Wenn sich der Guru irrt


New York, 8. Januar 2013

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Ich habe an der Börse gelernt, nicht auf die populärsten Propheten zu hören. Grundsätzlich werde ich skeptisch, wenn jemand anfängt, in die Zukunft zu blicken. Und konkrete Ereignisse von sich gibt, die eintreten werden. Dann verliere ich jedwedes Vertrauen in diese Person. Und wende mich ab.
Wer hingegen schwammige Zukunftsaussagen macht und diese womöglich mit gewissen Eintrittswahrscheinlichkeiten schmückt, dem höre ich zu. So kann es durchaus realistisch sein, wenn jemand allgemein vor neuen kriegerischen Auseinandersetzungen warnt, vor Terroranschlägen, vor der generellen Gefahr einer Seuche oder Grippewelle. Das kann passieren und ist möglich. Nur sind genaue Zeiträume kaum vorhersehbar.
Was mich stört, sind die Propheten, die durch die Medien geistern und einen Unsinn verbreiten. Gerade der Otto Normalverbraucher kann auf solche Propheten hereinfallen. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele, die Ihnen zeigen, wer populär ist, ist nicht unbedingt der beste Ratgeber.
1. Dirk Müller
Gefeiert wird Dirk Müller als „Mister DAX“. In Deutschland gilt er als der Börsenexperte schlechthin. Sogar der Deutsche Bundestag lädt Herrn Müller als Sachverständigen ein.
Schauen wir mal in dieses Youtube-Video, was Herr Müller für 2012 alles vorausgesagt hat. Das war vor gut einem Jahr:
„Es droht 2012 ein Angriff gegen den Iran. Das war immer mal wieder 2011 aufgetaucht, jetzt soll sich das 2012 konkretisieren.“
„Ich gehe von dem großen weltweiten Reset aus, dieser großen weltweiten Neuaufstellung des Währungssystems.“
„China wird gelöst werden – in der Form, dass dort die Immobilienblase platzt und China die Revolution im Land bekommt.“
„Europa zerfleischt sich gerade selbst.“
„In den USA wird zunehmend mit aller Staatsgewalt gegen die Occupy-Demonstranten vorgegangen. Ja Staatsgewalt, ist es wirklich nur Staatsgewalt? Riesige Zahlungen, große Zahlungen, ja Millionenzahlungen gehen an die Polizeibehörden seitens der Banken in New York beispielsweise. Die Polizei wird ausgerüstet mit paramilitärischer Ausrüstung. Bereits seit mehreren Jahren sehen wir, dass die Überwachungsmechanismen in den USA massiv hochgefahren werden. Immer hieß es, das ist gegen die Abwehr des Terrorismus, das ist nur gegen die bösen Terroristen. Und ich sage seit Jahren voraus, das ist nicht gegen die Terroristen. Es geht darum, die eigene Bevölkerung im Griff zu haben, wenn die auf die Straße geht. Exakt das erleben wir jetzt. Das sehen wir jetzt (…) Die Staatsmacht geht mit allen diesen Mitteln, die man eigentlich gegen die Terrorabwehr ins Leben gerufen hat angeblich, (…) gegen diese Demonstranten vor. Das ist der Abschied von der Demokratie, wie wir sie bisher kannten.“
Das ist starker Tobak Herr Müller. Das ist Angstmache. Die meisten Voraussagen sind meiner Meinung nach extrem daneben. Er prophezeit im Grunde Blutbäder, Aufstände, einen Krieg im Iran. Die paar hundert Occupy-Demonstranten, die in Manhattan herumlungerten, die stilisiert der „Experte“ fast zu einer Massenbewegung hoch. Das ist komplett daneben, meine ich.
Ich gebe zu, dass Herr Müller hin und wieder gute Kommentare abgibt. Nicht alles ist Quatsch.
2. Nouriel Roubini
Der New Yorker Wissenschaftler und vielerorts geschätzte Nouriel Roubini sagte für 2012 den Zusammenbruch der Euro-Zone voraus. Griechenland und Portugal müssten den Euro aufgeben.
3. Marc Faber
Über den Schweizer Experten, der in Asien lebt, war ich ehrlich gesagt erstaunt. Ich habe für diesen Blogeintrag recherchiert und recherchiert und recherchiert. Obwohl Marc Faber ein alter Haudegen ist, der knallharte Aussagen trifft, Notenbanker geißelt, finde ich bei ihm keinen Unsinn. Er ist clever. Er passt auf, was er sagt.
Faber: „Wenn du eine Prognose abgibst, mache nie eine Prognose über das Timing.“
„Wir wissen nicht, wie die Welt in fünf Jahren aussieht, das wissen wir nicht.“ Hier geht es lang zu dem Youtube-Interview mit Reuters vor einem Jahr. Oder lesen Sie diese Story aus dem „Focus Money“.
Ich finde Faber kultig. Ich hatte ihn im Januar 2008 in einem Hotel am Times Square zum Interview getroffen. Er erschien im T-Shirt. Es war bitterkalt. Frostig! Sehen Sie das Foto unten. Für den Fotografen ging er im T-Shirt auf die Straße.
Conclusio
Was lernen wir aus all dem? Wer exakte Prognosen abgibt, hat schon verloren. Nicht jedem Profi dürfen Sie trauen. Schauen Sie nach, was „Experten“ vor ein, zwei, drei Jahren vorausgesagt haben. So können Sie viel lernen. Vor allen Dingen können Sie aus den Fehlern der Gurus lernen – und natürlich Ihren eigenen.
Eine weitere Schlussfolgerung ist: Wenn eine Krise aus dem Ruder zu laufen scheint, ist längst die Lösung in Sicht. Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten. Anders ausgedrückt: Exakt auf dem Höhepunkt der Panik und Sorgen lohnt es sich, optimistisch zu werden. Als die Amerikaner 2003 in den Irak einmarschiert sind, schossen die Börsenkurse nach oben. Der griechische Aktienmarkt war 2012 einer der besten weltweit.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Wenn sich der Guru irrt

