Ich kaufe immer mehr Cal-Maine-Foods-Aktien, den führenden Eierproduzenten der USA. Ich habe schon 255 Stück. Nun sind die Eierpreise auf ein neues Tief gesunken. So sind die Großhandelspreise für Eier (die Preise, die Supermärkte und Restaurants zahlen) nach dem Allzeithoch im Vorjahr um 93% auf unter 60 Cent pro Dutzend abgerutscht. Auweia. Deshalb kaufe ich mehr Aktien.

Warum sinken die Preise? Es gibt eine massive Überproduktion. Nach der schweren Vogelgrippe-Welle haben die Landwirte ihre Bestände aufgestockt. Die Zahl der Legehennen in den USA kletterte von einem Tiefstand bei 270 auf 340 Million (der historische Schnitt liegt bei 310 Millionen). Schätzungen zufolge gibt es momentan ein Überangebot von bis 15%. Die „New York Times“ hat darüber ausführlich berichtet.
Cal-Maine kauft Konkurrenzen mitten in der Krise
Cal-Maine Foods leidet natürlich auch trotz seiner Marktmacht unter dem Preissturz. Was mir jedoch Hoffnung macht: Der Riese setzt ungeachtet der Krise seine Expansion fort. Im März kaufte der Vorstand den Konkurrenten Creighton Brothers (inklusive dessen Eierverarbeitungsgeschäft) in Indiana für 128,5 Millionen Dollar. Es liegt ausreichend Geld in der Kasse. Cal Maine hat keine Schulden.
Aber ich bin ehrlich, es handelt sich um eine heftige Krise. Im jüngsten Quartal, das am 28. Februar endete, brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 53 Prozent auf 667 Millionen Dollar ein. Noch deftiger traf es den Bruttogewinn: Dieser stürzte um 83 Prozent auf 119,3 Millionen Dollar ab. Als Gründe nennt der Vorstand die niedrigen Marktpreise und eine gesunkene Nachfrage.
Die Bewertung ist günstig
Der finanzielle Druck spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Nachdem die Aktie im Juli letzten Jahres noch ein Rekordhoch von 120 Dollar erreicht hatte, ist sie auf 78 Dollar gefallen. Nun liegt das Umsatz-Multiple bei nur noch 1,08. Anders ausgedrückt können Anleger fast zum einfachen Jahresumsatz einsteigen, was günstig ist. Auch ist das Buchwert-Vielfache mit 1,36 im historischen Kontext alles andere als teuer. Das heißt, Anleger kommen fast zum Substanzwert hier in die Aktie.

Firmenchef Sherman Miller ist zuversichtlich Er betont, dass Eier durch den langfristigen Trend zu proteinreicher Ernährung und ihr hoher Nährstoffgehalt beim Verbraucher gut positioniert sind. In Südkorea sprechen Experten gar vom „natürlichen Wegovy“ (Abnehmmittel). Ein paar hartgekochte Eier mit Olivenöl darüber geträufelt sollen angeblich den Hunger stillen – ähnlich wie das bekannte Abnehmmittel von Novo Nordisk. In der aktuellen Krise sieht CEO Miller die Erschwinglichkeit von Eiern sogar als Vorteil („Rückenwind“) für das Unternehmen. Deshalb habe ich Mut in der Krise.
Landwirte, besonders Familienbetriebe, stecken in der Krise. Und Miller kann hier vermutlich zusehen, wie Konkurrenten pleite gehen bzw. ihre Betriebe herunterfahren. Es ist nämlich ein Verlustgeschäft zur Zeit. Ende April lagen die Produktionskosten für ein Dutzend Eier bei 78 Cent – der Verkaufspreis im Großhandel liegt aber unter 60 Cent. Vielleicht kann Miller weitere Rivalen für einen Apfel und ein Ei kaufen.
Aber die Kartellbehörden können das verhindern. Denn die fünf größten Produzenten kontrollieren bereits die Hälfte des amerikanischen Marktes. Das Justizministerium ermittelt ohnehin schon gegen die Großen wegen des Verdachts auf illegale Preis- und Angebotsabsprachen.
Welche Aktie noch heiß nach dem Absturz ist, ist der Bioeier-Fabrikant Vital Farms. Dieser Betrieb hat höhere Margen, leidet aber auch unter dem Preisverfall. Ich übernehme keine Garantien für diesen Artikel. Natürlich haben Aktien Risiken. Der Preisverfall kann eine Weile fortbestehen.
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