Jetzt die Gewinne mitnehmen? Nein!


New York, 16. April 2015
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So sah die New Yorker Börse NYSE am 15. April 2015 aus. Ich wunderte mich schon über den Anblick: Es klebte ein riesiges Plakat „Party City“ an den Säulen, was ein Hinweis auf den Börsengang des Unternehmens ist. Die Börse ist in der Tat wie eine riesige Party, die Sie nicht vorzeitig verlassen sollten. Jedenfalls auf Sicht von Jahrzehnten besteht Grund zum Feiern.

Nachdem die Börse von Rekord zu Rekord läuft, stellen sich immer mehr Anleger die Frage: „Soll ich jetzt meine Gewinne mitnehmen?“ Es gibt ja das Sprichwort: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben.“ Das mag zwar im wahrsten Sinne des Wortes stimmen. Aber bei genauer Betrachtung stimmt es eben nicht. Seien Sie mit Gewinnmitnahmen nicht vorschnell. Das Problem ist hier das Timing. Und das bekommt niemand perfekt hin.

Es besteht ja ein vielschichtiges Problem. Wann soll ich verkaufen? Was tue ich mit dem Erlös in der Zwischenzeit? Wann steige ich wieder ein? In welchen Aktientitel/Produkt steige ich ein? Was ist mit der Steuer? Kann ich eine wichtige Dividendenzahlung bzw. einen Spin-off verpassen? Kann ich gar eine Übernahme verpassen? Kann ich die besten Börsentage des Jahres versäumen? Was ist, wenn die Börse weiter steigt, nachdem ich raus bin?

Bei jedem Punkt können Ihnen Fehler unterlaufen. Und weil es so viele Fragen sind, ist die Gefahr, gleich mehrere Fehler zu machen, groß.

Ich halte meine Wertpapiere langfristig. Ich beteilige mich nicht am Spielkasino. Das Hin und Her bringt nichts. Die Börse steigt langfristig. Es liegt am Wohlstandsgewinn. Natürlich werden die Kurse irgendwann beben. Nur weiß niemand, wann das passieren wird.

Das Kaufen und Liegenlassen ist dem Trading überlegen. Darauf weisen Studien hin. Und Warren Buffett ist das beste Beispiel dafür, dass sich Geduld fürstlich auszahlt.

Nehmen Sie den letzten Crash. Am besten haben doch im Endeffekt Langfristanleger abgeschnitten, die stetig zugekauft haben. Einfach durchhalten. Selbst wenn es zwischenzeitlich volatil und hysterisch zugeht. Das ständige Kaufen und Verkaufen bringt nichts.

Ich beteilige mich jedenfalls nicht am Spielkasino. Ja, ich gehe einmal ins Kasino hinein, wenn ich Aktien kaufe. Aber danach verlasse ich schnell das Parkett und halte Ewigkeiten an den Wertpapieren fest. Ich freue mich in den Jahrzehnten danach auf die Dividenden. Hier ist übrigens ein schöner Leitfaden einer Fondsfirma (PDF), der die Vorteile des langfristigen Dividenden-Abkassierens beschreibt (auf Seite 4 in der Grafik unten).

Werden Sie am besten ein Hoarder von Dividendenaktien. Einmal kaufen – und nie mehr hergeben. Eher noch mehr kaufen.

Warum Sie damit vermutlich gut abschneiden werden? Die Vergangenheit lehrt uns, dass es am besten ist auf dem Hosenboden sitzen zu bleiben. Die Börse ist einfach eine Rekordmaschine. Sie übersteht Krisen, Kriege, Katastrophen. Ständig kommen neue Booms, die das Barometer auf neue Bestmarken heben.

1914 stand der Dow-Jones-Index bei 71 Punkten. Heute steht er bei 18.000. Es gibt keine bessere Anlagemöglichkeit für Ihr Geld. Bislang ist mir jedenfalls nichts Besseres über den Weg gelaufen.


tim schaefer (Author)

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Gedanken zu „Jetzt die Gewinne mitnehmen? Nein!

  1. Stefan

    Nur Tim,

     

    Benjamin Graham lehrt, dass man bei z.b. deutlicher Überschreitung des Inneren Wertes schon verkaufen sollte. Buffett sagt selber, dass er nur die Aktien u.a. solange hält, weil er zu groß geworden ist. Wäre sein Vermögen geringer, würde er weiter nach dem Grahamschen Prinzip vorgehen und „billig kaufen und teuer verkaufen“.

     

    Gerade, wenn man viele Zykliker hat, muss man irgendwann verkaufen. Und der Zeitpunkt ist dann günstig, wenn der Aktienmarkt stark überbewertet ist bzw. sich eine große Blase gebildet hat oder wenn der Friseur oder Taxifahrer plötzlich Aktien kaufen, die sich sonst damit nicht beschäftigen würden.

     

    eKostolany spricht von den „Zittrigen“, die dann den Markt für sich entdecken!

  2. Thomas D. S.

    Hier mal drei Zitate, die mir spontan dazu einfallen.

    „Wer die Aktie nicht hat wenn sie fällt, hat sie auch nicht wenn sie steigt“. (Warren Buffett)

    „Am wichtigsten ist, dass sie die richtigen Aktien haben, wenn der Markt steigt. Der größte Teil der Investmenterträge fällt in kurzen Zeiträu-men an und es ist so gut wie unmöglich, diese vorherzusagen und Aktienkäufe danach auszurichten“. (Christopher H. Browne)

    „Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich durch den Keller zu fahren. Man muss nur die Nerven behalten“. (John Kenneth Galbraith)

    Gute Kurse,

    Thomas

  3. Thomas D. S.

    Hier noch mal drei Zitate aus meiner Sammlung. Diese Weisheiten sollte man sich gelegentlich durchlesen. Das hilft, in unsicheren Marktphasen Fehler zu vermeiden.

    „Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht“. (Werner v. Siemens)

    „Die Börse dient als Umverteilungszentrum, in dem das Geld von den Aktiven zu den Geduldigen wechselt“. (Warren Buffett)

    „Wenn jemand eine gute Aktie hat, wäre er verrückt, wenn er nur wegen eines Kursrückschlags verkaufen würde“. (Warren Buffett)

    Thomas

  4. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Stefan

    Warren Buffett sagt: „Du kannst an der Börse nicht rein- und raustanzen.“ Er ist der beste Anleger aller Zeiten. Einer der reichsten Menschen. Ich denke, der weiß, wovon er spricht.

    Das passiert, wenn Du grandiose Unternehmen besitzt und deren Dividenden reinvestierst:

    http://dgmachine.blogspot.com/p/strategy_05.html

    Es ist wie ein Schneeball, der zur Lawine wird.

