Lottomillionär: Der ewige Traum der Zocker


New York, 6. Februar 2013

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Weltweit ist es das gleiche Phänomen. Lottospieler sind in der Regel Geringverdiener, schlecht ausgebildet. Sie haben alle einen Traum: Der Traum über Nacht Millionär zu werden. Je geringer die Bildung, desto stärker ist der Traum ausgeprägt.
Diese Menschen werfen im Endeffekt ihr weniges Geld, das sie haben, zum Fenster hinaus.
Ich bin der Meinung die staatliche Lotterie gehört abgeschafft. Es ist eine extrem unseriöse Einrichtung, finde ich. Berlin lässt es laufen, weil es Steuern in die leere Staatskasse spült. Die Bürokraten schaden aber damit einer ohnehin schon armen Bevölkerungsschicht.
In Deutschland haben die Soziologen Mark Lutter und Jens Beckert eine Studie zum Lottophänomen erstellt, die Erschreckendes auf den Punkt gebracht hat: hier und hier.
In den USA ist es mit dem Glücksspiel nicht anders. 20 Prozent der Bevölkerung spielt laut dem Magazin Wired regelmässig Lotto. Von diesen Menschen ist wiederum die Mehrheit arm und schlecht ausgebildet. Etliche glauben gar, bei der Staatslotterie handele sich um eine Form des Vermögensaufbaus.
Ich finde der Traum vieler Trader ist ebenfalls gefährlich, weil er irrationale Handlungen auslöst. In den meisten Fällen funktioniert das Trading (leider) nicht. Millionäre und Milliardäre haben ihren Reichtum über einen langen Zeitraum mit einer soliden Strategie aufgebaut. Per Glück schafft das so gut wie keiner. Selbst die meisten Jackpot-Gewinner gehen mittelfristig leer aus, weil sie mit dem plötzlichen warmen Geldregen völlig überfordert sind.
Ich finde, erfolgsversprechender ist es langsam, sicher ein Vermögen auszubauen. Schauen Sie sich mal die Website „Get Rich Slowly“ an.
So ist ein Direktinvestmentplan empfehlenswert, von denen es in den USA hunderte gibt, aber leider nicht in Deutschland. Sie können mit diesen Plänen über Ihre Lieblingsfirma wie den Putzmittelhersteller Clorox oder Mediengiganten Walt Disney ein Depot einrichten und so Ihr Geld direkt investieren.
Warum ist das so interessant? Sie können an der Börse im langfristigen Schnitt mit einer Rendite von zehn Prozent rechnen. Angenommen, Ihre Eltern schenken Ihnen, wenn Sie Ihren 18. Geburtstag feiern, 5.000 Euro. Sie investieren dieses Geld in einen hochsoliden Standardwert wie Exxon Mobil oder Procter & Gamble. Bis zu Ihrem Rentenantritt sind aus den 5.000 Euro beachtliche 441.000 Euro geworden (10 Prozent Verzinsung).
Mit dieser langfristigen Strategie vermeiden Sie fünf Dauerfehler der Börsianer:
Erstens Sie kaufen etwas Solides.
Zweitens Sie unterbinden die hohe Aktivität im Depot.
Drittens Sie reduzieren die Gebühren bzw. Transaktionskosten drastisch.
Viertens Sie vermeiden Steuern auf Kursgewinne.
Fünftens Sie haben einen Plan und hoffen nicht auf ein unrealistisches Ereignis.
Fazit: Der langsame Sparplan für die Rente lohnt sich eher als das Lottospielen oder Traden, glauben Sie mir. Investieren mit einem soliden Plan macht Sie zum Millionär – vorausgesetzt Sie haben ausreichend Zeit. Zocken macht Sie tendenziell eher ärmer. (Foto: Wikipedia)


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Lottomillionär: Der ewige Traum der Zocker

  1. Turing

    Das mit dem Lotto ist nicht neu. Schon in der Vorlesung über Stochastik ist mir aufgefallen, dass ein Spiel für Vermögende, das Roulette, wesentlich fairer ist als Lotto.

    Geradezu irrational ist es, dass Medien, die Politik und die Bevölkerung die Börsen als „Kasinos“ denunziert, aber dann so einen Mist wie Lotto fördert.

