Trading: Währungszocken ist Geldvernichtung


New York, 23. Oktober 2014

Die Deutschen haben ein Problem mit der Aktienanlage. Sie können sich nicht für sie begeistern, obwohl hier die höchste Rendite winkt. Nur elf Prozent der Deutschen schenkt der Aktie Vertrauen. Das geht aus dem Vermögensbarometer des Sparkassen- und Giroverbands hervor.

Am meisten traut der Deutsche Michel dem selbstgenutzten Eigenheim zu, 52 Prozent halten die eigenen vier Wände für die sicherste Geldanlage. Es folgt die Rentenversicherung: 27 Prozent halten sie für ein geeignetes Produkt fürs Alter.

Ich stimme zu. Das Eigenheim und die Rentenversicherung können wichtige Säulen sein, die nicht zu unterschätzen sind. Nur wäre es sinnvoll, wenn Aktien bzw. Investmentfonds ebenfalls ein hohes Vertrauen genießen würden. Denn dort lässt sich gutes Geld verdienen, wenn Sie gewisse Spielregeln einhalten.

Zu den Spielregeln zählt, langfristig in solide Papiere zu investieren und das Zocken zu vermeiden. Das ist das Kernproblem. Die meisten Anleger sind zu aktiv in Ihren Depots. Durch eine hohe Aktivität wird im Regelfall sehr viel Geld verspielt. Es liegt an der Selbstüberschätzung, am Wechselspiel zwischen Angst und Euphorie.

Das ist einer der Gründe, warum die Deutschen die Börse meiden. Sie verstehen die Spielregeln nicht. Sie verdienen kein Geld mit der Aktienanlage bzw. vernichten sogar ihr hart Erspartes. Ein weiterer Grund ist der Informationskrieg. Es gibt zu viele Daten, Informationen. Bei jeder kleinen Neuigkeit glauben die Menschen reagieren zu müssen.

Die Informationsflut kann einem wie ein Krieg vorkommen. Der Mensch verliert die Richtung. Wichtig ist, um an der Börse Erfolg zu haben, Ruhe zu bewahren. Niemals in Panik zu verfallen. Ertragen Sie einfach die Volatilität mitsamt der Informationsflut. Mein Foto: San Diego Hafen, Flugzeugträger.

Die Informationsflut kann einem wie ein Krieg vorkommen. Der Mensch verliert den Überblick, die Zielrichtung. Wichtig ist, um an der Börse Erfolg zu haben, Ruhe zu bewahren. Niemals in Panik zu verfallen. Ertragen Sie einfach die Volatilität mitsamt der Informationsflut. Mein Foto: San Diego Hafen, Flugzeugträger.

Dabei wird auch nicht verstanden, dass sich die Börse losgelöst von der Wirtschaft verhält. Anders ausgedrückt: In einer Rezession kann die Börse steigen. In einem Wirtschaftsboom können DAX, Dow Jones und Co sinken. Es besteht keinerlei Korrelation zwischen beiden.

Die Börse macht, was sie will. Die Kursverläufe lassen sich nicht mit Gewissheit kurzfristig vorhersagen. Folglich ist jeder Versuch, auf kurze Sicht auf bestimmte Kursbewegungen zu wetten, ein reines Glücksspiel.

Eine spezielle Form der Zockerei ist das Traden mit Währungen (Forex). Für extrem gefährlich halte ich das. Der französische Regulierer AMF hat eine brisante Auswertung vorgelegt. Es ist hanebüchen, was die Währungstrader verzocken. Manche verlieren sogar mehr als ihren Einsatz. Die Franzosen warnen vor dem Forex-Trading, sie starten eine Medienkampagne dagegen.

In den vier betrachteten Jahren (2009 bis 2012) verloren fast 89 Prozent der Privatkunden Geld.

Im Schnitt verloren sie 10.900 Euro je Kopf.

In den vier Jahren vernichteten 13.224 Kunden insgesamt 175 Millionen Euro. Ihnen steht eine kleine Zahl an Gewinnern gegenüber: Nur 1.575 Kunden verdienten 13,8 Millionen Euro. Sprich unterm Strich verzockten die Leute 161 Millionen Euro.

Was noch auffällt an der Studie: Die Menschen lernen kaum etwas dazu. Sie machen immer wieder die gleichen Fehler. Insofern werden die Verluste größer und größer mit der Zeit.

