Mich fragte ein Leser, in welchen Ländern es denn Sinn macht, zu investieren. Grundsätzlich ist ja eine schöne Streuung ratsam. Nicht nur Sektoren sollten Sie breit streuen, sondern auch Länder mitsamt den Währungen.
Ich würde aber bei exotischen Ländern vorsichtig sein. Den Löwenanteil würde ich in der Heimat investieren. Das ist mein Rat. Man spricht die Sprache, kennt sich aus, hat von den Unternehmen schon sehr viel gehört. Als heimischer Aktionär ist man ein Insider. Sie haben damit einen Vorteil vielen anderen Anlegern gegenüber, kennen auch die steuerliche Behandlung von Dividenden etc. Die Heimat ist damit der beste Markt zum Investieren. Etwa 50 bis 60 Prozent meiner Taler würde ich dort hingeben.
Darüber hinaus würde ich mich in den Nachbarländern umschauen. Vielleicht packen Sie einen Standardtitel aus der Schweiz, den Niederlanden, Österreich oder Frankreich ins Depot. Zehn bis 15 Prozent sind in der Nachbarschaft gut angelegt.
Die USA ist ebenfalls ein sehr verlässliches Land zum Investieren. Es ist das Kernland des Kapitalismus, wenn Sie so wollen. Die größten und erfolgreichsten Konzerne kommen aus Nordamerika. Denken Sie an Apple, Google, Exxon, Starbucks, Intel, Berkshire, P&G. Das ist ein exzellenter, liquider, fairer Markt für Ihre Ersparnisse. 20 Prozent sind eine gute Hausnummer.
Ich würde mich im Ausland fast ausschließlich auf die Blue Chips konzentrieren. Hin und wieder eine kleine Aktiengesellschaft dem Depot beizumischen, kann nicht schaden. Alles in allem gebe ich den Mammutfirmen den Vorzug. Da weiß man, was man hat.
In aufstrebenden Schwellenländern wie Brasilien oder China kann man sicherlich auch fündig werden. Hier würde ich nur einen kleinen Teil meiner Taler anlegen. Allenfalls zehn Prozent. Und auf die allergrößten Konzerne, sprich auf die dortigen Marktführer, setzen. Alles andere halte ich für zu riskant.
Politisch instabile Länder wie Russland oder die Türkei meide ich. Die Demokratie ist hier nicht wirklich herangereift. Das ist meine persönliche Meinung. Als Anleger wissen Sie nie, was in Ankara oder Moskau entschieden wird. Es kann eines Tages passieren, dass Ihre Aktiengesellschaft einfach verstaatlicht wird. Auch kann es passieren, dass sich bestimmte Märkte abschotten, es den Anlegern schwer machen, an ihr Geld zu kommen. Damit müssen Sie dort jederzeit rechnen – gerade in diesen wirtschaftlich ziemlich schwierigen Zeiten.
In Venezuela rückte schon die Armee an und schloss Minen. In Südamerika wurden jede Menge Lizenzen zur Ölförderung widerrufen. Innerhalb eines Tages können betroffene Aktien 80 Prozent und mehr ihres Werts verlieren.
Denken Sie außerdem über die Stabilität des Justizsystems und die Korruption nach, bevor Sie in allzu ferne Länder abschweifen. Schauen Sie sich einfach mal den Korruptionsindex an. In Nordeuroa gibt es weniger Korruption. Deutschland hat Nachholpotential.
Beeindruckt war ich übrigens von dem Wandel bei Siemens. Einst standen die Münchner im Rampenlicht wegen dubioser Schmiergeldzahlungen, nun hat der DAX-Konzern daraus radikale Konsequenzen gezogen und ist zu einem Musterschüler aufgestiegen.
Conclusio: Passen Sie auf, wo Sie Ihr hart verdientes Geld für sich arbeiten lassen.
Ihre Heimat ist der beste Aktienmarkt
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Das ist richtig. Man beherzigt es, zu diversifizieren, nach Branchen und Ländern, aber es ist nicht besonders praktikabel. Was dagegen spricht:
1. Der Handel an ausländischen Börsen ist schlichtweg teurer. Die Volksbank wollte von mir für eine Order an der Warschauer Börse 60 € haben. Für eine Order in Frankfurt nur 15 €.
2. Viele Nachrichten bleiben einem verborgen. Ich kann von Deutschland nicht beurteilen, ob Fujitsu ein solider Wert ist oder nicht. Einer Einladung zur Hauptversammlung werde ich bestimmt nicht Folge leisten. :-)
3. Die Quellensteuer macht einem das Leben schwer. Für französische Aktien bezahle ich bereits 30 % Quellensteuer, was den deutschen Fiskus nicht davon abhält, auch nochmal kräftig zuzulagen: 25 % + Soli.
4. Für deutsche Anleger ist es der deutsche Markt so günstig wie nie. Auf Auslandsmärkten kann ich mich später nochmal umschauen. Sollte der Euro platzen und die D-Mark wiederkommen, die natürlich total aufwertet, bekommt man an ausländischen Börsen gute Aktien für harte D-Mark.
Ausländische Titel habe ich drei: Enel, Axa und Nokia. Mich interessiert vor allem der osteuropäische Markt, aber diese Aktien werden noch zu selten an deutschen Börsen gehandelt. Das ist schade.