Wie kaufe ich kostengünstig Aktien?


New York, 27. Mai 2015
Sparen Sie regelmässig. Im Idealfall über die Börse langfristig. Halten Sie sich fern von hohen Gebühren und der Zockerei.

Sparen Sie regelmässig. Im Idealfall über die Börse langfristig. Halten Sie sich fern von hohen Gebühren und der Zockerei.

Ich erhielt eine Email und dachte, das dürfte mehr Leser interessieren. Folgendes schrieb mir ein Blogleser, der monatlich sechs Blue-Chip-Aktien für jeweils 50 Euro kauft. Und dafür 1,75 Prozent Provision an seine Bank bezahlt. Lesen Sie selbst, was ihn beschäftigt:

Lieber Herr Schäfer,

ich bin vor kurzem auf Ihren Internetblog gestoßen und finde mich anhand Ihrer Beiträge oft wieder, gerade wenn es z. B. um die Buy and hold Strategie geht. Ich stimme Ihren Ausführungen immer zu, auch wenn es um das Thema sparen geht. Es gibt in meinem Bekanntenkreis viele Beispiele, denen das Thema Sparen an sich total fremd ist. Gut, dass ich dazu eine andere Meinung habe.

Mich würde einmal Ihre Meinung zu meiner Anlagestrategie interessieren. Ich habe ein Aktiendepot mit 20 Werten, allesamt Blue Chips und einige auch unter den Dividendenaristokraten zu finden.

Zeitgleich bespare ich 6 ausgewählte Aktien aus dem Depot monatlich noch zusätzlich mit jeweils 50 Euro bei 1,75 % Provision. Mich würde nun interessieren, ob sie dies aus Ihren Erfahrungswerten für sinnvoll erachten, gerade aufgrund der Provisionen.

Über eine Rückantwort freue ich mich.

Viele Grüße xy

Ihre langfristige Anlagestrategie mit den 20 Blue Chips ist nach meinem Dafürhalten sehr gut. Sie sind damit 80 bis 90 Prozent der Anleger voraus, schätze ich. Die meisten Börsianer haben keine Geduld. Die Mehrzahl der Menschen kauft gerne oben Aktien, um sie später unten zu verkaufen. Viele Anleger zocken. Sie kaufen komplizierte und riskante Finanzprodukte, die sie nicht verstehen. Millionen Anleger spekulieren. Sie sehen die Börse als ein Kasino.

Sie haben dagegen eine vernünftige Strategie. Sie sind kein Zocker, kein Spieler. Sie wählen Aktien nach wohl überlegten Kriterien langfristig aus. Etwa Dividendenaristokraten. Ihr Ansatz mit den monatlichen Sparraten ist eine vernünftige Lösung. Die Automatisierung des Sparens ist ein herrliches Instrument auf lange Sicht.

Allerdings finde ich die 1,75 Prozent Provision zu teuer. Sie müssen bedenken, dass die Börse vielleicht um sieben bis neun Prozent pro Jahr steigt. Wenn Sie davon schon fast zwei Prozent abziehen, ist ein Gutteil der Rendite im ersten Jahr an Gebühren draufgegangen. Insofern sollten Sie nach einer Möglichkeit suchen, die weniger Geld kostet.

Eventuell können Sie drei oder sechs Monate lang das Geld auf einem Festgeldkonto ansparen, um dann einen Indexfonds zu kaufen. Suchen Sie sich einen Indexfonds oder ETF, der geringe Kosten verursacht. Oder wechseln Ihre Bank. Suchen Sie einen Anbieter, der günstiger beim Aktienkauf ist.

Es kommt wirklich auf lange Sicht auf die Gebühren und Steuern an. Es macht jedenfalls nach einigen Dekaden einen großen Unterschied, wenn Sie kostenbewusst sind. Ich habe übrigens mit Finanzberater Carl Richards gesprochen und fand gut, was er sagte. Vielleicht finden Sie dort weitere Anregungen. Jedenfalls gibt der Experte zu, dass er selbst nicht perfekt ist und jede Menge Fehler macht. Ich finde das aufmunternd.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wie kaufe ich kostengünstig Aktien?