  1. StefanStefan

    Hehe, auf den Müller hast du dich eingeschossen, was? 🙂

    Ich finde den auch populistisch. Hab mir vor kurzem ein altes Interview aus dem SWR Leute Archiv angehört. Da hat er beim DAX Stand von ca 4000 noch mal eine Halbierung vorausgesagt. Heute weiss man, das war der Tiefstand schon gewesen.
    Was ich bei ihm allerdings gut finde: er versucht die Deutschen aufzuwecken beim Thema Immobilien. Er zeigt auf, dass das eben nicht unbedingt die tolle Investition ist in die man gehen muss. Eher ein Stück Lebensqualität aber kein Investment.

    Was hälst du denn von Max Otte? Der gilt ja als Crash-Prophet weil der die Immo-Krise in den USA vorhergesagt hat. Er hat selbst mal zugegeben, dass das Timing seiner Vorhersage Glück war. Dass es zu dem Zeitpunkt schon so kommen würde hatte er selbst nicht gedacht.

    Faber mag ich nicht. Ist so ein Dauerpessimist. Mit seinen Aussagen kann ich nichts anfangen.

    Obskur finde ich auch Jim Rogers, den Rohstoffguru. Der mal übelst schwarz für Amerika wegen dem Dollar, der Inflation, der Fed, der Überalterung und der Schulden. In den höchsten Tönen lobt er dagegen Japan. Japan hat aber auch ein Demografie-Problem, ein Schuldenproblem und eine schwächer werdende Währung. Finde ich alles etwas seltsam.

  2. Finanzielle Freiheit mit Dividenden

    Auf Dirk Müller hast Du Dich wirklich eingeschossen Tim. Er nutzt jezt seine Popularität und verdient bestimmt viel Geld. Luxus ist eine Immobilie definitiv, da hat er Recht. Dir Vorhersagen interessieren mich allerdings nicht. Wir kennen nur das Hier und Jetzt – die Zukunft kennt keiner.

