Diese drei Hilfsmittel nutzt Warren Buffett


New York, 25. August 2014

Warren Buffett hat ein halbes Jahrhundert lang 20 Prozent per annum im Schnitt für seine Anleger verdient. Das Genie ist doppelt so gut wie die Wall Street, die im Schnitt "nur" zehn Prozent produziert. Es ist ja übrigens nicht die Finanzwelt, die diese zehn Prozent verdient, sondern die Firmen, die an der Wall Street notiert sind.

 

Schauen wir uns das Vorgehen Buffetts an. So kann ich drei Kernthesen finden:

 

  1. Er nutzt die Volatilität zu seinem Vorteil. Eine Unternehmenskrise kommt ihm wie gerufen. So deckte sich der Meister bei General Motors ein. Kaum war der Koloss aus der Insolvenz, stieg Buffett ein. Ist der Pessimismus enorm, wird Buffett mutig. Überreaktionen der Masse erkennt das Genie wie kaum ein anderer. Einen Börsencrash nutzt er natürlich, um sich zu lumpigen Preisen bei Qualitätsfirmen einzudecken.
  2. Buffett ist ein Fan bekannter Marken. Aber was ihm am wichtigsten ist, ist eine sprudelnde Kapitalflussrechnung. Er mag hohe operative Cashflüsse. Man könnte diese Firmen auch als Gelddruckmaschinen bezeichnen. Der Vorstand seiner Lieblinge nutzt das zufließende Cash im Idealfall für kernige Dividenden und Aktienrückkäufe. Meistens finden Sie alle drei Aspekte (hoher Cashflow, Dividende, Rückkäufe) vereint. Typische Beispiele aus seinem Portfolio sind Wells Fargo, IBM, Coca-Cola und American Express. Die genannten Firmen sind allesamt Cashmaschinen, die das zufließende Geld nutzen, um Aktien zurückzukaufen und saftige Dividenden zu zahlen.
  3. Buffett ist ein Meister im Halten seiner Positionen. Er hat eine unglaubliche Geduld. Jahrzehntelang hält er an seinen Kernpositionen fest. Kommt ein Crash, stockt er diese Positionen sogar auf, selbst wenn sein Anteil schon enorm ist. Die Zukäufe während des Kursbebens vor sechs Jahren erledigte er ziemlich aggressiv bei American Express und Wells Fargo.

 

So sehr diese drei Kernthesen einleuchten, sie sind nicht einfach zu praktizieren. Es gehört viel Erfahrung, Mut und Durchhaltevermögen dazu. Selbst Buffett gelingt nicht das perfekte Timing. Insofern müssen Sie ertragen können, eine zeitlang wie ein Idiot dazustehen.

 

Wer das schafft, kann natürlich exzellente Rendite einfahren. So schnellte der Kurs des Kreditkartenanbieters American Express seit dem Tief vor einigen Jahren um mehr als das Vierfache nach oben.

 

Allerdings kommt so eine Weltwirtschaftskrise nicht alle Tage vor. Vielleicht zwei bis drei Mal in einem Jahrhundert. Als Value-Jäger müsste man fast sagen: Leider passiert das viel zu selten. Aber das wäre zu egoistisch.

 


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Diese drei Hilfsmittel nutzt Warren Buffett

  1. Fabian S.

    Hi Tim,

     

    du hast Recht aber ich denke dass Crashs häufiger vorkommen. Ende der 80er gab es einen, dann wieder Anfang der 2000er und den letzten 2008/09. Ich glaube schon dass man auf solch ein Ereignis ruhig warten kann und so wie Buffett zuschlagen sollte.

  2. Felix

    Was mir bei Buffett auch noch auffällt: Er hält fast nur amerikanische Aktien und zwar so richtige uramerikanische wie Cola, Wells Fargo, IBM.

    Ich glaube, auch das ist ein Teil seines Erfolgs.

  3. Michael C. Kissig

    »Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute.«
    (Warren Buffett)
     
    Erst kürzlich las ich wieder über eine Studie, deren Ergebnis war, dass man langfristig am Aktienmarkt investieren sollte und dass es (dann) auch immer weniger darauf ankommt, zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen. Auf lange Sicht ist es viel wichtiger, überhaupt investiert zu sein, dank des Zinsenszinseffekts. Natürlich kann man auf den froßen Crash warten, aber Hand aufs herz, wer kauft schon, wenn gerade Panik herrscht? Die meisten denken dann doch, die Welt geht unter (und kaufen deshalb nicht) oder aber es ginge noch weiter runter (und warten deshalb ab). Und wenn die Gegenbewegung einsetzt, warten sie ab, weil sie sich ärgern, nicht zu den eben noch so viel tieferen Kursen eingestiegen zu sein. Also warum endlos warten? Wenn man weiß, welchen Preis man für eine Aktie zu zahlen bereit ist, dann kauft man, wenn sie diesen Kurs erreicht. Ob alleine oder oder zusammen mit dem Gesamtmarkt ist dabei nich entscheidend. Und wenn der Kurs weiter fällt, dann kauft man eben noch mehr Aktien zu. Solange sich die fundamentalen Rahmenbedingungen für das Unternehmen nicht grundlegend geändert haben! Das ist Voraussetzung. Und wenn man dann auf die soliden Dickschiffe setzt, kann man das Risiko im Verhältnis zu den Chancen auch begrenzt halten. Ein bisschen streuen noch, Branchen, Länder und dann hinsetzen und zuschauen, wie das Vermögen wächst.

