 12% p.a. | Seit über 20 Jahren stetige Erhöhungen. |
| Free Cashflow | 2,8 Mrd. USD + | Eine Cash-Maschine, die Aktienrückkäufe finanziert. |
3. Nachhaltigkeit & Erneuerbare Energien
Warum ist die Aktie gerade jetzt so stabil? WM ist vom Müllsammler zum Energieproduzenten aufgestiegen:
- Renewable Natural Gas (RNG): Die Texaner fangen das Methangas auf ihren Deponien ein und wandeln es in Treibstoff für die eigene Flotte oder zum Verkauf um.
- In einer Welt, die nach grüner Energie lechzt, sitzt WM auf einer unerschöpflichen Quelle. Nun haben diese Investitionen begonnen, massiv zum Gewinn beizutragen.
4. Bewertung: Qualität hat ihren Preis
Das einzige „Problem“ bei WM ist seit Jahren die Bewertung. Die Aktie ist selten billig.
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Es pendelt meist zwischen 25 und 30. Derzeit sind es fast 29.
- Einschätzung: Für ein Unternehmen mit dieser Vorhersehbarkeit zahlen Investoren wie Gates gerne einen Aufpreis. Es ist eine „Schlaf-gut-Aktie“.
Waste Management ist die perfekte Aktie für das „Buy & Hold and Forget“-Prinzip. Sie wird dich nicht über Nacht zum Millionär machen, aber sie schützt dein Kapital in Krisen und lässt es durch die Dividenden-Reinvestition über Jahrzehnte exponentiell wachsen.
Oder interessiert dich eher Domino’s Pizza?
Domino’s Pizza (DPZ) ist für viele Value-Investoren – und offensichtlich auch für Warren Buffett – das Paradebeispiel für ein „Technologieunternehmen, das zufällig Pizza verkauft“. Während Waste Management auf physischen Deponien basiert, basiert der Burggraben von Domino’s auf Daten, Logistik und einem hocheffizienten Franchise-System.
Hier ist die Analyse:
Domino’s Pizza: Die Cashflow-Maschine mit Käserand
Was Domino’s so besonders macht, ist die radikale Skalierbarkeit. Das Unternehmen besitzt kaum eigene Restaurants (99% sind Franchise-Betriebe), was das Geschäftsmodell extrem kapitalarm und hochprofitabel macht.
1. Der digitale Burggraben
Domino’s war einer der ersten Gastronomiebetriebe, der mehr in App-Entwicklung als in Küchendesign investiert hat.
- Daten-Monopol: Über 85% der Bestellungen laufen digital ab. Das gibt Domino’s einen direkten Draht zum Kunden, ohne hohe Gebühren an Drittanbieter wie Uber Eats oder Lieferando abgeben zu müssen (auch wenn sie mittlerweile strategische Partnerschaften mit ihnen eingegangen sind, um Neukunden zu gewinnen).
- Effizienz: Die „Burg“-Strategie (hohe Ladendichte in einem Gebiet) verkürzt Lieferzeiten und senkt Logistikkosten. Wer schneller liefert, gewinnt im Fast-Food-Sektor.
2. Die Kennzahlen (Prognose/Stand Februar 2026)
Die Wall Street blickt gespannt auf die Zahlen zum vierten Quartal 2025, die am 23. Februar 2026 veröffentlicht werden.
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
| Gewinn je Aktie (EPS) | 19,50 – 19,75 | Erwartetes Wachstum von ca. 11 % gegenüber 2025. |
| KGV (Forward) | 19x | Deutlich unter dem 10-Jahres-Schnitt (ca. 28x) – historisch günstig. |
| Dividendenrendite | 1,8% | Erwartete Erhöhung im Februar 2026 angekündigt. |
| Dividendenwachstum | 15 bis 18% (5J-Schnitt) | Eines der stärksten Wachstumsprofile im S&P 500. |
3. Aktuelle Herausforderungen & Chancen
- Der „GLP-1“-Faktor: Ein Thema, das 2026 die Runde macht, ist der Einfluss von Abnehmmedikamenten auf den Konsum von Junkfood. Analysten sind geteilter Meinung, ob dies die langfristige Nachfrage dämpft. Die niedrige Bewertung der Aktie (KGV 19) spiegelt diese Skepsis bereits wider.
- Inflation & Löhne: Als Franchise-Geber ist Domino’s relativ geschützt, da sie einen Prozentsatz vom Umsatz erhalten, während die Franchise-Nehmer die operativen Kosten (Löhne, Mehlpreise) tragen.
- Internationale Expansion: Mit einem Ziel von 25.000 Filialen bis 2030 (aktuell über 21.000) bleibt die Wachstumsstory intakt, besonders in Märkten wie Indien und China.
4. Warum Buffett eingestiegen ist
Buffett liebt einfache, wiederholbare Geschäftsmodelle mit starker Marke. Domino’s erfüllt alle Kriterien:
- Hohe Kapitalrendite: Wenig Eigenkapital nötig für neues Wachstum.
- Preissetzungsmacht: Eine Preiserhöhung von 50 Cent pro Pizza fällt kaum auf, spült aber Millionen in die Kassen.
- Aktienrückkäufe: Domino’s nutzt seinen massiven Cashflow, um aggressiv eigene Aktien zu vernichten, was den Gewinn pro verbliebener Aktie künstlich in die Höhe treibt. So ist seit 2021 die Zahl der Aktien von 37,7 auf 34,4 Milliarden Stück gesunken.
Fazit: Ein Schnäppchen für Langzeit-Anleger?
Im Vergleich zu Waste Management ist Domino’s Pizza im Februar 2026 bewertungstechnisch attraktiver. Während WM oft „perfekt eingepreist“ ist, bietet DPZ aufgrund der aktuellen Marktängste (GLP-1, Konsumflaute, Pizza kam aus der Mode) eine Einstiegschance bei einem KGV, das weit unter dem historischen Durchschnitt liegt. Beide Aktien haben ihren Reiz. Ich halte derzeit den Eierproduzenten Cal-Maine für attraktiver als die beiden anderen Werte. Warum? Das KGV ist mini, die Dividende über 9%.