  3. Tobias

    Ich finde Dirk Müller gut. Ich kannte ihn zunächst nur durch seine TV-Auftritte während der Krise. Kürzlich habe ich mir sein letztes Buch gekauft und ich habe es regelrecht verschlungen. Es ist wirklich sehr gut geschrieben.

    Ich finde es interessant, wie Dirk Müller die Flucht der Deutschen in Immobilien als vermeintlich sichere Geldanlage kritisiert. Er öffnet den Menschen die Augen dafür, dass die eigene Immobilie in vielen Fällen kein Renditebringer ist. Oftmals ist die eigene Immobilie ein riesiges Sparschwein, das immer und immer wieder Geld schluckt. Vorher absehen lässt sich das in aller Regel nur schlecht. Dirk Müller ist der Ansicht, dass viele Menschen – vorallem bei einer unsicheren (beruflichen) Zukunft – mit einer gemieteten Immobilie besser fahren.

    Des Weiteren finde ich positiv, dass Dirk Müller äußerst hart mit Banken und Versicherungen ins Gericht geht. Er kritisiert niedrige Tages- und Festgeldzinsen, Sparbücher, Riesterrenten, Lebensversicherungen und so weiter. Er geht in seinem Buch detalliert auf unnütze Versicherungen und Anlagemöglichkeiten ein. Natürlich hebt er auch nützliche Versicherungen hervor.

    Nichtsdestotrotz gebe ich Tim recht, dass Dirk Müller jeglichen Optimismus vermissen lässt.

    Er beschreibt Weltuntergangsszenarien. Den Zusammenbruch des gesamten Geldsystems. Er rät zum Anlegen in Edelmetallen, insbesondere in Gold, da man „dafür immer etwas zu Essen bekommt, egal was passiert“.

    Ferner baut er die Occupy-Demonstrationen tatsächlich zu einer angeblichen „Massenbewegung“ auf.

    Außerdem – Tim hat es glaube ich schon einmal beschrieben – ist er ein großer Fan von Absicherungsstrategien mit Hilfe von Optionsscheinen. Ich halte davon nichts. Wer mit dem Auf und Ab der Börse nicht leben kann, sollte sich dort meiner Meinung nach auch nicht betätigen.

  4. Matthäus Piksa

    @Tobias

    Ich bin ihrer Meinung.

    Als Anlageexperte besticht Dirk Müller durch solide und seriöse Aussagen.

    Makroökonomisch bedient er sich, vermutlich um den Verkauf seiner Bücher anzukurbeln, aus dem Topf der Verschwörungstheorien und Weltuntergangsszenarien. – Ehrlicher wäre, wenn er sagen würde, dass wir uns politisch-makroökonomisch weiterhin durchwurschteln werden und das gar nicht mal das Schlechteste ist.

    Daher blogge ich lieber hier mit Tim, der sich darauf beschränkt, Trends und Entwicklungen zu erkennen, zu analysieren und daraus dann Investmentideen zu entwickeln (zunehmend im Zusammenspiel mit den anderen Lesern).

  5. Markus

    als Absicherungsstrategie lieber ein bisschen Cash in Reserve als diese sinnlosen short-Investments! Das ist wie einen Porsche kaufen und auf einen VW drosseln. 😉 Tja, der Bursche vermarktet sich… Das geht halt leider Gottes mit Panikmache viel leichter als mit Dauergrinsen. Womit er wohl die besseren Renditen erwirtschaftet???

  6. tim schaefertim schaefer

    @ Stefan
    Ich habe einfach mal geschaut, wer Unsinn erzählt. Da fiel mir gleich Dirk Müller auf. Das Problem ist ja, dass Müller sicherlich viele Fans hat und dann können solche Aussagen eine Spur der Verwüstung im Depot hinterlassen. Wenn Massenproteste und Kriege drohen, Blutbäder fließen … möchte ich nicht wissen, was der Anleger mit seinem Depot anstellt.