  1. Claudius

    Ein sehr wichtiger Punkt. Viele achten bei Aktien einfach nur darauf, möglichst viel Geld zu verdienen aber nicht darauf, möglichst wenig Geld auszugeben. Und man kann eine ganze Menge an Steuern und Gebühren zahlen, wenn man sich nicht informiert und kümmert. Da bringen dann auch die höchsten Renditen nicht mehr viel Ich persönlich finde die 1,75% Provision auch zu hoch und zahle für meinen ETF-Sparplan einen Bruchteil – dafür aber auch regelmäßig.

    Gruß,

     

    Claudius

  2. StefanStefan

    Wo kauft man eigentlich am günstigsten US Aktien für ein deutsches Depot?

    Über Xetra? Direkt in New York? Wo ist der Spread am geringsten?

     

  3. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Claudius,

    ich denke, es wäre sicher hilfreich, wenn Du die interessierten Leser an Deiner günstigeren Alternative zu Mitwissern werden ließest.

    Hier ging es ja vor einiger Zeit schon einmal um Aktiensparpläne. Ich erinnere mich an Consors, DAB und Diba. Da war aber auch unter 1,5% wohl nix zu machen. Kostenlos gab es nur ETF-Sparpläne.

    Ich finde die 1,75% vertretbar. Das ist halt der Preis, dass man dabei sei kann, ohne klotzen zu müssen. Wenn man bedenkt, dass man auch 5 oder 6 % Ausgabeaufschlag zahlen kann bei Classic-Fonds (was hoffentlich niemand mehr macht).

    @Stefan,

    US-Aktien kosten in Deutschland nicht mehr an Gebühren als andere, wenn man sie bei einem deutschen Broker kauft. Ob ich eine Cisco oder Daimler bei Flatex im Direkthandel kaufe ist egal. Kostet jeweils 5,90 Euro. Der Spread ist bei liquiden US-Aktien auch nicht viel größer. Natürlich i.d.R. immer etwas größer als in Amerika. Bei Cisco s.B. hier 2 oder 3 Euro-Cents, an der Nasdaq natürlich nur 1 US-Cent.

    US-Aktien, die nicht in DE handelbar sind, muss man in USA kaufen. So ein Kauf kostet bei einem deutschen Broker in Euro immer einiges mehr. Bei Flatex z.B. 19,90 Euro. Flatex ist aber wiederum schlecht für ausländische Dividendenwerte, weil Gebühren bei Auslandsdividenden einbehalten werden.

    Nachgereicht: „Michael Kors“ (KORS) gibt es heute gerade im Sonderangebot 😉

    Zum Glück kein Dividendenwert, sonst hätte es mich treffen können.

    Da ich persönlich ja Schwerpunkt US-Werte habe, bin ich gleich zu Lynxbroker gegangen (heute gibt es noch CapTrader, Degiro…). Dort kaufe ich US-Werte für 5 US-Dollar pro Trade direkt in Amerika. Ist aber Gelegenheits-Investoren vielleicht zu umständlich, diese Umstellung.

    MS

  4. Tobias

    Ich finde die 1,75% auch in Ordnung. Bei 300 € Anlagebetrag im Monat sind das 5,25 €, im Jahr 63,00 €. Wenn ich stattdessen jeweils 1.000 € zusammenspare kann ich nur dreimal im Jahr kaufen und zahle ca. 18,00 € an Gebühren. Da Zahl ich lieber 45,00 € extra, bin besser diversifiziert und kann das Dollar-Cost-Averaging nutzen.

