Was ist das richtige für mich: Indexfonds oder Aktien?


New York, 14. Januar 2013

Ein großes Problem an der Börse sind die vielen Signale, die jeder Anleger erhält. Der eine Analyst sagt „Strong Buy“, der andere „Sell“, ein dritter rät zum „Hold“. Im Endeffekt ist ja der Hobbyanleger völlig überfordert mit den vielen Meldungen.
Hinzu kommt: Wer kann schon Bilanzen verstehen? Wer beschäftigt sich intensiv mit den Qualitätsunternehmen? Wer hat die Zeit und Lust dazu? Für die meisten Hobbybörsianer empfehle ich deshalb, Indexfonds zu kaufen.
Ein weiteres Problem ist, dass die wenigsten ausreichend Geld am Monatsende übrig haben, um es sinnvoll in Aktien anlegen zu können. Die Gehälter steigen in der westlichen Welt kaum noch. Gleichzeitig ziehen die Kosten für die Lebenshaltung an (Miete, Sprit, Versicherungen, Lebensmittel).
Die „New York Times“ beschreibt in einem Artikel, wie der Lohn der Amerikaner seit Jahrzehnten stagniert, während die Gewinne der Unternehmen explodieren.
Wer mehr Geld übrig hat und die Zeit aufbringen möchte, für den lohnt es sich, in das Börsenthema tiefer einzusteigen. Was wichtig ist: Sie müssen in der Lage sein, eine gewisse innere Ruhe zu entwickeln. Denn das Hin und Her bringt nix an der Börse. Wenn Sie sich zu schnell aufregen, zur Nervosität neigen, ist die Börse nichts für Sie. Wenn es zu einer Korrektur kommt, sollten Sie den Mut haben, Aktien zuzukaufen, obwohl um Sie herum Panik herrscht.
Wer vor 30 Jahren einen Standardtitel wie BASF, Kraft, BMW oder Walt Disney erworben hat und das Papier bis zum heutigen Tag gehalten hat, der lacht sich schlapp über die wöchentliche Neueinschätzungen zu diesen Titeln. Die Analysten mitsamt den Banken sind an einer hohen Aktivität der Kunden interessiert. Je mehr die Kunden ihr Depot drehen, desto häufiger fallen Gebühren für die Banken ab. Es ist mal Mal hü, mal hott.
Dabei ist das Investieren an der Börse so, als ob Sie einen Baum pflanzen. Der Baum braucht Zeit, Wasser, Sonne, um zu wachsen. Sie können den Baum nicht ständig versetzen, nur weil es an einer anderen Stelle kurzfristig vielleicht mehr Licht gibt. Das schadet dem Baum mehr, als es ihm nutzt.


tim schaefer (Author)

drucken


Gedanken zu „Was ist das richtige für mich: Indexfonds oder Aktien?

  1. Martin

    Indexfonds können momentan auch steuerlich im Vorteil sein, denn durch Swaps lässt sich der Gewinn durch Dividenden auf Null senken. Dadurch muss keine laufende Abgeltungssteuer bezahlt werden. Wenn jemand also ohnehin nur Standardwerte kaufen möchte, kann das Sinn machen. Allerdings kann dabei der Swappartner pleite gehen und theoretisch auch bei Übersicherung des Swaps ein Verlust für den ETF-Inhaber entstehen. Wenn man z.B. einen DAX swap ETF lange hält, kann die Nachsteuerrendite höher sein als beim Kauf der einzelnen Aktien. Ich habe deshalb einem Freund empfohlen seine aktiven Fonds mit 1,94% TER gegen swap-basierte ETFs z.B. auf den Stoxx600 und MSCI USA zu ersetzen. Die Fonds waren teuerer und haben laufend zu versteuernde Erträge produziert. Auf dieser Basis den Index zu schlagen ist unwahrscheinlich.

  2. Roman

    Inzwischen ist Blackrock einer der größten ausländischen Anteilseigner an deutschen Unternehmen durch die Indexfonds bzw. ETF's geworden… Was ich mich Frage: Wer vertritt von diesen ETF's Aktionärsinteressen auf z.B. Hauptversammlungen? Wenn man stur nach Indexgewichtung verpflichtet ist zu kaufen, ist man auch dann verpflichtet stur nach Indexgewichtung zu verkaufen? Was passiert wenn Gelder aus solchen Fonds wieder abgezogen werden? Für den Privatableger mit 30 Jahren Anlagehorizont mag das durchaus sinnvoll sein, aber mal ehrlich, wer keinen Sturm mit ausgewählten Aktien aushält, der kann das auch nicht mit ETF's. Nur mal so ein Gedanke.. Sicher besser in einen Indexfonds als in einen schlecht aktiv gemanagten Fonds, aber ich glaube aus lange Sicht wird das wieder ein Randthema werden…