    @ Finanzielle Freiheit mit Dividenden
    Genau. Die Zukunft kennt keiner, nur gewisse Trends lassen sich wohl erahnen.

    @ Tobias
    Ein wenig Distanz zur Immobilie in Deutschland ist wohl sicherlich nicht verkehrt. Immobilien – das kann wohl die nächste Blase sein, die beim deutschen Michel platzt. Nach der Tech-Blase im Jahr 2000. Aber genaue Prognosen mag ich nicht abgeben. Es kann sein, muss aber nicht. Bleibt zu hoffen, dass die Jagd nach Betongold sich schnell abkühlt.

    @ Matthäus
    Das sehe ich genauso. Ich finde es gut, dass Dirk Müller Aktien grundsätzlich empfiehlt, vor allzu viel Euphorie bei Immobilien warnt und unnötige Versicherungen (GlasplattenherdReisekoffer…) geißelt.

    @ Markus
    Wie wahr. Die Absicherungsstrategie kostet nur Geld und ist meiner Meinung nach Unsinn. Entweder hü oder hott. Das ist eine unnötige Versicherung. Es ist möglich, das Depot (und Vermögen) breit aufzustellen. Niemand muss einzelne Aktienpositionen mit einer Versicherung (Put-Option) absichern.

  7. Martin

    Z.B. long Renault und short Nissan und Volvo zum absichern, fand ich interessant. Renault gehört ein Teil von Nissan und Volvo.
    Ansonsten können Mitarbeiter auch Mitarbeiteraktien mit Rabatt bestellen und im eigenen Depot shorten. Scheinbar macht das nicht jeder dem ein Rabatt auf Aktien des Arbeitgebers angeboten wird und lässt dich dann eine sichere Rendite entgehen.

  8. stefan

    Sicher, Herr Müller mag zu polarisieren, aber er schafft es, auch komplexere Sacherverhalte den breiteren Massen in einer verständlichen Sprache näher zu bringen.
    Einige seiner Theorien sind ziemlich gewagt, doch regen sie zumindest zum Nachdenken an.
    Persönlich gefällt mir Felix Zulauf sehr gut. Nicht marktschreierisch, mit sehr gutem Blick auf das Big Picture.
    Faber vermarktet sich selbst sehr gut und dürfte den Großteils seines Lebensunterhalts mit seinen Auftritten und Interviews verdienen. Er selbst ist die Marke.

  9. tim schaefertim schaefer

    @ Martin
    Mir persönlich sind solche Wetten zu spekulativ. Bei Short-Wetten arbeitet immer die Zeit gegen einen.

    @ Stefan
    Ich finde, wer schlau ist in der Branche, hält sich mit genauen Vorhersagen zurück. Die Zukunft lässt sich einfach nicht vorhersehen. Wer sich hinstellt und so tut, als könnte er in die Zukunft blicken, der lügt. Selbst wenn irgendetwas von dem eintritt, was prophezeit wurde, war das nur eine Vermutung, die per Zufall eintrat.

    Meistens kommt es genau anders, als diese Wahrsager orakeln. Kein Krieg gegen den Irak, keine Massendemos in den USA, kein Ende der Demokratie, kein Zerfall Chinas.

    Was indes passiert, sind Events, die aus heiterem Himmel kommen, die alle völlig überraschen.

    Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass der „Irre Diktator aus Nordkorea“ den Frieden mit dem Westen und seinen Nachbarn sucht?

  10. Turing

    Dirk Müller nervt einfach. Meines Erachtens hat er einfach erkannt, dass man mit Öffentlichkeit unheimlich viel Geld verdienen kann. Er schreibt Bücher, er tingelt durch Talkshows und hat sicherlich mehr Freizeit als früher.