    Ich habe noch nie beim Lotto mitgespielt und darauf bin ich stolz.

  2. tim schaefertim schaefer

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden Blog
    Das Unternehmen habe ich nicht verfolgt. Sorry.

    @ Turing
    In den USA spielt ca. die Hälfte der Bevölkerung hin und wieder Lotto. Und 20% der Menschen spielt häufiger.

    Ich habe im familiären Umfeld jemanden, der spielt regelmässig mit Begeisterung Lotto. Diese Person lässt sich nicht davon abbringen. Kein Argument wird akzeptiert. Es ist eben eine Phantasiewelt. Ein Traum, den wollen viele nicht aufgeben. Rational kann ich das demjenigen nicht erklären, dass Lotto Unsinn ist.

    Interessant ist ja: Nach Abzug der Gebühren, Steuern usw. werden nur 50% der Einnahmen ausgeschüttet in Deutschland.

    Um es anders auszudrücken: Es ist so, als ob Du in einen Laden gehst, jemand Dir als Eintritt einen Euro abnimmt und 50 Cent zurückgibt, nur um den Laden zu kommen. Und die Rückgabe der 50 Cent wird dann zelebriert.

  3. tim schaefertim schaefer

    @ Daniel Sochor
    Um es krass auszudrücken: Lotto ist Betrug am „kleinen Mann“. Der Staat spielt hier bewusst mit den Träumen der Menschen.

  4. Constantin

    Hallo Tim,

    es ging krassere Betrugssysteme des Staates. Lotto ist auf seine Weise sehr transparent und jeder kann selbst entscheiden, daran teilzunehmen oder eben auch nicht. Insonfern ist es kein Betrug – sondern ein legales und cleveres System.

    Fragwürdig ist vielmehr die Tatsache, dass hier ein Monopol vorliegt (was durch die EU nicht ewig haltbar ist), welches der Staat durch Schutz vor Glücksspiel rechtzfertigt.

    Viele GRüße,
    Constantin

  5. ZaVodou

    Es soll doch glatt Leute geben, deren Einkommen gerade mal die Lebenshaltungskosten deckt. Die keine 100 Euro monatlich zurücklegen können. Und erst recht keine 5.000 Euro haben, aber vielleicht 5 Euro im Monat abknapsen können. Sollen diese Leute 5 Euro jetzt zinsgünstig anlegen? Diese Leute spielen Lotto in der Hoffnung doch noch ein großes Stück vom Kuchen abzubekommen. Und ist die Chance noch so klein, aber sie besteht im Gegensatz zu dem der kein Lotto spielt. Ich weiß nicht, ob man diesen Menschen einen Vorwurf machen kann, dass sie Lotto spielen.

  6. Markus

    Na ja, ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte jeder könnte es schaffen in Deutschland 100 € monatlich zu sparen!

    Vorausgesetzt ist natürlich, dass der oder diejenige bereit ist, Gewohnheiten aufzugeben, in neue Richtungen zu denken, eine günstigere Wohnung zu suchen, Rauchen aufzuhören, einen besseren Job zu suchen oder einen Nebenjob zu machen usw. usw. usw.

    Dazu muss man sich aber mehr anstrengen. Aber es gibt viele notorische Jammerer. Anstatt Bücher zu kaufen, kann man für 12 € Jahresgebühr in eine Bücherei gehen. Ich kenne Leute, die monatlich immer jammern, sich aber für ca. 50 € monatlich ein Smartphone gönnen. Soviel Handykosten habe ich im Jahr.

    Es gibt sicherlich sehr schwierige und unverschuldete Schicksale auch in Deutschland. Aber ich behaupte, der Großteil der Jammerer hat es sich selbst so ausgesucht. Der andere Teil wird mit negativem Denken nicht aus dieser Spirale rauskommen. Auch werden es manche nicht selbst schaffen und brauchen Unterstützung.

    Die Macht der Gewohnheiten ist sehr stark und wirkt sich auch stark auf unseren Erfolg aus.

    Empfehlen könnte man auch den reichsten Mann von Babylon.