    @ Tim: deine Renditeberechnung ist nicht ganz richtig. Ich könnte die eingesparten Gebühren dem Anlagekapital zuschlagen und mehr Anteile kaufen, mehr Return erzeugen. Durch die Gebühren muss ich für den gleichen Return mehr Kapital einsetzen, meine Rendite auf das Kapital ist also dauerhaft niedriger, nicht nur im ersten Jahr

  5. AlexanderAlexander

    Ich sehe die Gebühr auch als in Ordnung an. Bei einem Einzelkauf habe ich evtl. 0,8 % bis 1% incl. aller Nebenentgelte zu bezahlen. Die Bank hat einen gewissen Mehraufwand, das rechtfertigt den kleinen Aufschlag. Dafür kann man diszipliniert sparen und es kann sich durch den CostAverage-Effekt auch lohnen.  In ETF´s  will vielleicht der Leser xy nicht sparen, sondern gezielt in bestimmte Werte anlegen. Und wie oben beschrieben, fallen die Gebühren einmalig an und nicht auf Dauer. Weiterhin ist zu bedenken, das bei US-Werten durch die Quartalszahlung der Dividende bereits erste Einnahmen fliesen, da liegt bei einem Ansparer das Geld noch am Tagesgeldkonto. Selbst das kann schon die etwas höheren Gebühren reinholen.  Ich finde die Angebote sehr sinnvoll, um auch mit weniger Kapital einen Anfang zu wagen. Und man muss trotzdem die Relation sehen, bei 300 €/Monat sind das in 20 Jahren 72.000 € Sparleistung, die Mehrgebühr liegt selbst bei einem Prozent Unterschied lediglich bei 720 €. Das sollte man verschmerzen können.

  6. Jesse Livermore

    @ Tobias,

    das dollar-cost-averaging macht ohnehin in der Frequenz keinen Unterschied. Berechnungen zeigen ja, dass die Rendite auf Dauer gleich ist, ob ich nun monatlich oder jaehrlich investiere (zumindest bei grossen ETFs wie SPY). Es ist also in der Tat cleverer, beispielsweise alle vier Monate 1.200 Euro statt jeden Monat 300 Euro zu investieren. So werde ich es bald mit RSX-J machen (der ETF auf russische small-caps).

     

  7. StefanStefan

    @ MS

    Also comdirect zeigt mir z.B. für Microsoft einen Spread zwischen Geld und Briefkurs von immerhin 23 Cent an (€). Das entspricht bei ca 43 € Kurs 0,53 %. Find ich nicht so wenig…

    Oder ist das bei jedem Deal anders? Je nachdem wie die Orders zusammenpassen?

    Ist dein Depot demnach in den USA? Wie wird da der Steuerabzug gehandhabt? Bekommt man da auch nur 15% abgezogen?

     

  8. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Stefan,

    Das liegt daran, dass jetzt in Amerika nicht gehandelt wird. Erst wenn die Aktien an der Heimatbörse (wo i.d.R. der Kurs gemacht wird) gehandelt wird, dann verengt sich hier der Spread. Kann man ja mal beobachten. So ist zumindest meine Erfahrung. Also heute ab 15.30 Uhr mal nach dem Kurs schauen.

    Ich habe ein normales Depot bei Flatex in DE für ETFs und deutsche Aktien, und das Lynx-Depot in GB. Lynx ist ein Ableger von Interactive Brokers. Die sind zwar unter deutscher Finanzaufsicht, geschäftlich aber in NL/GB unterwegs. Das Depot unterliegt also nicht der automatischen deutschen Steuer. Es werden immer nur die 15% abgezogen. Den Rest muss ich dann in der Jahres-Steuererklärung angeben und nachzahlen. Also die Jahresabrechnung von Lynx ausdrucken und die realisierten Gewinne und Dividenden angeben. Bin gespannt, wie es dieses Jahr läuft. Letztes Jahr hat man mich großzügig behandelt. 😉 Der Angestellte hatte offenbar keine Lust genau hinzusehen.

    MS

  9. StefanStefan

    @ Matthias:

    ahh, das ist ja interessant. Das heisst, dass man US-Aktien am besten nachmittags kauft. Wieder was dazugelernt. Danke.