Fazit: Das wilde Zocken ist der reinste Horror. Legen Sie Ihr Geld wohl überlegt, extrem langfristig an.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Trading: Währungszocken ist Geldvernichtung

  1. Günther

    Ich bin auch so ein Vollidiot. Zumindest fühle ich mich so. Habe gerade ordentlich Lehrgeld gezahlt.

    Auf dem Weg nach unten verkauft und dann Short-Zertifikate gekauft. Jetzt sitze ich auf denen und weiss nicht, ob ich wieder verkaufen soll.

    Fühle mich wie der Dummvestor des Jahres.

  2. Couponschneider

    Das Hin und Her bringt gar nichts. Der Anteil an einem Unternehmen muss reifen. Ich ziehe ein Gleichnis: Ein flatterhaftes Kind möchte Musizieren, wechselt aber ständig das Instrument, abhängig davon, welcher Musiker gerade en vogue ist und mit ihm sein Instrument. Wer von Klavier zur Violine, von der Violine zum Saxophon und vom Saxophon zur Klarinette wechselt, wird kein Meister. Die herausragenden Meister an ihren Instrumenten (Horowitz, Stefi Geyer, Glenn Gould usw.) hatten jahrelang ihre Fähigkeiten trainiert, um zur Exzellenz zu kommen.

    Und bei Aktien braucht man vielleicht so viel Hingabe, aber genauso viel Beharrungsvermögen. Außerdem muss man die Gesamtrechnung aufmachen. Wenn ich mit dem Daytrading oder mit Forex beginne, dann ist das ein Fulltime-Job. Wenn ich Buy-and-Hold-Investor bin, dann kann ich mich immer noch in meinem normalen Beruf spezialisieren und zur Exzellenz gelangen.

    Ich kaufe doch keine Aktien, um mehr Arbeit zu haben.

    Ein gut dokumentiertes negatives Beispiel ist „Koko“. In dieser Reportage gibt er – meiner Meinung nach – ein ganz miserables Bild ab: https://www.youtube.com/watch?v=HJu3mmwkSN8

    Ist er erfolgreicher Daytrader geworden? Ich denke nich, er bietet aber Schulungen an: http://www.koko-trading.de/

    „Koko“ hat erkannt, dass mit Trading kein Geld zu verdienen ist, aber mit Seminaren, wie sein Mentor Schäfermeier.

  3. Couponschneider

    Daher lese ich das Handelsblatt nicht mehr so gerne. Ich kenne das Börsenspiel von denen aus dem letzten Jahr. Obwohl Wirtschaftsjournalisten, waren die Ergebnisse in den Spieldepots ziemlich schlecht. Die machten auch das, was ich ablehne: Irgendwelche Fonds-Anteile kaufen oder Derivate. Da gab es keinen Buy-and-Hold-Anfhänger.

    Und leider ist Handelsblatt Online eine Plattform für Dirk Müller. Ich störe mich sehr daran, dass er da so unkritisch wegkommt.

    Gut am Handelsblatt finde ich die Kolumnen von Bruhns, Kleinlein und Weimer. Und Jessica Schwarzer ist ziemlich fesch. 🙂

  4. Ulrich

    Buy and hold? Ja, aber kontrolliert. Ich werde sicher nicht tatenlos zuschauen, wie meine 250.000 Euro in einem weltweiten Börsenabschwung auf z.B. 50.000 eingedampft werden.

    Man stelle sich vor, Ebola breitet sich weltweit aus. Eine solche Panik kann von mir aus jeder aussitzen, der das tun will. Ich wäre dann aber mal weg. Es gibt da einfach gewisse Grenzen, an denen ich Verluste nicht mehr akzeptiere und mein Kapital vorübergehend sichere. Geht bei meinem Fonds-Depot komplett gebührenfrei.

  5. corrupto

    verkaufe nur.. dann spricht aufeinmal keiner mehr von ebola und dir entgehen 10% gewinne der aktien.. nene ich halte, komme was wolle! dann kauft man eben wieder nach! so einfach ist das

  6. Jack

    @Ulrich

    Dann musst Du gleich 2mal richtig liegen. Beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg.

    Dafür bin ich nicht clever geng. Das habe ich mir früher oft genug bewiesen.

