SEC: Die Versager-Behörde


New York, 15. Dezember 2008

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Auf ganzer Linie versagte die Monsterbehörde SEC. SEC – die drei Buchstaben stehen für U.S. Securities and Exchange Commission. Gegründet wurde das Aufsichtsamt nach der Großen Depression 1934. Die Aufgabe: Den Börsenmarkt und die Akteure überwachen. Eigentlich hätte die 3.800 Mitarbeiter zählende Behörde die gigantische Verschuldung der Banken verhindern müssen und die Gefahren sehen müssen. Nichts passierte. Finanzdienstleister geraten nun reihenweise in Turbulenzen.
Jetzt kam heraus, dass der New Yorker Fondsmanager Bernard L. Madoff (Foto) Anleger um 50 Milliarden Dollar erleichtert hat. Es handelt sich um einen der größten Betrugsfälle an der Wall Street. Die SEC hatte mal wieder Tomaten auf den Augen. Kritische Investoren wiesen schon vor vielen Jahren die SEC auf Missstände hin. Passiert ist nichts. Allein die spanische Banco Santander hat drei Milliarden Dollar bei dem Fondsmanager im Feuer. Die Liste der Geschädigten ist lang: BNP Paribas, HSBC, die Schweizer Bank Reichmuth und viele andere. Etliche prominente Milliardäre sind darunter. Ein Wahnsinn, dass die SEC diesen Betrug nicht verhinderte. Nun griffen die beiden Söhne des 70-jährigen Hedgefondsmanagers ein und warnten die Behörde unter Hochdruck, dass hier ein Betrugsfall vor sich geht. Madoff wanderte nun ins Gefängnis. Problem der SEC ist, dass die Mitarbeiter in die Finanzindustrie abwandern. Sie heuern bei Anwaltskanzleien, Banken, Versicherungen oder Investoren an. Es ist ein verkrustetes System. Der Betrüger war einst Chef der Technologiebörse NASDAQ. Das sagt alles.
Jahrelang operierte Madoff ungeniert. Es handelte sich um ein Schneeballsystem. Das frisch zufließende Anlagegeld nutzte er, um Investoren auszuzahlen, die ihre Anteile verkauften. Er schüttete hohe Zinsen aus. Als aber die Zahl derer wuchs, die aussteigen wollten, brach das Kartenhaus zusammen. Madoff war clever. Das ein oder andere Mal lehnte er auch frisches Geld ab, das löste ein noch stärkeres Interesse aus. Viele seiner Kunden waren indes vorsichtig. Oftmals investierten neue Kunden einen kleinen Betrag ihres Vermögens und zogen nach einigen Monaten einen Teil wieder ab, um zu prüfen, ob der Fonds auch funktionierte. Weil die Auszahlung anstandslos über die Bühne ging, nahm das Vertrauen zu. Immer mehr Geld floss in die Taschen des Betrügers. Hier können Sie sich einen CNBC-Fersehbericht zu dem Fall auf Youtube ansehen.


tim schaefer (Author)

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