    Wegen deinem Depot bei Lynx: hieße das, dass du hier zum Beispiel Berkshire lange laufen lassen könntest, „im Alter“ 😉 dann nach GB ziehen könntest und die Kursgewinne dann nur mit 15 % versteuern müsstest…?!

    Bin nämlich am überlegen wie man das am besten macht. Ich habe noch einen langen Anlagehorizont von locker 30 Jahren. Das macht schon etliche Tausend EUR Unterschied ob man 10 % weniger zahlt an Steuern auf die Kursgewinne. Am besten wäre es natürlich man könnte sich die komplett sparen…

     

     

  10. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Stefan,

    das mit den 30% für US-Bürger stimmt so sicher nicht (wie von mir angedacht). Da geht es auch darum, was sind „qualified“ und was „unqualified“ Dividends usw. Die haben andere Regeln, aber ich weiß nicht was da gilt. Ich sehe ja auch immer in meinen Bescheiden, dass es Unterschiede gibt zwischen „Long Term Capital Gains“ (meist ohne Abzug in USA) und „Short Term Capital Gains“ (dort dann Steuern in USA drauf). Das habe ich vor allem bei den „Finanzbuden“ (Private Equity Holdings, limited Partnerships und so). Spielt aber keine Rolle, weil der Deutsche Fiskus sich dann eben die vollen 25% von mir holt.

    Ein Umzug wegen Steuern sparen wäre bei mir kein Thema. Ist schon ok so.

    MS

  11. Björn

    @ Jesse Livermore: Warum ist es denn cleverer, beispielsweise alle vier Monate 1.200 Euro statt jeden Monat 300 Euro zu investieren?

  12. Markus

    Beide Varianten haben Vor- und Nachteile… so gravierend sind die Unterschiede nicht. Den Arero kann man glaube ich provisonsfrei besparen.

    Gravierend ist eher der Unterschied „fette“ Einmalanlage vs. monatlichen cost-averaging.

    Da herrscht nach wie vor der Glaube vor, dass cost averaging besser sei… Untersuchungen finden aber in der Mehrzahl der Fälle die positiveren Effekte bei der Einmalanlage… (einfach aufgrund des Zinseszinseffektes).

    Der größte Brocken der Rendite ergiebt sich aber nach wie vor aus der allocation.

    Wegen Steuern nach 20,30,40 Jahren auswandern… mal sehen wie sich die Denkweise und die Gewohnheiten in dieser Zeit bei jedem von uns individuell verändern…

    Bei vehement geführten Diskussionen widerspricht man sich dann vielleicht selbst… 😉

  13. Jesse Livermore

    @ Bjoern,

    niedrigere Transaktionskosten. Wenn ich dadurch auch nur 10 Euro spare ist es mir das wert.

  14. Björn

    Irgendwie komm ich auf die gleichen Provisionszahlungen, egal ob monatlich oder quartalsweise. Mach ich da nen Rechenfehler?

  15. Koko

    @Mathias

    Danke für die bisherigen Ausführungen

     

    Kann man über Lynx auch direkt und praktikabel in China investieren?

    Lt. Leistungsverzeichnis ja.

    Z.B. bei Comdirect geht das nur telefonisch. Auch werden über deren Handelsplattform keine Aktienkurse in Honkgkong oder Shanghai angezeigt.

     

    Ist die Lynx-Handelsplattform komplett in Deutsch?

     

    Danke & Gruß

    Koko

  16. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Koko

    über China kann ich da nix sagen. Laut der Beschreibung geht das über HongKong-Shanghai Stock Connect (min. 7,50 EUR). Also ich wäre da skeptisch, dass das als Laie (Privatanleger) Sinn macht.

    Die Plattform (TWS) kann man im Prinzip auf deutsch umstellen. Manches ist aber nicht übersetzt. Wird aber zunehmend mehr.

    Probiere doch mal das Demokonto.

    Ansonsten, würde ich jetzt umsteigen, würde ich wohl erst bei CapTrader schauen. Im Prinzip gleich, also Ableger von Interactive Brokers, aber noch etwas günstiger, denk ich.

    Guten Erfolg

    MS

     

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