    Ich habe Zeit. Kann mögliche Kursrücksetzer aussitzen und habe zum Glück regelmäßig Cash zum (Nach)Kaufen.

    Sehr empfehlenswert aus eigener Erfahrung ist eine News-Diät.

    Kiste aus & erst nach Weihnachten wieder reingucken & ggf. anpassen.

    @Günther

    Ist mir auch schon passiert. Blödes Gefühl. Habe dann früher gar nicht gut geschlafen & mich Tage lang über meine Dummheit geärgert. Gehört mit dazu und ich hoffe, dass es für Dich ein Ende mit Schrecken wird aus dem Du Deine persönlichen Lehren ziehst.

    Wenn es Dich tröstet…das Geld, das ich am Anfang über meine peinlichen Tradingversuche verzockt habe, habe ich mittlerweile über stinklangweiliges Buy & Hold schon längst wieder drin. Überprüfe Deine Strategie und gehe es dann ganz langsam und geduldig an.

  7. Alexander

    @Günther

    Ist ärgerlich, aber es passiert. Fehler darf man machen – nur lernen sollte man daraus. Wobei die Frage ist, ob es ein Fehler war oder eine falsche Einschätzung. Mit dem Bockmist, den ich gebaut habe, könnte ich ein Buch füllen. Gib nicht auf und lerne.

     

    @Handelsblatt

    Da musste ich schon etwas schmunzeln. Die ganz Schlauen sagen immer wieder, dies hat ausgedient, jenes funktioniert nicht mehr bla bla bla….

    Man sollte sich die Börsengeschichte der letzten 400 Jahre zu Gemüte führen. Der Mensch ändert sich nicht und viele Regeln werden regelmäßig in Frage gestellt und stellen sich dann doch als beständig heraus. Wie oft wurde Warren Buffett schon ausgelacht und es wurde behauptet, er habe ausgedient. Nach dem nächsten Crash, haben alle immer  kleinlaut zugeben müssen, dass er doch (wieder einmal) recht hatte.

    Zum Performancekünstler im Handelsblatt:

    Jedenfalls geht es mal wieder um Kursgewinne und nicht ums Investieren. Und da hat er doch tatsächlich über den unglaublich langen Zeitraum zurück zum Jahresanfang (10 Monate!) festgestellt, dass man mit Buy and Hold weniger verdient hat, als er mit seinem Trading. Respekt. Ja und dann auch noch einen Rückblick über 5 Jahre. Sehr mutig. Vielleicht sollte er sich mal über Buy and Hold informieren. Einige rechnen da in mehreren Jahrzehnten.

    Sorry für die Ironie, kann da aber nicht anders.

     

  8. Robert Michel

    Wenn Buy and Hold nicht mehr funktioniert, dann nur weil der durchschnittliche Anleger nichts mehr verdient. Dann solte man jedoch nicht nur von Buy and Hold Abschied nehmen, sondern von der Börse im Allgemeinen. Ich glaube hingegen weiter an die Börse und bin positiv von der Stabilität meines Depots überrascht.

  9. Tino

    vor einem Jahr hatte ich noch eine Sparkassenwerbung an einer Litfaßsäule gesehen. Darauf stand sinngemäß: „Ich möchte meinen Kindern etwas hinterlassen“, quasi als Investition in ein Eigenheim beworben mit der spekulativen Annahme das meine Kinder mal Jahrzehnte später in dem Haus leben wollen oder dass sie es zu viel Geld machen können..ja..ohne Worte.

    Gestern kam ein interessanter Bericht auf DLF über das Hochfrequenz-Trading. Die Politik in Deutschland möchte das schon seit längerem beschränken. Es herrscht eine Zweiklassengesellschaft an der Börse, der professionelle Broker, schafft es in einer Sekunde, der HF-Trader in einer 1/1000tel Sekunde. Für die Langfristanlage hat das für mich erst mal keine Bedeutung. Der Sinn oder Unsinn eines solchen Handels, der fernab von jeglichen Untenehmen ist, der nur Privilegierte mit Hochleistungsrechnern bevorteilt, das muss sich jeder selbst fragen. Man brachte den Geschwindigkeitsvergleich vom Pkw zum Formel1-Wagen. Ich sitze demnach auf einem Stein, der maximal durch irgendwelche Erdverwerfungen in Jahren mal etwas bewegt wird, nicht sichtbar.

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