     

    @ Thomas D.S.

    Vielen Dank! Das sind exzellente Zitate. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  5. David A.

    Hey Tim,

    in letzter Zeit lese ich immer wieder das Buy and Hold heutzutage nicht mehr funktioniert.

    Ich kann nur nicht nachvollziehen, wieso eigentlich nicht, jemand eine mögliche Erklärung?

    Gruß David

     

  6. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ David A.

    Das Spielkasino verdient natürlich mehr Geld, wenn viele Spieler kommen.

    Und suchen wir den Fehler bei uns selbst: Wir haben sehr viele Ängste + Sorgen, wenn es um die Zukunft geht. Wir haben Angst um unseren Job, unser Geld, unsere Gesundheit, Familie…

    Sind wir aber Optimisten, sieht es besser aus.

    Schau Dir nur mal einen Klassiker wie Colgate-Palmolive an. 4.400 Prozent seit Januar 1977. Ist doch ein schöner Chart:

    http://finance.yahoo.com/echarts?s=CL+Interactive#%7B%22range%22%3A%22max%22%2C%22scale%22%3A%22linear%22%2C%22comparisons%22%3A%7B%22%5EDJI%22%3A%7B%22color%22%3A%22%23cc0000%22%2C%22weight%22%3A1%7D%7D%7D

    Oder ein zyklisches Unternehmen wie der Baumaschinenhersteller Caterpillar. Seit Januar 1962 gings rauf um 4.900 Prozent:

    http://finance.yahoo.com/echarts?s=CAT+Interactive#%7B%22range%22%3A%22max%22%2C%22scale%22%3A%22linear%22%2C%22comparisons%22%3A%7B%22%5EDJI%22%3A%7B%22color%22%3A%22%23cc0000%22%2C%22weight%22%3A1%7D%7D%7D

    Was hätte das Traden beider Aktien in all den Jahren an Mehrwert gebracht?

  7. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Thomas, es lassen sich zu allen Standpunkten wohlfeile Zitate finden. Jeder sollte seinen eigenen Kopf benutzen, auch wenn es schwer fällt mitunter. Und dann lieber zu Fehlentscheidungen stehen, aber was gelernt haben. Das ist besser, als Gurus nachzulaufen. Man erhält ja alle Infos immer erst mit riesiger Verzögerung, wenn einem das nichts mehr nützt. Wenn ich mir überlege, wer wegen Buffett Exxon gekauft hat, obwohl Buffett die schon längst verkauft hat, ohne dass man es bis zum Quartalsbericht wusste.  Ist doch frustrierend. Wenn man sie aus eigener Entscheidung will, ist es ja ok.

    @Tim, das beste wäre doch, Buffett würde sich selbst an diese Weisheiten halten, oder?

    So wie das oft kolportiert wird, müsste man meinen, bei BRK dürften die Worte „sell“ und „reduce“ nicht vorkommen: Buy/Sell Activity Warren Buffett – Berkshire Hathaway. Und sein Privatportfolio können wir ja nicht einsehen.

    Ich bin ja auch der Meinung, dass man prinzipiell bei Standardwerten mit Halten auf Dauer nicht verkehrt ist. Ich würde das aber nie zum Dogma erheben. Und das ist halt nur für Leute gut, die sich nicht als Hobby mit der Börse beschäftigen wollen, und die Anlegerei eher als notwendiges Übel betrachten. Ich persönlich habe Spaß daran. Ich schaue auch sehr oft ins Depot. Einfach, weil auch ständig irgendwelche Meldungen kommen. Gestern z.B. ob ich Cash oder Stockdividende bei Santander haben will usw.usf.

    Mir macht das einfach Spaß. Ein Klick auf die APP, und ich sehe den Stand, kann aktiv werden und mich freuen an dem Blick auf das was an Dividenden in den nächsten Tagen zu erwarten ist. 😉

    Es geht auch nicht um Verkaufen nach einem Absacker, sondern vorher. Und dann lieber weitere 10% nicht mitmachen und warten bis man vielleicht 30% unter dem Verkaufskurs zurück kauft.

    Wer natürlich wirklich erst verkauft nachdem es gefallen ist, dem ist nicht zu helfen.

    Beste Grüße

    MS

     

  8. Gert / trading-options.deGert / trading-options.de

    Wenn man die Biografie über Warren Buffett liest, erfährt man, dass er immer wieder Beteiligungen verkauft hat und das auch bis heute noch tut. So hat er doch vor einigen Monaten seine Ölbeteiligungen abgestoßen. Wenn sich die Dinge (=Unternehmenerfolge) ändern, muss sich auch der Blick auf das Unternehmen ändern.

    Den großen Fehler, den sehr viele machen, ist der, der Angst und Gier zu folgen und nicht der Entwicklung der Unternehmen, bzw. der Wirtschaft insgesamt. Für diese Leute ist es wahrscheinlich besser, dauerhaft im Markt zu bleiben, damit sie keinen allzu großen Unfug machen. Aber das geht wesentlich besser.

  9. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Gert,

    „Eine technische Frage: Wie bekommt ein Foto hier rein, so wie es bei Matthias und Tim der Fall ist?“

    einfach auf Registrieren (der Link rechts am Rand) gehen. Dort kannst Du ein Profilbild hinterlegen.

    MS

  10. Fruchtwein

    Mir ist im Moment nicht klar, wieviel es noch steigen könnte. Ich meine, wer weiß, was die Idioten in der Politik morgen wieder verzapfen, so dass noch mehr Kapitalflucht stattfindet. Die perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkte gibt es nur mit Glück oder hinterher auf dem Papier a la „Hätte ich doch mal…“

    Auch könnte morgen der Grexit bekannt gegeben werden und wir fallen mal einfach so um 35% nach unten. Who knows?

    Daher bleibe ich investiert, aber ich kann Matthias verstehen, ich gucke auch nur zu gerne ins Depot. Vor allem wenn Dividenden anstehen 🙂 Ein schönes Gefühl eben.