  7. David Absalon

    @ Constantin

    Ich muss sagen, das ich derselben Meinung bin wie du. Du beschreibst dass „jeder selbst entscheiden kann, daran teilzunehmen oder eben auch nicht.“

    Genauso ist es auch im Buch „Rich Dad, Poor Dad“ beschrieben. Wir haben täglich die Wahl was wir mit den Euro`s anfangen die uns durch die Hände rinnen. Ob wir sie für Verbindlichkeiten wie die Armen und die Mittelschicht ausgeben oder aber „hier und da nen Euro sparen“ und ihn in Vermögeswerte investieren.

    Das Wissen dazu ist überall present, jeder entscheidet selber was er daraus macht/machen möchte.

    Gruß David

  8. Martin

    Aktiensparpläne auf Einzelaktien gibt es auch in Deutschland. Die Kosten liegen imho so bei 1,7%. Für mich zu teuer und die Auswahl an Aktien zu gering. Ich spare momentan in ETFs an und schichte die dann um in Einzelaktien, wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt. Das läuft dann auch gleichs als Rebalancing und meine Kosten bleiben relativ gering. In den USA wären die Kosten natürlich noch niedriger.

    Das staatliche Monopol sollte an sich gerade für süchtige Spieler ein Schutz sein. Die ganzen privaten Automatenkasinos in Deutschland sind in ihren Auswirkungen viel schlimmer als Lotto. Hierzu z.B. ZDF Zoom:
    http://www.zdf.de/ZDFzoom/Nichts-geht-mehr-25380888.html
    Ich bin tendenziell eher gegen Verbote und daher für eine Regulierung bei Glücksspielen. Das muss kein Staatsmonopol sein, aber was ist so schlecht daran? Als Aktie fand ich da Tipp24 ganz gut, ist aber gestiegen und moralisch nichts für mich.

  9. Sams

    Jeder kann selber entscheiden?
    Sucht definiert sich doch gerade dadurch das das eben nicht möglich ist.

    Ganz platt muß man doch sagen wenn ich die Chance habe meinen Einsatz zu verdopplen macht es keinen Sinn auf einen Münzwurf zu wetten.

    Wenn ich meinen Einsatz sagen wir 10 Euro um das 100 000endfache auf eine Million vermehren kann die Chancen darauf aber jenseits der Million sind lohnt sich diese Wette nicht.

    Chance und Quote gehören zusammen. Da wird Lotto für mich irrational.

    100 Euro ist eine nette Zahl.
    1500 Menschen zahlen 100 Euro und spielen das aus evtl in 30 solide Aktien angelegt.
    Der Gewinner zahlt nächsten Monat nichts mehr und läßt seine Einnahmen sagen wir 5-10 Jahre der Gemeinschaft danach gehört das Depot ihm.
    Chancen 1/1499, nächsten Monat 1/1498 das wär mal ein „Glücksspiel“ für mich.
    lol

  10. Markus

    @sams
    Jeder kann selber entscheiden?

    Jep, beim 1., 2. oder 3. Mal hat man im Normalfall noch die Kontrolle über eine Sucht oder Gewohnheit. (Ausgenommen harte Drogen)

    Die Entscheidungen, ob nun falsch oder richtig, summieren sich im Laufe und werden dann natürlich immer schwieriger zu korrigieren.

    Meine Sucht ist z. B. Koffein. 😉
    Wenn ich auf meine Espressos verzichten könnte, könnte ich sicher noch mehr sparen. Allerdings muss ich kein „Milliardiär“ werden;-) und ein bisschen Lebensfreude sollte man sich auch noch gönnen.

  11. tim schaefertim schaefer

    @ Constantin

    Bist Du der Meinung, die Lottospieler wissen, dass 50% des Einsatzes abgeschöpft werden und nicht im Spieltopf landen?

    Ich halte Lotto für intransparent.

  12. Ohne Wertung

    es gibt tatsächlich Menschen die in ihrer Naivität Lotto spielen und gewinnen vielleicht nicht beim ersten Mal aber nach drei jähriger Spielzeit, plötzlich der 6er + Zusatzzahl. Sorry wenn ich das sagen aber es treibt mir auch noch nach 14 Jahren ein lächeln ins Gesicht wenn ich an der Ampel mit meinen Benz stehe und neben mir ein alter Ford mit der Aufschrift Abi 20… Mir geht es immer noch gut und ich gehöre auch noch zu den oberen 10 tausend.

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