    Und natürlich muss er auch dafür sorgen, dass man seine Bücher kauft und dass er eingeladen wird. Dazu muss er nur antiamerikanische Ressentiments bedienen und dann natürlich auf den Zug aufspringen der allgemeinen Kapitalismuskritik aufspringen. Wie nannte Gauck die Occupy-Leute? Richtig: „Unsäglich albern.“ – Hätte auch von mir kommen können.

    Es gibt viele andere Personen, Journalisten, Politiker und Wirtschaftsvertreter, die mehr Sachverstand aufweisen als Müller. Aber Müller findet Gehör.

  11. Turing

    @Stefan
    Die Immobilienkrise vorauszusagen, war gar nicht so schwierig. Man musste nur mit europäischen Augen sich mal auf dem amerikanischen Immobilienmarkt umschauen, um festzustellen, dass das nicht funktioniert. Eine konservative Einstellung zum Geld ist auch hilfreich, um zu erkennen, dass die ständige Schuldenmacherei nichts gut ausgehen kann.

    In Deutschland gibt es auch eine Blase: Eine Blase der erneuerbaren Energien. Es gehört nicht viel dazu, vorauszusehen, wann sie platzt. Einen Vorgeschmack hatten wir im letzten Jahr, als ein Solarbetrieb nach dem anderen pleite ging. Die Produzenten der Solarzellen sind schon weg vom Fenster und die Betreiber der Solarzellen werden folgen. Ich bin mir sicher, dass die Politik nicht zuschauen wird, wie die Strompreise sozialunverträglich steigen. Altmaier mag sich vielleicht ein dickes Fell gegen den Sachverstand angefressen zu haben, aber irgendwann weht es auch ihn weg. Mutti Merkel wird die Kurve kriegen, aber Altmeier wird aus der Kurve geschleudert. Und tschüss!

    In Deutschland sind wir im letzten Winter knapp am Blackout vorbeigeschrammt. Ich wage jetzt auch eine Prognose: Wenn es in den nächsten Wochen zu einer kleiner Serie von Blackouts kommt, wird die Politik handeln. Die Bevölkerung straft die Politik ab, vor allem die Grünen, denn die haben es verdient.

  12. Hari

    Hallo Tim,

    Volltreffer. Ich habe den Artikel gleich in meinen Live-Tips erwähnt.

    Wegen mir könnten wir aber auch gleich den guten Otte hinzu fügen.

    Das Problem ist, zum „Guru“ kann man nur werden, wenn man im Brustton des Weisen aus dem Morgenland grosse Prognosen von sich gibt und gleichzeitig auf die Vergesslichkeit der Menschen setzt.

    Denn alle „Gurus“ liegen auch zu 50% falsch. Darauf kommt es aber nicht an. Woran sich die Menschen später erinnern, das ist der Kern des Erfolgs !

    Wer weiss zb noch das Max Otte Praktiker im März 2010 „saubillig“ fand, weil ja der Buchwert ach so niedrig sein ? Aua 😉 Nur weiss es keiner mehr, wie viele andere Empfehlungsgurken. Nur das zählt in diesem Geschäft.

    Und das Prinzip funktioniert. Wenn man sich dabei nicht selber schlecht fühlt, kann man damit Geld machen, wenn man einmal die Aufmerksamkeit der Medien erlangt hat.

    Und da sich die menschliche Natur nicht so schnell ändern wird, wird das auch so bleiben. Insofern werden die Namen Müller und Otte irgendwann durch andere ersetzt werden, das Prinzip aber bleibt.

    Gruss, Hari

  13. tim schaefertim schaefer

    @ Hari
    Danke. Danke.

    Ich sehe 2 Probleme:

    1. sollten die „Experten“ verantwortlich mit der Öffentlichkeit umgehen. Ich meine, solche Leute werden vor unser Parlament geladen, um den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Solche Leute sitzen in Talkshows und Millionen Zuschauer hängen denen an den Lippen. Angstmache ist verantwortungslos. Auf die Probleme hinzuweisen, das ist ok. Panikmache, finde ich, ist ein Tabu.