  11. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Fruchtwein,

    ich muss neben meinen kritischen Anmerkungen immer mal wieder klarstellen, dass ich prinzipiell ja auch viel lieber halte und ständig investiert bin. Aber ich finde es übertrieben, wenn man denkt, dass man ohne jedes Verkaufen am besten fährt. Niemand hat dermaßen viel Zeithorizont. Und dann muss die Aktie an sich ja auch noch überleben. Die paar wahnsinnigen Beispiele sind ja nur die, die es eben geschafft haben. Die Leichen sieht keiner mehr, und wer glaubt denn, dass er nur die Gewinner über Jahrzehnte „gezogen“ hätte? Bei mir kommen Verkäufe wirklich nicht so oft vor, wie man vielleicht den Eindruck gewinnt. Ich liebe diese Opa-Strategie, mit ein paar Dividenden glücklich zu werden. Nur ganz wenig und selten spekuliere ich mal mit KOs oder verdroschenen Aktien wie derzeit Petrobras. Bei der habe ich trotz heutigen Rückschlags immer noch 60% in 5 Wochen jetzt. Ich habe mir 100% Kursziel gesetzt. Ich nehme jetzt nicht die 60% mit, nur weil es wieder rückwärts geht. Wenn sie wieder abtaucht, dann behalte ich sie einfach. Bei 100% wird sie verkauft, dann ist mir es egal, wenn sie noch einmal 100% macht ohne mich. Ich bin dann in einer anderen, die gerade am Boden ist. Mein Problem ist, dass ich eben, gerade weil ich nie viel Cash horte, Gelegenheiten auslassen muss. Ich hätte so gern zu Petrobras auch z.B. noch SID (Companhia Siderurgica Nacional) zu 1,60$ genommen, u.a. Jetzt läuft sie mir schon davon.

    @Gert / trading-options.de,

    das ist ja ein professionelles Treiben bei Dir. Alle Achtung. Finde ich prima, auch wenn zu anstrengend für mich. Auch bin ich da zu wenig drin in der Materie. Kann es prinzipiell deuten, natürlich, aber ist mir zu professionell. Aber wenn ich finanziell den Rücken etwas freier bekommen sollte in paar Jahren, dann kann ich mir durchaus vorstellen, mich mit diesen Feinheiten auch noch zu beschäftigen. 😉 Ganz primitiv mal eine Option auf 100 Stück US-Aktien im US-Handel (Call oder Put) habe ich natürlich auch schon gehabt. Aber die covered call etc. Strategien überlasse ich „meinen“ CEF-Managern (bei Columbia Threadneedle z.B.) 😉

    Grüßle

    MS

  12. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Danke für Deine freundliche Foto-Hilfe.

    Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, ob er/sie glücklich mit dem Trading wird.

    Mit Blick auf die Pleite-Fälle, die im Depot landen können: Ja, das kann passieren. Aber:

    Es gibt diesen Fonds, der ist vor 80 Jahren aufgelegt worden ist. Seither hat der Fonds nichts mehr verändert. Er hat reines Buy and Hold betrieben. Und alle im Staub zurückgelassen. Insolvenzen waren auch drunter. Bei einer ausreichenden Streuung ist das nicht schlimm, wie sich zeigt:

    http://www.reuters.com/article/2015/02/27/voya-longterm-funds-idUSL5N0VY58B20150227

  13. Gert / trading-options.deGert / trading-options.de

    @ Matthias

    Danke für die Blumen.

    Aber so professionell finde ich das jetzt noch nicht, ich mache immer noch viele Fehler. Aber das Anlegen und Spekulieren ist schon lange meine Leidenschaft.

    ABER VOR ALLEM will ich jedem davon abraten, sich mal eben so in die Welt der Optionen zu stürzen, die es mir so angetan hat. Das kann fürchterlich nach hinten losgehen, weil die Risiken, die man eingeht und die vielen Fehler, die man begehen kann, einem am Anfang nicht so klar sind. Wer es versuchen will, ohne bisher Erfahrung zu haben, sollte sich reichlich Wissen anlesen und dann eine ganze Weile nur Paper Trading betrieben. Auch die Auswahl eines guten und günstigen Brokers ist sehr wichtig. Wer dazu was wissen will, kann mich anschreiben. Ich möchte damit den Blog hier, der ein anderes Thema hat, nicht zu müllen.

  14. Pit

    Hey ich habe auch ein Zitat – das mir dazu einfällt.

    Bernard Baruch Finanzfachmann in der ersten Hälfte des 20. JH

    „Das Geheimnis meines Erfolges? Ich habe immer zu früh verkauft!“

  15. Jan

    Hallo Tim,

     

    ich bin ganz deiner Meinung, das viele hin und her bringt nichts. Trotzdem kann ich im Moment nur warnen. Die letzten Jahre sind so gut gelaufen, dass viele Anleger gar nicht wissen wie es ist, wenn es dann doch einmal runter geht. Hier sollte sich zumindest jeder einmal selbst hintergragen wie viel Risiko er tragen kann. Wie würde man agieren wenn das Depot  plötzlich 60% verliert, bei einem sechsstelligen Depot sind einige vielleicht nicht mehr so cool. Hier amcht es Sinn einfach die Aktienquote ein bisschen anzupassen.

     

    VG Jan

  16. willihope

    Also ich habe heute einen großen Teil verkauft, fast alles mit Hebel ist weg.

    Die letzte Woche hat von meinen 32% Gewinn doch wieder 10% gefressen, ich wollte nicht alles verlieren. Bin ja noch ohne Hebel investiert und ausserdem ziehe ich ja gerade die Depots um, in 13 Tagen wäre sowieso alles zu verkaufen gewesen.

     

    Sobald das Geld am neuen Konto ist kaufe ich wieder neu, diesmal jedoch ohne Hebel.

     

    Happy investing everbody! 🙂

     

     

  17. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Jan

    Das muss jeder selbst wissen.

    Ich sehe es so: Mein Aktiendepot ist meine Altersvorsorge. Ich spiele damit nicht herum. Meine Aktien sind Langfrist-Investments. Ich betrachte sie wie Immobilien. Für Dekaden sind sie für mich da.

  18. Valentino

    Ich denke es macht absolut Sinn, dem normalen Anleger eine langfristige Geldanlage mit soliden internationalen Firmen zu empfehlen.

    Warum?

    1. Der damit verbundene Erziehungseffekt. Ein Privatanleger, der weiß, dass er seine Aktien langfristig halten wird, muss nicht täglich ins Depot schauen und bleibt auch in Krisen gelassener. Darüber kostet das Hin und Her natürlich auch Rendite und führt wie oben beschrieben zu Fehlern und Unsicherheiten in der Geldanlage.

    2. Warren Buffett berechnet für seine Firmenbeteiligungen einen (subjektiven) inneren bzw. fairen Wert. Dieser Mann weiß wahrscheinlich wie kein anderer, wann eine Aktie überwertet ist und wann nicht. Der durchschnittliche Anleger weiß aber gar nicht, wann eine Aktie überbewertet ist.  Es wird auf den Chart geschaut, einzelne Kennzahlen wie das KGV herangezogen oder aus dem Bauch heraus ge- und verkauft. Da diese subjektiven Analysen allerdings sehr fehleranfällig sind, macht es wiederum Sinn, als Anleger auf den langfristig erfolgsversprechenden Zug „Buy and Hold“ aufzusteigen.