    Das Schwierigste ist eben das Abwarten, das Halten der Papiere. Fondsmanager Heiko Thieme hat das mal schön formuliert:  »Manche Anleger halten sich für Langfristanleger, wenn sie am Freitagabend Aktien kaufen und bis Montagmorgen durchhalten«. Leider nur zu wahr…

  4. Markus

    Wie ist denn die Bilanz von Buffet die letzten 10 Jahre?

    Also wenn man Berkshire an einem S&P 500 Value Index misst.

    Irgendwo habe ich auch gelesen, dass ein Teil des Erfolges von Buffet auf Fremdkapitalhebel beruht…

  5. Markus

    Und wenn ich es richtig gelesen habe, ist ein Großteil der Investitionen von der Holding Berkshire Hathaway ….in der Sektion "Midcaps".

  6. Sebastian

    @Markus

    Schau mal bei yahoo finanzen rein. Da kannst du Berkshire mit dem s&p 500 interaktiv (verschiedene Zeiträume) vergleichen. Aktuell liegt Buffett (10 Jahre) gute 50 Prozentpunkte vorne! Ich denke, das kann sich sehen lassen…….. und freut mich als Investor 🙂 !!!

    Ansonsten unterstütze ich Michaels Worte (übrigens netter Blog!). Wer die Ruhe hat, dem ist das chaotische Marktgeschehen – und Geschreie – egal. Topunternehmen kaufen und liegen lassen!

  7. ZaVodou

    @Tim, schöner Beitrag.

    @Michael C. Kissig, das hast Du gut zusammengefasst.

    Ich denke, dass das jeder Laie mit etwas Aufwand hinbekommen sollte und nicht so schwer ist. Man sollte sich nur an diese einfachen Regeln halten.

    Ich nenne das die drei Ws: Was, Wann, Wie viel?

    Was? Setzt sich mit der Frage auseinander: Welche Aktien überhaupt für ein Langfristinvestment in Frage kommen könnten

    Wann? Setzt sich mit der Frage auseinander: Zu welchem Preis man diese Aktien höchstens kaufen sollte

    Wie viel? Setzt sich mit der Frage der Diversifikation auseinander

    Wobei die zweite Frage für mich die Schwerste ist.

    Ahoj, ZaVodou

  8. StefanStefan

    Bist du sicher, dass Warren auch AMEX aufgestockt hat? Ich hatte mal irgendwo gelesen,dass er die nicht aufstocken kann weil Berkshire dann eine Banklizenz bräuchte oder so irgendwie…

    Hatte mich immer schon gewundert warum er so viele Wells Fargo kaufen kann aber American Express nicht…

    Kann das einer aufklären?

  9. Tom

    Hallo,

    Wenn man solche "Dickschiffe" wie Buffet kauft, dann kann man meiner Meinung nach periodisch automatisch aufstocken. Die Inflation ist eh gegenwärtig und ob es jetzt vernünftig ist auf die nächste Krise zu warten als Kleinanleger ist fraglich (die Einkaufskurse sind natürlich in der Krise natürlich weitaus besser)… Mit dem periodischem Einkauf ergibt sich ein Mittelwert. Dividenden werden reinvestiert und das Vermögen wächst.. ohne grossen Aufwand zu treiben..

    Eine Reserve ist natürlich gut um in grosser Krisen (Korrekturphasen) nachzukaufen..

    Eine optimale Lösung muss jeder für sich finden. Die einfachsten Methoden sind manchmal die wirksamsten. (KISS = Keep it simple and stupid 😉

     

    lg

     

     

  10. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Stefan

    Von AXP hält Berkshire schon ewig die 151,610,700 Akten

    -> http://www.dataroma.com/m/hist/hist.php?f=brk&s=AXP

    Das sind derzeit 14,49%: http://investors.morningstar.com/ownership/shareholders-major.html?t=AXP 

    Wie das mit Banklizenz ist? Keine Ahnung.

    Apropos GM…da hat er mal richtigerweise 10 Mio Aktien in Q1 verkauft, sprich; ordentlich Gewinne realisiert, wodurch nur Überperformance kommen kann. Dummerweise kaufte er jetzt in Q2 knapp 3 Mio Aktien teurer "zurück", anstatt sich andere Ziele zu suchen. Wenn er das noch 2x macht, und GM dann wieder fällt, dann ist sein Gewinn daraus verheizt. Nun, er wird sich was dabei denken. http://www.dataroma.com/m/m_activity.php?m=brk&typ=a

    MS

     

  11. StefanStefan

    Ahh, ok.