    2. Wir als Konsumenten müssen aufpassen, auf wen wir hören. Immer kritisch sein und selbst nachdenken.

    Ich mache selbstverständlich auch viele Fehler. Wenn jemand etwas falsch einschätzt, ist das OK. Ich mache niemandem einen Vorwurf. Nur sollten wir Fehler zugeben. Und nicht im Brustton der Überzeugung das nächste Blutbad ständig verkünden.

  14. Mario

    Hallo Tim,
    das Prinzip ist einfach. Wer kauft eine Zeitung in der steht; Ein Flugzeug ist in Frankfurt gestartet und sicher in New York gelandet. Die Menschheit giert nach schlechten Nachrichten. Wenn es abgestürzt wäre -was hoffentlich nie passiert- dann wäre der Run auf die Zeitungen umso größer.

    Genauso ist es mit Büchern und Talkshows. Ich habe das Buch von D. Müller ebenfalls gelesen und finde er hat Unrecht mit der Meinung über Immobilien. Ich sehe eine eigengenutzte Immobilie nicht als Klotz am Bein. Natürlich unterliegt eine Immobilie auch einer gewissen Pflege und Erhaltungswürdigkeit.

    Mein Grundverständnis ist jedoch folgendes, wohnen wird immer den Preis von Faktor 1 haben. Alle anderen Güter z. B. Grundnahrungsmittel werden sich in Relation dazu bewegen. Daher lebe ich in einer bezahlten und selbstgenutzten Immobilie „geschützt“. Dummheiten sind vom Wort geschützt ausgenommen.

    Gruß Mario

  15. Tobias

    @Mario:

    Bei mir steht das Wohnen auch grundsätzlich an erster Stelle. Ich würde nie in einer heruntergekommenen Bude hausen, nur um Geld zu sparen.

    Ich glaube aber, Dirk Müller hat nicht gemeint, dass die eigene Immobilie ein Klotz am Bein ist. Ganz im Gegenteil, er rät den Leuten sogar zu eigenen Immobilie, da es einen Mehrwert an Lebensgefühl bringt. Da stimmte ich mit ihm überein. Und er sagt, dass man sich die eigene Immobilie nur anschaffen sollte, wenn man es sich auch wirklich leisten soll. Soweit sind das meiner Ansicht nach vernünftige Aussagen.

    Er warnt nur – meiner Meinung nach auch völlig zurecht – davor, die eigene Immobilie nicht aus Gründen der Rendite zu erwerben, wie es die meisten Makler predigen. Ein Haus kann an Wert verlieren. Niemand kann die Entwicklung am Immobilienmarkt voraussehen. Außerdem sind die Preise für Immobilien seiner Meinung nach derzeit um etwa einhundert Prozent zu hoch für die Einkommen. Früher zahlte eine junge Familie 10 oder 20 Jahre ab, der Rest war ihre „Rendite“. Heute zahlt eine Familie teilweise 30-40 Jahre. Ich selbst habe einige Bekannte, welche hoffen, wenigstens zum Eintritt in das Rentenalter schuldenfrei zu sein. Meiner Meinung nach ist das ein Unding.

    Ich stecke gerne Geld in mein Haus, weil es mir einen persönlichen Mehrwert an Lebensfreude bringt, aber ich sehe es keinesfalls als Renditebringer.

    Weiter sagt Dirk Müller, dass es Statistiken gäbe, wonach Mieter in aller Regel leichter Vermögen aufbauen als Eigenheimbesitzer. Ich kenne solche Statistiken nicht. Ich kann die Aussage aber durchaus nachvollziehen, da ich bei einer eigenen Immobilie zumeist ein Darlehen aufnehmen muss. Ich bin somit damit beschäftigt, meine Schulden abzubezahlen. Das Geld, welches ich übrig habe, stecke ich in Sonderzahlungen. Ich möchte die Schulden ja so schnell wie möglich loswerden. Folglich kann ich niemals ein finanzielles Polster aufbauen um langfristig vom Zinseszins zu profizieren. Es profitiert lediglich die Bank.