  3. Reinhard

    Besser als mit dem Bild des neu gepflanzten Baumes kann man die „Buy and Hold“ Strategie nicht beschreiben.
    Ich gebe eine McDonalds oder eine eon nicht her, nur weil sie mal ein schwächeres Jahr hinlegen, nicht mal eine Nokia, obwohl ich da noch meine Zweifel habe, ob der Turnaround gelingt. Wie schnell sich dass Blatt wenden kann, habe ich bei der SAP gesehen, die jahrelang in meinem Depot vor sich hintümpelte und nun plötzlich durchstartet. Da ich sie lange genug habe, muss ich auf die fast 100 % Kursgewinn noch nicht mal Steuern bezahlen.
    Mich interessieren auch keine ETFs oder Swaps oder Indices. Der DAX hat 2012 fast 30 % gemacht, schön für ihn. Ich habe nicht wenige Aktien mit deutlich zweistelliger Dividendenrendite, weil ich sie seit 20 Jahren halte. Die meisten davon haben ihr ursprüngliches Investment in Form von Dividenden bereits wieder zurückerstattet, d.h. ich halte sie zum Nulltarif. Insofern interessieren mich alle diese Finanzprodukte überhaupt nicht und schon gar nicht das tägliche Auf und Ab.

  4. Markus

    Super Artikel der das Thema kurz und knackig auf den Punkt bringt. Besonders der Vergleich mit dem Baum ist klasse! Leider fehlt vielen Leuten der Mut allgemein in Wertpapiere (sowohl Aktien, als auch Anleihen oder ETFs) einzusteigen. Ich glaube die aktuelle Diskussion über die Beratungspraxis der Banken macht die Sache für die Anleger nicht einfacher.

    Ich sehe selbst in meinem Freundes- & Bekanntenkreis wie Aktien direkt mit dem Spielkasino gleichgestellt werden. Dasselbe gilt für Anleihen. ETFs sind für die meisten Leute auch nur Zauberei und Zockerei. Vielen Leuten hier in Deutschland fehlt es am Grundwissen. Das ist sehr Scahde. Denn langfristig wird das Tagesgeld eher weniger als mehr…

  5. Anna

    M.E. sind die Lottospieler die größeren Spekulanten, aber das erzähl mal denen … Bei Lotto ist doch der Totalverlust viel wahrscheinlicher als beim Aktienkauf.
    VG
    Anna

  6. Markus

    etf oder Einzelaktien? Viele Professoren würden eher zu den etf`s tendieren. Aber viele indexler wollen früher oder später auch wieder Einzelaktien bzw. Unternehmen, mit denen Sie sich wieder etwas mehr identifizieren können. Die Gefahr bei Aktien sehe ich teilweise in strukturlosen Depots, wo sich dann immer wieder die heißen Tipps einschleichen. Ein Aktiendepot mit 7 – 15 Werten ist sicher auch schon ausreichend gestreut über Branchen und Länder. Das ganze hängt natürlich von mehreren Faktoren ab: Wie viel Zeit will ich mich mit Aktien beschäftigen? Wie hoch ist das Anlage-Volumen? Bin ich eher ein fauler Investor oder ein Value Investor, der bereit ist viele Geschäftsberichte zu lesen? Bringe ich eine ordentliche Streuung der Asset Allokation zu Stande bzw. traue ich mir fachmännisch eine starke Übergewichtung von einzelnen Themen zu? Glaube ich an Buy and hold oder befinde ich mich in der Trader-Phase? Ich denke bei großen Blue Chips wird kein signifikanter Unterschied zu einem msci world rauskommen. Klar kann man sagen, dass man die Kröten wie die Telekom draußen lässt, aber man verpasst auch die apple`s und samsungs… Langfristig nach Siegel waren ja nicht zyklischer Konsum, Pharma und Öl besser als der Gesamtmarkt. Wobei wir schon wieder bald beim Thema der nicht einschätzbaren Zukunft wieder wären…;-) Ein strukturiertes etf-portfolio und ein paar Liebhaberaktien ist mein persönliches Wohlfühldepot. Das ist mit einer der wichtigsten Punkte, dass man damit ruhig schlafen kann und das auch über Dekaden durchziehen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

bitte lösen Sie diese einfache Aufgabe (Spamschutz) *