    Dann stimmt es doch, dass Buffett aus diesen Gründen nicht bei AMEX aufstocken kann. Hätte er sonst in der Krise nämlich garantiert gerne gemacht…

    Warum er aber unbegrenzt Wells Fargo kaufen kann wissen wir jetzt immer noch nicht…

  12. Sebastian

    @Markus

    Sorry, du hast nach dem S&P 500 value gefragt, da sind es tatsächlich noch ein paar Punkte mehr. Erst beim Russell MidCap Value wird es eng. Der Vergleich hinkt dann allerdings…..

  13. Mr. Cashflow

    Also das mit der Banklizenz und der nicht mehr vorhandenen Möglichkeit zur Aufstockung von AMEX hab ich widerum mal mit Wells Fargo gehört. Demnach wurde Buffett in einem Interview mal gefragt, ob er sich auch vorstellen könnte, so viele Anteile zu erwerben, dass er Wells Fargo komplett schluckt (falls das möglich sein sollte). Als Antwort kam dann, dass dies rechtlich wohl nicht möglich sei. Ich weiss aber auch nicht mehr genau wo ich das mal aufgeschnappt habe.

  14. willihope

    Starinvestor Buffett hilft Burger King beim Steuern sparen

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Starinvestor-Buffett-hilft-Burger-King-beim-Steuern-sparen-3826472

     

    Na wie passt das zur ewigen Lobhudelei und dem raushängendem Gerechtigkeitsfimmel hier?

    Wobei ich schon der Meinung bin dass die Firmen das Recht haben sich bei zu hohen Steuern eine Lösung zu suchen, die staatlichen Räuber werden ja auch immer unverschämter!

    Aber bei der dauernden Gerechtigkeitsdiskussion die auch Tim immer wieder startet muss doch jetzt ein Statement zu der Sache folgen!

    Bin ich schon gespannt wie ein Flizebogen! 🙂 Von deutschen Moralapostel erwarte ich mir dass es heisst: Steuern sind für die überbordenden Staatsausgaben nötig und wenn die Firma die nicht mehr bezahlen kann dann geht sie eben peite. Hauptsache gerecht!

     

     

  15. Markus

    @Sebastian

     

    Bershire ist eine Holding, die überwiegend aus midcaps besteht…

    Da reiben sich wahrscheinlich manche verwundert die Augen…

  16. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    willihope

    Das stimmt. Buffett ist ein knallharter Geschäftsmann. Buffett hat Dollarzeichen in den Augen. Wenn er irgendwo Geld oder Steuern sparen kann, macht er davon Gebrauch. Sonst wäre er ja nicht so erfolgreich. Allerdings bewahrt er das Kaufmannsethos. Er hält sich strikt an Recht und Gesetz. Er ist aufrichtig und ehrlich. Du kannst ihm einen Handschlag geben und schon ist ein Milliardendeal in trockenen Tüchern. Dieser Mann braucht keine Anwälte.

    Übrigens habe ich schon vor Jahren ein Potential in Burger King gesehen:

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/US-Aktientipp-Hot-Stock-der-Wall-Street-Burger-King-2102542

    http://timschaefermedia.com/so-finden-sie-value-chancen-spin-offs-und-gewinnwarnungen/

    Ich wollte damals unebdingt einen Termin bekommen und die Firmenzentrale in Florida besuchen. Nur mauerte das Management. Leider. Ich erhielt keinen Termin. Sie reden offenbar bei Burger King ungern mit der Presse.

  17. willihope

    Also kommt auch bei Ihm erst das grosse Fressen und dann die Moral, wie übrigends hier auch wie man sehen kann!

    Man soll Menschen nicht auf Podeste stellen denn da gehören sie nicht hin!

    Wenn er wieder über höhere Steuern für die Reichen faselt dann sollte man sein Alter mit in Betracht ziehen! Offensichtlich ist Amerika kein Niedrigsteuerparadies wenn die Firmen um die 40% Steuern bezahen müssen und davor fliehen.

  18. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    Burger King geht von einem teuren Steuerland für Unternehmen (USA) nun nach Kanada. Die Hamburger-Kette aus Miami nutzt den kanadischen Kaffeeriesen Tim Horton als Übernahmeziel, um den eigenen Sitz nach Kanada zu verlegen. Ich finde das ziemlich clever. Wäre ich Burger-King-Aktionär, würde ich das begrüßen. Sie sparen so Steuern. Das ist doch wunderbar aus Aktionärssicht. Was soll schlecht daran sein, wenn das Gesetz es erlaubt? Jeder Vorstand sollte versuchen, Steuern zu sparen. Wenn der US-Gesetzgeber so doof ist und das erlaubt, selber schuld.

  19. willihope

    Na nix ist daran schlecht! DU bist doch der der immer wieder mit moralischen Bedenken argumentiert!

    Natürlich ist es nicht unbedingt gut allerdings wenn man sieht wo viele Firmen Ihr Geld verdienen dann müssen die auch das Recht haben Ihren Firmensitz zu verlegen wohin sie wollen. Auch im AUsland brauchen sie Steuereinnahmen und Arbeitsplätze!

    Sonst nehmen die roten Versager wie die französische Maionese total überhand und pressen alle die noch etwas Geld verdienen oder noch haben aus.

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