    Mein Fazit ist: Vieles was Dirk Müller sagt ist völlig überzogen. Ich stimmte auch in vielen Punkten nicht mit ihm überein. Aber seine Ansicht zur eigenen Immobilie kann ich grundsätzlich gut nachvollziehen.

  16. Mario

    @Tobias

    In der Sache richtig. Wir haben unser Haus in einer Hochzinsphase (7,75% + 1 % Tilgung) innerhalb von 8 Jahren abbezahlt. Dabei haben wir am Anfang auf u. a. auf Urlaube (2 Jahre) verzichtet. Auch andere Güter wurden erst einmal zurückgestellt. Seit dem wir dieses Haus bezahlt haben leben wir „freier“. Natürlich unterzieht man sich hinterher auch Luxus den man sich lieber hätte sparen sollen. Jedoch lebt man nur einmal. Herr Müller schreibt in seinem Buch über die Rendite die man gewinnt(en kann), wenn man in eine Mietwohnung zieht. Ich bin jedoch der Meinung, dass sich die wenigsten Menschen dann Gedanken zu ihrem Geld machen. Der erzieherische Effekt eines Hausbaus ist doch, dass ich mir bei der Finanzierung Gedanken machen muss. Und dieses tun die wenigsten Menschen ohne Hausbau.

    Persönlich denke ich über Geld ganz anders, seit dem ich mich mit der Börse beschäftige. Ich glaube dieser Blog hier würde einigen Menschen gut tun. Danke an den Initiator.

    Gruß Mario

  17. Alex

    Ich möchte noch kurz zur Krtik an Max Otte sagen:

    Im Gegensatz zu Dirk Müller hat dieser einen öffentlichen Fonds laufen in dem jeder sein Erfolg/Misserfolg sehen kann…
    ich finde es da unfair, auf einzelnen Fehlern rumzureiten…

    Dann können wir aber auch gleich Buffett auch für ConocoPhilips belächenln?

  18. Turing

    @Mario
    Du hast die Disziplin aufgebracht und konsequent Kredit getilgt und warst schnell wieder schuldenfrei.

    Meine Menschenkenntnis sagt mir, dass viele nicht bereit sind, das zu tun. Viele hängen der Illusion an, ein Haus zu bauen, ohne sich einzuschränken zu müssen. Ich kennen einen, der herumtönt, wer möchte in spätestens fünf Jahren ein Haus. Trotzdem kaufte er sich einen Mercedes für über 20000 € und macht Pauschalurlaub in der Karibik, in Ägypten und legt dafür über 2000 € auf den Tisch.

  19. tim schaefertim schaefer

    @ Alex

    Weil Du ConocoPhillips ansprichst: Achte auf die Abspaltung von Phillips 66 Ende April, das ist eine riesige Raffinerie. Es ist ratsam solche Spin offs von Töchtern zu berücksichtigen, wenn man sich Charts anschaut. Sonst kann man schnell einen falschen Eindruck erhalten. Auch sind Dividenden zu berücksichtigen, die können ab und an mal „kleine Löcher“ im Kursverlauf hinterlassen.

    Buffett besitzt nun neben seiner ConocoPhillips-Position zusätzlich 27 Millionen Aktien von Phillips 66 mit einem Marktwert von 1,2 Milliarden Dollar.

    Ich habe auch schon solche großen Deals im Chart übersehen und gedacht: Mensch, das ist eine richtige schlechte Aktie. Seitdem passe ich verdammt gut auf.

  20. Chris

    Der Müller ist mir irgendwie auch suspekt.
    Das einzig gute an ihm ist, dass er aus dem Rhein-Neckar-Kreis kommt 😉

    Cheers

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