    ABER:

    Wenn ich hingegen wie Warren Buffett relativ gut einen inneren Wert berechnen kann, dann wäre es hingegen nicht ratsam, einfach nur die Aktien zu halten. Vielmehr sollten von Zeit zu Zeit die eigenen Berechnungen mit den Unternehmenszahlen und dem Kursniveau verglichen werden. Wenn sich die Kurse dann deutlich über dem inneren Wert bewegen, ist ein Verkauf ggf. empfehlenswert und kann zu einem extraschuss Rendite beitragen. Das ist aber ein Vorgehen für Experten – der normale Investor ist mit Buy and Hold, bspw. in Blue Chips, sehr gut beraten!

  19. wirtschaftswaisewirtschaftswaise

    Ich habe über ein Jahr gebraucht, bis ich (dann aber immerhin von selbst) verstanden habe, dass das Aktiendepot kein Futternapf ist, den man jetzt füllt und ab dem Rentenalter wieder leerfrisst. Ich betrachte es jetzt eher als ein Konstrukt, dass der stetigen und langsam steigenden Geldproduktion dient. Daher kommt verkaufen eigentlich nicht in Frage.

    Gestern las ich an anderer Stelle einen kritischen Blogeintrag zu Dividendenstrategien.

    Kurzfassung der dortigen Argumentation:

    In der „Ansparphase“ des Depots sollte man eher auf Dividendenaktien verzichten und fast komplett auf Wachstumswerte setzen
    Hintergrund: Wachstumswerte wachsen im Schnitt (teilweise deutlich) schneller als Dividendenaktien (Kursanstieg + Dividende). Dazu kommen bei Dividendenaktien schon in der Ansparphase zu zahlende Steuern
    Empfehlung dort: erst bei Eintritt ins Rentenalter auf Dividendenaktien umschichten

    Ich kann mich damit nicht anfreunden. Die Beispielberechnungen in Excel waren stark idealisiert und echte Dividenden- und Kursverläufe über Jahrzehnte nachzuvollziehen ist sehr aufwendig. Mir macht es sehr viel Spaß, die Dividenden eintrudeln zu sehen und sie kontinuierlich zu reinvestieren.

    Wie seht ihr das?

  20. Fruchtwein

    @wirtschaftswaise

    Ich sehe es so wie Du. Ich habe jetzt lieber den Cashflow als erst mit 70 Jahren.

    Natürlich ist das von verschiedenen Faktoren abhängig. Das eigene Alter, die monatliche Sparrate und so weiter. Bin ich lebensälter und kann „nur“ 500,- EUR im Monat weglegen muss ich sehr aggressiv in den Markt gehen und kann fast nur noch auf Wachstumswerte setzen. Wobei natürlich auch Dividendenaktien Wachstumswerte sein können.

    Wie gesagt ich will den Cashflow und zwar ab den ersten Tag. Vor allem verpasse ich dann bei starken Dividend Growth Werten die Steigerung der Dividenden. Hier kann ich nur auf die Coca Cola Aktien von Buffett verweisen – dort ist der Yield on Cost bei irgendetwas um die 40% pA. Und wann hat er gekauft? Ich glaube irgendwann in den 80ern. Bin zu faul jetzt nach den genauen Werten zu googlen.

    Ich denke aber, es ist klar, was ich damit sagen will.

    @Matthias Schneider

    Klar, unser Anlagehorizont wird durch den Tod begrenzt. Außerdem will man ja irgendwann auch von den Früchten seiner Bemühungen naschen. Wobei auch hier gilt, im Besten Fall haben noch die Ururenkel was vom Portfolio.

    Mir fällt es halt nur schwer extreme Übertreibung zu erkennen. Natürlich fehlt mir auch noch die Erfahrung, aber im Moment scheint alles teuer zu sein. Bloß ist es schon zu teuer oder werden wir noch mal 30% nach oben gehen? Ich möchte ungerne an der Seitenlinie stehen, vor allem mit viel Cash. Auf der anderen Seite habe ich Angst zuviel zu bezahlen und dann in der Korrektur mit starken Einbrüchen (weil ja eh schon überteuert gekauft) leben zu müssen. Klar, in der Theorie kaufe ich soviel nach, dass damit der Einstandskurs glattgezogen wird, aber in der Praxis? So eine Situation habe ich noch nicht erlebt und kann daher nur hoffen, dass ich planmäßig reagiere und nicht emotional werde.

  21. Markus

    @wirtschaftswaise

    Ich würde Dividenden-Aktien nicht übergewichten, aber sie auch nicht komplett vernachlässigen.

    Aber jeder soll seine eigene Strategie finden, die er auch durchhalten kann.

    Ich finde das Thema „Dividende“ ist zu stark overhyped.

    Trotzdem wird unbewusst nach Unternehmen mit stärkerem Cashflow gesiebt, was dann unbewusst gar keine so üble Strategie ist.

     

     

  22. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Wirtschaftswaise,

    ich sehe es auch wie Du. Natürlich wäre es theoretisch super, wenn es so laufen würde wie beschrieben. Aber es ist eben nur Theorie. In der Praxis geht es immer anders als man denkt. Hoffnungswerte gehen pleite, andere werden unerwartet die Knaller im Depot. Ich habe in meinem Alter einfach lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.

    Auch würde es mich viel mehr schmerzen, wenn ich eine hohe Summe auf einmal versteuern würde, und vielleicht -zig Tausende an Steuern am Stück abdrücken müsste. Dann ist es mir viel lieber, wenn ich immer kleine Beträge auf Dividenden und Gewinne zahle.

    @Markus,

    ja, Dividenden sind overhyped derzeit als Thema. Die „neuen Zinsen“ usw. Aber wenn man Income-Investor ist, dann ist man halt so gepolt. Jeder Inhaber einer GmbH etc. zieht sein Einkommen aus dem Geschäftsumsatz. Bei der AG will ich mit meinem Anteil auch beteiligt werden. Wenn man jung ist, würde man sich vielleicht als Mitgründer oder Angestellter eines „Startup“ auf Gehalt verzichten, weil man die Bude voran bringen will, und es „anschreiben“ lässt solange. Aber ich habe keine Lust, kein Vertrauen und keine Zeit auf blumige Wachstums-Versprechungen zu vertrauen (Netflix erfreut diese Investoren jetzt, aber was wird in paar Jahren sein-> wie „Blockbuster“ Videotheken?). Wenn man als Angestellter einer normalen Firma bei Androhung der Pleite auf sein Gehalt verzichtet, dann muss man evtl. mit einer Anzeige wegen Beihilfe zur Insolvenzverschleppung rechnen. Als kleiner Teilhaber einer AG bringe ich zwar keine Leistung, die eine Auszahlung rechtfertigt, aber ohne Gewinnbeteiligung ist das halt einfach totes Kapital.

    @Fruchtwein,

    ja, wer weiß schon was kommt. Meine Befürchtung ist, dass Wachstum in den traditionellen Branchen kaum mehr möglich ist. Gestern erst Einbruch bei GE. Gewinne werden nur noch über Lohndumping, Entlassungen usw. gemacht. Man kann einfach immer nur ständig neu überlegen, was man gerade als richtig empfindet. Das Geld muss unter, keine Frage, Irgend etwas wird sich immer finden.

    Schönes Wochenende

    MS

     

  23. Markus

    @Matthias

    Deswegen meinte ich, dass jeder seine passende Strategie finden muss.

    Unterschiedliche Zeithorizonte, unterschiedliche Lebens- und Spar-Bedingungen und viele weitere Aspekte mehr (Risiko-Toleranz etc).

    Income-Investor… bei unterschiedlichen assets (Aktien,Renten,Reits,Rohstoffe, Festverzinsliche etc.) kann man in einer Entspar-Phase auch kleine Rebalancing-Verkäufe durchführen (für den Lebensunterhalt)… außer dass ist dann auch schon zu viel Arbeit und Mühe für den Privatier…

    Ich sehe bei den ganzen Dividenen-Junkies die Gefahr, dass die Ausschüttungen nicht wieder mechanisch angelegt werden. (Zusätzlich Steuer & Kosten-Nachteile)

    Ob die Disziplin beim Reinvestieren für den jungen Investor über Jahrzehnte da ist, muss sich erst noch zeigen. Ich bezweifle es bei der Mehrzahl.

    Die Vorteile von Thesaurierungen/Drips egal ob jetzt bei einzelnen Aktien (Berkshire etc.) oder etf`s sind für Investoren, die auf die 2. Süßigkeit warten können, größer als die Nachteile.

    Konservative Liquiditätsplanung ist bei beiden Varianten eine Voraussetzung.

  24. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Markus,

    Zustimmung, die Einnahmen gehören natürlich reinvestiert zum Aufbau. Verjuxen kann man sie nur, wenn sie so viel monatlich abwerfen, dass man sein komplettes Leben damit unterhalten könnte. Das wird bei mir nicht passieren. Als Rentner werde ich sie dann schon entnehmen, um damit die Rente aufzubessern. Ich will später mein Depot nicht verfrühstücken, kann schon Erbmasse werden. Aber ich will halt ein Zusatzeinkommen.

    Nachtrag noch zu meiner Befürchtung, dass wir schon eher auf einer Abstiegsphase für die nächsten Jahre sind. Der (etwas lautstarke) Jim Cramer brachte gerade die Meldung; „Boom? How about BUST! Bankruptcies Suddenly Soar Across Corporate America, Worst First Quarter Since 2009“.

    Witzig, dass die im gleichen Artikel angesprochene Buffett-Regel 1. „Look for Businesses with Long Corporate Histories“, auch nur bedingt gilt, da eine der Pleiten des bisherigen Jahres 2015 die Traditionsfirma „Radioshack“ ist, der Elektrohändler ist zwar nicht mit Riesenbuden vergleichbar, aber traditionsreich trotzdem. Das hätte mich durchaus treffen können. Bei der habe ich mir auch vor einiger Zeit eine Spekulation überlegt. Zum Glück sein gelassen. Für den Laien ist die Gefahr, statt eines „unterbewerteten“, am Boden liegenden Unternehmen ins Klo zu greifen, sehr groß. Bei „Barnes & Noble“ stand es wohl auch auf der Kippe, haben sich aber wieder gefangen, wie es scheint. Einfach stur regelmäßig in ETFs zu investieren, das hat schon was.

    MS

     

  25. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Devisen 19. April | Pipsologie

  26. AlexanderAlexander

    Letztendlich ist alles eine Frage des Wohlfühlens. Ich bin mit meinen Dinosauriern durchaus zufrieden und werde wegen etwas Überbewertung nicht verkaufen. Eine richtige Blase im Vorfeld zu erkennen ist sehr schwierig, aber wenn man sich zurücklehnt und mit gesundem Menschen (Anleger-)verstand sich die Sache anschaut, dann klappt das schon. Extreme Überbewertungen wie am Neuen Markt um die Jahrtausendwende kann man mit etwas Erfahrung erkennen. Dann würde ich auch meine Beteiligungen verkaufen und einen Zusammenbruch abwarten. Damals notierte eine Telekom mit einem KGV von 100, MüRü stand über 300 € usw. Solche Extreme kommen wahrscheinlich nur alle Jahrzehnte vor. Auch wenn der eine oder andere Wert aktuell teuer ist, sehe ich noch keine maßlose Überbewertung. Daher behalte ich meine Dividendenaktien und freue mich über jede Zahlung.

    Meine Möglichkeiten „reich zu werden“ durch die Börse halten sich in Grenzen. Ich bin zwar die letzten Jahren unterm Strich gut gefahren, aber zum mehrfachen Millionär hat es nicht gelangt. Also realistische Selbsteinschätzung: Arbeiten bis zur Rente und mit den Dividenden die Rente aufstocken, um ein komfortables Leben im „Alter“ führen zu können. Vielleicht etwas eher in den Ruhestand? 1.000 €/Monat zusätzlich können einem das Leben schon versüßen und die schaffe ich mit Buy&Hold, davon bin ich überzeugt. Dann ist eben mit 63 Feierabend und nicht erst mit 67.

  27. Börsenfuzzi

    Draghi druckt bis der Arzt kommt. Laut seinen Aussagen bei der letzten PK sogar unabhängig vom Erreichen der (offiziellen) Ziele. Während des QE-Programms wird es nicht zum Crash kommen.

    Ein Rücksetzer von 10-15% ist stinknormal und passiert normalerweise (ohne durch Notenbank manipulierte Märkte) 1-2 mal pro Jahr.

    2015 & 2016 ist für mich jeder kräftige Rücksetzer eine Nachkaufgelegenheit. „Buy the dip“ hiess das während des US-QE-Programms.

    Eine MüRü schüttet in der kommenden Woche 7,75 Euro pro Anteil aus. Das macht Freude, wenn man den Wert schon eine Weile hat.

    Zu den o.g. Kommentaren fällt mir noch ein, dass man 1.) Als Privatmann nicht immer investiert sein MUSS & 2.) Sein Cash auch scheibchenweise Anlegen kann. Was ist gerade günstig? Das kaufe ich mit einem Teil. Dann warte ich. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Oder eben über ETFs, wer das mag & dann Rebalancing.

    Sollte der Dax unter 10.000 fallen, gehe ich „All In“. Halte ich aber aktuell für unrealistisch.

    Euch allen eine schöne Börsenwoche und ein glückliches Händchen!

  28. Hans Wurst

    @Börsenfuzzi

     

    Das ist auch meine Meinung. Jeder erwartet jetzt den Crash….das allein schon ist für mich ein Antiindikator…..der Crash wird irgendwann kommen aber nicht wenn  alle diesen erwarten…..Für mich persönlich gilt die Devise. Nie Cash….alles investieren und die Dividende Reinvestieren. Vom „normalen“ Gehalt leben und immer cool bleiben…..

     

    Gruß

  29. Olaf

    @Matthias

    Ich sehe es ähnlich wie du. Einerseits finde ich es schwachsinnig ständig rein und raus aus dem Aktienmarkt zu gehen, aber ich bin inzwischen auch davon abgekommen nur langfristig zu denken, ohne zu verkaufen. Es kommt immer auf die Aktie selbst an und auf die Verfassung des momentanen Aktienmarktes. Ich hatte oft schon das Pech, weil ich ja „Langfristanleger“ war, auf viele Gewinne zu verzichten. Ich hatte mich gezwungen nicht zu verkaufen. Das habe ich geändert und fahre viel besser damit. Wenn man sich Unternehmen, wie Wells Fargo, Coca-Cola, Microsoft, usw. ansieht (die ich alle schon mal hatte): Da gibt es schon mal Durststrecken von 10 Jahren und mehr… Auch eine Worldcom war eine grundsolide Firma…

    Da reicht meine Lebenszeit einfach nicht…

    Außerdem finde ich es sehr spannend dem Börsengeschehen zu folgen und nicht nur der Fundamentalanalyse zu folgen sondern mich auch mit der Chartanalyse zu beschäftigen. Derzeit habe ich nur einige wenige Aktien…(Gilead Sciences, Scotiabank, Woodside Petroleum,…), habe aber aber die Hälfte meines Geldes als Cash, um ggf. wieder einsteigen zu können, wenn der Markt runterknallt (20-30%). Einen kleinen Teil setze ich hin und wieder in Faktor-Zertifikate auf Öl, etc. ein, womit ich gute Erfahrungen gemacht habe.

    Ich will nur damit sagen: Ich habe mich davon losgelöst nur auf Valueaktien langfristig zu setzen, ebenso sollte man nicht stur nur auf die fundamental guten Werte setzen sondern auch die Chartanalyse betrachten. Das bringt, meiner Meinung nach, mehr Erfolg und macht Spaß.

  30. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Olaf

    Ich glaube nicht, dass ein Langfristanleger auf viele Gewinne verzichten muss. Im Gegenteil. Ein Langfristanleger ist der Masse überlegen. Transaktionskosten, Steuern und das schlechte Timing sind teure Missgriffe der anderen. Das erspart sich der Geduldige.

    Es kann passieren, dass ein Blue Chip wie Coca-Cola oder Microsoft ein Jahrzehnt stagniert. Aber dabei sollten die Dividenden nicht vergessen werden. Sie steuern bis zur Hälfte zur Gesamtrendite bei und werden vielfach unterschätzt. Und irgendwann bricht die Aktie nach oben aus.

  31. StefanStefan

     

    Oder man kauft einfach nach einem Jahrzehnt der Stagnation!

    Hab ich bei Microsoft so gemacht. Kaufkurs 23 €, heute 39 €.

    War naturlich Glück, dass es danach so ab ging…

    Chuck Carnevale (Mr. Valuation) hat gut erklärt warum diese langen Phasen der Stagnation vorkommen: schlicht weil die Unternehmen damals eben stark überbewertet waren und erst in die Bewertung „hineinwachsen“ mussten. Da gibt es viele Beispiele, unter anderem auch Coca Cola.

    Es kommt also maßgeblich darauf an nicht überbewertete (am besten auch keine fair bewerteten) Unternehmen zu kaufen sondern welche die im Verhältnis zu ihren Gewinnen mit kräftigem Abschlag gekauft werden können.

    Ich werde auch keine „Gewinne mitnehmen“. Obwohl ich mich da schon stark zügeln muss-zugegeben. Aber mich regt auf, dass dann 26 % vom Kursgewinn sofort verschwinden, quasi verpuffen. Das muss man erst mal wieder aufholen. Und ich glaube auch nicht, dass man zB Microsoft so schnell mal noch unter 23 € kaufen kann. Dafür sind schon die Dividenden zu hoch. Das stützt zusätzlich.

    Warren hat in einem Vortrag an Studenden gesagt:

    As long as profits grow year after year – I don´t have anymore questions.

     

  32. StefanStefan

    Nachtrag:

    sollen Dividenden in den selben Wert reinvestiert werden ist es sogar deutlich vorteilhaft für die Rendite wenn der Kurs lange Zeit stagniert oder sogar fällt…

  33. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Olaf,

    es ist ja einfach zu rechnen. Jeder kann für sich selber entscheiden, wie er vorgeht. Ich sehe es eher wie Du. @Tim, natürlich ist Dein Vorgehen gut und schön, aber man vermehrt natürlich die Substanz entscheidend besser mit (erfolgreichem) Handeln. Man braucht einfach mal ein Beispiel mit 25% Kest rechnen.

    Ich kaufe 100 Stück INTEL 2011 für ca. 20 USD. Die verkaufe ich 2012 zu 28 USD. Macht 2600 USD netto (800 – 25%). Dann kaufe ich sie 2013 zurück zu 22 USD (2600 : 22 = 118 Stück). Diese verkaufe ich 2014 zu 35 USD, ergibt 3747,5 netto (118 x 35 = 4130 – 2600 = 1530 brutto Gewinn – 25%, bzw. 382,50) . Ich würde jetzt bis auf einen Kurs von ca. 26 USD warten, um für diese ca. 3750 USD 144 Stück zu kaufen. Aber wenn man für den Vergleich heute neu einsteigt, dann kauft man 114 Stück zu 32,70 USD.

    Die 2. Person, die gleichzeitig die 100 Stück behalten hat, die hat heute einen Buchwert von 3270 mit den 100 Stück. Die sind aber in Wirklichkeit nur 317,50 USD weniger wert, da die Steuer raus gerechnet gehört.

    Es stehen also 2952,50 netto des Buy and Holders 3747,50 USD netto des Aktiven gegenüber, bzw. 100 Stücke 114 Stücken. Bankgebühren und versäumte Peanuts an Dividenden sind zu vernachlässigen, bzw. mit den nicht reinvestierten Nachkommastellen verdient.

    Das funktioniert ziemlich einfach und bei vielen Werten zuverlässig. Wer so fährt, der ist auf alle Fälle im Vorteil, weil der Bestand immer schneller wächst, immer mehr Dividende abwirft usw. Aus 100 Stücken wurden nach wenigen Jahren schon 114 (ich würde ja erst bei 26 USD 144 St kaufen). Wenn es nicht mehr so tief geht wie geplant zum Neukauf, dann Pech. Muss man warten oder in anderen Werten weiter machen.

    MS

     

  34. Nicolas van Orten

    @Matthias:exakt so! problem ist nur dass man gegebenenfalls lange warten muss, but so what

  35. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Gut möglich, dass Du ein überaus guter Anleger bist. Du kennst Dich exzellent aus.

    Was Du oben geschildert hast, ist ein Beispiel, das gut lief. Es gibt andere Beispiele, die nicht so gut liefen. Es macht Sinn, sich die Summe aller Trades anzuschauen. Bei den meisten Tradern springt leider nix bei raus. Deren Aktivität ist eine Gefahr für deren Ersparnisse.

    Die Börse ist hart, sie kann sehr erniedrigend sein. Nicht alles geht so auf, wie man es sich vorgestellt hat. Im übrigen beträgt die Dividendenrendite bei Intel 3,1%. Das ist auf Sicht von längeren Zeiträumen nicht zu unterschätzen.

     

    Seit dem Börsengang im März 1980 legte Intel um 10.000% zu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Trader besser mit seinen Intel-Trades abgeschnitten hätte:

    http://finance.yahoo.com/echarts?s=INTC+Interactive#%7B%22range%22%3A%22max%22%2C%22scale%22%3A%22linear%22%2C%22comparisons%22%3A%7B%22%5EDJI%22%3A%7B%22color%22%3A%22%23cc0000%22%2C%22weight%22%3A1%7D%7D%7D

  36. frank

    focus money titelt:“ Der Dax kann nicht fallen“.

    –> höchste Zeit ein bißchen Cashauf die Seite zu legen!

  37. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Tim,

    das hat doch nichts mit Trading zu tun. Das ist einfach nur simples Portfolio-Management. Trading ist, wenn man einen Wert 3 x am Tag hin und her handelt, was sich mit Aktien normaler Volatilität wirklich nicht lohnt bei haushaltsüblichen Größen.

    Das beschrieben Vorgehen ist sinnvoll bei Werten, die sich die meiste Zeit in einer gewissen Range bewegen. Wenn es nur nach oben geht, dann macht man das natürlich nicht. Das versteht sich doch von selbst.

    Ich finde es einfach unrealistisch immer auf die Anfänge zu verweisen. Wer von den hier Anwesenden war denn in der Lage zu diesen Zeiten damals (70er bis 80er Jahren) Aktien zu kaufen? Ich nicht. 1980 war ich 23 Jahre alt (Intel IPO lese ich 1971) und hatte nicht viel mehr als den Dreck unter meinen Nägeln. Als ich anfangen konnte ein paar Mark auf die Seite zu legen, dar war der Wahnsinn längst im Gange Ende der 90er.

    Jeder muss mit seinem ihm gegebenen Anlagehorizont sein bestes machen. Du siehst doch selbst an dem Chart, dass ein Buy&Holder, der 2000 eingestiegen ist, wahrscheinlich in 20 Jahren immer noch auf sein Geld wartet. Und nur Buy&Holdern ist der Kurs ja egal, nur dem kann es passieren, bei Höchstkursen einzusteigen. Jemand der die volle Zeit alles mitgenommen hat, das sind absolute Ausnahmen. Die müssen in den 70ern schon ein ordentliches Einkommen gehabt haben, zu der Zeit ausgerechnet solche völlig unbekannten StartUps aus der Computerbranche verstanden und auch noch gekauft haben.

    Ja, mir nützt das eben leider nichts. Man müsste in dieser Entsprechung heutige derzeit noch billige StartUps haben, die sich in der Zukunft als Raketen erweisen. Nur so würde sich das vergleichen lassen. Das hat man ja bei 3D Druck, Nanotech usw. überall vermutet und riskiert. Mir ist bisher nix dergleichen bekannt wie damals die Computer-Revolution.

    Darum halte ich es für naiv, jetzt für die Zukunft eine exorbitante Entwicklung in der Vergangenheit für ein und dasselbe Unternehmen auch nur in Erwägung zu ziehen. Sorry.

    Das geht bei Newcomern, „Game Changern“ und völlig neuen Sachen, die mit Charismatikern völlig Neues machen. Aber selbst Elon Musk macht eben nur Altes (Automobil) anders. Vielleicht wird SpaceX ein Durchbruch und öffnet unendliche Potential im Weltraum. Aber auch nicht mehr zu meinen Zeiten.

    MS

     

  38. tim schaefertim schaefer Beitragsautor

    @ Matthias

    Jeder muss selbst wissen, was er/sie glücklich macht. Viele Wege führen nach Rom. Es gibt keine Geheimformel. Aber eines denke ich, ist ein Erfolgsrezept an der Börse: Es ist die Geduld.

    Ja, das IPO von Intel war 1971. Ich korrigiere das oben. Danke für den Hinweis.

    Was mittlerweile wohl jeder weiß: Ich bin ein Anhänger des Buy and Hold. Ich bin ein Indexfonds-Fan. Außerdem glaube ich, Aktien wie Berkshire Hathaway, Colgate-Palmolive, Procter & Gamble, Walt Disney, Henkel oder BASF haben langfristig gute Perspektiven. Ich möchte gar nicht die nächste Google oder Apple entdecken. Hohe Risiken meide ich.

    Ich meide die Spekulation. Ich weiß, dass die Zeit auf meiner Seite ist. Ich möchte vom Zinseszins profitieren. Ich behalte meinen Index bzw. Aktien – egal wie schlimm oder wunderbar die Stimmung ist. Ich kaufe regelmässig zu. Ich weiß, dass ich nicht schnell reich werde. Der Vermögensaufbau dauert sehr lange. Und ich habe keine zu hohen Erwartungen. Ich mache selbstverständlich Fehler, so wie andere auch.

  39. Markus

    Häufigere Handlungs-Aktivität geht häufig mit Underperformance einher bzw. erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür.

    Muss nicht zwangsläufig für alle gelten, aber für die Mehrheit passt es laut unzähligen Studien.

    Interessant auch, dass so wenige es für nötig halten die Rendite korrekt zu berechnen.

    @Matthias

    Ein buy & holder, welcher komplett am Höchststand sein ganzes Cash investiert hat und danach nie wieder investiert ist auch unrealistisch. Meistens befindet sich ein Anleger zeitlebens in der An- oder evtl. in einer Entspar-Phase. Manche wollen ja auch nie Entsparen.

    Zudem nochmal 20 Jahre zu warten… ich müsste nachlesen, wie lange die größten Crash- & Return-Phasen gedauert haben… aber die Behauptung ist gewaltig überzogen bzw. das Vor-Krisen-Niveau wird sehr oft innerhalb weniger Jahre wieder erreicht. (Voraussetzung ist eine gute asset allocation).

    Klar sind auch die nächsten Microsoft`s, Coke`s etc. überzogen… Gier & Angst verkauft sich um Welten besser als Sachlichkeit und Nüchternheit. Emotionalität rockt… Sachlichkeit ist Langweilig, außer bei Spock vielleicht. 😉

     

     

  40. Matthias SchneiderMatthias Schneider

    @Markus,

    wenn man eine Aktie immer zu einem billigeren Preis zurück kauft (um so vieles billiger, dass alle Unkosten und Steuern gedeckt sind, was sich ja leicht ausrechnen lässt) ist eine Underperformance unmöglich (in dieser Aktie), bzw. eine Outperformance zwingend. Man darf nur niemals einer Aktie nachlaufen, weil sie nach dem Verkauf doch weiter zulegt, dann ist natürlich Underperformance die Folge.

    Natürlich sind die meisten Buy&Holder keine blinden Käufer. Wie gesagt, mir ist Halten auch lieber. Deswegen will ich ja auch lieber Sachen, die sich möglichst kaum bis wenig bewegen und eine nette Rendite bringen.

    Aber ich kenne einige Leute, die eben immer noch auf einen Telekom-Kurs von über 60 EUR hoffen.

    Das ist eine Klientel, die man mit den konservativen Werten wie Langfristigkeit, Buy&Hold usw. abgeholt hat. Vorher nie mit Aktien beschäftigt, aber plötzlich, weil alle um sie herum Aktionäre waren, ihr letztes Hemd für die T-Aktie verpfändet hätten. Es ist ein Hohn, aber gerade die Konservativen sind am meisten auf die Fresse gefallen.

    Die 2000er Story war ein singuläres Ereignis, dass aber noch lange nachwirkt. Die Schmerzen werden viele Leute mit ins Grab nehmen. Man kann das heute eigentlich nicht mehr nachvollziehen.

    Für mich ist einfach klar geworden, dass, eine Aktie ab und zu zu verkaufen und zurück zu kaufen, kein Sakrileg ist. Auch wenn ich es versuche zu vermeiden. Es muss ja auch bei jedem Verkauf eine passende Idee eines Kaufs vorhanden sein.

    Der Aufbau einer Substanz über Aktivität ist eben bei mangelhaftem Mittelzufluss eher notwendig, als wenn man dauernd über einen hohen Cashflow verfügt. Dann kann man eher Kursrückschläge zukaufen als handeln. Es geht jedenfalls immer schneller abwärts als aufwärts. Man kann als Kompromiss eine Aktie im Depot haben, die man für „Freiwild“ erklärt. Sobald man mal 40 oder 50% Gewinn hat, verkaufen. Und dann erst wesentlich billiger zurück kaufen. Einfach mal ausprobieren. 😉

    Schönen Abend noch

    MS

     

     

     

  41. Karl

    @Matthias Schneider:

    Ich bin jetzt seit drei Jahrzehnten Aktionär.

    Wenn ich stets bei 40-50% Gewinn verkauft hätte um auf Rückschläge zu hoffen, hätte ich die vielen Titel mit mehreren hundert Prozent Gewinn und zweistelliger Dividendenrendite viel zu früh verkauft.

     

  42. Olaf

    Alle hier haben Recht…Niemand ist komplett auf dem Holzweg und jeder soll es so machen, wie er es für richtig hält.

    Man kann so ein Thema auch tot-diskutieren, aber irgendwann kommt man nicht mehr weiter…

    Ich kann mich gut mit Matthias Meinung identifizieren. Das hat auch noch lange nichts mit traden zu tun. Ich finde auch, daß Dividenden derzeit total überbewertet werden. Am Tag der DIV-Auszahlung gibt es die Aktie ja auch mit dem Abschlag der Dividende am Markt. Diese Diskrepanz muß die Aktie erst noch wieder aufholen. Heutzutage kostet eine Transaktion (bei entspr. Brokern) ja auch, im Vergleich zu früher, kaum noch Geld. Von daher würde ich zwar auch bei den Big-Playern, wie Shell, Intel, etc., bleiben, aber was spricht dagegen, wenn ich der Meinung bin, daß auch eines von diesen Unternehmen überwertet scheint, ich diese Aktie erstmal wieder verkaufe und ich ein paar Wochen oder Monaten wieder kaufe?!

  43. StefanStefan

    Die Telekom Aktionäre sind ja auch regelrecht verarscht und betrogen worden. So wie man auch mit der gesetzlichen Rente verarscht wird.

    Dit Telekom war künstlich hochgerechnet was die Assets anging.

    Die Lehre daraus: niemals machen was alle machen! Und schon gar kein IPO…

    Mit der Bahn würde es genau das gleiche werden. Würde ich niemals kaufen.

     

    Das mit der Range stimmt schon. Bei gewissen Titeln funktioniert das. Hat auch Alice Schroeder in nem Interview gesagt. Lufthansa pendelt zum Beispiel immer wieder auf um die 10 € zurück….

    Ich verkaufe trotzdem nicht. Will die Dividende kassieren und schön nachkaufen…

  44. Markus

    Eine einzelne Telekom oder ein einzelner Länderindex wie der DAX ist keine vernünftige & weltweite Vermögensaufteilung.

    Ein großer Teil der Anleger 2000 haben für dasselbe investierte Geld 1, 2 Monate oder zum Teil sogar Jahre gearbeitet … zum selber Denken, lesen und ein wenig Beschäftigung mit der Börse, dafür sollte man dann auch noch Zeit investieren???

    Der Berater war zu 100 % schuld… Schuldfragen sind oft komplex und speisen sich aus mehreren Ursachen. Die Geschäftspraxis war und ist oft sehr grenz wertig, wenn unbedarfte Menschen vor professionellen Verkäufern und nicht wie angenommen vor Beratern stehen. Für objektive Beratung will man kein Geld bezahlen und selber Denken auch nicht…

    „Der Nachbar ist schon wieder reicher, jetzt muss ich auch investieren…“ Oma`s die Neuemissionen gezeichnet haben, ohne die Firma zu kennen…. Gier, Neid und irgendwann dann Unglauben, Nervosität, jetzt ist es auch schon egal usw.

    Fehlerfrei ist kein Investor und die meisten brauchen ein paar Findungsjahre und auch ein wenig Selbstreflexion.

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